International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wie Exil-Amerikanerinnen von der Schweiz aus Trump stürzen wollen

«Wird Trump nicht seines Amtes enthoben, könnte das das Ende unserer Demokratie sein, wie wir sie kennen», sagt Aktivistin Alexandra Dufresne.  bild: shutterstock / leo helfenberger

Eine von Frauen geführte Expat-Gruppe will dafür sorgen, dass die Amerikaner in der Schweiz bei den «Midterms» fleissig an die Urne gehen.



Alexandra Dufresne ist Amerikanerin. Laut herausposaunen will sie das aber nicht. Es ist ihr peinlich – und zwar seit Donald Trump ins höchste Amt des Landes gewählt wurde.

Die 45-jährige Wahlzürcherin und Rechtsdozentin ist auch die treibende Kraft hinter der Widerstandsbewegung «Action Together», einer Gruppe von US-Expats und einigen Schweizern, die sich für die Erhaltung der amerikanischen Grundwerte einsetzen. «Diese werden derzeit von der Trump-Administration und dem republikanischen Kongress mit Füssen getreten», sagt Dufresne – und schnaubt enerviert. Ihre Truppe zählt momentan 400 Anhänger, mehrheitlich Frauen.

«Wird Trump nicht seines Amtes enthoben, könnte das das Ende unserer Demokratie sein, wie wir sie kennen.»

Alexandra Dufresne.

Dufresne sitzt in einem Café am Hauptbahnhof Zürich. Neben ihr Tory Finn, Gründungsmitglied aus Kalifornien, und Chris Völkle, ein Berner Hobby-Regisseur, der sich ebenfalls freiwillig bei «Action Together» engagiert. Die drei haben soeben eine Videoreihe lanciert, die Schweiz-Amerikaner zum Wählen motivieren soll. Denn schon bald steht auf dem US-Polit-Parkett viel auf dem Spiel: Am 6. November sind die «Midterm Elections». Dann wählen die Amerikaner das Repräsentantenhaus und einen Drittel des Senats neu.

Mit diesen Videos wollen die Aktivisten Wähler ermutigen

abspielen

Video: YouTube/Action Together Zurich

Schlag den Trump

Siegen die Republikaner, hat Trump in den nächsten zwei Jahren freie Hand. Er könnte dann beispielsweise Robert Muellers Russland-Untersuchungen abwürgen. Erobern aber die Demokraten das Repräsentantenhaus zurück, könnten sie viele politische Projekte des Präsidenten und der Republikaner blockieren.

Error
Cannot GET /_watsui/filler/

Diese Wahlen seien entscheidend, betont Dufresne: «Wenn Trumps Partei im Kongress die Oberhand verliert, ist es wahrscheinlich, dass ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet und er auch tatsächlich seines Amtes enthoben wird. Passiert das nicht, könnte das das Ende unserer Demokratie sein, wie wir sie kennen.»

2014 haben nur vier Prozent der Expats bei den Halbzeitwahlen im Kongress gewählt.

Bemerkenswert: Nur wenige Amerikaner gehen bei den «Midterms» an die Urne, die Wahlbeteiligung ist im Vergleich zu Präsidentenwahlen immer sehr niedrig. Unter den Amerikanern im Ausland ist sie noch tiefer: 2014 haben nur vier Prozent der Expats bei den Halbzeitwahlen im Kongress gewählt. «Unser Ziel ist, dass sich jetzt so viele der neun Millionen im Ausland lebenden Amerikaner wie möglich auf die Wahllisten eintragen und abstimmen», sagt Tory Finn.

Ihre Hoffnung könnte sich verwirklichen. Denn die Erfahrung lehrt, dass die Partei, die den Präsidenten stellt, bei Zwischenwahlen meist von den Wählern abgestraft wird. Dafür spricht ausserdem die hohe Motivation bei den demokratischen Anhängern, die Trump unbedingt einen Denkzettel verpassen wollen.

«Wir sind lange nicht alle Demokraten oder Bernie-Sanders-Fans.»

Alexandra Dufresne stammt aus Georgia, aus einer konservativen Familie. Viele ihrer Familienmitglieder sind Republikaner, sie sträuben sich aber gegen Trumps Verhalten und seine Art, Politik zu betreiben. «So geht es auch vielen unserer Mitglieder – wir sind also lange nicht alle Demokraten oder Bernie-Sanders-Fans.» Wünscht Sie sich gar den einst verhassten Georg W. Bush zurück? «Nein, das schon nicht», so Dufresne und überlegt kurz. «Aber wenigstens respektierte Präsident Bush unsere Institutionen. Präsident Trump hingegen ist gefährlich, weil er keinen Respekt vor diesen hat. Ausserdem macht ihn sein Narzissmus instabil und unberechenbar.»

Soll Donald Trump sein Amt niederlegen?

Den «Gipfel abgeschossen» habe Trump, als er im Sommer 2017 den Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen erklärte, so Dufresne. Ihr politisches Engagement startete aber bereits einige Monate vorher, am Zürcher Women’s March, einer Demonstration für Frauenrechte und gegen Donald Trumps ‹Grab them by the pussy›-Äusserungen. «Ich habe eine junge Tochter. Ich kann doch nicht einfach zuschauen, wie der einflussreichste Mann der Welt Sexismus propagiert und so ein extrem frauenfeindliches Klima verbreitet.» Seither setzt sie sich aus ihrer Wahlheimat Schweiz aus gegen Trump ein und opfert dafür jede freie Minute.

Mit diesen Videos wollen die Aktivisten Wähler ermutigen

abspielen

Video: YouTube/Action Together Zurich

Auch Schweizer aktiv  

Hinter den Aktivisten von «Action Together» stecken vornehmlich Exil-Amerikanerinnen und -Amerikanern, die in der Limmatstadt arbeiten oder mit einer Schweizerin oder einem Schweizer verheiratet sind. Aber nicht nur: Chris Völkle ist nicht der einzige in der Community aktive Schweizer. «Ich denke, immer mehr Schweizer verstehen, dass es hier nicht nur um die USA geht, sondern auch um Grundwerte, die unser Land und die USA verbinden wie die Achtung der Menschen- und Bürgerrechte oder die Pressefreiheit», so Völkle. 

Bild

Chris Völkle, Alexandra Dufresne und Tory Finn in einem Café am Zürcher Hauptbahnhof.  bild: watson

«We are sorry. Es tuet eus leid.»

«Action Together» sorgte bereits international für Schlagzeilen. In den USA haben «TeenVogue» und «USA Today» über die Gruppe berichtet, und auch die britische Zeitung «The Independent» widmete ihr einen Artikel.

In der Schweiz verschafften sich die Expats Anfang Januar Gehör, als Trump nach Davos ans WEF reiste. Damals wollten sie sich mit dem Slogan «We are sorry. Es tuet eus leid.» für den anstehenden Besuch, aber auch generell für das, wie sie finden, «unmögliche Verhalten» ihres Präsidenten entschuldigen. Sie organisierten in Zürich eine Demonstration.

Und auch als die «Weltwoche» Ex-Trump-Berater Steve Bannon im März nach Zürich holte, formierte die Community Widerstand. Sie machte sich den Wirbel rund um Bannons Besuch zu nutze, um Geld für strengere Reglementierung des Waffenbesitzes in den USA zu sammeln. «Ansonsten stehen wir in stetem Kontakt mit Senatoren und telefonieren Wahllisten ab, um die Leute zum Abstimmen aufzumuntern», so Dufresne. 

Schweizer sind bei Expats unbeliebt

Video: watson/Emily Engkent

Trumps mögliche Gegner 2020

Trump unter Druck

Trump will den Prediger Gülen an Türkei ausliefern

Link zum Artikel

«Verbündete mit Respekt behandeln»: US-Verteidigungsminister geht – und kritisiert Trump

Link zum Artikel

Stolpert Trump über diese drei Männer?

Link zum Artikel

Trump kickt nächsten Minister raus – warum das Good News sind für Umweltschützer

Link zum Artikel

Urteil überraschend verschoben – Richter erhebt schwerste Vorwürfe gegen Michael Flynn

Link zum Artikel

Woher hatte Trump das ganze Wahlkampf-Geld? Es gibt neue Theorien

Link zum Artikel

Ihr glaubt gar nicht, an wie vielen Fronten Trump kämpfen muss

Link zum Artikel

Trumps Personal-Verschleiss: So viele Leute sind (oder wurden) gegangen 🙈

Link zum Artikel

Im Trump Tower Moskau stand ein 50-Millionen-Penthouse für Putin bereit

Link zum Artikel

«Er hat mich angewiesen, die Zahlungen vorzunehmen» – hier packt Cohen über Trump aus

Link zum Artikel

War's das, Donald Trump?

Link zum Artikel

Tillerson über Trump: «Ich sagte ihm, das kann man nicht machen, es verletzt das Gesetz»

Link zum Artikel

«Schockierendes Muster der Illegalität»: Trump-Stiftung wegen krummen Geschäften aufgelöst

Link zum Artikel

Trump erwägt bereits die nächste Entlassung – diesmal soll es den Notenbank-Chef treffen

Link zum Artikel

Saudi-Arabien soll US-Veteranen-Treff finanziert haben – in Trump-Hotels

Link zum Artikel

Dieses Dokument beweist, dass Trump wegen des Trump Towers in Moskau gelogen hat

Link zum Artikel

Wie wär's mit einem Treffen von Putin und «Individuum 1»? Muellers neue heisse Spur

Link zum Artikel

Der Skandal-Verleger und Donald Trumps schmutzige Geheimnisse

Link zum Artikel

Trump in der Defensive: Kelly geht, Russland-Affäre kommt neu auf

Link zum Artikel

Die Lügenbilanz zum 700. Amtstag: Donald Trump, ein Pinocchio ohne Boden

Link zum Artikel

Selbst Trump spricht nun von einem Impeachment

Link zum Artikel

Trotz Teil-«Shutdown» der US-Regierung: Trump vergibt Bauvertrag für Mauer

Link zum Artikel

Trump ergreift erstmals Massnahmen gegen Waffengewalt – Waffenlobby ist enttäuscht

Link zum Artikel

Putin-Sprecher bestätigt Kontakt zu Trumps Ex-Anwalt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • In vino veritas 01.10.2018 11:15
    Highlight Highlight Wie absurd. Auch ich kann Trump nicht leiden, ihn aber deswegen abzusetzen ist undemokratisch, solange ihm kein Verbrechen nachgewiesen werden kann. Es ist eher das absurde Politsystem in den USA. Das fängt bei den Wahlmännern an, geht über das (de facto) zwei Parteien-System und endet bei der Wahlmüdigkeit. Neue Kandidaten sind gefragt, besonders bei den Demokraten. Ausserdem halte ich die Parteispitze für korrupt (Sanders verhindernt, Clinton durchgedrückt). Wenn ich ehrlichen bin, hätte ich auch aus Trotz Trump gewählt. Aber die Demokraten haben nichts gelernt und machen so weiter.
  • Roland Strauss 30.09.2018 21:35
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
    • leykon 30.09.2018 21:49
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 01.10.2018 06:13
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • Realtalk 30.09.2018 14:32
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 01.10.2018 06:14
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • Oh Dae-su 30.09.2018 13:55
    Highlight Highlight Der Titel ist ziemlich Irreführend. Das Wort Exil suggeriert, dass diese Leute die USA unter Zwang verlassen mussten. Dies ist jedoch überhaupt nicht der Fall. Es handelt sich lediglich um normale Expats, die unzufrieden mit dem momentanen Präsidenten sind.
  • Randen 30.09.2018 12:22
    Highlight Highlight Super! Aber ist das überhaupt noch Demokratie wenn unbegrenzt für Wahlen gespendet werden darf ? Bei den Demokraten wurde Sanders vermutlich intern abgewürgt weil er einigen mächtigen Geldgebern nicht passte. Weiss nicht ob Sanders gut gewesen wäre aber die Mechanismen sind definitiv nicht demokratisch.
    • balzercomp 30.09.2018 13:23
      Highlight Highlight Er ist (noch) für die Mehrheit der US-Amerikaner viel zu links und damit nicht wählbar. Ob das 2020 auch gilt, muss sich zeigen. Ich denke, er wäre dann ein guter Kandidat als Vize, aber der Kandidat für die Präsidentschaft sollte mehr in der politischen Mitte liegen.
    • rauchzeichen 30.09.2018 16:54
      Highlight Highlight und, nichts gegen bernie, etwas jünger sein. als vize eines jüngeren gemässigten demokraten könnt ich ihn mir sehr gut vorstellen.

      aber zuerst muss das trump/pence debakel ausgestanden werden. immerhin; besser beide auf einmal als nacheinander...
    • The Destiny // Team Telegram 30.09.2018 17:25
      Highlight Highlight Sanders wurde nicht nur vermutlich abgewürgt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • gecko25 30.09.2018 12:10
    Highlight Highlight Es ist sehr zu begrüssen, dass sich Widerstand gegen die Unmenschlichkeit bildet. Das es sich bei den amerikanischen Grundwerten nie sonderlich zum besten gehandelt hat, sollte hingegen nicht ausser Acht gelassen werden.
  • Wurstbrot 30.09.2018 12:03
    Highlight Highlight Beruhigend zu sehen, dass nicht alle Amerikaner mit diesem Wirrkopf im weissen Haus einverstanden sind. Ich wünsche viel Erfolg bei ihrem Vorhaben.
  • Pius C. Bünzli 30.09.2018 12:03
    Highlight Highlight Zweiparteiensystem *hust* Demokratie *hust*

WhatsApp-Nachrichten warnen vor Corona-«Impfzwang» – das musst du wissen

Auf WhatsApp kursieren Meldungen, die vor einem «Impfzwang» warnen. Kann der Bundesrat die Schweizer Bevölkerung wirklich zu einer Impfung zwingen? 6 Dinge, die du jetzt darüber wissen musst.

«BITTE DRINGEND TEILEN! Der Impfzwang soll jetzt gesetzlich verankert werden» – so heisst es in einer WhatsApp-Nachricht, die sich derzeit wie ein Lauffeuer verbreitet. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Die gesetzliche Grundlage dafür gibt es bereits. Laut Epidemiengesetz (Art. 6, Absatz 2d), das 2013 vom Volk angenommen wurde, kann der Bundesrat in einer besonderen Lage Impfungen für obligatorisch erklären. Allerdings wird dieses Obligatorium im Gesetz auf «gefährdete …

Artikel lesen
Link zum Artikel