Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Befestigter Unterstand in Dien Bien Phu. Bild: archives.ecpad.fr

Dien Bien Phu – das Stalingrad der Franzosen in 5 Akten

13.03.18, 19:15 25.05.18, 10:42

General Navarre ahnte vermutlich nicht, wie entscheidend die Entscheidungsschlacht sein würde, die er gesucht hatte. Der Befehlshaber des französischen Fernost-Expeditionskorps CEFEO wollte seinen ungreifbaren Feind – die Guerillakämpfer der Viet Minh – in eine offene Feldschlacht verwickeln. So würde sich die militärische Überlegenheit der Franzosen geltend machen, glaubte der Stratege. 

Navarre bekam seine Schlacht. Sie besiegelte das Ende seiner Karriere – und der französischen Kolonialherrschaft in Indochina. Die Eroberung der Dschungelfestung Dien Bien Phu war eine strategische und logistische Glanzleistung der Viet Minh, die den Franzosen das Genick brach. Zum ersten Mal hatte eine Armee von Dritt-Welt-Bauern eine europäische Kolonialmacht besiegt. Wie konnte das geschehen?

Die Viet Minh hissen ihre Fahne über Dien Bien Phu. Bild: AP VIETNAM NEWS AGENCY

1. Akt

Unerwünschte Rückkehr

Rückblende: 1945 kapituliert das Japanische Kaiserreich, der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Nun will Frankreich seine bisher von japanischen Truppen besetzte Kolonie Indochina wieder in Besitz nehmen. Doch die Verhältnisse haben sich geändert: Die vietnamesische Widerstandsorganisation der Viet Minh, die – mit amerikanischer Unterstützung – gegen die Japaner gekämpft hat, gründet im Norden Vietnams die Demokratische Republik Vietnam unter Präsident Ho Chi Minh. Die Viet Minh sind alles andere als erfreut über die Rückkehr der Kolonialherren. 

Und diese sind vom Krieg geschwächt. Frankreich, zwar Siegermacht des Zweiten Weltkriegs, ist noch traumatisiert von der Niederlage, die ihr die Wehrmacht 1940 im Blitzkrieg zugefügt hat. Nur mit finanzieller und logistischer Hilfe der USA schafft es die Kolonialmacht, ein Expeditionskorps auszurüsten und nach Indochina zu verschiffen. Im Dezember 1946 befinden sich bereits 89'000 Soldaten im Land. Bis 1954 wächst das Expeditionskorps CEFEO auf 204'000 Mann, dazu kommen noch über 300'000 einheimische Soldaten. 

Soldaten des CEFEO. Bild: archives.ecpad.fr

Es ist eine bunt gemischte Truppe, mit der Paris seine Kolonie zurückgewinnen will: Da keine Wehrpflichtigen eingesetzt werden, besteht das CEFEO überwiegend aus Freiwilligen, Kolonialtruppen aus Nordafrika und – als kampfkräftigste Einheiten – Fremdenlegionären. Über die Hälfte von letzteren sind Deutsche, oft junge Weltkriegsveteranen, teilweise auch ehemalige Waffen-SS-Mitglieder. 

Ihr Gegner ist gut organisiert, und er wird im Lauf des Krieges immer besser. Die Truppen der Viet Minh umfassen nicht nur Guerilla-Kämpfer, sondern auch reguläre Einheiten. Ihre anfänglich schlechte Ausrüstung verbessert sich ab 1949, als ihnen China nach dem Sieg der Kommunisten grosse Mengen an Waffen liefert. 

Reguläre Viet-Minh-Soldaten. Bild: Pinterest

2. Akt

Die Franzosen stellen die Falle ...

Im Frühjahr 1954 ist der Kolonialkrieg in Indochina längst zu einem heissen Teil des Kalten Krieges geworden. Und er ist nicht mehr zu gewinnen: Nur noch im Süden kontrollieren die Franzosen grosse zusammenhängende Gebiete, während die Viet Minh das zentrale Hochland und den bergigen Norden beherrschen. Dort halten die Franzosen nur noch das Delta des Roten Flusses mit Hanoi und der Hafenstadt Haiphong. Ohne US-Hilfe können die französischen Truppen überdies gleich einpacken: Die Amerikaner finanzieren mittlerweile gegen 80 Prozent der Kriegskosten. 

General Navarre sucht einen Ausweg aus der verfahrenen Situation. Er weiss, wenn es ihm gelingt, die Vietnamesen in eine offene Schlacht zu verwickeln und vernichtend zu schlagen, kann Paris nach acht Jahren Krieg doch noch einen Waffenstillstand zu seinen Bedingungen aushandeln. 

1954 sind nur noch der Süden Indochinas, das Delta des Roten Flusses und das westliche Laos unter französischer Kontrolle. Bild: Wikimedia/Don-kun, NordNordWest

Der Ort, den Navarre für seine Falle auswählt, ist ein gottverlassenes Nest hart an der laotischen Grenze: Dien Bien Phu. 250 Kilometer von Hanoi entfernt, liegt das Dorf in einem 16 Kilometer langen und 9 Kilometer breiten Talkessel, der auf drei Seiten von bis zu 550 Meter hohen Hügeln umgeben ist. Nur gegen das laotische Tiefland hin ist die feuchte, oft überschwemmte Ebene geöffnet. 

Hier, in diesem Rückzugsgebiet der Viet Minh, landen im November 1953 französische Fallschirmjäger und übernehmen Dien Bien Phu, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stossen. Darauf stampfen die Franzosen eine Festung aus dem sumpfigen Boden. Sie besteht aus mehreren mit Minenfeldern, Stacheldraht und Schützengräben befestigten Stützpunkten, die sich gegenseitig unterstützen können.

Französische Fallschirmjäger landen im Rahmen der «Operation Castor» in Dien Bien Phu. Bild: AP

Im Zentrum legen die Franzosen eine Landebahn an – die abgelegene Festung soll aus der Luft versorgt werden. Dies, obwohl der Befehlshaber der Transportstaffeln des CEFEO zuvor darauf hingewiesen hat, die Versorgung von Dien Bien Phu könne nicht auf Dauer sichergestellt werden. Für den Fall, dass die Rollbahn nicht nutzbar ist, richten die französischen Pioniere zudem Abwurfstellen ein. 

Die Landebahn in Dien Bien Phu. Bild: archives.ecpad.fr

Die Versorgung aus der Luft funktioniert zu Beginn hervorragend. Zu Weihnachten 1953 gibt es bei den Fallschirmjägern Roastbeef mit gebackenen Kartoffeln, französische Käse, Kuchen, Wein und sogar Champagner. Später müssen die Soldaten oft mit Kampfrationen Vorlieb nehmen; statt Wein gibt es Vinogel, eine Paste aus dehydriertem und danach geliertem Wein – nichts für Feinschmecker.

Die Stützpunkte der Festung Dien Bien Phu. Fast alle von ihnen sind nach Frauennamen benannt. Bild: MINDEF/SGA/DMPA

3. Akt

... und die Viet Minh lassen sie zuschnappen

Anfang März 1954 verfügt der französische Kommandant von Dien Bien Phu über eine Garnison von beinahe 10'000 Mann. Die meisten von ihnen sind Einheimische in französischen Diensten, daneben Fremdenlegionäre, Fallschirmjäger und nordafrikanische Kolonialtruppen. Sie sind mit schweren Maschinengewehren, 24 Mörsern, 28 105-mm-Haubitzen und vier Luftabwehrgeschützen ausgerüstet. Sogar zehn leichte Panzer haben die Franzosen nach Dien Bien Phu geflogen. 

Fremdenlegionäre warten einen Panzer. Bild: archives.ecpad.fr

Mitte März schliesst eine Streitmacht von über 72'000 Viet-Minh-Kämpfern unter General Vo Nguyen Giap die Garnison ein. Dies ist ganz im Sinne des französischen Plans – die schlecht ausgerüsteten vietnamesischen Truppen sollen beim Angriff auf die Stützpunkte in Dien Bien Phu schwere Verluste erleiden oder gleich ganz aufgerieben werden.

Doch die Franzosen unterschätzen die Artillerie der Viet Minh. In einer logistischen Meisterleistung zerlegen die Vietnamesen über 100 Geschütze, die sie von der Volksrepublik China erhalten haben, in Einzelteile und schleppen sie auf getarnten Dschungelpfaden über die Berge bis nach Dien Bien Phu. Dort bringen sie die Kanonen auf den Hügelflanken, die vom Talkessel aufsteigen, wieder in Stellung – in gut geschützten und sorgfältig getarnten Unterständen, die sie aus dem Fels gehauen haben.

CEFEO-Soldaten setzen die Verteidigungsanlagen nach einem Viet-Minh-Angriff instand.  Bild: AP

Am 13. März beginnt der vietnamesische Angriff: Nach schwerem Artilleriefeuer überrennen die Viet Minh bereits nach wenigen Stunden den ersten französischen Stützpunkt: Béatrice. Gabrielle fällt zwei Tage später, Anne-Marie am 17. März. Zudem ist die Landebahn durch den Artilleriebeschuss nahezu unbrauchbar geworden. 

4. Akt

Desaster im Regen

Nun rächt sich die Leichtfertigkeit der Franzosen. Ihre Geschützstellungen sind nach oben offen, um eine höhere Feuerkadenz zu ermöglichen – doch dies macht sie für feindlichen Beschuss verwundbar. Die Annahme, dass es der eigenen Artillerie gelingen wird, die Geschütze der Viet Minh auszuschalten, erweist sich als mehr als blauäugig – der Versuch scheitert so eklatant, dass der Kommandant der französischen Artillerie Suizid begeht. 

CEFEO-Truppen in Dien Bien Phu Ende März 1954.  Bild: AP U.S. NAVY NY

Mit den Stellungen der Viet Minh, die die Höhen rund um Dien Bien Phu beherrschen, wird auch der Plan zur Makulatur, den im Talkessel gelegenen Stützpunkt aus der Luft zu versorgen. Zwar gelingt es dem CEFEO zunächst, namhafte Verstärkungen einzufliegen – bald befinden sich beinahe 15'000 Soldaten im Kessel. Doch der anhaltende Artilleriebeschuss der Vietnamesen und dann der unablässige Regen zwingen die französische Luftwaffe, sich ab dem 27. März auf den Abwurf von Nachschub zu beschränken.

CEFEO-Soldaten im Regen. Bild: archives.ecpad.fr

Prompt landet jeweils ein Teil der abgeworfenen Munition und Lebensmittel beim Feind. Der stete Granatenhagel verschärft die sich zuspitzende Versorgungslage weiter, weil mehrmals Lebensmitteldepots getroffen werden. Nach einem Granattreffer gehen einmal sogar die gesamten Tabakvorräte in Rauch auf. Zudem können Verwundete nun nicht mehr ausgeflogen werden, wie es der Plan vorgesehen hat – das Feldlazarett in Dien Bien Phu ist jedoch viel zu klein für die zunehmende Zahl der Verletzten. 

Abtransport von Verwundeten.  Bild: AP

Aber auch Giap, der «Napoleon des Ostens», zieht Verstärkungen um die Festung zusammen. Zehntausende von Hilfskräften bauen Strassen durch den Dschungel; vor allem aber legen sie ein System von Gräben an, in denen die vietnamesischen Kämpfer nahe an die befestigten Stellungen der Franzosen herankommen.

Ho Chi Minh (2.v.l.) und General Giap (r.) diskutieren mit anderen Viet-Minh-Spitzen den Angriffsplan auf Dien Bien Phu. Bild: AP

5. Akt

Niederlage und Kapitulation

Gegen Ende März ziehen die Viet Minh allmählich die Schlinge um die verbleibenden Stützpunkte zu, die mittlerweile wegen des Regens regelrechte Schlammlöcher sind. Der grösste Teil von Dominique ist am 30. März verloren; Mitte April beherrschen die Vietnamesen bereits den gesamten Norden des Talkessels und haben das Rollfeld erreicht.

Am 1. Mai eröffnet Giap den Endkampf um die Festung. Die Viet Minh nehmen einen Posten nach dem andern ein – am 7. Mai sind Claudine, Eliane und PC verloren. Die Franzosen müssen um einen Waffenstillstand ersuchen. Am nächsten Tag fällt auch der letzte Stützpunkt, Isabelle

Abmarsch in die Gefangenschaft. Viele der Überlebenden kehren nie zurück.  Bild: AP VIETNAM NEWS AGENCY

Die französischen Verluste während der Schlacht belaufen sich auf über 3000 Gefallene. Mehr als 10'000 Soldaten gehen in Gefangenschaft, aus der nur etwa 3300 zurückkehren. Die Verluste der Vietnamesen sind bedeutend höher, vermutlich um das Dreifache. 

Die verheerende Niederlage von Dien Bien Phu zwingt die Franzosen zum Rückzug aus Indochina. Vietnam erlangt endlich seine Unabhängigkeit – doch das Land wird auf der Indochina-Konferenz in Genf entlang des 17. Breitengrades geteilt. Als Schutzmacht des westlich ausgerichteten Südens übernehmen die USA das Erbe Frankreichs. Auch sie werden scheitern.

Der Vietnamkrieg

Geschichte – die Vergangenheit lebt!

Cannae – oder wie Hannibal Rom die blutigste Niederlage seiner Geschichte beibrachte

Hinrichtungen nach dem Bauernkrieg: Das letzte Wort hat «der uf der blauwen dillen»!

Als Aarau Hauptstadt wurde

«Erst grosses Gelächter, dann Schreie»: Seilzieh-Weltrekord in Lenzburg endet in Tragödie

200 Jahre Marx: Warum der Kapitalismus einfach nicht untergehen will

Wenn abgetrennte Froschschenkel und geköpfte Menschen plötzlich zucken

Die Schmugglerinvasion im Tessin

Transporthund und Pedal-U-Boot: So funktionierte der Schmuggel im Tessin

Zum 1. Mai: Eine kleine Geschichte der Anarchie in der Schweiz

Isabelle Eberhardt, die Schweizerin, die als Mann durch die Wüsten Nordafrikas zog

72 endgeile Bilder der Jubiläums-Air-Force, die du gesehen haben MUSST

«Für die Kalten Krieger der P-26 waren wir Linke die 5. Kolonne einer ausländischen Macht»

7 Dinge, die du über Panmunjom, den «furchteinflössendsten Ort der Welt», wissen solltest

Wenn du masturbierst, kriegst du mindestens Lepra, Krebs, Epilepsie und Haarausfall

Wie der Schweizer Albert Hofmann vor 75 Jahren einen Rausch hatte – und LSD entdeckte

In diesen 7 Momenten stand die Welt vor dem Dritten Weltkrieg

Der Mann, der mit Langbogen, Breitschwert und Dudelsack in den 2. Weltkrieg zog

Wie es einem Haufen Dilettanten doch noch gelang, Franz Ferdinand zu töten

Warum wir den 68ern unglaublich viel zu verdanken haben

Darum sind weibliche Amokläufer so selten

Codename «Sabina» – war sie die faulste Geheimagentin des Kalten Kriegs?

Das tragische Ende einer Ikone: Vor 50 Jahren wurde Martin Luther King ermordet

Zerbeisst den Leib Christi mit euren Zähnen!

Als die Solothurner Gnädigen Herren in Klein Versailles wohnten

Künstlerin koloriert Porträt eines Mädchens, das in Auschwitz umkam

Wie Hannah Arendt die Welt vor der Banalität des Bösen retten wollte

Dien Bien Phu – das Stalingrad der Franzosen in 5 Akten

Als Thomas Edison einen Elefanten mit Wechselstrom hinrichten liess

Der erste Computer made in Switzerland brauchte viel Platz, hatte aber wenig Rechenpower

In der Hölle von Stalingrad starb Hitlers Traum vom Endsieg

Alle Artikel anzeigen

Opfer eines anderen Kriegs:
Die Kinder von Aleppo

Video: srf/SDA SRF

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
50
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
50Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • coronado71 15.03.2018 11:41
    Highlight Ich finde es schade, dass dieser gut geschriebene Artikel zu einem "USA-Bashing" einiger User hier zum Anlass genommen wird (z.B. mit Aufrechnungen wer in welchem Krieg mehr Dreck am Stecken hat). Es geht um den Krieg in Indochina in den 1950er-Jahren - nicht um den Vietnamkrieg der USA und was die alles sonst noch so veranstaltet haben.

    Ich finde es wichtig und richtig, dass z.B. Dien Bien Phu in Erinnerung gerufen werden. In Frankreich hat das bis heute noch eine grosse Bedeutung und wird auch kritisch kommentiert.
    8 2 Melden
  • IchSageNichts 14.03.2018 18:29
    Highlight Danke für den Artikel! Bleib in der Region: Die Geschichte von Laos oder die üble Geschichte von Kambodscha mit PolPot den USA und Vietnam als äussere Kräfte wäre mal ein Artikel wert. Freu mich drauf.
    8 0 Melden
  • Nicosinho 14.03.2018 14:12
    Highlight super spannender Artikel, bitte mehr davon! :-)
    9 0 Melden
  • Madmessie 14.03.2018 09:21
    Highlight Ist ja klar, dass die Franzosen verlieren. Die verlieren immer.
    15 10 Melden
    • Pascal1917 14.03.2018 15:07
      Highlight Nicht ganz korrekt...
      5 2 Melden
    • Corto Maltese 16.03.2018 07:53
      Highlight Das war kein Fussballspiel. Im Krieg gibt es keinen Sieger!
      4 0 Melden
  • me myself 14.03.2018 09:13
    Highlight Sehr interessanter Artikle und gut gschrieben. Wird all zu oft vergessen dass die Franzosen zuerst da waren. Bitte mehr von solchen Berichten
    8 0 Melden
  • AustinOsmanSpare 14.03.2018 08:26
    Highlight .... die ganze Geschichte mit dem unterminieren einfach vergessen? Das war der Kernteil vom Hauptangriff.

    Herr Huber, bitte nachtragen!
    3 3 Melden
  • G. Schlecht 14.03.2018 07:41
    Highlight Diese Schlacht mit Stalingrad in Verbindung zu setzen oder gar zu Vergleichen, ist gelinde gesagt, eine Verhöhnung von Rund 320 000 getöteten Rotarmisten und rund 60 000 deutschen Soldaten. Von den Verwundeten oder nicht aus der Gefangenschaft gekommenen nochmals rund 500 000 Soldaten beider Seiten ganz zu schweigen. Da gäbe es geschicktere, wenn auch nicht so reisserische Titel für diese Geschichte.
    11 11 Melden
    • Daniel Huber 14.03.2018 15:19
      Highlight Wenn das so angekommen ist, tut mir das leid.
      Es geht mir beim Vergleich nicht um Opferzahlen, sondern um die Einkesselung und die unzureichende Versorgung aus der Luft, vor allem aber um den entscheidenden Einfluss der Schlacht auf den Verlauf des Krieges.
      22 0 Melden
    • AustinOsmanSpare 14.03.2018 16:44
      Highlight Die Technik für das unterminieren kam aus dem WWII und wurde auch in Stalingrad angewendet.

      Genauso wie die Franzosen in Dien Bien Phu gesprengt wurden.

      5 1 Melden
    • Alienus 14.03.2018 21:00
      Highlight Daniel Huber, es braucht Ihnen doch nicht leid tun.

      Denn ich kannte einen dt. Hauptmann, der als junger Bursche vor und zeitweise in Stalingrad gekämpft hatte und nach 1945 bei der frz. Fremdenlegion war, eben auch direkt in Dien Bien Phu.

      Seiner Meinung nach war das Desaster bezügl. Taktik, Strategie, Logistik, Fehlverhalten, Verantwortungsversagen, Verwundetenversorgung, Munitionierung, Verpflegung sowie die folgenden Ausflüchte sehr bei beiden Schlachten miteinander vergleichbar, jedoch nicht identisch.

      Was für ein gegenseitiges Abmetzeln dort geschah, möchte man aber nicht schreiben!
      6 0 Melden
    • G. Schlecht 14.03.2018 23:30
      Highlight @Herr Huber: Ich dnke für Ihre Antwort. Mir ging es darum, dass Stalingrad wohl die bedeutendste Kesselschlacht zwischen Antike und Neuzeit darstellt. Unter goo.gl/AdZvZr finden Sie die sehr interessanten Hintergründe. Der Titel ist unpassend, mehr wollte ich nicht kritisieren.
      0 0 Melden
    • Alienus 15.03.2018 07:25
      Highlight @AustinOsmanSpare

      Diese unterirdische Sprengtechnik kommt nicht erst seit dem WK II zu Einsatz.

      Denn bereits die osmanischen Truppen haben bei der Belagerung von Wien, also vor ca. 400 Jahren, diese Miniertechnik teilweise erfolgreich bei der partiellen Zerstörung der Stadtmauer eingesetzt.

      Auch im WK I wurden solche Sprengungen durchgeführt.

      Alles schon da gewesen.
      3 0 Melden
  • HerrCoolS. 13.03.2018 22:42
    Highlight Toller Artikel, gut geschrieben - liest sich locker und flockig. Ein oft vergessenes und wenig thematisiertes Thema da absolut im Schatten des Vietnamkrieges
    17 1 Melden
  • dä dingsbums 13.03.2018 22:26
    Highlight Zum Thema Vietnamkrieg kann ich das Geo Epoche Magazin Empfehlen:

    https://www.geo.de/magazine/geo-epoche/17631-geo-epoche-nr-80-8-2016-der-vietnamkrieg

    Die Schlacht um Dien Bien Phu und viele andere Seiten des Krieges werden darin beschrieben.
    13 1 Melden
  • AustinOsmanSpare 13.03.2018 21:23
    Highlight Das alte Spiel, genug Kanonenfutter und du gewinnst mit der Zeit.
    24 2 Melden
    • Snowy 14.03.2018 10:13
      Highlight Höre gerade, wie sich einige 1 WK Generäle im Grab umdrehen... :-)
      7 0 Melden
    • AustinOsmanSpare 14.03.2018 15:01
      Highlight @Snowy: Wenn beide genug Kanonefutter haben, dann endets im SuperGAU, WWI
      5 0 Melden
  • stookie 13.03.2018 20:27
    Highlight Also was ich gelesen habe: unterstützt und bewaffnet von, wiederum unterstützt von und zu guter letzt wieder unterstützt von...mannmannmann, was ist der mensch pervers...
    45 5 Melden
    • HerrCoolS. 13.03.2018 22:45
      Highlight Traurig aber war - und auch 2018 ist dieses Thema aktueller den je!
      15 1 Melden
  • Olmabrotwurst 13.03.2018 20:24
    Highlight Guter Artikel, viele Leute vergessen imner das die Franzosen zuerst in Vietnam waren.
    144 1 Melden
  • Goon 13.03.2018 20:10
    Highlight Sehr interessant.

    Danke für den Bericht
    49 0 Melden
  • Darkside 13.03.2018 20:03
    Highlight Toller Artikel, gerne mehr davon.
    45 0 Melden
  • Seebär 13.03.2018 19:44
    Highlight Hueberguet gschriebe!
    111 0 Melden
    • Touch 15.03.2018 07:41
      Highlight Ja er ist der Grösste.....
      0 0 Melden
  • John Carter 13.03.2018 19:42
    Highlight Ich war gerade in Vietnam und kann berichten, dass die Franzosen und Amerikaner rücksichtslos alles nieder gemetztelt haben was nur ging. Am Schluss sprayten sie Agent Orange, dass den Urwald entlaubte und schrecklichen Schaden an der Natur und den Menschen verursachte. Dabei kämpften sie vor allem gegen Bauern die sich mit einfachsten Waffen verteidigten.

    Bis heute verweigern die USA Reparaturzahlungen an Vietnam.

    Einfach nur übel - warum will die USA nicht für Schäden aufkommen!
    131 43 Melden
    • azoui 13.03.2018 21:19
      Highlight Wie sollen die USA für all den Schaden, den sie angericht haben und immer noch anrichten, aufkommen? So viele Gelddruckmaschinen gibt es nicht.
      31 13 Melden
    • Posersalami 13.03.2018 21:23
      Highlight Das Fass wird schön zu bleiben. Weil wenn Vietnam Schadenersatz bekommt, kommen andere und von denen gibt es leider viel zu viele..
      33 2 Melden
    • AustinOsmanSpare 13.03.2018 21:25
      Highlight Der Vietcong war auch nicht gerade zimperlich ... und nein, es waren nicht nur Bauern. Die Bauern haben nicht die USA geschlagen, 87000 GI erwischt und 5000 Helikopter abgeschossen ...
      34 28 Melden
    • flying kid 13.03.2018 21:59
      Highlight So einfach ist es dann leider doch nicht.

      Empfehle, dass du dich mal etwas tiefer in die Materie einliest.
      Öffnet die Augen. Wie bei jedem Krieg gibts kein Gut und Böse, das ist alles etwas verstrickter...
      51 9 Melden
    • Zurigese 14.03.2018 00:26
      Highlight Ich bin jetzt gerade in Vietnam und kann nur zustimmen. Wie ich gestern erfahren habe, versucht die vietnamesische Regierung aktuell angeblich den Hersteller des Gifts (einen US-Multi) zu verklagen. Ob dies der richtige Weg ist und zum gewollten Ergebnis führt, wird sich zeigen. Letztlich bleibt es (leider) eine politische und keine juristische Frage...
      7 0 Melden
    • coronado71 14.03.2018 08:02
      Highlight Die USA beteiligen sich sehr wohl an der Beseitigung der von ihnen verursachten Umweltschäden in Vietnam. Die Unterstützung setzte aber erst ca. 2007 ein und zunächst indirekt ein. Ca. 60 Millionen Dollar wurden für soziale Dienste un Umwelt bezahlt, seit 2012 baggern sie den Dioxinmüll dort auch selber aus.
      6 2 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 14.03.2018 09:38
      Highlight Und viele Vietnamesen heutzutage sehen ja auch die USA gar nicht als den grossen Feind. Da ist die, historisch bedingte, Rivalität zu China viel grösser.
      14 1 Melden
    • rolf.iller 14.03.2018 13:18
      Highlight Bin gerade in Ho Chi Minh City. Amerika hat in der Zwischenzeit das Land erobert. Auf den Tisch kommt Pepsi oder Coca Cola, kucken tut man Netflix und KFCs oder Burger Kings gibts zu Hauf.
      12 5 Melden
    • Nicosinho 14.03.2018 14:17
      Highlight Hi John, ich habe den aller aller grössten Respekt für die Vietnamesen, war auch kürzlich dort und es ist beeindruckend wie sie mit ihrer düsteren Vergangenheit umgehen, sie sind überhaupt nicht nachtragend und haben heute gar kein Problem mehr mit den Amis oder Franzosen. Chapeau!
      7 0 Melden
    • sgrandis 14.03.2018 15:07
      Highlight weil sie noch keinen Krieg in ihrer Geschichte wirklich verloren haben. Kann als Deutscher bestätigen, dass Kriege verlieren dem kritischen Denken sehr gut tut!
      5 0 Melden
    • Posersalami 14.03.2018 16:01
      Highlight @ sgrandis: Meinen sie die Vietnamesen oder die USA? Weil letztere haben deutlich mehr Kriege verloren als gewonnen.
      1 1 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 15.03.2018 00:18
      Highlight @Salami: Echt? Kann ich mir nicht vorstellen
      Sieg gegen Barbaresken
      Gegen Spanien: Sieg
      Gegen Pinoy Unabhängigkeit: Sieg
      Truppen im 1 WK auf Seite Entente
      2. WK: Sieg
      Korea: Unentschieden
      "Kuba": Niederlage
      Vietnam: Niederlage
      Grenada: Sieg
      Kuwait: Sieg
      Jugoslawien & Kosovo: Sieg
      Somalia: Niederlage
      Libyen: Sieg
      Irak: de facto sieg, irgendwie aber nicht so, wegen Isis und so halt
      Afghanistan: Niederlage (nach zuerst indirektem Sieg über SU in Form von Kooperation mit Taliban)

      Aber eventuell gewichtest du gewisse Ereignisse anders?

      2 1 Melden
    • Touch 15.03.2018 07:41
      Highlight Du hast diese Fakten jetzt gerade in Vietnam entdeckt? Wow, was für eine Entdeckung. Beeindruckend....

      In den USA wurden die Indianer unter anderem von Schweizer Einwanderern niedergemetzelt, die Schweiz war in den Sklavenhandel verwickelt und ich denke es sind noch einige andere Sachen "hängig".... Wie sieht es denn mit Deinen Reparationszahlungen (es heisst nicht Reparatur..) aus?

      Ich glaube Du warst einer der vielen Touristen in Vietnam, die vorher einen Reiseführer gelesen haben und sich ohne irgendwelche Vorbildung vereinnahmen liessen. Die Vietkong waren keinen Deut besser....
      2 1 Melden
    • Posersalami 15.03.2018 11:51
      Highlight @LaPaillade: In Libyen hat die USA also gesiegt, sehr interessant. Ziel war also, das Land ins Chaos zu stürzen? Nein, der Krieg wurde ebenfalls verloren.

      Gleiches im Irak. Anstatt Freiheit, Demokratie und Ölverträge gab es unzählige Tote, 1 Bio $ Auslagen und als Nachtisch den IS. Krieg verloren.

      Wir halten fest: die USA können nur gegen Kleinststaaten wie Grenada gewinnen. Sobald es um mehr als ein paar km2 geht kacken sie ab. Nicht weil das Militär schlecht wäre, sondern die Politik absolut keinen Plan hat, wie die Welt funktioniert. Gehört halt auch dazu.
      0 5 Melden
    • sgrandis 15.03.2018 12:44
      Highlight ich meinte die USA. und, zugegebenermassen war meine These nicht sehr mit Fakten untermauert. Fakt ist, die USA mussten grosse Teile ihres Territoriums abgeben und haben sehr selten feindliche Truppen auf ihrem Staatsgebiet gehabt.

      Einige Militärinterventionen haben ihre Ziele weit verfehlt, aber Washington ist nie besetzt oder zerbombt worden
      2 1 Melden
    • AustinOsmanSpare 15.03.2018 13:14
      Highlight Ohne die Amis gäbs keinen Salami mehr nach dem WWII, nur noch Weisswurscht. Aber Posen, geht ja auch ohne ....
      3 2 Melden
    • coronado71 15.03.2018 15:06
      Highlight Noch einmal: Huber hat einen Artikel über den Indochinakrieg von FRANKREICH in den 1950er-Jahren geschrieben. Nicht über das, was die USA in Grenada, Irak, Libyen etc. veranstaltet haben.

      Würde ein Artikel über den Algerienkrieg (1954 - 1962) auch mit Beiträgen wie "aber die USA haben...!" kommentiert? Ich denke nicht.
      3 1 Melden
    • Posersalami 15.03.2018 15:24
      Highlight @ AustinOsmanSpare: Auch das ist falsch. Die Hauptlast im Kampf gegen die Nazis hat Russland getragen. Zugegeben, sie wurden von den USA unterstützt, aber militärisch war der Beitrag der USA nicht sehr gross. Die USA verloren folgerichtig noch nicht einmal 170 000 Soldaten im Kampf gegen Deutschland.

      Als die USA endlich Bodentruppen in den Kampf um Europa geschickt haben stand Stalin schon in Ostpreussen! Also, danken sie Russland.
      4 5 Melden
    • rolf.iller 15.03.2018 17:43
      Highlight @Posersalami Ich danke den Allierten. Auch wenn der Einsatz deutlich kleiner war, so gab es dann doch ein freies Westeuropa, das nicht Teil der Sovjetunion war.
      3 1 Melden
    • coronado71 15.03.2018 20:15
      Highlight @Posersalami: Die von dir genannte Zahl solltest du in Relation zu den Gesamtverlusten der USA stellen. Die beliefen sich im 2. WK auf ca. 407'000 Tote. Der Blutzoll der Sowietunion war massiv höher - nicht zuletzt durch das grausame Wüten der Wehrmacht an der Zivilbevölkerung.

      Die USA haben die Sowjetunion ab 1941 massiv mit Materiallieferungen unterstützt ("Lend & Lease"). Ohne diese Unterstützung wäre die im Kriegsverlauf zunehmende Mobilität der Sowjetarmee kaum möglich gewesen. Diesbezüglich sind sich Historiker weitgehend einig. Wäre vielleicht mal ein Artikel darüber wert...
      1 0 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 15.03.2018 21:59
      Highlight @Posersalami:
      Es geht nicht um die Nachkriegsziele. Ansonsten hat die Entente den 1 Weltkrieg auch verloren, wenn wir den Aufstieg Hitlerdeutschlands betrschten?
      Ursprüngliche Kriegsziele wurden sowohl in Libyen als auch im Irak erreicht, Irak geb ich dir sogar einigermassen recht...

      Die Hauptlast im WW2 trugen tatsächlich die Sowjets, aber auch mit tatkräftiger finanzieller und materieller Hilfe der USA, die du hier unterschlägst.
      3 0 Melden
    • AustinOsmanSpare 16.03.2018 08:38
      Highlight Ohne die Allierte wäre Europa in Russlands hand und wir alle im Gulag.
      1 1 Melden
    • Posersalami 16.03.2018 09:15
      Highlight @LaPaillade: Sie kennen die genauen Kriegsziele der Guten in Lybien? Her damit! Soweit ich mich erinnere wurde da nämlich sehr widersprüchlich kommuniziert.

      Die Ziele der Resolution 1973 wurden jedenfalls so weit verfehlt, wie es nur geht.

      @ AustinOsmanSpare: hätte hätte Fahradkette. Ihre Aussage ist reine Spekulation. Niemand kann sagen, was mit Europa passiert wäre ohne den Einmarsch in der Normandie 1944. Auch sie nicht.
      1 2 Melden

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus …

Artikel lesen