Schweiz
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Betört, betäubt, ausgeraubt – wie ein Basler Manager in die Online-Dating-Falle tappte

Böses Erwachen für einen Syngenta-Manager nach einem Online-Date. Ein Fall fürs Strafgericht.

Andreas Maurer / schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Das Date beginnt wie im Werbetext. Ein Syngenta-Manager aus Basel lernt eine 26-jährige Norwegerin über die Online-Dating-Plattform «Miss Travel» kennen. Sie richtet sich an Geschäftsmänner, für die Geld keine Rolle spielt, und an abenteuerlustige Frauen, die kein Geld für eine Weltreise haben. Er übernimmt ihre Reisekosten. Sie leistet ihm Gesellschaft und lernt dafür neue Orte kennen. Der Basler Kadermann holt die hübsche Norwegerin am 1. August 2016 am Euro-Airport ab und führt sie in ein Restaurant aus. Nach einer gemeinsamen Nacht in seiner Wohnung geht er zur Arbeit und hinterlässt ihr einen Schlüssel und ein Geschäftshandy.

ZUR MELDUNG, DASS SICH DIE SWISS VOM FLUGHAFEN BASEL-MUELHAUSEN ZURUECKZIEHE, STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH, 9. JULI 2014 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Der Flughafen

Der Euro-Airport in Basel. Bild: KEYSTONE

Der Manager weiss nicht, was seine neue Bekanntschaft im Gepäck mitgebracht hat. Sie hat sich im Darknet die mexikanische Droge Scopolamin in Pulverform beschafft. Während er an der Arbeit ist, googelt sie nochmals die Auswirkungen. Das ergeben später die Auswertungen ihres Notebooks und ihres Handys, heisst es in der Anklageschrift der Basler Staatsanwaltschaft. Der erste Google-Treffer ist ein Wikipedia-Eintrag, wonach der in Nachtschattengewächsen vorkommende Stoff in den 1950er-Jahren als Wahrheitsserum verwendet worden sei. Andere Seiten beschreiben, dass einer betäubten Person geheime Informationen wie Bankdaten oder PIN-Codes entlockt werden könnten. Zudem googelt sie den Namen der Ehefrau ihres neuen Bekannten sowie vorzeitige Rückflüge nach Norwegen.

Als er am Feierabend nach Hause kommt, erwartet sie ihn in seiner Wohnung mit einem Eistee nach «norwegischem Rezept». Das Scopolamin wirkt sofort. Doch der Geschäftsmann ist nicht mehr ansprechbar und wird bewusstlos. Sie lässt ihn liegen und bucht mit seiner Kreditkarte auf seinem Laptop einen Rückflug nach Norwegen und ein Hotelzimmer für die angebrochene Nacht.

Bild

Screenshot misstravel.com

Als er am nächsten Morgen beduselt erwacht, ist sie bereits in der Luft. Im Gepäck hat sie seinen Laptop, seine beiden Smartphones und seine Armbanduhr. Er schleppt sich zu einem Nachbarn, der die Polizei alarmiert. Als der Arzt auf der Notfallstation mit der Taschenlampe den Zustand der Augen testet, reagieren die Pupillen nicht. Der Notfallpsychiater diagnostiziert einen «akuten Verwirrtheitszustand». Das Institut für Rechtsmedizin weist eine Überdosis Scopolamin im Blut nach und schreibt in einem Bericht, dass schon niedrige Dosen den Tod durch Atemlähmung herbeiführen könnten. Erst nach einer Nacht im Spital verschwinden die Symptome.

Frauen als Täter

Dass Frauen bei Online-Dates zu Täterinnen werden, ist ein neues Phänomen. Kürzlich kam es zu einem ersten Fall vor dem St.Galler Kantonsgericht. Es verurteilte eine 57-Jährige, die einen 64-Jährigen über eine Dating-Plattform kennen lernte und ihm Liebesgefühle vorspielte. Sie habe ihn raffiniert dazu gebracht, ein teures Auto zu kaufen, eine Reise zu buchen, luxuriös essen zu gehen und ihr grosse Bargeldsummen zu geben, sagte er. Das Gericht verurteilte die Frau zu einer Schadenersatzzahlung von 113'000 Franken.

Online-Dating ist in der Schweiz zu einer wichtigen Form des Kennenlernens geworden. Eine repräsentative Studie des Forschungsinstituts Sotomo im Auftrag der Swisscom hat dieses Jahr ergeben, dass sich bereits jedes siebte Paar im Internet kennen lernt. Am weitesten verbreitet sind Online-Bekanntschaften im Aargau: Jedes fünfte Paar startete hier die Liebe digital. Auf Rang zwei folgt der Thurgau. Es seien dies die beiden Mittellandkantone mit vergleichsweise schwachen städtischen Zentren, analysieren die Studienautoren.

Die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität des Bundesamts für Polizei (Fedpol) erfasste im vergangenen Jahr 81 Meldungen zu «Romance Scam». Die Täter würden dabei den Kontakt auf Online-Dating-Plattformen suchen und eine Liebesbeziehung vortäuschen, um nach oft monatelanger Mailkorrespondenz, Telefonaten und Liebesbriefen irgendwann mit Geldforderungen anzuklopfen. Dahinter stehen gemäss Fedpol organisierte Banden, die unter anderem aus Ghana, der Elfenbeinküste oder Nigeria stammen.

Auch bei der zweiten vom Fedpol erfassten Kategorie bleibt die Zahl der Meldungen trotz intensiver Sensibilisierungskampagnen auf hohem Niveau: Sextortion, ein Kunstwort aus Sex und Erpressung (extortion). 265 Meldungen gingen 2015 ein. Junge Männer werden dazu animiert, sich vor der Kamera auszuziehen oder Nacktbilder zu schicken. «Wie beim Romance Scam ist die Täterschaft bei Sextortion mehrheitlich männlich», heisst es beim Fedpol.

Der Zürcher Staatsanwalt Stephan Walder vom Kompetenzzentrum Cybercrime sagt: «Oft werden die Opfer nur um rund hundert Franken erpresst. Wegen solcher verhältnismässig geringfügiger Beträge erstatten viele Geschädigte keine Anzeige.» Das würden die Täter ausnützen: «Sie fliegen quasi unter dem Radar mit vielen Fällen, aber kleinen Summen.» Die Strafverfolgung sei extrem schwierig, weil die internationalen Täter sehr professionell vorgehen würden.

Wurde sie sexuell bedrängt?

Die 26-jährige Norwegerin hingegen verhält sich nach dem Abflug in Basel leichtfertig. Sie jettet weiterhin um den Globus und legt nach drei Wochen einen Zwischenstopp in Zürich-Kloten ein. Bei der Passkontrolle meldet das Computersystem, dass sie zur Fahndung ausgeschrieben ist. Bei der Festnahme trägt sie immer noch einen Laptop und ein Smartphone ihres ehemaligen Financiers bei sich.

Im Januar wird das Basler Strafgericht beurteilen, welche Version der Geschichte stimmt. Die Frau bestreitet nicht, dass sie ihm die Droge verabreicht hat, macht aber Notwehr geltend. Sie sei von ihm sexuell bedrängt worden. Deshalb ist sie nun unter anderem wegen falscher Anschuldigung angeklagt.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pedrinho 21.11.2016 11:44
    Highlight Highlight boa noite cinderella ......;)
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 21.11.2016 09:11
    Highlight Highlight Die beiden passen irgendwie gut zusammen. Beide versuchen raffinierter zu sein als sie sind.
  • SuicidalSheep 21.11.2016 07:06
    Highlight Highlight Ich find die Heuchelei gewisser Kommentarschreiber hier zum kotzen. Wäre eine Frau ausgeraubt oder vergewaltigt worden, hätte der Bericht innert kurzer Zeit 100+ Kommentare, die von davon handeln würden, man solle kein Victimblaming betreiben.

    Aber wehe es ist ein Mann, der ausgeraubt und vergiftet wurde... dann gibts keine 20 Kommentare und sogar einige, die dem Mann die Schuld geben.
  • who cares? 21.11.2016 06:52
    Highlight Highlight Wie sich jetzt alle hier getriggert fühlen, weil sie noch sexuelle Nötigung ins Spiel gebracht hat. Es ist allen Beteiligten klar, dass sie das jetzt nur als Ausrede benutzt hat, und auch kein Richter wird ihr das glauben, kommt alle mal runter, kein Grund antifeministische Gefühle aufleben zu lassen.
  • Charlie Brown 20.11.2016 18:11
    Highlight Highlight Und warum genau wird der Arbeitgeber des Opfers genannt?
    • Ingenieur 20.11.2016 19:36
      Highlight Highlight Warum warum? Das ist genau so interessant, wie dass er aus Basel kommt oder er einen Computer besitzt und einen Nachbar hat...
    • Charlie Brown 20.11.2016 21:46
      Highlight Highlight Es wäre sicher für gewisse Leser auch "interessant" zu wissen, wie er genau heisst, oder? Nur ist es nicht relevant. Zumindest in meinen Augen nicht. Er hat das ganze als Privatmann erlebt.
    • Ingenieur 21.11.2016 22:46
      Highlight Highlight Haha, wenn wir bei Artikeln alles unrelevante rausnähmen, dann wären die Artikel 80% gekürzt. ;-)
  • Hayek1902 20.11.2016 16:06
    Highlight Highlight "Die Frau bestreitet nicht, dass sie ihm die Droge verabreicht hat, macht aber Notwehr geltend. Sie sei von ihm sexuell bedrängt worden." Das finde ich an der Geschichte das Niedrigste: Sind die Richter dumm genug, ihrer Version zu glauben, kommt das Opfer noch wegen sexueller Belästigung oder versuchter Vergewaltigung in den Knast.
    • David B22. 20.11.2016 23:02
      Highlight Highlight Genau! V.a. droge geben als Notwehr... Facepalm
    • Frausowieso 21.11.2016 08:12
      Highlight Highlight Das bezweifle ich sehr stark. Sie war ja den ganzen Tag alleine in der Wohnung. Wenn sie sich bedroht gefühlt hätte, dann hätte sie ja gehen können. Da sie die Tat vorbereitet hat, gilt der Tatbestand der Notwehr nicht. Jemanden mit Medikamenten/Drogen zu betäuben ist so wie so keine Notwehr. Sie hat die Substanz ja bereits mitgebracht. Somit hat sie vorsätzlich gehandelt. Das ist eindeutig und ich bezweifle, dass ein Gericht dies anders deuten wird.
  • purzelifyable 20.11.2016 15:04
    Highlight Highlight Ich will doch hoffen, dass Syngenta ihn postwendend entlassen hat. Jemand, der derart blöd ist, eine wildfremde Person nach ein bisschen Bunga-Bunga allein in der Wohnung zu lassen, sollte nicht in einer Führungsposition tätig sein.
    • MaxHeiri 20.11.2016 17:54
      Highlight Highlight wieso denn? ist doch sein privatleben welches sein arbeitgeber nicht schädigt. zusätzlich scheint er jemand zu sein, der anderen menschen nicht zu misstrauisch ist. solche offenheiten ist in weltkonzeren wichtig :)
    • SuicidalSheep 21.11.2016 07:02
      Highlight Highlight Wird hiwr etwa die Schuld beim Opfer gesucht? Ich bin sicher, wären die Geschlechter vertauscht würdest du sofort aufschreien.
    • Frausowieso 21.11.2016 08:15
      Highlight Highlight Das ist bei Managern ziemlich üblich. Viele Männer sind Freier. Das hat jedoch keinen Einfluss auf ihre berufliche Eignung. Das Privatleben eines Mitarbeiters geht das Unternehmen in der Regel nichts an. Es ist auch ziemlich fragwürdig, dass der Arbeitgeber von den Medien genannt wird. Die Tat steht ja in keinem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit des Opfers. Für mich ein krasser Eingriff in die Privatspäre des Mitarbeiters und ein unnötigerweise rufschädigend für das Unternehmen und ihn. Gell, Watson...
  • Therealmonti 20.11.2016 14:38
    Highlight Highlight Mein Mitleid mit dem Typen hält sich in Grenzen. Und sie gehört vermutlich in den Knast.
  • Tartaruga 20.11.2016 13:07
    Highlight Highlight Na dann hätte er wohl sicherheitshalber doch seine Frau mitnehmeb sollen. Wie aus dem Bericht zu lesen ist hatte er ja schon eine......
    • Oberon 20.11.2016 16:12
      Highlight Highlight Deshalb dürfen Männer betäubt, bestohlen oder sogar umgebracht werden?

    • Tartaruga 20.11.2016 16:44
      Highlight Highlight @oberon
      Well that escalated quickly....
    • metall 20.11.2016 18:37
      Highlight Highlight @Oberon Weil Sie die Frauen für Geld zu sich nach Hause holen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DrSheldonCooper 20.11.2016 12:50
    Highlight Highlight Was mag da wohl stimmen? Wenn sie sexuell Bedrängt wird, hat sie sicher keine Zeit einen Cocktail zu mischen. Wurde sie vorher sexuell bedrängt wars keine Notwehr, ausserdem hätte sie den ganzen Tag gehen können.

    Ok, er ist aber auch nicht ganz sauber ihr nach einer (!) Nacht den Hausschlüssel auszuhändigen.
  • Kiril 20.11.2016 12:24
    Highlight Highlight Weil sie ja auch gewusst hat, dass er sie sexuell nötigen wird, und deshalb vorsichtshalber Drogen mitgenommen hat... Alles klar.

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