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EU richtet Zahlensalat an: Reisen gar nicht so viele Migranten nach Europa wie vermeldet?



A migrant waits in line next to a Frontex officer (R) at the port of Kos, following a rescue operation off the Greek island of Kos, August 14, 2015. The United Nations refugee agency (UNHCR) called on Greece to take control of the

Ein Beamte der europäischen Grenzschutzagentur Frontex nimmt auf der griechischen Insel Kos Flüchtlinge in Empfang.
Bild: ALKIS KONSTANTINIDIS/REUTERS

Als die europäische Grenzschutzagentur Frontex am vergangenen Dienstag die neuesten Zahlen zu den Flüchtlingsströmen in Europa publizierte, lauteten die Schlagzeilen unisono: 710'000 Flüchtlinge erreichten bisher die EU.

710'000 Flüchtlinge haben die Grenzen der EU überschritten

«Der Bund»

Frontex: Mehr als 710'000 Flüchtlinge bis Ende September

«Cash Online»

710'000 Menschen reisten 2015 bis jetzt illegal in die EU

SRF

710'000 Flüchtlinge haben EU-Grenzen überquert

«Tages-Anzeiger»/Newsnet

Der grosse Aufschrei über die erneute Zunahme der Flüchtlingszahlen blieb aus. Seit der Prognose des deutschen Vizekanzlers Sigmar Gabriel im September, dass alleine in Deutschland in diesem Jahr bis zu einer Million Menschen Asyl beantragen werden, scheint es, sind die Menschen in Europa abgestumpft. 

epa04984126 A Slovenian policeman looks on as some of the 1,800 migrants that arrived on a train at the Croatia border walk towards a registration center in Brezice, Slovenia, 19 October. Many of the migrants are exhausted, they have been waiting for hours at the closed border in Croatia in the hope of entering Slovenia, the next stage on their long journey to Austria, Germany or Sweden. Europe is grappling with the biggest migrant influx since World War II, and more than half of those arriving are estimated to be from Syria.  EPA/IGOR KUPLJENIK

Flüchtlinge erreichen die slowenische Grenze bei Brezice (19. Oktober 2015).
Bild: IGOR KUPLJENIK/EPA/KEYSTONE

Aus zwei Gründen lohnt es sich aber, die Zahlen von Frontex etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, wie das Medienportal «The Conversation» schreibt: Erstens bedeuten sie eine massive Zunahme im Vergleich zum Vorjahr, als Frontex 282'000 Menschen zählte, die illegal die EU-Grenzen überquerten. Zweitens weichen die Zahlen teilweise massiv von den von der UNO und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) herausgegebenen Daten ab. 

Diese Diskrepanz kommt zustande, weil Frontex Flüchtlinge in vielen Fällen nicht nur einmal, sondern zwei- oder gleich dreimal registriert – kurz: jedes Mal wenn sie eine der EU-Aussengrenzen überqueren.

epa04984016 Migrants cross the border between Greece and Macedonia near city of Gevgelija, The Former Yugoslav Republic of Macedonia, 19 October 2015. Thousands of migrants continue to arrive in Macedonia on their way to EU countries. Europe is grappling with the biggest migrant influx since World War II, and more than half of those arriving are estimated to be from Syria.  EPA/GEORGI LICOVSKI

Von einem EU-Land in ein Nicht-EU-Land: Grenzübergang zwischen Griechenland und Mazedonien.
Bild: GEORGI LICOVSKI/EPA/KEYSTONE

Ein Beispiel: Der Syrer, der von der Türkei aus griechischen Boden betritt (Griechenland = EU-Aussengrenze), dann über Albanien, Mazedonien oder Serbien (alles Nicht-EU-Länder) nach Ungarn (EU) oder Kroatien (EU) reist, von dort wieder in ein Transitland geschickt wird (bspw. Serbien) und dann erneut in den EU-Raum einreist (Kroatien), taucht in der Frontex-Statistik drei Mal auf.

Frontex bestätigte diese Doppel- und Dreifachzählungen gegenüber einem Journalisten auf Twitter: 

Im Anschluss an die Twitter-Konversation fügte Frontex unter den Beitrag zwar ein Korrigendum ein. Titel, Text und Stossrichtung blieben aber unverändert. 

«Klarstellung: Frontex liefert monatliche Daten über die Zahl der Menschen, die die Aussengrenzen der Europäischen Union erreichen. Unregelmässige Grenzübergänge können durch die gleiche Person mehrmals an verschiedenen Stellen an der Aussengrenze versucht werden. Dies bedeutet, dass eine grosse Anzahl der Menschen, die in Griechenland ankommen und erfasst werden, erneut registriert werden, wenn sie zum zweiten Mal durch Kroatien oder Ungarn in die EU reisen.»

Richtigstellung auf der Website von Frontex

Die Mehrfachzählung von Flüchtlingen wirft Fragen auf. Denn: In der angeheizten Asyldebatte sind die Zahlen von Frontex nicht nur Wasser auf den Mühlen von Rechtspopulisten und Abschottungs-Fanatiker. Auch die Grenzschutzagentur selber steht im Fokus: Je grösser die Zahl an Migranten, desto höher wird das Budget von Frontex veranschlagt. So hatte Frontex-Chef Fabrice Leggeri nach der Publikation der jüngsten Zahlen 700 zusätzliche Beamte bei der EU angefordert. (wst)

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