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SC Bern Cheftrainer Kari Jalonen spricht beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den HC Ambria-Piotta, am Dienstag, 29. Januar 2019, in der Postfinance Arena in Bern (KEYSTONE/Anthony Anex)

Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der 100. Triumph für Kari Jalonen oder die industrielle Produktion von SCB-Siegen

Der SC Bern hat gegen Ambri (3:2) den 100. Sieg in der Qualifikation unter Kari Jalonen gefeiert. Auch eine «Jahrzehnt-Strafe» im Spiel gegen Ambri vermochte die industrielle Sieges-Produktion nicht zu stören.



Die industrielle Produktion von Siegen. Ja, so lässt sich die Spielweise des SC Bern auf einen einfachen Nenner bringen. Soeben hat der SCB unter Kari Jalonen gegen Ambri (3:2) im 138. Qualifikationsspiel den 100. Sieg eingefahren.

Nie mehr seit den Zeiten von Bill Gilligan (zwischen 1989 und 1992 drei Titel in vier Jahren) hatte ein Trainer den SCB so gut im Griff wie Kari Jalonen (59).

Der finnische Bandengeneral kommandiert den SCB nun im dritten Jahr. Mit seinem Amtsantritt im Sommer 2016 ist beim SCB Ruhe eingekehrt wie noch nie in diesem Jahrhundert. Schlechte Zeiten für Polemiker. Zumindest während der Qualifikation.

Die beiden Trainer John Slettvoll, links, und Bill Gilligan, rechts, bei einem Training der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft in Davos, 14. April 1992. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Bill Gilligan (rechts) mit John Slettvoll im Jahr 1992.  Bild: KEYSTONE

Unter dem Finnen haben die Berner zweimal hintereinander die Qualifikation gewonnen und stehen vor dem dritten Qualifikationssieg in Serie. 2017 wurden sie Meister. Das Scheitern im Halbfinale gegen die ZSC Lions war im letzten Frühjahr bloss ein «Betriebs-Unfall», der nun korrigiert werden soll.

Sind alle restlos glücklich? Nicht ganz. Die Berner haben noch nicht gelernt, mit so viel Siegen umzugehen. Der SCB siegt und siegt und siegt. YB siegt und siegt und siegt.

Die Begeisterung hält sich auf sehr hohem Niveau. 16'399 kamen in der Qualifikation pro Heimpartie in der ersten Saison unter Kari Jalonen (2016/17). 16'371 waren es letzte Saison und nun sind es erneut im Schnitt exakt 16'271.

Die Partien laufen inzwischen meistens so sehr nach dem gleichen Drehbuch, dass die Perfektion des SCB-Spiels zu einer gewissen Langeweile führt. So viel Erfolg, so wenig Drama. Kari Jalonen hat die höchste Stufe erreicht, die es für einen Trainer gibt: er hat ein unberechenbares Spiel auf rutschiger Unterlage berechenbar gemacht. Zumindest während der Qualifikation.

Nur bei 8 von 27 Siegen ist diese Saison der Siegestreffer erst im Schlussdrittel oder in der «Überzeit» gefallen. Und zwölfmal bereits im ersten Drittel. Der SCB ist wie noch nie im 21. Jahrhundert eine grosse, mächtige, unaufhaltsame Hockeymaschine. Zumindest während der Qualifikation.

Wie bei jeder industriellen Fertigung kommt es hin und wieder zu einem Produktionsunterbruch oder zu kleineren Störungen. Das ist für den Trainer ärgerlich, hat aber für ihn keinerlei Konsequenzen.

Ja, gestern sorgten die kleinen Schwierigkeiten bei der «Produktion» des allseits erwarteten Sieges über Ambri endlich wieder einmal für ein bisschen Drama, Diskussionsstoff und Unterhaltung.

Nicht ganz unerwartet. Der SCB kann am ehesten mit jenem Tempo-, Emotions- und Energiehockey aus dem Konzept gebracht werden, das ein tapferes Ambri an einem guten Abend zu spielen pflegt. Und so fiel der Siegestreffer in einem für Berner Verhältnisse wilden Spektakel (29:30 Torschüsse) erst zum 8. Mal in dieser Qualifikation im Schlussdrittel (50. Min. durch Andrew Ebbett).

Ambris Michael Fora, links, und Berns Andrew Ebbett, rechts, kaempfen um den Puck, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den HC Ambria-Piotta, am Dienstag, 29. Januar 2019, in der Postfinance Arena in Bern (KEYSTONE/Anthony Anex)

Andrew Ebbett Bild: KEYSTONE

Auf dem Weg zu diesem Erfolg gab es endlich Aufregung und Stoff für Diskussionen nach dem Spiel in der Stadionbeiz. Ambri erzielte das 2:2 (44. Minute) im Rahmen einer regeltechnischen Rarität.

Mark Arcobello kassierte für einen Stockschlag gegen den enteilten Dominik Kubalik fünf Minuten, garniert mit einem Penalty. Den hielt Leonardo Genoni. Aber das fünfminütige Powerplay nützte Ambri zum 2:2.

Diese Regelauslegung ist absolut korrekt:

Regel 114 (Angezeigte Strafen) sagt unter Abschnitt XIII:

«Wird ein angreifender Feldspieler in einer Break-Away-Situation von einem Gegenspieler derart gefoult, dass dies eine Grosse Strafe und eine automatische Spieldauer-Disziplinarstrafe zur Folge hat, werden die Strafen gegen den Spieler verhängt, unabhängig davon, ob der folgende Penaltyschuss erfolgreich ist oder nicht.»

Die Fünfminuten-Strafe plus Restausschluss für den Stockschlag von Marc Arcobello ist ebenfalls gerechtfertigt: 

Regel 159 sagt:

«Ein Spieler, der mit einem Stockschlag einen Gegenspieler rücksichtslos gefährdet, erhält entweder eine Grosse Strafe und eine automatische Spieldauer-Disziplinarstrafe oder eine Matchstrafe.»

Der zweihändig und mit Schwung geführte Stockschlag des Amerikaners ist rücksichtslos und ob er dabei den Gegenspieler verletzte oder nicht ist unerheblich.

Die Situation hat Seltenheitswert, weil es eigentlich nie gelingt, einen davoneilenden Spieler mit einem «Fünfminuten-Vergehen» zu foulen – praktisch immer kommt es zu einem «Halten» oder «Haken» oder der Gegenspieler wird auf andere Weise illegal von hinten zu Fall gebracht. Dass einer noch mit einem zweihändigen Stockschlag erwischt wird, ist wahrlich selten.

Letztlich hat Ambri das Spiel während dieser «Jahrzehnt-Situation» verloren: Nur ein Tor (zum 2:2) aus einem Fünfminuten-Powerplay garniert mit Penalty – das reicht gegen den SCB eben nicht.

Die SCB-Siegesproduktion läuft also zufriedenstellend mit nunmehr zehn Siegen in den letzten elf Partien.

Das SCB-Spiel ist eine nahezu perfekte Mischung aus Talent, Erfahrung, Disziplin und taktischer Intelligenz Kari Jalonen versteht es meisterhaft mit beharrlich eingeübten guten offensiven und defensiven Gewohnheiten Schwächen im spielerischen Bereich zu kompensieren.

Der SCB ist nicht der talentierteste Titan – aber mit einem Durchschnittsalter von 30,14 Jahren der erfahrenste mit den am besten eingeübten Automatismen.

In der finalen Ausmarchung um den Titel ist diese Erfahrung ein Erfolgsfaktor. Weil altgediente «Hockeysoldaten» unter der Extrembelastung der Playoffs in der Regel verlässlicher arbeiten als wilde Junge.

Berns Matthias Bieber, rechts, im Duell mit Fribourgs  Jonas Holos im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 26. Oktober 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Matthias Bieber (rechts) Bild: KEYSTONE

Der SCB hat seine Transferpolitik mit Verpflichtungen von erfahrenen Mitläufern wie Matthias Bieber (32), Grégory Sciaroni (29), Daniele Grassi (26) auf dieser Philosophie aufgebaut.

So wie einst Esau sein Erstgeburtsrecht (und damit seine Zukunft) für ein Linsengericht an Jakob verkaufte, so neigt der SCB dazu, dem Erfolg im Hier und Jetzt die mittelfristige Zukunft zu opfern: zu viele Talente aus der exzellenten Nachwuchsorganisation reifen anderswo zu Nationalspielern wie zuletzt Marco Müller (25) in Ambri und Samuel Kreis (24) in Biel. Zu wenige wie André Heim (20) und Yanick Burren (22) werden in die erste Mannschaft aufgebaut.

Immerhin gelang André Heim mit dem zweiten Saisontor gegen Ambri ein wichtiger Treffer (zum 2:1). Er wird die Chance bekommen, nächste Saison von Gaëtan Haas (26) die Rolle des ersten Schweizer Centers zu übernehmen.

Der Berner Andre Heim, links, und der St. Galler Florian Schmucki, rechts, kaempfen um den Puck beim Eishockeyspiel der National League zwischen dem SC Bern und den Rapperswil-Jona Lakers am Samstag, 8. Dezember 2018 in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

André Heim Bild: KEYSTONE

Der Nationalstürmer hat eine NHL-Freigabeklausel erstritten und wird nächste Saison mit einem Einjahresvertrag das Nordamerika-Abenteuer wagen. Gestern sass erneut ein Scout von Columbus auf der Tribune. Diese NHL-Organisation mit dem finnischen General Manager Jarmo Kekäläinen hat ein Faible für europäische Spieler und damit für Mittelstürmer wie Gaëtan Haas.

Ob der SCB-Center tatsächlich in Columbus landen wird, ist offen. Eine Entscheidung wird mit ziemlicher Sicherheit erst nach der Saison fallen.

Da Trainer Kari Jalonen bleibt, wird auch die Absenz von Gaëtan Haas die «industrielle Siegesproduktion» nächste Saison (noch) nicht nachhaltig stören. Zumindest nicht während der Qualifikation.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tikkanen 30.01.2019 10:30
    Highlight Highlight ...sehr guter Artikel Chlöisu. Allerdings gilt heuer das "zumindest in der Quali" nicht. Das letztjährige SF Out gegen die glückhaften Hipster war einzig und allein der Absenz von 13 Bernern wegen der Olympiade möglich. Sowohl Schweizer als auch Kanadier kehrten gefrustet aus Korea zurück, Käru's Trainings mussten mit Spielern von Wiki etc. gefüllt werden. Item, jetzt ist alles anders, die hervorragend aufgestellt Hockeymaschine wird die heurigen Playoffs locker durchschreiten, der Meisterumzug wird wie gewohnt durch die Laubengesäumte Altstadt von Europas Hockeyhauptstadt führen. Hopp Bärn
    • Tikkanen 30.01.2019 10:49
      Highlight Highlight ...coming soon: Noch 12 bis🐻🏆🥇🍻😎
    • Ah-Jah 30.01.2019 20:25
      Highlight Highlight Es wird sich weisen!!! Freue mich schon!!
  • Rock'n'Rohrbi 30.01.2019 10:26
    Highlight Highlight Sind sich alle einig und dass „dr Häsu“ Fuss fasst in der NHL? Ich habe da Zweifel und schon nur weil er nicht bereit ist sich über die AHL aufzudrängen, sehen wir Ihn spätestens ab Oktober 2019 wieder im SCB Dress. Kommt hinzu und dass er die Härte auf engem Raum nicht ertragen wird, sollte er wirklich ein paar Ernstkämpfe bestreiten. Der SCB muss sich nicht sorgen um eine überalterte Mannschaft. Er wird sich punktuell verjüngern wo nötig und machbar. Fängt ja schon im Tor an und mit Schlegel kommt die Zukunft. Pestoni ist auch noch nicht im Rentneralter und Alex zaubert noch was herbei.
    • Maschine75 30.01.2019 19:07
      Highlight Highlight Dr Schatlää hett no nid würklech viu härä zouberet..;-)
    • Rock'n'Rohrbi 31.01.2019 10:45
      Highlight Highlight Nur Geduld Maschine75 ...gut Ding will Weile haben! ☝🏻😊
    • Maschine75 31.01.2019 22:06
      Highlight Highlight Muss schon noch etwas gehen auf die nächste Saison🥅🏒🤘🏻
  • UrsK 30.01.2019 10:13
    Highlight Highlight Wenn der SCB nichts mehr für den Boulevard hergibt, schreiben wir etwas Polemik halt herbei. Zumindest während der Qualifikation.
  • TEE-Zug 30.01.2019 09:15
    Highlight Highlight Das Wort „Hockeymaschine“ kommt dem Watson-Leser doch irgendwie bekannt vor, oder? Gruss an Tikkanen. Falls es noch eines Beweises gebraucht hätte dass ein Chronist dessen Name mir gerade entfallen ist, und Tikki ein und die selbe Person ist, voila, hier ist er! Und noch eine Bemerkung zum Inhalt: mir persönlich gefallen MENSCHEN mit all‘ ihren Stärken und Schwächen besser als MASCHINEN. Darum „allez Bienne“!! Oder dann halt Ambri oder d‘Chäsli‘s, aber bitte nicht schon wieder ein Klub der nicht einmal sportlich aufgestiegen ist.
    • Shizophrenic 30.01.2019 09:34
      Highlight Highlight Ja ja... Der "nicht sportliche Aufstieg" ist jetzt 33 Jahre her aber es gibt immer noch Menschen die darüber nicht hinwegkommen 🙄

      Get over ir und iss ein Snickers
    • TEE-Zug 30.01.2019 17:20
      Highlight Highlight Mein Herz schlägt für den EHCB, und nur für den EHCB! Natürlich wäre der SCB irgendwann wahrscheinlich auch einmal sportlich aufgestiegen, BIEL, Langnau, Ambri und andere "Kleine" aber eben nie am grünen Tisch das ist es was ich meine. Alles klaro?
      Chercher l'Erreur ....
  • Jüre51 30.01.2019 09:09
    Highlight Highlight Der Klaus schreibt mit einem gewissen Unterton von Produktion von SCB-Siegen geführt von Kari Jalonen. Würde der Z unter Arno ähnliche Siege „produzieren“ würde Klaus sicherlich Arno in den Hockeyhimmel schreiben..... nur weiter so Chlöisu
    • MARC AUREL 30.01.2019 09:21
      Highlight Highlight Viele warten nur darauf dass der Bär abstürzt... würde Kari Zürich oder Lugano coachen würde Klaus auch bestimmt anders schreiben!
  • MR92 30.01.2019 08:44
    Highlight Highlight Geniessen wir die Momentaufnahmen iN Bern. Gestern hatte der SCB mit C. Gerber, Heim, Burren und Fogstad drei junge Spieler im Einsatz. Die Talente sind vorhanden und werden schrittweise an die Mannschaft heramgeführt.

    Ich denke dieses Jahr könnte das letzte für einige Zeit sein, das mit einem Titel abgeschlossen wird.
    • MARC AUREL 30.01.2019 09:16
      Highlight Highlight Du machst dir zu viele Sorgen! Im Sport kann es sehr schnell gehen... niemand kann sagen was die Zukunft bringen wird!
    • greenfields 30.01.2019 15:01
      Highlight Highlight .... SCB mit C. Gerber, Heim, Burren und Fogstad drei junge Spieler im Einsatz. Soso, also welcher dieser VIER Spieler ist jetzt nicht mehr "jung"?.... Aber wieder ernsthaft, so sollte es seit drei Jahren sein, dass pro Saison 2 - 4 eigene Nachwuchsleute aus dem SCB-Reservoir eingegliedert würden und dieser Prozess nicht erst im dritten Jahr Jalonen beginnt. Aber ja, ich weiss, soll in Bern, insbesondere bei den Sponsoren und dem Pöbel, angeblich absolut unerwünscht sein. Hafenkäse, wenn ich jeweils im Stadion die Kommentare höre, wenn die auf dem Matchblatt aufgeführten Jungen bänkeln müssen.
    • MARC AUREL 30.01.2019 15:27
      Highlight Highlight Also ich bin von Jalonen sehr überzeugt! Ein absoluter top Trainer... NHL Trainer werden überbewertet! Nur eines stört mich... die Jungen könnte er mehr fördern und spielen lassen!
  • Normi 30.01.2019 07:45
    Highlight Highlight Vielleicht haben die Berner gelernt sich auf finnische art zu freuen 🙈
    Benutzer Bild
  • Buttercup Bumbersplat 30.01.2019 07:32
    Highlight Highlight Zumindest während der Qualifikation.

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