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Spiele-Kritik von Tom Felber zu «Deja-vu»

Für alle, die im Memory immer abgeräumt haben: DAS ist ein Spiel für euch!

Bild: Amigo
De Ohrfiige na
Im Spiel «Deja-vu» zählt nur, was man schon einmal gesehen hat. Dumm dabei ist, dass man sich oft nicht so genau daran erinnern kann.  
18.03.2018, 15:08
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Wir spielen heute:
«Deja-vu»

Gedächtnis- und Reaktionsspiel von Heinz Meister für 2 bis 6 Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: etwa 15 Minuten. Verlag: Amigo. Preis: etwa 18 Franken. 

Thema:

Bunte Sachen wieder erkennen

Was macht man?

Deja-vu Spielsituation
Bild: Amigo

Karten aufdecken, scannen, ob man die bunten Sachen darauf schon einmal gesehen hat, sofort das Plättchen mit dem entsprechenden Ding vom Tisch greifen.  

Besondere Features:

Übergrosses Format der Karten. Einfache Idee, aber starke Wirkung. 

Geeignet für:

Alle, die es gerne lustig und ein gutes Gedächtnis haben; als Aufmischer oder Absacker. 

Wir haben es für euch gespielt!

Da ich viel auf Reisen bin, mag ich Spiele ganz besonders, die in eher kleinen Schachteln stecken und als Türöffner für Kontakte zu Fremden verwendet werden können. Dazu sollten die Spiele so klar und simpel sein, dass sie diesen Fremden problemlos erklärt werden können, selbst wenn man nicht die gleiche Sprache wie sie spricht, zum Beispiel nur mit Gesten, Quietsch- und Summlauten.

«Deja-vu» (tatsächlich ohne accents geschrieben) ist zwar keine Neuheit, aber genau so ein Spiel, zudem ideal für alle, die sowieso denken, dass sich in der Welt gerade alles wiederholt und dies ziemlich absurd ist. Die Absurdität von Déjà-vus wurde ja auch schon durch einen alten Monty-Python-Sketch oder Filme wie Und täglich grüsst das Murmeltier aufgezeigt. Da passt es gut ins Bild, dass in diesem Spiel jeder Mitspieler, der eine der 36 überdimensionalen Bildkarten (im Format 8 mal 12 Zentimeter) in der Hand hält, aussieht, als ob er ganz, ganz kleine Kinderhände hätte.  

Glücklicherweise muss man die Karten aber gar nicht auf der Hand halten, sondern nur umdrehen. Auf jeder Karte sind zwischen ein und drei Gegenstände abgebildet, die sich in Form oder Farbstruktur absichtlich zum Teil ziemlich gleichen: Eine Birne und eine Glühbirne, eine rot-weisse Schutzweste, ein rot-weiss gestreiftes Hemd und ein rot-weisser Pylon, ein Strohhut und eine Briefmarke, auf der exakt dieser Strohhut abgebildet ist, ein vierblättriges Kleeblatt, ein Schlüssel mit Kleeblatt-Kopf und ein Schleckstängel mit Kleeblatt-Grafik. Ein Smaragd und ein Puzzle-Teil mit dem Bild genau dieses Smaragds. Jeder Gegenstand ist genau auf zwei der Karten abgebildet. Der Kartenstapel kommt gemischt in die Mitte. Um ihn herum werden kleine Kartonplättchen gelegt, die exakt die selben Gegenstände zeigen wie auf den Karten.

Die Regeln sind in einer Minute erklärt und das Spiel ist in 15 Minuten gespielt. Es eignet sich hervorragend als Pausenfüller oder Absacker eines Spieleabends. 

Was ist ein Absacker? Mehr dazu hier:

Umso grösser ist die Verblüffung darüber, was das simple Spiel emotional mit den Mitspielern anstellt. «Deja-vu» ist nämlich eine nervenzerfetzende Mischung aus hochkonzentriertem Gedächtnis- und hektischem Reaktionsspiel: Reihum werden Karten aufgedeckt. Wer dabei ein Déjà-vu hat, sollte sich das entsprechende Plättchen blitzschnell greifen; also wenn ein Gegenstand genau zum zweiten Mal auf einer Karte erscheint. Jedes Plättchen, das man zum Schluss besitzt, zählt einen Punkt. Spieleautor Heinz Meister («Yay!», «Schweinsgalopp», «Zapp Zerapp») ist dabei aber völlig unbarmherzig mit den Spielern: Wer auch nur einen einzigen Fehler macht, scheidet aus der Runde aus. Wird eine Karte aufgedeckt und jemand hat einen darauf sichtbaren Gegenstand schon vor sich liegen, ist sofort klar, dass dieser Dude einen Fehler gemacht hat.

Das Spiel ist nach einem Durchgang aber nicht zu Ende. Die Karten werden wieder gemischt und die Gegenstands-Plättchen auf dem Tisch verteilt. Es gibt einen zweiten und einen dritten Durchgang, die genau gleich ablaufen. Das macht die Aufgabe erst interessant und viel, viel anspruchsvoller. Denn nun kommt einem jeder, aber wirklich jeder Gegenstand bereits bekannt vor. Hat man jetzt den Pylon in diesem Durchgang oder im letzten Durchgang zum zweiten Mal gesehen? Und selbst wenn man sich sicher ist, findet man den Pylon nicht schnell genug in der Auslage, und ein Mitspieler hat ihn bereits weggeschnappt.

Bild

Man kann auch bluffen, andere ablenken, das Greifen nur antäuschen. Und immer wieder bricht Schadenfreude aus, wenn ein Gegenstand aufgedeckt wird, der schon bei jemandem liegt. Wie leicht ist es doch, sich etwas einzubilden, das gar nicht passiert ist! Durch die harte Bestrafung kann jede Entscheidung spielentscheidend sein. «Deja-vu» ist ein fadengerades, überraschend packendes Party-Spiel, das Unmengen an tief schlummernden Gefühlen freisetzt und den Spielern knallhart die Grenzen des eigenen Kurzzeitgedächtnisses aufzeigt.

Ist Deja-vu zu zweit spielbar?

Theoretisch schon, praktisch aber nicht sehr lohnend. Es macht umso mehr Spass, je mehr Spieler teilnehmen. 

Tom Felber ist ...
... der Vorsitzende der internationalen Kritiker-Jury «Spiel des Jahres» und veröffentlicht seit 1985 Spiele-Rezensionen in verschiedenen Medien. Er stellt hier regelmässig neue Brett- und Kartenspiele vor.
Bild
bild: zvg
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