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Enzo Corvi im HCD-Dress: begehrter Center.
Enzo Corvi im HCD-Dress: begehrter Center.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Der SC Bern steigt aus dem Preistreiben um Enzo Corvi aus

Die grosse Transferfrage, die unsere Sportchefs umtreibt: Verlängert «Silber-Schillerfalter» Enzo Corvi (25) beim HC Davos oder wechselt er ins Unterland? Zumindest ist jetzt klar: Der SC Bern macht bei der Preistreiberei nicht mehr mit.
06.10.2018, 11:5206.10.2018, 16:00

Den höchsten Marktwert hatte Enzo Corvi zwischen der Silber-WM in Kopenhagen und dem Saisonstart im September. Der silberne WM-Tanz an der Seite von Nino Niederreiter mit 9 Punkten in 10 Partien hatte die Sportchefs und Präsidenten entzückt. Wäre es seinem Agenten Dani Giger gelungen, in dieser Zeit einen neuen Vertrag ab Sommer 2019 auszuhandeln, hätte er wahrscheinlich mehr als 800'000 Franken Jahressalär herausholen können.

Inzwischen ist ein bisschen mehr Realismus und Verstand eingekehrt. Ein grosser «Player» auf dem Transfermarkt ist aus der Preistreiberei um den talentiertesten (aber nicht unbedingt besten) Schweizer Mittelstürmer nach Nico Hischier ausgestiegen.

Überragende WM: Enzo Corvi mit dem Nationalteam und der gewonnenen Silbermedaille.
Überragende WM: Enzo Corvi mit dem Nationalteam und der gewonnenen Silbermedaille.Bild: KEYSTONE

Kürzlich hat HCD-Präsident Gaudenz Domenig im kleinen Kreis erleichtert erzählt, SCB-General Marc Lüthi habe eine Obergrenze (eine «rote Linie») für eine Corvi-Offerte festgelegt. SCB-Sportchef Alex Chatelain kann also nicht mehr laufend nachbessern. Der SCB ist aus der Preistreiberei ausgestiegen.

Den Betrag nannte Gaudenz Domenig zwar nicht. Aber es ist eine Summe, die der HCD im Rahmen des Budgets kontern kann. Marc Lüthi sagt zu dieser Sache ungewöhnlich knurrig: «Ich kann diese Geschichte weder bestätigen noch dementieren. Ich rede nicht über Geld.» Nicht dementieren heisst: Ja, der SCB-Manager hat seines Amtes gewaltet, seine Verantwortung wahrgenommen und eine Limite festgesetzt. Es gibt sie noch, die Vernunft in den Führungsetagen der Titanen.

SCB-Manager Marc Lüthi hat eine Preis-Obergrenze für Enzo Corvi gezogen. 
SCB-Manager Marc Lüthi hat eine Preis-Obergrenze für Enzo Corvi gezogen. Bild: KEYSTONE

Zurzeit ruhen die Gespräche sowieso. Enzo Corvi konzentriert sich in diesen schwierigen Zeiten auf seine Aufgabe beim HCD und führt keine Gespräche mit Sportchefs aus dem Unterland. Ob er sich, wie angekündigt, bis zur Nationalmannschaftspause im November entscheidet, ist nicht mehr sicher. ZSC-Sportchef Sven Leuenberger sagt: «Wir sind an Enzo Corvi interessiert. Er führt jetzt aber bis auf weiteres keine Gespräche.»

Die ZSC Lions haben konkrete Vorstellungen, welche Rolle Enzo Corvi im Hallenstadion übernehmen würde. Sven Leuenberger sagt: «Pius Suter wird seinen auslaufenden Vertrag bei uns voraussichtlich nicht verlängern und will es in der NHL versuchen. Das hat er uns schon lange so gesagt und ist für uns okay. Wechselt er in die NHL, dann brauchen wir für nächste Saison einen Center.»

Pius Suters NHL-Pläne sind durchaus realistisch. Er verpasste den Saisonstart, weil er zum zweiten Mal in ein NHL-Camp eingeladen worden ist. Vor einem Jahr von Ottawa, diesmal von den New York Islanders. Keine NHL-Organisation hat im Draft seine Rechte erworben und er kann den NHL-Club frei wählen. Allerdings gilt vom Alter her (er ist 22) eine Einschränkung: sein NHL-Einstiegsvertrag muss ein Zweiwegvertrag sein. Sein Agent Georges Müller, für die NHL lizenziert, wird es nicht ganz leicht haben, einen guten Deal herauszuholen.

Keine Lohnaufbesserung beim SCB (wegen Marc Lüthis Limite), klare sportliche Perspektiven bei den ZSC Lions (Pius Suter ersetzen) – aber der gefährlichste Konkurrent für den HC Davos im Werben um Enzo Corvi ist der EV Zug.

Von mehreren Seiten wird bestätigt, niemand habe sich seit der WM so intensiv um Enzo Corvi bemüht wie Zugs Sportchef Reto Kläy. Er hat gleich mehrere Vorteile: Sein Präsident Hans-Peter Strebel ist Milliardär (da wird es möglich sein, jede Offerte zu kontern), Enzo Corvis Agent Daniel Giger hat eine VIP-Loge im Zuger Hockey-Tempel und der Standort Zug bietet einen Steuervorteil, der gegenüber Davos oder Zürich einen hohen fünfstelligen Betrag ausmacht.

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