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Silver and Bronze medals, Beat Feuz of Switzerland, left, Gold medal, Dario Cologna of Switzerland, center, and Silver medal, Wendy Holdener of Switzerland, right, celebrate at the House of Switzerland during the XXIII Winter Olympics 2018 in Pyeongchang, South Korea, on Friday, February 16, 2018. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Drei Medaillen an einem Tagen – Beat Feuz, Dario Cologna und Wendy Holdener präsentieren ihr Edelmetall. Bild: KEYSTONE

Ringmeister Zaugg

Von einem, der seinen Zweifeln davongelaufen ist, und zwei anderen Champions

Dario Cologna ist ein stiller Titan und Beat Feuz hat die wichtigste sportliche Frage seiner Heimat beantwortet. Eine Begegnung mit drei olympischen Stars.

klaus zaugg, Pyeongchang



Wie sind helvetische Medaillengewinner? Der «Drei-Medaillen- Tag» bietet eine seltene Gelegenheit, es herauszufinden. Alle drei kommen aus helvetischen Sehnsuchtsregionen: Wendy Holdener aus der Urschweiz, Beat Feuz aus dem Emmental und Dario Cologna aus den fernen, der Sonne zugewandten Bündner Bergen.

Der Empfang im «House of Switzerland»:

Video: srf/SDA SRF

Alle drei haben am gleichen Tag eine Medaille gewonnen. Gold (Cologna) und Silber (Feuz, Holdener). Alle drei stellen sich im «House of Switzerland» am gleichen Abend den Chronistinnen und Chronisten. Eine Gelegenheit für einen, der sich im sportlichen Schneegestöber nicht so auskennt wie mit gefrorenem Wasser, für einmal Titanen des Schnees zu erleben.

Cologna, der stille Champion

Dario Cologna (31) ist ein stiller Champion. Freundlich, bescheiden, beinahe scheu und doch selbstbewusst und in sich selbst ruhend. Durch und durch authentisch. Er hätte ohne ein Wort zu sagen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein Mann der Stille, der viele, viele Kilometer laufen muss bis zum Regenbogen des Ruhmes. Durch verschneite Landschaft, ganz auf sich alleine gestellt. Das prägt eine Persönlichkeit.

Er wird gefragt, wie er die Enttäuschung seines ersten Rennens («nur» 6. im Skiathlon) verarbeitet habe. Es folgen nun keine Sprüche und schon gar keine Ausreden. Mit der Gelassenheit, die ganz grossen Champions eigen ist, schildert er in wenigen Worten seinen vierten Sturmlauf zu Gold. Wie gut er sich gefühlt habe, als er in Führung lag, obwohl er noch nicht an seinen Grenzen gestossen war. Er ist seinen Zweifeln einfach davongelaufen. Ja, sagt er, so könne man es sagen.

Gold medal, Dario Cologna of Switzerland celebrates at the House of Switzerland after the men Cross-Country Skiing 15 km free race during the XXIII Winter Olympics 2018 in Pyeongchang, South Korea, on Friday, February 16, 2018. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Dario Cologna ist kein Mann der lauten Worte. Bild: KEYSTONE

Er ist nicht nur den Zweifeln davongelaufen. Er ist in die sportliche Ewigkeit gelaufen: Das vierte Gold im Skilanglauf. In einer der klassischen Disziplinen, die seit Anbeginn der Zeiten (seit 1924) im olympischen Programm stehen. Er ist einer der grössten olympischen Athleten aller Zeiten.

Feuz, der verwegene Rennfahrer

Beat Feuz (31) ist hingegen ein verwegener Kerl. Ein Rennfahrer. Er läuft nicht, er braust, stürzt, rast dem Ruhm entgegen und begibt sich dabei in Gefahr. Sein Wettkampf dauert nur wenige Minuten. Aber es sind intensive Minuten. Die Energie, die Dario Cologna kilometerweit trägt, die muss Beat Feuz in ein paar Minuten entladen. Intensiv, explosiv.

Er hat etwas von einem stillen, sensiblen Rock’n’Roller. Auch er freundlich, bescheiden, sympathisch. Und mit viel Sinn für Ironie. Der Stress an diesem silbernen Tag? Nun ja, die ganze Organisation für die Heimreise. Das Gepäck musste ja noch am gleichen Abend nach Seoul gebracht werden. Er landet bereits am Samstag in Kloten. Und er sagt einen schönen Satz: Er habe jetzt hier Bronze und Silber gewonnen, Gold werde im Juni folgen. Er wird im Juni zum ersten Mal Vater.

Silver and Bronze medals, Beat Feuz of Switzerland, celebrates at the House of Switzerland after the men Alpine Skiing Super G race and one dav after the men Alpine Skiing downhill race during the XXIII Winter Olympics 2018 in Pyeongchang, South Korea, on Friday, February 16, 2018. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Beat Feuz ist sich für nichts zu schade. Bild: KEYSTONE

Beat Feuz trägt zwei Medaillen um den Hals. Bronze aus der Abfahrt und Silber vom Super-G. Wenn die Scheiben aus Edelmetall gegeneinander schlagen, so klingt es wie das Glockengeläut der Herden bei der Alpabfahrt vom Tannisboden im Schangnau.

Am Schluss wird dem Ur-Emmentaler noch die wichtigste sportliche Frage seiner Heimat gestellt: Schaffen die SCL Tigers die Playoffs? Er sagt: «Nun ja, sie sind zurzeit noch unter dem Strich». Es wird nachgehakt: Schaffen es die Langnauer? Ja oder nein? Da sagt er: «Ja». Nun kann nichts mehr schiefgehen im Lande Gotthelfs.

Holdener, die Fröhliche mit Nerven aus Stahl

Nein, der Chronist hat Wendy Holdener nicht vergessen. Ihre Frische, ihre Fröhlichkeit, ihre Freude über ihre erste olympische Medaille wirken ansteckend. Kaum zu glauben, dass sie am gleichen Tag den wohl wichtigsten Wettkampf ihrer bisherigen Karriere durchgestanden hat. Bestzeit im 1. Lauf des Olympia-Slaloms. Gold vor Augen. Immenser Erwartungsdruck. Und sie hat diesen ultimativen Belastungstest bestanden und nur ganz, ganz knapp den Sieg verfehlt. Ganz klar: nicht Gold verloren, Silber gewonnen.

Silver medal, Wendy Holdener of Switzerland, celebrates with team members of Switzerland after the victory ceremony during the second run of the women Alpine Skiing slalom race in the Yongpyong Alpine Centre during the XXIII Winter Olympics 2018 in Pyeongchang, South Korea, on Friday, February 16, 2018. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Wendy Holdener hat definitiv Silber gewonnen und nicht Gold verloren. Bild: KEYSTONE

In einer anderen Welt

Wer als Chronist meistens mit Mannschaftsportlern zu tun hat, kehrt immer wieder beeindruckt von einem Besuch im Universum der Einzelsportler zurück.

Sagen wir es in einem langen Satz, länger als Dario Colognas Weg zum vierten olympischen Gold: Wer draussen auf der Piste oder in der Loipe auf sich ganz allein gestellt ist, wer sich nicht hinter einem Teamkollegen verstecken kann, wer monatelang trainiert und nur einen Wettkampf von ein paar Minuten hat und in diesen paar Minuten seine beste Leistung abrufen muss, wer sich nicht einen einzigen, winzigen Fehler leisten darf – sonst ist die Trainingsarbeit von Monaten verlorene Mühe – und wer die Gnade nicht kennt, im gleichen Wettkampf einen Fehler wieder gutmachen zu können, oder wer, wie Dario Cologna, in einem Wettkampf alle Energie zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt abrufen muss und monatelang auf diesen Zeitpunkt hinarbeitet, entwickelt eine andere Persönlichkeit.

epa06528778 Andres Ambuhl (L) of Switzerland in action against Chris Lee of Canada during the men's Ice Hockey preliminary round match between Switzerland and Canada at the Kwandong Hockey Centre in Gangneung during the PyeongChang Winter Olympic Games 2018, South Korea, 15 February 2018.  EPA/JAVIER ETXEZARRETA

Andres Ambühl ist auch Typ, aber am Ende «nur» ein Spieler. Bild: EPA/EPA

Mannschaftsport erfordert andere Qualitäten. Wer Teamsportler ist, geniesst ein Privileg, das dem Einzelsportler in dieser reinen Form verwehrt bleibt: er ist ein Spieler.

Spielen ist immer auch ein Flirt mit dem Zufall. Individualsport aber ist die Kunst, den Zufall durch Planung und Training zu bändigen. Nur ganz wenige schaffen das. Zwei Schweizern und einer Schweizerin ist es heute gelungen.

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
sleepalot
16.02.2018 18:18registriert January 2014
sehr schön geschrieben!
421
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egemek
16.02.2018 19:12registriert May 2016
Die interessanteste Sportfrage seiner Heimat ist doch nicht ob es die Tigerlis schaffen, sondern ob Feuz Jr. mal für Ö oder die CH fährt... 😉
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Hallo22
16.02.2018 18:46registriert October 2016
Wäre ja ein Wunder gewesen wenn die SCL Tigers und Gotthelf nicht erwähnt worden wären?
294
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11

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