International
Türkei

Geheimnisverrat: Fast sechs Jahre Haft für den türkischen Journalisten Dündar 

Geheimnisverrat: Fast sechs Jahre Haft für den türkischen Journalisten Dündar 

06.05.2016, 19:4307.05.2016, 17:17
Mehr «International»

Im Prozess gegen regierungskritische Journalisten in der Türkei ist der Chefredakteur der Zeitung «Cumhuriyet», Can Dündar, zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Hauptstadtbüroleiter Erdem Gül hat eine fünfjährige Gefängnisstrafe erhalten.

Dündar vor der Urteilsverkündung.
Dündar vor der Urteilsverkündung.
Bild: OSMAN ORSAL/REUTERS

Das Gericht habe Dündar und Gül der Veröffentlichung geheimer Dokumente für schuldig befunden, berichtete eine Reporterin der Nachrichtenagentur DPA von der Urteilsverkündung am Freitagabend in Istanbul. Bereits vor der Urteilsverkündung hatte Dündars Anwalt Bülent Utku für den Fall eines Schuldspruchs Berufung angekündigt. Nach Utkus Angaben müssen Dündar und Gül vor einem rechtskräftigen Urteil nicht ins Gefängnis.

Kurz vor der Urteilsverkündung hatte ein bewaffneter Angreifer am Freitag auf Dündar geschossen; Dündar blieb aber unverletzt. Nicht schuldig befand das Gericht die beiden Journalisten in den Anklagepunkten, in denen ihnen vorgeworfen wurde, die Regierung stürzen zu wollen und Spionage betrieben zu haben.

Zuvor hatte ein Attentäter vor dem Gericht in Istanbul auf den Journalisten geschossen. Die Frau, die ihn festhält, ist Dilek Dündar, die Gattin des Opfers.
Zuvor hatte ein Attentäter vor dem Gericht in Istanbul auf den Journalisten geschossen. Die Frau, die ihn festhält, ist Dilek Dündar, die Gattin des Opfers.Bild: STRINGER/REUTERS
Türkei
AbonnierenAbonnieren

Weiterhin verantworten müssen sich Dündar und Gül für angebliche Unterstützung einer Terrororganisation. Das Gericht gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, dass dieser Punkt in einem gesonderten Verfahren abgeurteilt werden soll.

Medien
AbonnierenAbonnieren

Hintergrund der Anklage ist ein «Cumhuriyet»-Bericht über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an Extremisten in Syrien aus dem vergangenen Jahr. Staatspräsident Erdogan hatte Anzeige gegen Dündar und Gül erstattet. Sowohl Erdogan als auch der türkische Geheimdienst MIT wurden als Nebenkläger zugelassen. 

(sda/dpa)

[phi, 10.5.] Satire, Politik & Pressefreiheit

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
10 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
chrisdea
06.05.2016 19:49registriert November 2014
Und was macht die EU? Sie verhandelt weiter mit Erdowahn...
220
Melden
Zum Kommentar
10
Haftbefehl gegen Netanjahu beantragt – dieser spricht von «Verzerrung der Realität»
Der Internationale Strafgerichtshof wirft dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Anführern der Hamas Kriegsverbrechen vor. Das Gericht in Den Haag hat deshalb Haftbefehle beantragt. Ein Überblick.

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) Karim Khan verfolgt Verbrechen während des Gaza-Krieges. Am Montag verkündete er den Antrag von Haftbefehlen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sowie gegen hochrangige Anführer der Terrororganisation Hamas im Gazastreifen.

Zur Story