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Plakat mit dem Slogan «Nimm s'Knorrli mit» (frz.). Farblithographie. Zürich: Graphische Anstalt J. E. Wolfensberger. 1955
(Urheber: Hans Tomamichel. Auftraggeber: Knorr-Nährmittel AG | Unilever Schweiz GmbH)

Plakat mit dem Slogan «Allons-y Knorrli suit». Farblithographie. Zürich: Graphische Anstalt J. E. Wolfensberger. 1955 (urheber: Hans Tomamichel. Auftraggeber: Knorr-Nährmittel AG | Unilever Schweiz GmbH)

«Nimm s’Knorrli mit»: Das rote Zwerglein wird schon 70

Der knorrige Wicht mit dem runden Tellergesicht und der roten Zipfelmütze gehört zu den bekanntesten Werbefiguren der Schweiz.

Felix Graf / Schweizerisches Nationalmuseum



Niemand gäbe Knorrli seine sieben Jahrzehnte. Sein Gestalter, der Tessiner Maler und Grafiker Hans Tomamichel (1899–1984), ist sogar noch im 19. Jahrhundert geboren. Munter und werbewirksam wie eh und je huscht Knorrli mit einer Kelle, einem Suppenteller oder einer Suppenschüssel, einem Wanderstock oder einem Springseil in der Hand über die Lebensmittelverpackungen der Marke Knorr.

Hier bloggt das Schweizerische Nationalmuseum

Drei Museen – das Landesmuseum Zürich, das Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis sind unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums vereint. 
Im Blog veröffentlichen Mitarbeiter des Nationalmuseums und renommierte Gastautoren Beiträge zu aktuellen Themen. watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen daraus. Der Beitrag «Nimm s' Knorrli mit» erschien am 27. Oktober 2017.
Mehr historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch

Ab 1948 wirbt er für Haferflocken, damals noch als Knorritsch-Maa – Knorritsch analog zu Porridge –, für Suppenwürste und Beutelsuppen, ab 1953 für Aromat Streuwürze, ab 1960 für Stocki Kartoffelstock. 

Hans Tomamichel in seinem Atelier in Zürich. Um 1950.

Hans Tomamichel in seinem Atelier in Zürich, um 1950. Bild: Franz Tomamichel (Privatbesitz)

In der zweiten Jahreshälfte 1947 nimmt Knorrli unter den Händen von Hans Tomamichel Form an. Der Tessiner Grafiker aus dem Walserdorf Bosco-Gurin war kein Unbekannter. Zuvor hatte er für die Schokoladefabriken Nestlé, Peter, Cailler und Kohler (N.P.C.K.) bereits die Werbefiguren Fip und Fop geschaffen. Als Modell für Knorrli schwebte ihm nach eigenem Bekunden ein freundlicher Berggeist aus seinem Heimatdorf im Maggiatal vor: «Ich machte ihm einen runden Kopf – wie bei einem Suppenteller».

Die Auftraggeber waren von den ersten Entwürfen begeistert. «Wir sind von dem Knorritsch-Mannli entzückt und halten es für sehr lebendig und aktivierend. Die Zeichnungen und die Komposition der Inserate sind sehr hübsch vorgesehen», schreiben der neue Direktor Johann Conrad Weilenmann und der ebenfalls 1947 in die Firma eingetretene Werbeleiter Hans Ruckstuhl am 22. Dezember 1947 vom Firmensitz der Knorr-Nährmittel AG in Thayngen (SH) nach Zürich. Die beiden neuen Köpfe und die neue Werbefigur markieren den Beginn der Erfolgsgeschichte der Knorri, wie die Fabrik im Volksmund heisst. 

Vom Knorritschmannli zu Knorrli

Schon zu Beginn des nächsten Jahres taucht Knorrli erstmals in einem Prospekt auf, mit einer Glocke in der Hand: «s’ Knorritschmannli ruft es aus: ‹Knorritsch g’hört in jedes Haus!›» (Knorr’s Küchenbrief 3). Unter dem Namen Knorrli erscheint er erstmals am 15. September 1948 in einem Inserat in der Konsumentenzeitschrift «Der Beobachter»: «De Knorrli bin i – Knorr Suppe bring i.»

Frühe Anwendung des Knorrli in Inseratentwurf für Haferflocken. Farbstiftzeichnung. 1948.

Frühe Anwendung des Knorrli in einem Inseratentwurf für Haferflocken. Farbstiftzeichnung. 1948. (Urheber: Hans Tomamichel. Auftraggeber: Knorr-Nährmittel AG | Unilever Schweiz GmbH)

Mit der Produktion der Beutelsuppen werden die Suppenkelle, die Suppenschüssel oder der Suppenteller mit dem Suppenlöffel zu den wichtigsten Attributen des fiktiven Schweizers, der noch heute ausschliesslich für in der Schweiz produzierte Lebensmittel wirbt.

Knorrli in der Galerie berühmter Schweizer

«Nimm s’Knorrli mit – Allons y Knorrli suit» heisst der Slogan zur Knorrli-Figur mit Wanderstock und Rucksack aus der Zeit, in der die Schweizer ein Volk von Sonntagswanderern und Ferienkolonisten waren. In der imaginären Galerie berühmter fiktiver Schweizer gebührt dem Küchengehilfen Knorrli ein Ehrenplatz. Jener zwischen dem 15 Jahre älteren Globi und der um neun Jahre jüngeren Köchin Betty Bossi. 

Plakat mit dem Slogan «Nimm s'Knorrli mit». Farblithographie. Zürich, 1955.

Plakat mit dem Slogan «Nimm s'Knorrli mit». Farblithographie. Zürich: Graphische Anstalt J. E. Wolfensberger. 1955. (Urheber: Hans Tomamichel. Auftraggeber: Knorr-Nährmittel AG | Unilever Schweiz GmbH)

Knorrlis vergessene Vorgänger

Knorrli ist nicht die erste Werbefigur von Hans Tomamichel, die Berühmtheit erlangt. Bereits 1929 entwirft er für die Zürcher Weinhandlung Ulmer & Knecht AG das Ulmer Knechtli, eine der ersten modernen Schweizer Werbefiguren überhaupt. Ab 1932 folgen Werbeaufträge der vereinigten Schokoladefabriken N.P.C.K (Nestlé, Peter, Cailler und Kohler), in deren Zug die Zwillinge Fip Kohler und Fop Cailler entstehen.

Entwurf für die Werbefigur des Ulmer Knechtli. Collage mit drei Haaren aus Draht. Um 1929.

Entwurf für die Werbefigur des Ulmer Knechtli. Collage mit drei Haaren aus Draht. Um 1929.

Bis in die späten 1950er-Jahre hinein kennt sie jedes Kind. Für die Werbedrucksachen, insbesondere die ganzseitigen Zeitungsinserate, kombiniert Hans Tomamichel als einer der ersten Schweizer Grafiker Zeichnung und Fotografie

Ganzseitiges Inserat aus der Schweizer Illustrierten Zeitung mit der Cailler-Werbefigur Fop für Frigor-Schokolade. Es handelt sich dabei um ein frühes Beispiel für die Kombination von Zeichnung und Fotografie in der Werbung. Um 1935.

Ganzseitiges Inserat aus der Schweizer Illustrierten Zeitung mit der Cailler-Werbefigur Fop für Frigor-Schokolade. Es handelt sich dabei um ein frühes Beispiel für die Kombination von Zeichnung und Fotografie in der Werbung. Um 1935. 

Zwillinge am Schnittpunkt der Kino- und Reklamegeschichte

1936 gründet Nestlé einen Filmclub für Kinder, den Fip-Fop-Club. Für einen Franken ist man dabei: zwei Vorstellungen im Jahr, ein Fip-Fop-Abzeichen und ein Abonnement für die Clubzeitschrift. Die Filmvorführungen finden in den bestehenden Kinos statt. Gezeigt werden natürlich Filme über die Produktion von Schokolade, aber eben auch Trickfilme, Charly Chaplin, Laurel und Hardy und Dokumentarfilme.

Plakatentwurf mit den Werbefiguren Fip und Fop. Farbstift, Bleistift, Gouache. 1932.

Plakatentwurf mit den Werbefiguren Fip und Fop. Farbstift, Bleistift, Gouache. 1932.

In einer Zeit, in der noch lange nicht in allen Stuben ein Radioapparat steht, vom Fernseher ganz zu schweigen, das Taschengeld, wenn es welches gibt, beschränkt ist und die Altersgrenze für den Kinobesuch bei 16 oder 18 Jahren liegt. Darüber hinaus ist der Fip-Fop-Club auch Drehscheibe für den Tausch der beliebten Nestlé-Sammlerbildchen.

Mit der Verbreitung des Fernsehens verschwinden das brave Mädchen Fip und der Lausbub Fop von der Bildfläche, und die Generation, die mit ihnen ihre ersten Kinoerlebnisse verbindet, kommt langsam in die Jahre. 

10 x Swiss Graphic Design. Vom Entwurf zum Druck

Landesmuseum Zürich
27.10.17–07.01.18


Eine konzentrierte Auswahl aus dem Werk von Hans Tomamichel ist in der Ausstellung im Landesmuseum Zürich zu sehen. Die Ausstellung gibt Einblick in das Schaffen von zehn wichtigen Schweizer Grafikern. Bei Hans Tomamichel liegt der Schwerpunkt auf den Werbefiguren.

>>> Weitere historische Artikel auf:
blog.nationalmuseum.ch

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

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