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«Erdogan, wenn du so viel Angst vor Spott hast, benimm dich nicht so, dass jeder sehen will, wie du auf die Eier kriegst.»



«Ich bin sehr froh, dass Amerika kein solches Gesetz hat», sagt der Moderator mit Blick auf den deutschen Paragraphen 103. «Ich wäre schon längst im Hochsicherheitsgefängnis – und ich würde dort nicht aufblühen!» Willkommen bei Last Week Tonight with John Oliver.

Der Gastgeber hat sich in seiner jüngsten Sendung Recep Tayyip Erdogan zur Brust genommen: «Er will jemanden einsperren lassen – wegen eines Gedichtes», lacht John Oliver ungläubig. «Es scheint, als sei er unglaublich dünnhäutig.» Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2014 habe Erdogan fast 2000 Klagen wegen Beleidigung des Präsidenten angestrengt.

«Das sind mehr als drei pro Tag», rechnet der Talkmaster vor. «Und einige davon sind unglaublich kleinlich. Im Oktober hat ein Physiker seinen Job verloren und ihm drohen nun zwei Jahre Haft, weil er ein Meme geteilt hat, nach dem Erdogan dieselben Gesichtsausdrücke wie Gollum hat. Und nebenbei: Es stimmt!» Und unter dem Gelächter des Publikums setzt er noch einen drauf. «Das ist keine Kritik. Das ist nicht mal ein Witz. Es ist einfach bloss eine biologische Tatsache!»

Schon die Zustimmung zu einer Erdogan-Kritik kann Ärger nach sich ziehen, verdeutlicht Oliver. «Etwas auf Facebook zu liken, sollte niemals ein Verbrechen sein. Ausser vielleicht, du likest ein Strandfoto einer Kollegin um drei Uhr morgens. Das ist die einzige Ausnahme, denn das ist unheimlich.»

Es sei sowieso alles Erdogans Schuld, denn er mache es seinen Mitmenschen zu leicht, sich über ihn lustig zu machen, findet der Moderator – und liefert ein paar Bonmots des türkischen Präsidenten. Etwa als er sagte, was Israel den Palästinensern antue, übertreffe das, was Hitler den Juden angetan hat. Oder: «Mann kann Frauen und Männer nicht gleichstellen. Das ist gegen die Natur.» Und das sagte Erdogan notabene auch noch an einer internationalen Frauenkonferenz.

Immerhin habe sich Erdogan dafür entschuldigen wollen, heisst es weiter: Der starke Mann vom Bosporus erzählte demnach, er habe immer die Füsse seiner Mutter geküsst, weil sie nach dem Paradies gerochen haben. «Ohhhh», verzieht Oliver sein Gesicht: «Sogar auf einer internationalen Fussfetischisten-Konferenz wirst du für den Satz ‹Die Füsse meiner Mutter rochen nach dem Paradies› schief angeguckt.»

Bild

Gottvoll: Olivers Gesicht, als er von den Füssen von Mutter Erdogan berichtet.
screenshot: youtube

Fazit: «Erdogan, wenn du so viel Angst vor Spott hast, versuche doch, in deinem und anderen Ländern nicht die Meinungsfreiheit zu unterdrücken, und benimmt dich nicht so, dass jeder sehen will, wie du auf die Eier kriegst.»

Den Worten des Briten aus Birmingham ist nichts hinzuzufügen.

(phi, Meedia)

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