History Porn Teil CXII: Geschichte in 39 Wahnsinns-Bildern
«Wo ich mein Pischi herhab, fragst du, History Porn?»
USA, um 1950:
Fast zu schade, um nur zu Hause darin rumzulungern ... Schaut euch die schicken Bündchen an!
Auch nicht zu verachten ...
USA, ca. 1910:
Mann im Hühnerkostüm.
Gestrandetes Meeresungeheuer
St.Augustine, Florida, USA, 1896:
Es war halb im Sand vergraben, als die beiden Jungen Herbert und Dunham es bei einem Radausflug entdeckten. Was zum Teufel war das? Die massigen Reste eines Seeungeheuers? Das verwesende Fleisch einer noch unbekannten Meeresspezies?
Der Fund wurde Dr. DeWitt Webb gemeldet, dem Gründer der Historischen Gesellschaft von St.Augustine und dem Institut für Naturwissenschaften. Er beschaute den Kadaver schon am nächsten Tag, beschrieb ihn als blassrosa bis weisslich, gummiartig und extrem zäh; nur unter grösster Anstrengung habe er sich schneiden lassen. Er mass 5,5 Meter Länge und 2,1 Meter Breite. Sein Gewicht schätzte Webb auf rund fünf bis sieben Tonnen.
Auch glaubte der Doktor, Stümpfe zu erkennen. Stümpfe abgetrennter Arme – und schloss daraus, einen riesenhaften Kraken, einen ehemals achtarmigen Oktopus vor sich zu haben. Und als man damit begann, den im Sand verborgenen Teil freizuschaufeln, schien sich die Vermutung zu bestätigen.
«Der Kopf ist so gross wie ein gewöhnliches Mehlfass und hat die Form eines Seelöwenkopfes. Der Hals – sofern man bei diesem Wesen überhaupt von einem Hals sprechen kann – hat denselben Durchmesser wie der Körper. Das Maul befindet sich an der Unterseite des Kopfes und wird von zwei Tentakelröhren mit einem Durchmesser von etwa 20 Zentimetern und einer Länge von etwa neun Metern geschützt. Diese Röhren ähneln dem Rüssel eines Elefanten und dienten offensichtlich dazu, nach Art eines Saugnapfes jedes Objekt zu ergreifen, das in ihre Reichweite gelangte.»
Artikel in der «Pennsylvania Grit», 1896
Er beschreibt ein Ungeheuer mit sieben Tentakeln und einem mit scharfen Zacken versehenen Schwanz, alles so sehr von Haien und Sägefischen zerfleischt, dass Stücke davon am Strand verstreut gefunden worden seien. Das Ergebnis eines erbitterten Kampfes, meint der Autor.
Eine Sturmflut zog den Kadaver zurück ins Meer, die nächste Flut spuckte ihn wieder an Land; dieses Mal am Crescent Beach, zwei Meilen südlich des ersten Fundortes.
Dort genoss er bald die Aufmerksamkeit von Professor Addison E. Verrill, dem federführenden Zoologen auf dem Gebiet wirbelloser Meeresbewohner, der dem Tier im «American Journal of Science» den wissenschaftlichen Namen «Octopus giganteus» verlieh.
Doch bald wurde er eines Besseren belehrt. Das Geschöpf musste walartiger Natur sein! Zu diesem Schluss kam er, nachdem er ein paar Proben des verwesenden Ungetüms untersucht hatte.
Es könnte sich bei der gesamten Masse um den oberen Teil eines Pottwal-Kopfes handeln. Damit das Meer sich den rätselhaften Tierkörper nicht wieder holte, schaffte Webb ihn mit Hilfe von sechs Pferden weiter ins Landesinnere, wo das Monster von St.Augustine noch eine Zeit lang von allerlei neugierigen Menschen besucht wurde.
Dann geriet es in Vergessenheit. Bis der Kryptozoologe – einer, der sich der Wesen annimmt, die in Legenden und Volkserzählungen leben – Forrest Glenn Wood sein vergilbtes Bild in der Zeitung fand und das Stücklein seiner Aussenhaut, das in einem Labor aufbewahrt worden war, einem Zellbiologen zur Untersuchung schickte.
1971 war im «Natural History» zu lesen: kein Walspeck, sondern doch das Gewebe eines riesenhaften Kraken, dessen Arme bis zu 30 Meter lang gewesen sein müssen.
1986 wurde dieselbe Erkenntnis noch einmal bekräftigt, bis sich 1995 der Biochemiker Sidney Pierce des Fleischbrockens annahm und zum Schluss kam, dass es sich dabei um reines Kollagen handle – also doch bloss um die Überreste eines Wals, der wochenlang tot auf dem Meer getrieben war. Seine Knochen waren zu Boden gesunken, und bis auf das harte, unverdauliche Kollagen aus der Walhaut hätten andere Meerestiere und Bakterien alles verzehrt.
2004 – also 108 Jahre nach dem Fund des Kadavers – bestätigte eine umfassende Studie mittels Elektronenmikroskopie, Aminosäureanalyse und DNA-Sequenzierung: Die DNA war zu 100 % identisch mit dem mitochondrialen Gen nad2 des Pottwals.
Solcherlei Strandfunde nennt man heute Globster oder Blob. Massive, gummiartige Klumpen ohne erkennbare Knochen, Augen oder Gliedmassen, die in etlichen Fällen die Fantasie von Kryptozoologen beflügelt haben, sich aber, wenn eine wissenschaftliche Prüfung möglich war, stets als Überreste von Walen erwiesen haben.
Karussell-Spass
Seoul, Südkorea, 1963:
Der mutmassliche Serienmörder, der die Schmerzlinderung legitimierte
London, Grossbritannien, 1957:
Der britische Arzt, der weder eindeutig verurteilt noch wirklich entlastet wurde und bis heute von massivem Verdacht überschattet bleibt: John Bodkin Adams (1899–1983).
Er war Hausarzt, vorwiegend für ältere, wohlhabende Leute, und wurde im Laufe der Zeit selbst sehr wohlhabend dadurch, dass ihn viele seiner Patientinnen und Patienten in ihren Testamenten bedachten.
1965 wurde Adams verhaftet. Die reiche Witwe Mrs. Hullett war unter ungeklärten Umständen gestorben. Ihre Obduktion ergab, dass Barbiturate ihr Leben beendet hatten, stark wirkende Schlafmittel, die schwierig zu dosieren sind und bei zu grosser Menge Atmung und Kreislauf zum Stillstand bringen.
Daraufhin beschloss Scotland Yard, die Todesfälle, die in Adams' Obhut fielen, zu untersuchen. Der Pathologe des Innenministeriums sah sich 310 Totenscheine an, zu obduzieren gab es nichts mehr, die Leichen waren bereits verbrannt, die Krematoriumsformulare oft von Adams selbst unterschrieben.
163 davon schienen ihm auffällig; überdurchschnittlich oft war die Todesursache eine Hirnblutung. Und dann war da der komatöse Zustand, in dem das Sterben allzu oft geschah. Beides Hinweise auf tödlichen Medikamenteneinsatz. Diesem Verdachtsmoment aber konnte natürlich mit dem medizinischen Argument der Schmerztherapie begegnet werden. Denn wer kann im Falle schwer kranker, alter Menschen schon klar sagen, wo verantwortungsvolle Palliativversorgung aufhört – und wo Tötung beginnt?
Erschwerend kam hinzu, dass die wichtigsten Zeugen Krankenschwestern und Angehörige waren, die sich oft Jahre später an Dosierungen, Äusserungen und Anweisungen hätten erinnern sollen. Ein unsicheres Feld also, auf dem sich der Prozess gegen Adams bewegte, übersät mit Gedächtnislücken und durchzogen von medizinischen Grauzonen.
Und so kam es, dass John Bodkin Adams freigesprochen wurde. Nachgewiesen werden konnten ihm Rezeptfälschung, unkorrekte Betäubungsmittelbuchführung und Falschangaben bei Kremationsformularen, wofür er in einem separaten Verfahren verurteilt wurde. Vier Jahre lang wurde ihm dafür die Zulassung entzogen, danach praktizierte er abermals als Hausarzt in Eastbourne – und wurde Präsident der britischen Tontaubenschützenvereinigung.
Der Prozess brachte das sogenannte Prinzip der Doppelwirkung in die englische Rechts- und Ethikdebatte ein. Generell besagt dieses, dass eine Handlung zwei Folgen haben kann: eine beabsichtigte gute und eine unbeabsichtigte schlechte. Ist die schlechte weder Mittel noch Zweck der Handlung gewesen, ist sie moralisch eher zulässig. Der Kirchenlehrer Thomas von Aquin handelte es bereits im 13. Jahrhundert am Beispiel der Notwehr ab: Selbstverteidigung sei trotz des absolut geltenden Tötungsverbots nicht moralisch verwerflich, wenn die Tötung bloss in Kauf genommene Nebenfolge war und keine intendierte Handlungsfolge.
In seiner Rechtsbelehrung an die Geschworenen im Prozess gegen Adams betonte Richter Patrick Devlin diesen Grundsatz: Ein Arzt sei nicht des Mordes schuldig, wenn sein vorrangiges Ziel die Linderung unerträglicher Schmerzen war und der Tod des Patienten lediglich als unbeabsichtigte Nebenfolge der Behandlung eintrat.
Der Fall Adams wurde damit zum wegweisenden Präzedenzfall für die palliative Schmerztherapie. Das Prinzip der Doppelwirkung dient bis heute als ethischer und rechtlicher Massstab zur Abgrenzung zwischen indirekter und aktiver Sterbehilfe.
Adams wollte behandeln, nicht töten, so das Urteil. Aber was, wenn er doch schuldig war, so wie einige Historiker und Kriminologen vermuten? Welch bittere Idee, wenn am Ende ein Serienkiller dazu beigetragen hätte, wohlwollende Leidenslinderung mit seinen Morden zu legitimieren.
Gründe viktorianischer Frauen, Single zu bleiben
Grossbritannien, 1889:
bild: twitter/Dr Bob Nicholson
Im Jahr 1889 bot das populäre britische Wochenmagazin «Tit-Bits» alleinstehenden Leserinnen Preise für die besten Einsendungen auf folgende Frage an: «Warum bin ich eine alte Jungfer?» (engl. Spinster).
Oben liest du eine der preisgekrönten Antworten.
Auf geht's, Jungs!
Westdeutschland, 1980er:
Während des Kalten Krieges waren Hunderttausende US-Soldaten in der BRD stationiert. Sie warteten auf einen Krieg, der zum Glück nicht kam. Auf Militärstützpunkten, in Kasernen und Wohnsiedlungen, sogenannten Housing Areas mit eigenen Supermärkten, Schulen, Kinos und Sportplätzen. Und wenn sie nicht auf einem Truppenübungsplatz für den Ernstfall probten, ihre Panzer flickten oder Wachdienst schoben, verteilten sie gern Kaugummis an die deutschen Kinder oder hockten sich, wie auf dem Bild, auf ihre Karts und liessen sich durch die Gegend stossen.
Der Typ, der am schnellsten von 1 bis 1 Million schrieb
Mudjimba Beach, Queensland, Australien, 1998:
Am 7. Dezember 1998 hatte es Les Stewart geschafft. 16 Jahre lang tippte er täglich 20 Minuten pro wache Stunde des Tages von eins bis eine Million – in Worten, nicht in Ziffern. Weil er von seinem Vietnam-Einsatz teilweise gelähmt und deshalb arbeitsunfähig zurückkam, wollte er «einfach etwas zu tun haben».
Er tippte gerne, davor war er Ausbilder für Maschinenschreiben bei der Polizei gewesen. Nach seiner Verwundung konnte er zwar nur noch einen Finger dafür verwenden, doch das hielt ihn keineswegs von seinem Ziel ab, «Millionär» zu werden. Sein Vermächtnis erstreckte sich über 19'990 Seiten – 1000 Farbbandkassetten und 7 Schreibmaschinen später war es vollbracht.
Später entsorgte er den grössten Teil seines Werks, er bewahrte lediglich die erste und die letzte Seite auf – der Rest wanderte ins Altpapier.
Gründe viktorianischer Frauen, Single zu bleiben
Grossbritannien, 1889:
Baby-Käfige
London, Grossbritannien, 1934:
Keine Grünanlagen und keine Balkone = Babykäfige. Jene Drahtgitterkonstruktionen sollten den Säuglingen ermöglichen, frische Luft und Sonnenlicht zu geniessen, ganz der medizinischen Überzeugung entsprechend, um Krankheiten wie Tuberkulose und Rachitis – die Englische Krankheit – vorzubeugen.
Letztere war auch tatsächlich Folge eines Vitamin-D - und Kalziummangels. Durch die Industrialisierung wurde die Luft verschmutzt, der Smog in den grossen Städten verdüsterte den Himmel. Zudem lebten viele Familien in dunklen Hinterhöfen und beengten Wohnungen. Das Fehlen des Sonnenlichts auf der Haut der Kinder führte dazu, dass ihre Knochen weich wurden und sich verformten. Denn wenn dem Körper Vitamin D fehlt, kann der Darm kein Kalzium aus der Nahrung aufnehmen und scheidet den knochenhärtenden Mineralstoff ungenutzt aus.
Lebertran und Lichtstuben, in denen die Kinder mit künstlichem UV-Licht bestrahlt wurden, halfen den noch wachsenden Knochen, sich zu regenerieren.
Bild: Hulton Archive
Die Babykäfige aber waren wegen des Smogs eine eher nutzlose Angelegenheit. Ragten die Käfige zusätzlich aus den Fenstern schattiger Häuserschluchten, hatten die Sonnenstrahlen noch weniger Chancen, ihr Wunderwerk zu tun. Sie dienten einzig der Baby-«Lüftung», die laut der Abhärtungstheorie vor Erkältungen schützen sollte.
Feministische Kunst
New York, USA, 1978:
Ein Paar aufblasbare Beine, die über dem New Yorker Museum of Contemporary Craft baumeln. Es ist das Werk von Ann Slavit, die es «Della Street» nannte, nach der Sekretärin der Serie «Perry Mason», gespielt von Barbara Hale, deren Rolle laut der Künstlerin mehrheitlich aus ihren Beinen bestand. Dieser Reduktion liess Slavit nun eine potenzierte Ausdehnung angedeihen und machte damit die Objektivierung zum 15 Meter hohen Spektakel.
Vitznau-Rigi-Bahn
Oberhalb von Rigi-Kaltbad, Luzern, Schweiz, 1929:
Die Vitznau-Rigi-Bahn (VRB) – damals einfach Rigibahn – wurde am 21. Mai 1871 als erste Bergbahn Europas eröffnet.
Der erste Oscar für eine schwarze Person
Ambassador Hotel, Los Angeles, USA, 1940:
Hattie McDaniel stand von ihrem kleinen, runden, von den anderen getrennten Tischchen auf, um ihren Oscar für die beste Nebendarstellerin in «Gone with the Wind» entgegenzunehmen. In der weltberühmten Literaturverfilmung spielte sie die Sklavin und spätere Hausangestellte Mammy.
Sie war zwar die erste afroamerikanische Person, die je den goldenen Mann entgegennehmen durfte, doch geschah dies noch immer in einer Welt, in der schwarze Menschen durch Segregation und Diskriminierung systematisch entrechtet wurden.
Von der Filmpremiere in Atlanta blieb sie ganz ausgeschlossen und auch der After-Party nach der Oscar-Zeremonie musste sie fernbleiben.
Ihre Bitte, im heutigen Hollywood Forever Cemetery (damals Memorial Park Cemetery) beigesetzt zu werden, wurde aufgrund der herrschenden Segregation abgelehnt. Man begrub sie 1952 auf dem Angelus-Rosedale-Friedhof.
Heute steht auf ihrem Wunschfriedhof ihr zu Ehren ein Gedenkstein.
Für ihre Rollen wurde sie auch von afroamerikanischer Seite angegriffen: Sie habe mit ihren Dienerinnenrollen schädliche Stereotype verstärkt. 1947 schrieb sie im «Hollywood Reporter», dass sie die Ehrennacht, in der ihr der Oscar übergeben worden war, nie vergessen werde.
«Jeder schüttelte mir die Hand und gratulierte mir. Es fühlte sich an wie ein grosses Heimattreffen in Kansas. Meine eigenen Leute freuten sich ganz besonders. Sie hatten das Gefühl, dass Hollywood mit der Ehrung meiner Person die gesamte schwarze Bevölkerung ehrte. Genau so wollte ich es auch verstanden wissen. Dieser Moment war zu bedeutsam, um nur meinem persönlichen Erfolg zu gelten. Ich wollte, dass dieser Anlass jungen Schwarzen noch viele Jahre lang als Inspiration dienen würde.»
Doch die jüngere Generation ihrer eigenen Gemeinschaft begann sie zu tadeln. Weil sie die Darstellung schwarzer Schauspieler als reine Spassmacher oder Bedienstete nicht verurteilt habe. Diesem Vorwurf begegnet sie mit zwei Argumenten: Einerseits habe sie, deren Erfahrung bis in die Zeit zurückreiche, in der schwarze Schauspielerinnen weder einen Garderobenraum bekamen noch einen Friseur, Hollywoods Entwicklung insgesamt als eine des Fortschritts erlebt. Und zweitens glaube sie nicht, dass das Publikum so naiv sei, das Schauspiel für die Realität zu halten:
«Wie ich einmal zu Fredi Washington sagte: ‹Arthur Treacher ist unauslöschlich als Hollywood-Butler abgestempelt, aber ich bin sicher, niemand würde zu ihm nach Hause gehen und erwarten, dass er die Tür mit einer Serviette über dem Arm öffnet.›»
Die Rassentrennung in den USA wurde offiziell im Jahr 1964 mit dem Civil Rights Act aufgehoben. Das Bürgerrechtsgesetz verbietet Diskriminierung aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder nationaler Herkunft.
Gründe viktorianischer Frauen, Single zu bleiben
Grossbritannien, 1889:
Die Volunteer Force – oder eben Rifle Volunteers – wurde 1859 in Grossbritannien gegründet; sie war die Antwort auf eine mögliche Invasion Napoleons III. Aber da die Franzosen nicht kamen, mussten jene freiwilligen Milizen auch niemals in einem Krieg kämpfen. Sie verbrachten ihre Tage mit Übungen, Schiessausbildungen und Manövern.
Der iranische Fussballer ohne Führer-Porträt
Iran, 1982:
Habib Khabiri war sein Name. Und er steht wie unzählige andere für den Mut, öffentlich ein Regime zu kritisieren, das einen dafür tötet. Ihm verdankte die iranische Fussballmannschaft ihre erste WM-Qualifikation 1987.
Seit 1979 regierte nicht mehr der Schah den Iran. Die Islamische Revolution schaffte die Monarchie ab und ersetzte sie mit einer Theokratie; das Land wurde zum Gottesstaat, regiert vom Obersten Führer Ajatollah Ruhollah Chomeini.
Und Khabiri wurde Kapitän der Nationalmannschaft. Als solcher waren er und sein Team dazu verpflichtet, die Ideale der Revolution in der Welt zu verbreiten, wie Chomeini an einem Treffen mit den Sportlern zum Ausdruck brachte.
Der junge Mann war kein Freund des Schahs gewesen, noch hiess er die Auswüchse der Revolution gut. Er schloss sich der Organisation der Volksmudschahedin Irans (MEK) an: Linke, schiitische Studenten, die sich ursprünglich stark am marxistischen Klassenkampf orientierten und gegen staatliche Unterdrückung kämpften. Sie trugen massgeblich dazu bei, Chomeini an die Macht zu bringen, gegen den sie in der Folge aufgrund seiner uneingeschränkten Machtbefugnisse opponierten. Ihre Proteste wurden 1981 von den Revolutionsgarden blutig niedergeschossen, es folgten Hinrichtungen – auch jugendlicher Mädchen – und ihr Führer Massoud Rajavi floh nach Paris ins Exil.
Auf dem Mannschaftsfoto, das vor einem Spiel 1982 aufgenommen worden war, hält Khabiri als Einziger kein Führer-Porträt in den Händen. Sein Mitspieler Ebrahim Kian Tahmasebi erzählte später, Khabiri habe Chomeinis Bild in der Umkleidekabine auf den Kopf gedreht. Und als die anderen ihn deswegen angriffen, blieb er, wie immer, ruhig und meinte:
Auf den Bombenanschlag, der 74 führende Vertreter der Islamischen Republik tötete, antwortete das Regime mit Vergeltungsmassnahmen: Mutmassliche Sympathisanten und Mitglieder der Volksmudschahedin, die inzwischen offen den Sturz Chomeinis forderten und sich während des Ersten Golfkriegs mit Saddam Hussein verbündet hatten, wurden Opfer eines staatlich orchestrierten Massakers.
Auch Khabiri wurde verhaftet. Und gefoltert. Laut einiger Berichte wollte man ihn zum öffentlichen Widerruf seiner politischen Haltung zwingen.
Am 21. Juni 1984 wurde er im Alter von 29 Jahren gemeinsam mit rund 40 weiteren mutmasslichen Regimegegnern hingerichtet.
Im Leserraum des Studentenheims
ETH Zürich, 1943:
Wenn Ballone zum Problem werden
Cleveland, Ohio, USA, 1986:
Die Non-Profit-Organisation United Way wollte zur Feier ihres 150-jährigen Bestehens einen Weltrekord aufstellen – mit 1,4 Millionen Luftballons, die alle gleichzeitig die Luft erobern sollten. Wie ein bunter Insektenschwarm stiegen sie in den Mittagshimmel und schwebten davon.
Bis sie wiederkamen. Der Wind hatte sich gedreht. Eine Kaltfront drückte sie in die Strassen der Stadt, wo sie ein Verkehrschaos anrichteten und Tiere in Panik versetzten. Sie flogen mitten hinein in den Rettungsflug der Küstenwache, die in jenem farbigen Gewimmel zwei in Notlage geratene Seeleute suchte – und erst zwei Tage später tot fand. Sie waren ertrunken.
Die Fetzen gestrandeter Ballons trieben noch Tage später ans kanadische Ufer des Eriesees.
Das Desaster kostete Stadt und Veranstalter Millionen und verwandelte die Spendenaktion in ein Verlustgeschäft.
Gründe viktorianischer Frauen, Single zu bleiben
Grossbritannien, 1889:
Spikulierte Periostreaktion
Oder Osteosarkom. Oder eine schwere Form von Knochenkrebs, die man im Röntgenbild an den nadelartigen Auswüchsen erkennt, eine Art tödlicher Sonnenstrahlen, die den Knochen durchbrechen.
Der aggressiv wuchernde Tumor drückt auf das Periost – die dünne äussere Schicht des Knochens –, das dadurch gezwungen wird, neuen Knochen in jener chaotischen, stacheligen Form zu bilden. Und das nicht nur an der Oberfläche.
Weiblicher Faschismus
London, Grossbritannien, 1920er:
Das Bild stammt aus dem Jahr 1916, in dem Rotha Lintorn-Orman (1895–1935) als Ambulanzfahrerin des Scottish Women's Hospital Corps an der serbischen Front diente.
Berühmt wurde sie jedoch, weil sie 1923 die British Fascisti (BF) gründete, die erste faschistische Organisation Grossbritanniens.
Ihre grosse Bewunderung galt Benito Mussolini. Sie war antikommunistisch und stark monarchistisch, wollte sich aber im Rahmen der politisch legalen Bahnen des Königreichs bewegen. Die Finanzierung übernahm ihre Mutter, die sich neben monatlichen Zuwendungen auch persönlich für die BF engagierte.
Ihr Wirkungsgrad blieb allerdings sehr bescheiden.
Im Unterschied zum Nationalsozialismus war ihre Organisation auch nicht antisemitisch, wenn auch einige Mitglieder solcherlei Positionen vertraten und Teile der Bewegung sich später radikalisierten. Lintorn-Orman ging es vor allem um die Rettung vor dem Bolschewismus, die aus ihrer Sicht allein der Faschismus leisten konnte.
Als ihre Mutter die finanzielle Unterstützung für die politischen Aktivitäten ihrer Tochter eingestellt hatte, half Nazi-Deutschland aus, doch bereits 1934 zerfielen die BF, noch zu Lebzeiten ihrer Gründerin, die unter Alkohol- und Drogensucht leidend im Alter von 40 Jahren verstarb.
Die Mitglieder fanden ein neues Zuhause bei der 1932 gegründeten British Union of Fascists (BUF), deren Führer Oswald Mosley in Bezug auf Lintorn-Ormans androgyne Erscheinung einmal sagte:
Seine offen antisemitische Organisation wurde zur wichtigsten faschistischen Bewegung Grossbritanniens, allerdings ohne je parlamentarischen Einfluss zu gewinnen. Durch ihre gewaltsamen Aufmärsche in schwarzer Uniform (Blackshirts) geriet sie schnell in Verruf, und ihr angekündigter Marsch durchs East End 1936 wurde durch tausende jüdische und irische Arbeiter, Sozialisten, Kommunisten und Gewerkschafter verhindert: Der Slogan «They shall not pass!» gilt seither als Symbol des antifaschistischen Widerstands.
1940 wurde die BUF verboten, Mosley und zahlreiche führende Mitglieder landeten ohne Gerichtsverfahren im Gefängnis, da sie in Anbetracht des Zweiten Weltkrieges als Sicherheitsrisiko galten.
Besondere Finken
New York, USA, 1959:
Willkommen im berühmten Tresor der Federal Reserve Bank, der 26 Meter unter dem Meeresspiegel auf den Felsen Manhattans liegt. Bereits 1927 beherbergte er zehn Prozent der weltweiten offiziellen Goldreserven. Heute ist er mit seinen rund 8000 Tonnen Gold die grösste Lagerstätte des gelben Metalls und übertrifft selbst das Golddepot in Fort Knox. Allerdings gehört es grösstenteils ausländischen Staaten, Zentralbanken und internationalen Organisationen.
Das Beachtliche sind aber nicht unbedingt die Goldbarren, die hier naturgemäss in rauen Mengen rumliegen, sondern die Überschuhe des Mitarbeiters, der sie herumschiebt. Sie sollen seine Zehen vor den 400 Feinunzen schützen, also den rund 12,4 Kilogramm, die so ein Barren wiegt und ihm bei Unachtsamkeit auf den Fuss donnern könnten.
Bärengraben
Bern, Schweiz, ca. 1928:
Arnie forever
USA, 1993:
Der etwas andere Hamlet: Arnold Schwarzenegger als Jack Slater in «Last Action Hero».
Mit «Porn» können im Englischen auch TV-Shows, Artikel oder eben Fotos gemeint sein, die ein übermässiges, unwiderstehliches Verlangen nach oder Interesse an etwas befriedigen sollen.
