Und NUN: Musikstars der 1980er und ihre Autos. Gern geschehen!
Erstens: Ja, die Bezeichnung «Stars» ist bei einigen dieser Personen vielleicht etwas grosszügig gewählt. Zweitens könntest du mit der Vermutung richtigliegen, dass manche dieser Autos technisch gesehen gar nicht diesen speziellen Stars gehören. Und drittens hast du vielleicht noch nie vom CREEM Magazine gehört.
Keine Sorge – du wirst trotzdem grossen Spass an diesen Bildern haben.
Als die 1980er Jahre anbrachen, war CREEM bereits ein altgedienter Arschtreter im Musikjournalismus. Seit 1969 hatte das Detroiter Magazin Rock-Mythen demontiert – mit Sarkasmus, flachen Witzen und einer gesunden Portion Respektlosigkeit. Während Blätter wie das Rolling Stone Rockmusiker zu Lifestyle-Ikonen stilisierten, entlarvte CREEM ihre Posen und kostete jeden peinlichen Patzer genüsslich aus.
Eines ihrer beständigsten redaktionellen Formate war «Stars Cars», eine regelmässig erscheinende Bildstoff-Rubrik, die Musiker mit ihren persönlichen Fahrzeugen in Szene setzte – und dann still und leise das ganze Konzept untergrub. Die Prämisse war einfach: Hier ist eine berühmte Persönlichkeit. Hier ist ihr Auto. Und nun lasst uns alle kurz innehalten, um mal klarzukommen, wie schräg diese Situation eigentlich ist.
«Stars Cars» macht erst recht Sinn, wenn man das kulturelle Umfeld von CREEM kennt: Im Detroit der 1970er Jahre waren Autos keine glamourösen Objekte, keine abstrakten Symbole für Reichtum. Sie wurden vor Ort in den Fabriken der Stadt gebaut – von Nachbarn, Cousins, Eltern und vielleicht sogar von den Lesern selbst. Sie waren schwer, ölig, stinkig – und unverzichtbar im Alltag.
Und somit, wenn CREEM einen Rockstar neben einem fetten Göppel zeigte, lautete die Botschaft nie: «Schaut mal, wie beeindruckend!» Es ging vielmehr darum, zu zeigen, wie sehr sich diese Person ins Zeug legt. Die Büezer-Mentalität Detroits zog sich als subversiver Subtext durch jede Bildunterschrift. Wenn ein Musiker neben einem Ferrari lächerlich wirkte, vertraute CREEM darauf, dass der Leser dies auch ohne Erklärung erkennen würde.
War die Rubrik «Stars Cars» in ihren Anfängen in den 1970er Jahren noch charmant chaotisch gewesen, änderte sich alles in den 80ern. Geld überflutete die Musikindustrie, das Image eines Stars wurde aufpoliert, und die Subtilität verabschiedete sich endgültig. Alles wurde schnittiger, lauter und selbstgefälliger. CREEM widersetzte sich diesem Wandel nicht etwa, sondern dokumentierte ihn – mit einem dicken Augenzwinkern.
Was die «Stars Cars» von Hochglanz-Automagazinen unterschied, war ein völliges Desinteresse an Perfektion. Fotos wurden nicht aufgehübscht. Ungünstige Winkel wurden beibehalten. Eine schlechte Körperhaltung blieb so stehen. Das war keine Nachlässigkeit. CREEM hatte begriffen: In dem Moment, in dem man einen Rockstar neben einem Auto tatsächlich cool aussehen lässt, verliert die ganze Story ihren Witz. Das Fremdschämen war der eigentliche Motor des Ganzen. Oder wie es ein Fotograf ausdrückte: «Wenn sie sich zu wohl fühlten, hatten wir versagt.»
Ende der 1980er kämpfte CREEM Magazin selbst ums Überleben. Der Musikjournalismus veränderte sich, Budgets wurden knapper und die Industrie, die das Blatt so treffend verspottet hatte, war mittlerweile immuner geworden. «Stars Cars» verblasste zusammen mit dem Magazin.
Die Rubrik hatte die Ära eingefangen, in der das Rockstar-Image sich von unfreiwilliger Absurdität zu sorgfältig inszeniertem Exzess wandelte. Nur mit einem Foto, einer Bildunterschrift und dem stillschweigenden Einverständnis darüber, dass das blosse Posieren neben einem Auto niemanden automatisch cooler macht.
Für heutige Leser, die an sorgfältig kuratierte Promi-Bilder gewöhnt sind, wirkt «Stars Cars» geradezu erfrischend ehrlich. Niemand ist perfekt. Niemand weiss so recht, wohin mit seinen Händen. Und kein noch so geiler Göppel kann daran etwas ändern.
