Schweiz
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14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

watson kommt heute anders daher als sonst. Aufgrund des Frauenstreiktags dominieren Frauen die Startseite. 14 Begründungen, warum das so ist.

Team watson
Team watson



Politik

Frauen sind in der Politik untervertreten. Im Nationalrat sind 32 Prozent Frauen, im Ständerat 15,2 Prozent. In 170 von 193 Ländern weltweit ist ein Mann an der Macht. Nur in 23 Ländern ist eine Frau Regierungschefin oder Staatsoberhaupt. 88 Prozent der Macht auf der Welt gehört somit Männern.

Die Quellen für diesen Artikel findest du ganz am Schluss.

Wirtschaft

Frauen sind in allen relevanten Entscheidungsgremien untervertreten. Der Anteil von Frauen in Verwaltungsräten in der Schweiz wächst langsamer als im benachbarten Ausland. Während sich in Westeuropa der Anteil von Frauen in den Aufsichtsgremien von Firmen von 2004 bis 2018 um 21 Prozent erhöht hat, wuchs der Anteil hierzulande nur um 13,3 Prozent.

Lohn

Gemäss Lohnstrukturerhebung des Bundes verdienen Frauen im Durchschnitt 18,3 Prozent bzw. 1455 CHF weniger Lohn pro Monat. 56 Prozent davon können durch objektive Faktoren wie berufliche Stellung, Dienstjahre oder Ausbildungsniveau erklärt werden.

44 Prozent des Lohnunterschieds bleiben aber trotzdem bestehen und enthalten eine potentielle Lohndiskriminierung aufgrund des Geschlechts.

Tiefere Renten

Laut dem Global Wealth Report der Credit Suisse arbeiten Frauen in der Regel in Sektoren mit geringerem Einkommen und arbeiten häufiger Teilzeit, was negative Auswirkungen auf den Vermögensaufbau und die Rente hat. Gleichzeitig sind Frauen immer noch armutsgefährdeter als Männer. Vor allem alleinerziehende Mütter gehören weltweit überproportional zu den ärmsten Teilen der Bevölkerung. Auch Geschiedene sind gefährdet.

Teilzeitarbeit

30,2 Prozent aller Frauen sind Vollzeit erwerbend. Teilzeit arbeiten 59 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer.

Mit Führungsaufgaben kann Teilzeitarbeit offenbar nur schwer kombiniert werden. Von den Personen mit Führungsaufgaben arbeiteten 2014 nur 20 Prozent Teilzeit.

Pink Tax

Die Pink Tax ist auch in der Schweiz Realität. Obwohl Frauen weniger verdienen, zahlen sie für gewisse Dinge wie den Coiffeurbesuch oder diverse Hygiene- und Beautyprodukte deutlich mehr als Männer.

Bäuerinnen

Zwei Drittel aller Bäuerinnen in der Schweiz sind nicht bei den Sozialversicherungen angemeldet. Sie haben weder eine Pensionskasse noch bezahlten Mutterschutz oder Arbeitslosenversicherung. Ihre Arbeit auf dem Hof gilt als Nichterwerbstätigkeit.

Häusliche Gewalt

Pro Monat werden durchschnittlich zwei Frauen durch häusliche Gewalt getötet. 2016 waren 73% der 10‘040 von häuslicher Gewalt geschädigten Personen Frauen. Als häusliche Gewalt gelten unter anderem Tätlichkeiten und Vergewaltigungen.

Unbezahlte Care-Arbeit

Noch immer liegt die Hauptverantwortung für Hausarbeit, Kinderbetreuung und -erziehung in den meisten Haushalten bei den Frauen. Diese Arbeit wird nicht bezahlt und in der Gesellschaft oft als nicht gleichwertig wie die Lohnarbeit angesehen.

In fast zwei Dritteln der Paarhaushalte wird die Hausarbeit hauptsächlich von der Frau erledigt. Nur bei rund fünf Prozent ist hauptsächlich der Mann zuständig.

Sexuelle Gewalt

Fast die Hälfte der Frauen ab 16 Jahren in der Schweiz kennt andere Frauen, die ungewollt sexuelle Handlungen erleben mussten. 430’000 Frauen mussten in der Schweiz bereits Geschlechtsverkehr gegen ihren eigenen Willen erleben.

Beschneidung

Die WHO geht davon aus, dass rund 100 bis 140 Millionen Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt mit den Folgen einer Beschneidung leben müssen. Bis zum Jahr 2030 sind schätzungsweise 86 Millionen Mädchen dem Risiko der genitalen Verstümmelung ausgesetzt, wenn der Trend weitergeht. Genitale Verstümmelung geht einher mit einer stark patriarchalisch geprägten Kultur.

Medizinische Forschung

Die medizinische Forschung speziell für Frauen hinkt in vielen Punkten hinterher. Noch immer ist die grosse Mehrheit der Frauen für die Empfängnisverhütung verantwortlich. Die Pille für den Mann wurde in der Testphase abgebrochen – weil sie die gleichen Nebenwirkungen wie die Pille für die Frau hatte.

Gynäkologische Krebsarten werden kaum erforscht, weshalb heute viel Behandlungsmethoden auf demselben Stand wie noch vor 30 Jahren sind. Herzinfarkte gelten als Männerkrankheit. Die Symptome verlaufen bei Frauen anders, weshalb Herzinfarkte bei Frauen oft zu spät erkannt oder behandelt werden.

Sicherheitsstandards

Frauen erleiden bei Autounfällen oft schwerere Verletzungen als Männer. Viele Unfallforscher führen dies auf den Fakt zurück, dass Sicherheitsmassnahmen wie Sicherheitsgurt oder Airbags auf die Körpergrösse und das Gewicht eines Mannes ausgerichtet werden.

Religiöse Institutionen

Alle Weltreligionen setzen Frauen enge Grenzen. Frauen sind von zahlreichen Leitungsämtern oder religiösen Führungspositionen ausgeschlossen. Die Deutungsmacht von religiösen Texten und der damit verbundenen Praxis ist noch immer stark männlich geprägt.

Verwendete Quellen:

  1. Frauenanteil in politischen Ämtern: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/politik/wahlen/frauen.html#-2097817521 und https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/wirtschaftliche-soziale-situation-bevoelkerung/gleichstellung-frau-mann.html
  2. Wirtschaft: https://www.egonzehnder.com/de/press-release/gender-diversity-wachst-immer-langsamer
  3. Lohnstrukturerhebung des Bundes: https://www.ebg.admin.ch/ebg/de/home/themen/arbeit/lohngleichheit/grundlagen/zahlen-und-fakten.html
  4. Tiefere Renten, Global Wealth Report: https://www.credit-suisse.com/corporate/de/articles/news-and-expertise/global-wealth-report-2018-us-and-china-in-the-lead-201810.html
  5. Teilzeitarbeit: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/erwerbstaetigkeit-arbeitszeit/erwerbstaetige/vollzeit-teilzeit.html
  6. Pink Tax: http://pink.tax/, https://www.jec.senate.gov/public/_cache/files/8a42df04-8b6d-4949-b20b-6f40a326db9e/the-pink-tax---how-gender-based-pricing-hurts-women-s-buying-power.pdf und https://www1.nyc.gov/assets/dca/downloads/pdf/partners/Study-of-Gender-Pricing-in-NYC.pdf
  7. Bäuerinnen: https://www.landfrauen.ch/de/frau-mann/studien-und-charta/
  8. Häusliche Gewalt: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kriminalitaet-strafrecht/erhebungen/pks.html
  9. Unbezahlte Arbeit: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/unbezahlte-arbeit.html
  10. Sexuelle Gewalt: https://www.amnesty.ch/de/themen/frauenrechte/sexuelle-gewalt/dok/2019/sexuelle-gewalt-in-der-schweiz
  11. Beschneidung: https://www.who.int/reproductivehealth/topics/fgm/en/
  12. Medizinische Forschung: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/66613/In-klinischen-Studien-sind-Frauen-oft-unterrepraesentiert und https://www.dgesgm.de/
  13. Sicherheitsstandards: https://www.zeit.de/mobilitaet/2016-03/verkehrssicherheit-autounfall-frau/seite-2 und https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/mobilitaet-verkehr/unfaelle-umweltauswirkungen/verkehrsunfaelle.html
  14. Religiöse Institutionen: http://www.bpb.de/apuz/162388/frauen-und-religionen?p=all und https://books.google.co.id/books?id=InE5DwAAQBAJ&pg=PA95&lpg=PA95&dq=frauen+in+der+religi%C3%B6sen+f%C3%BChrungspositionen&source=bl&ots=rCBtKFEVyR&sig=ACfU3U2t2HC0ebKdsgjqYcTAKdP80nbdag&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiX2Kml0-DiAhXX73MBHa4hAuMQ6AEwC3oECC0QAQ#v=onepage&q=frauen%20in%20der%20religi%C3%B6sen%20f%C3%BChrungspositionen&f=false
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174 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
restless21
14.06.2019 07:45registriert April 2017
Zu Punkt 9 "Unbezahlte Care-Arbeit":
Liebe Frauen, wenn ihr der Meinung seit, ihr müsst zu viel im Haushalt machen oder euch zu viel ums Kind kümmern, redet mit eurem Partner und nehmt ihn in die Pflicht...
Ich sehe da wirklich das Problem nicht...
And ganz allgemein finde ich: "Verantwortung übernehmen".
Und zwar alle. Männer und Frauen. Für eure Entscheidung.
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The Snitcher
14.06.2019 08:07registriert October 2015
Ich weiss... ist vermutlich eine unpopuläre Meinung, aber ist "Pink-Tax" nicht ein bisschen ein hausgemachtes Problem bzw. auf das Konsumverhalten zurückzuführen?
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Scaros_2
14.06.2019 07:08registriert June 2015
Punkt 1 und 2 ist für mich kein Grund zu streiken. Frauen haben die Möglichkeit, dass sie sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft Karriere machen können. Wir haben sogar 3 Bundesrätinen.
Punkt 3,4, 5 sind leider so weil das Rollenmodell in der Schweiz immer noch Frau = Kinder, Mann = Arbeiten ist. Würde man dort vorwärts machen und dem Mann mehr ermöglichen, dann würden die Punkte besser gestellt.
6, wenig Verständnis
8, 10, 11 volles verständnis
Und der Rest. Teils ein bisschen Kopfschüteln
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174

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