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Burka, Burkini, Niqab, Hidschab – hast du den Überblick verloren? Hier findest du ihn wieder

16.08.2016, 15:0117.08.2016, 21:03

«Eine verschleierte Frau ist wie eine Perle in ihrer Muschel», sagt ein islamisches Sprichwort. In den westlichen Gesellschaften lösen die strikteren Formen der islamischen Verschleierung allerdings Befremden und den Ruf nach einem Verbot aus; dies gilt besonders für die Burka und den Niqab – der übrigens oft irrtümlich als Burka bezeichnet wird.

Die unterschiedlichen Arten der Verschleierung führen in der Tat schnell zu Verwechslungen. Deshalb folgt hier ein Überblick über die wichtigsten traditionellen Verhüllungsformen im Islam: 

Hidschab

Bild: Shutterstock

Der Hidschab – das Wort bedeutet eigentlich «Vorhang» – wird vor allem als Bezeichnung für ein Kopftuch verwendet, das Haar und Ohren vollständig bedeckt, das Gesicht indes frei lässt. Meist werden zusätzlich die Halsregion, der Ausschnitt und eventuell die Schultern bedeckt. Ob die Stirn, die Wangen und das Kinn bedeckt sein müssen, ist umstritten. Je nach Gesellschaft und Mode kann er auch als dünner Schal leger um den Kopf getragen werden. 

Der Hidschab ist in verschiedenen Farben und in unterschiedlichen Formen in der gesamten arabischen und muslimischen Welt verbreitet. In vielen muslimischen Ländern ist es Pflicht, einen Hidschab zu tragen.

Al-Amira

Bild: Shutterstock

Die Al-Amira ist ein zweiteiliger Schleier. Der eine Teil – eine Art eng anliegender Kapuze – umhüllt den Kopf, der andere – ein röhrenförmiger Schal – wird eng um die Schulter gelegt. Die Farbe kann variieren. 

Chimar

Bild: Shutterstock

Der Chimar (von chammara = «bedecken») stammt aus vorislamischer Zeit, wurde damals aber offenbar auf andere Weise getragen. Das Tuch diente als Kopfschmuck und fiel vom Kopf über den Rücken; die Brustregion blieb dagegen frei. In islamischer Zeit musste auch diese bedeckt werden. Der mantelartige Kopfüberwurf bedeckt Haar, Hals und Schultern vollständig, lässt aber das Gesicht frei. Der Chimar reicht bis zur Taille und kann in verschiedenen Farben getragen werden. 

Abaja

Die Abaja ist ein mantelartiges Übergewand, das vom Hals bis zu den Füssen reicht. In der Regel tragen Frauen die Abaja, die traditionell aus Schafwolle oder Kamelhaar besteht, zusammen mit einem Hidschab oder einem Niqab. Die Abaja dominiert in den arabischen Ländern, während im Iran der Tschador weiter verbreitet ist. 

Tschador

Bild: Shutterstock

Der Tschador ähnelt der Burka, wird aber vor allem im Iran getragen (das Wort bedeutet im Persischen «Zelt»). Er besteht aus einem grossen, in aller Regel dunklen Tuch, das die Form eines Halbkreises hat. Das Tuch wird über den Kopf und um den Rumpf geschlungen, so dass lediglich das Gesicht – oder auch nur ein Teil davon – frei bleibt. Der Tschador bedeckt den Körper bis zu den Füssen und wird in der Öffentlichkeit über der eigentlichen Kleidung getragen.

Niqab

Bild: shutterstock

Beim Niqab handelt es sich um eine Gesichtsverhüllung. Der meist schwarze Schleier wird in Kombination mit einer Abaja oder einem Tschador getragen, also mit einem langen, dunkel gefärbten Ganzkörpergewand. Es gibt unterschiedliche Formen; manchmal wird das Gesicht total verhüllt, wobei der Stoff blickdurchlässig ist, sodass die Trägerin ihre Umgebung sehen kann. Andere Formen lassen einen Sehschlitz frei, sind ansonsten aber blickdicht. Der Niqab ist vor allem in Saudi-Arabien, im Jemen und in anderen Regionen der Arabischen Halbinsel verbreitet, wird aber auch von Frauen im Irak, in Syrien, Jordanien und in nordafrikanischen Ländern getragen.

Burka

Bild: Shutterstock

Die Burka ist ein Ganzkörpergewand, das den weiblichen Körper vom Kopf bis zu den Zehenspitzen vollständig verhüllt. Sie wird vor allem in Afghanistan und in einigen Teilen Pakistans getragen und besteht aus einem grossen, meist blauen Stofftuch, in dessen Kopfbereich eine Art von flacher Kappe eingenäht ist. Die Augenpartie weist eine Aussparung auf, die quasi als Sichtfenster dient und mit einem feinmaschigen Gitter aus Stoff oder Rosshaar versehen ist. Das Sichtfeld ist daher bei der Burka stark eingeschränkt und das Gesicht ist vollständig bedeckt. In der pakistanischen Variante lässt die Burka die Augen frei.

Burkini

Der Burkini – ein Kofferwort aus Burka und Bikini – ist kein traditionelles muslimisches Kleidungsstück, sondern eine moderne Erfindung, die es Muslimas erlaubt, beim Baden auch strengen religiösen Vorschriften zu genügen. Der aus Elastan gefertigte Schwimmanzug besteht aus zwei Teilen mit integrierter Kopfbedeckung und nimmt weniger Wasser auf als Baumwoll-Gewebe. Das Design ist so gewählt, dass die Konturen des Körpers möglichst verborgen werden. 

Hidschab & Co. – islamische Verhüllungen vom Kopftuch bis zur Burka

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Hidschab & Co. – Verhüllungen vom Kopftuch bis zur Burka
quelle: shutterstock
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Alle sunnitischen und schiitischen Rechtsschulen stimmen darin überein, dass die Verhüllung für Frauen verpflichtenden Charakter hat. Wie weit diese Bedeckung gehen soll, ist dagegen umstritten. Massgeblich sind vor allem drei Koranstellen: 

«O ihr, die ihr glaubt, tretet nicht ein in die Häuser des Propheten – es sei denn, dass er es euch erlaubt – für ein Mahl, ohne auf die rechte Zeit zu warten. Wenn ihr jedoch eingeladen seid, dann tretet ein. (...) Und wenn ihr sie (seine Frauen) um einen Gegenstand bittet, so bittet sie hinter einem Vorhang (Hidschab); solches ist reiner für eure und ihre Herzen. (...)»
Koransure 33 Vers 53

Dieser sogenannte «Hidschab-Erlass» betrifft eigentlich nur die Frauen des Propheten. Im Laufe der Zeit erweiterte sich der Geltungsbereich des Verses – heute ist er die Grundlage für die Geschlechtertrennung in islamischen Gesellschaften. 

«Prophet! Sag deinen Gattinnen und Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen (wenn sie austreten) sich etwas von ihrem Gewand (dschilbâb) (über den Kopf) herunterziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie (als ehrbare Frauen) erkannt und daraufhin nicht belästigt werden. (...)»
Koransure 33 Vers 59
«(...) Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihren Schmuck nicht zur Schau tragen sollen – bis auf das, was davon sichtbar sein darf, und dass sie ihre Tücher um ihre Kleidungsausschnitte schlagen und ihren Schmuck vor niemand (anderem) enthüllen sollen als vor ihren Gatten oder Vätern oder den Vätern ihrer Gatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Gatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder Söhnen ihrer Schwestern oder ihren Frauen oder denen, die sie von Rechts wegen besitzen, oder solchen von ihren männlichen Dienern, die keinen Geschlechtstrieb mehr haben, und den Kindern, die der Blösse der Frauen keine Beachtung schenken. (...)»
Koransure 24 Vers 30-31

Diese Stelle legt fest, welche Familienangehörigen die Frau unverschleiert sehen dürfen. 

Auf der Grundlage dieser Koranverse und der Hadithen regelten die islamischen Gesellschaften die Kleidung der Frauen und schränkten deren Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum ein.

Von Religion bis zur Gotteslästerung

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