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From bottom to top team Italy, Canada and Switzerland in action during Women's Curling Round Robin Session at Torino's Palaghiaccio venue, at Turin 2006 Winter Olympic Games, Friday, 17 February 2006.  (KEYSTONE/EPA/PATRICK HATTORI)

Kick oder nicht? Olympia-Hoffnung stellt «Spirit of Curling» auf den Prüfstand

Die Schweizer Curling-Szene ist in Aufruhr. Nach dem Gewinn des Meistertitels im olympischen Mixed-Curling wird Martin Rios vorgeworfen, den Weg eines Steins mit dem Fuss beeinflusst zu haben. Heute muss er beim Verband antraben.



«Curling ist nicht nur Sport allein … Ein echter Curler zieht eine Niederlage einem unfairen Sieg vor!»

Auszug aus dem «Spirit of Curling» SCA

Der «Spirit of Curling» ist der Grund, weshalb die Szene ausser sich ist. Gilt der Fussball mit seinen Schwalbenkönigen und Simulanten längst als verdorben, so ist der Curling-Sport rein und unbefleckt. Eine heile Welt voller Gentlemen und -women. Curling sei ein Sport, zu dem «eine bestimmte geistige Haltung» gehöre, heisst es im «Spirit of Curling».

Hat Martin Rios diesen besonderen Geist beschmutzt? Am Wochenende an den Schweizer Meisterschaften im Mixed-Curling, das 2018 erstmals olympisch sein wird, kommt es zu dieser Szene:

Martin Rios und seine Partnerin Jenny Perret vom CC Glarus gewinnen dank dieses Steins im Zusatzend die Vorrundenpartie gegen Limmattal 1 und werden später Schweizer Meister. 

Update vom Dienstagabend:

Der Schweizer Curlingverband hat den Rekurs des Mixed-Teams vom CC Limmattal gegen die Wertung der Niederlage im entscheidenden Vorrundenspiel um den Schweizer Meistertitel gegen Glarus abgelehnt. Er sehe sich aus formellen Gründen dazu gezwungen, weil der Rekurs erst am Folgetag und damit zu spät eingegangen sei, teilte Swiss Curling in einem Communiqué mit.

Das Team Glarus bot dem Verband aber an, das Spiel Forfait zugunsten von Limmattal zu werten, sollte dieser von der Berührung überzeugt sein. Auch diesen Vorschlag habe man nicht annehmen können, weil ein nachträgliches Forfait gemäss Reglement nicht möglich sei, so Swiss Curling.​

Nach der Partie hagelt es happige Vorwürfe: Rios habe den Stein getreten und damit auch den edlen Geist des Curling-Sports. Simon Strübin, der 2010 in Vancouver Olympia-Bronze gewann, stellte das Video der Szene auf Facebook und kommentierte: «Schämt Euch!» Strübin spricht von einem unsportlichen Verhalten des Duos Rios/Perret und davon, dass es unmöglich sei, eine solche Berührung nicht zu bemerken.

Hat der Curler mit seinem Fuss den Stein berührt?

Rios heute beim Verband

Claudio Pescia, einst Vize-Weltmeister, riet dem Glarner Duo einen Tag nach dem umstrittenen Spiel: «Unternehmt jetzt etwas, es wäre noch rechtzeitig. Dem Curlingsport zuliebe! So etwas kann man nicht unter den Teppich wischen, auch wenn es keine Absicht war.» Auch bei Pescia schimmert, wie bei allen direkt und indirekt Beteiligten durch, wie heilig der «Spirit of Curling» ist und wie sehr sich Spieler an ihn halten sollen.

Im Verlaufe des heutigen Tages wird nun Rios zum Vorfall von der Swiss Curling Association (SCA), die eine Untersuchung eingeleitet hat, befragt. Bis zu deren Abschluss wollen die Beteiligten keine Stellung nehmen.

Martin Rios vom CC Glarus setzt seinen Stein waehrend der ersten Runde der Swiss Curling League am Freitag, 16. Januar 2004, in Zug beim Spiel gegen das St. Moritz Top of the World Team. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Kick oder nicht? Martin Rios. archiv: KEYSTONE

Der 35-jährige Rios, welcher im Schweizer Verband im Nachwuchsbereich tätig ist, liess sich schriftlich zitieren. Er habe keine Berührung wahrgenommen, auch wenn es auf den Videobildern in der Tat so aussehe, dass eine stattgefunden haben könnte.

Gegner: «Traum von Olympia geplatzt»

Falls es eine Berührung gegeben hat, welche die Richtung des Steins massgeblich beeinflusst hat: Wieso haben die Gegner nichts bemerkt, wenn sie doch unmittelbar daneben gestanden sind? Mario Freiberger, der die umstrittene Partie gemeinsam mit Partnerin Michèle Jäggi 6:7 verloren hat, möchte sich auf Anfrage mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äussern.

Auf Facebook schreibt das Duo von einem «Fehler, zu wenig interveniert zu haben». Freiberger und Jäggi sind enttäuscht darüber, dass ihr «Traum, die Schweiz an der WM und eventuell auch den Olympischen Spielen zu vertreten» geplatzt sei.

Skip Michele Jaeggi von Bern immoveris anlaesslich der Schweizer Meisterschaften im Curling, am Donnerstag, 21. Februar 2013, in Gstaad. (KEYSTONE/Max Fueri)

Verlor die Partie gemeinsam mit Mario Freiberger: Michèle Jäggi. archiv: KEYSTONE

An den nächsten beiden Weltmeisterschaften werden die Quotenplätze für das erste olympische Mixed-Turnier vergeben. Stand jetzt können sich die Schweizer Meister Martin Rios und Jenny Perret Hoffnungen darauf machen. Sofern das Resultat vom Wochenende nicht noch geändert wird.

Weitere Auszüge aus dem «Spirit of Curling»

«Gleichwertig neben den sportlichen Voraussetzungen, wie Können und Geschicklichkeit, sind Fairness und ein freundschaftliches Auftreten.»

«Kein Curler bricht vorsätzlich eine Spielregel oder eine der vielen geschriebenen oder ungeschriebenen Überlieferungen. Falls er es unabsichtlich tut und sich dessen bewusst wird, ist er der Erste, der den Fehler zugibt.»

«Während Curling darin besteht, sich im Spiel gegenseitig mit Geschicklichkeit und Können zu messen, verlangt der im Spiel innewohnende Geist von jedem einzelnen sportliche Fairness sowie freundschaftliches und ehrenhaftes Benehmen.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Sagitarius 07.03.2017 14:52
    Highlight Highlight Vielleicht hab ich etwas nicht mitgekriegt, aber hat sich Watson um eine Stellungnahme des Glarner Teams bemüht oder nur nach- bzw. abgeschrieben?
    • Ralf Meile 07.03.2017 14:58
      Highlight Highlight Telefonisch nicht erreicht. Rios liess sich (wie im Text erwähnt) schriftlich zitieren, das Zitat ist von der Nachrichtenagentur SDA.
  • Pius C. Bünzli 07.03.2017 13:55
    Highlight Highlight Maradona määsig

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