Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Ein amerikanischer Soldat sucht mit seinem Spürhund nach japanischen «Holdouts» – Soldaten, die nach der Kapitulation des Kaiserreichs den Kampf fortführten – auf der Insel Biak, 1945. bild: historum

Wie ein Schweizer mit einer Kampfhunde-Armee die Japaner im 2. Weltkrieg bezwingen wollte

1942 wollten die Amerikaner die von den Japanern besetzten Pazifik-Inseln zurückerobern. Ein Schweizer sollte dies ermöglichen: mit dem Einsatz von Kampfhunden.



Am 6. Dezember 1941 schwor der Vizeadmiral der Kaiserlichen Japanischen Marine seine Männer ein letztes Mal auf den Angriff ein:

«Das Schicksal des Reiches hängt von dieser Operation ab. Jeder Mann muss sich seiner speziellen Aufgabe total hingeben.»

Vizeadmiral Nagumo

Am nächsten Tag lag der amerikanische Flottenstützpunkt Pearl Harbor in Schutt und Asche. 2403 Männer waren gefallen, 1178 verwundet, zwölf Schiffe waren gesunken und 164 Flugzeuge zerstört.

Mit dem Angriff auf Pearl Harbor weitete das Kaiserreich Japan den seit 1937 geführten Pazifikkrieg in den Zweiten Weltkrieg aus. Er war der Grund für den Kriegseintritt der USA. Bild: wikimedia

Danach brachten die Japaner ein riesiges Gebiet unter ihre Kontrolle: Zahlreiche pazifische Inseln hielten sie besetzt. Und die Amerikaner wollten sie zurück – aber auf eine Weise, die nicht unzähligen Menschen das Leben kosten sollte. 

Das war der Moment für William A. Prestre. Mit seiner Vision einer zwei Millionen Tiere starken Hundearmee tritt der in Santa Fe wohnhafte Schweizer auf die Kriegsbühne. 

Was, wenn nicht eine Horde Soldaten von der Bugrampe der Landungsschiffe springt, um über die Strände der besetzten Inseln vorzudringen? Was, wenn man stattdessen eine Horde bisswütiger Kampfhunde auf den gefürchteten Feind losliesse?

Bild

Auf Cat Island werden die Hunde für ihren Kriegseinsatz trainiert, 1942. bild: bslfourthward

Dem Pentagon gefiel Prestres Idee. Für das Geheimprojekt wurde ein Militärhundezentrum auf der kleinen Barriereinsel vor der Golfküste der Vereinigten Staaten eingerichtet. Und als wäre die ganze Geschichte nicht schon nebulös genug, trägt besagte Insel den Namen Cat Island. Was wiederum auf die Kappe der spanischen Entdecker geht, die die dort ansässigen Waschbären für Katzen hielten. 

Hunde für den Krieg einzusetzen, war nichts Neues: Sie wachten über die schlafenden Soldaten, spürten Minen oder versprengte feindliche Gruppen auf und überbrachten Nachrichten.

Ein deutscher Nachrichtenhund bringt während einer deutschen Offensive Neuigkeiten an die Front, 1918. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie kaum mehr eingesetzt, da die vorangeschrittene Technik es nicht mehr erforderte. bild: imgur

Pfc. Rez P. Hester, 7th War Dog Platoon, 25th Regt., takes a nap while Butch, his war dog, stands guard.  Iwo Jima, February 1945.  S.Sgt. M. Kauffman.  (Marine Corps)
Exact Date Shot Unknown
NARA FILE #:  127-N-110104
WAR & CONFLICT BOOK #:  882

Ein Hund bewacht sein schlafendes Herrchen, Iwojima, 1945.  Bild: historum

Prestres Hunde aber sollten darauf abgerichtet werden, einen Japaner anhand seines Geruchs zu erkennen – und dann zu töten. Doch wie sollte man den Tieren sowas beibringen? 

Japanische Kriegsgefangene konnten dafür nicht verwendet werden, denn es gab keine. Sie liessen sich eher erschiessen als gefangen nehmen. Und von der Idee, dafür in den USA allein lebende Japaner einzusetzen, liess man ab – zu geschmacklos für manch ein Gemüt. Schliesslich kommandierte man 25 japanischstämmige US-Soldaten ab. Sie durften die «Köder» für die Hunde spielen. In dicke Schutzanzüge gesteckt und ausgerüstet mit Eishockey-Handschuhen. 

Bild

Für das Projekt von Prestre werden mindestens zwölf japanischstämmige US-Soldaten verlangt: Als «Köder» für die Hunde.   bild: pbs

Bild

Details zum Hundetrainingsplan der Streitkräfte. Beide Dokumente finden sich in den freigegebenen «Cat Island»-Akten des Nationalarchivs in Washington, D.C. bild: pbs

In einem Armeebericht über den Einsatz dieser auserwählten Männer steht:

«Obwohl ihre Aufgabe im Projekt eine sehr widerliche war und einige unter ihnen sogar schwere Bisswunden erlitten, so machten sie doch mit dem Training weiter, ohne zu klagen.»

Via Winston Groom, «1942» 

Bild

Hundetrainer auf Cat Island, 1942. bild: bslfourthward

William A. Prestres Angriffsplan

Dem Schweizer Hundetrainer schwebte vor, dass die Greyhounds die Attacke auf die besetzten Pazifik-Inseln aufgrund ihrer Schnelligkeit leiten würden. Dann sollten die Wolfshunde folgen, um die Verwirrung beim Feind zu steigern. Die Deutschen Doggen müssten dabei die Rolle der Hauptkiller spielen. Bloodhounds und andere Spürhunde sollten für Säuberungsaktionen eingesetzt werden.

Die Probleme machten also nicht die Soldaten, sondern die Hunde. Sie wollten partout nicht lernen, was man ihnen beizubringen hoffte. Und Prestre war am ganzen Desaster schuld: Denn abgesehen von seiner Fehlannahme, Japaner würden aufgrund ihres Geruchs von anderen Menschen zu unterscheiden sein, verwendete er ein Waldhorn, um zum Angriff zu blasen. Aber ausser Verwirrung stiftete er damit rein gar nichts.

Bild

Hunde vor ihren Zwingern auf Cat Island, 1942.
bild: imgur

Der Gefechtslärm war ebensowenig hilfreich. Er verängstigte die Tiere derart, dass sie sich nicht mehr kontrollieren liessen. Und manche von ihnen waren wohl einfach zu sanftmütig für diese Art von Aufgabe.

Das Millionenprojekt wurde eingestellt. Die Idee einer Hundearmee war an der Realität zerbrochen – und Prestre kehrte enttäuscht zurück nach Santa Fe. 

Hier wirst du nicht enttäuscht (wenn du Geschichte magst)

Geschichte in 40 Wahnsinns-Bildern:

Noch mehr Geschichte findest du hier:

«Die Zarin krault ihm die Eier»: Der Mord am gottlosen Scharlatan Rasputin 

Link zum Artikel

Kaum zu glauben – diese historischen Ereignisse fanden zur gleichen Zeit statt

Link zum Artikel

Alte Fotos zeigen die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs

Link zum Artikel

Jul-Tanne statt Christbaum: So versuchten die Nazis, Weihnachten umzudeuten

Link zum Artikel

«Operation Entebbe»: Wie Jonathan Netanjahu auf einem Terminal in Uganda zum Helden wurde 

Link zum Artikel

Wenn dir diese 12 historischen Daten nichts sagen, baut David Hasselhoff die Mauer wieder auf

Link zum Artikel

Es ist nicht alles Putin – eine Reise in Russlands zaristische, revolutionäre und phantastische Seele

Link zum Artikel

Vor 70 Jahren ermordete ein polnischer Mob über 40 Juden, darunter Holocaust-Überlebende

Link zum Artikel

Superkanone V3: Wie ein Kennedy Hitlers Hochdruckpumpe ausschalten sollte

Link zum Artikel

Krieg, Hoffnung, Zerfall: Das dunkle 20. Jahrhundert erzählt in 50 Bestsellern 

Link zum Artikel

Hitler, Stalin und Co: Erkennst du diese Diktatoren auch in jung?

Link zum Artikel

Vor 100 Jahren fand die grösste Seeschlacht aller Zeiten statt: «Irgendwas stimmt mit unseren verdammten Schiffen nicht»

Link zum Artikel

25.05.1935: Keiner ärgerte Hitler mehr als Jesse Owens – dabei hätte der Führer ja wissen müssen, was der Schwarze drauf hat

Link zum Artikel

Grosstante Margit tanzt, als 180 Juden massakriert werden – eine Familiengeschichte

Link zum Artikel

100 Jahre Schlacht von Verdun: Das Grauen in Zahlen

Link zum Artikel

Sutter, Rickenbacher und Guggenheim: 3 unglaubliche Geschichten von Schweizer Habenichtsen, die nach Amerika auswandern mussten 

Link zum Artikel

Vom Kugelfisch-Helm bis zum geflügelten Husaren: Die sonderbarsten Rüstungen der Geschichte  

Link zum Artikel

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Link zum Artikel

Luther, Gratulation zum Todesjubiläum, du asoziales Genie!

Link zum Artikel

Kaiserin Agrippina: Das herrschsüchtige Teufelsweib, das ganz Rom verführte und die Männer zu Sklaven machte

Link zum Artikel

Der Mythos Mens: Die ewige Angst der Männer vor dem bisschen Blut

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Thomas Bollinger (1) 12.06.2016 19:03
    Highlight Highlight Also mein (hundegotthabihnselig) Beagle hätte die Japaner reihenweise zu Tode gekuschelt.
  • Alnothur 10.06.2016 22:46
    Highlight Highlight Interessant!
    Kleine Anmerkung am Rande: so ganz in Schutt und Asche lag Pearl Harbor am Ende eben doch nicht, und das war dann eines der Dinge, die Japan zum Verhängnis wurden :)
  • pamayer 10.06.2016 13:43
    Highlight Highlight Nun gut.
    Dog training auf CAT island ist ja schon der brüller an sich.
  • Luca Brasi 10.06.2016 12:03
    Highlight Highlight Was man/frau nicht alles so findet in den Quellen. Geschichte ist manchmal echt schräg.
  • MaskedGaijin 10.06.2016 10:39
    Highlight Highlight "Und von der Idee, dafür in den USA allein lebende Japaner einzusetzen, liess man ab – zu geschmacklos für manch ein Gemüt..." Dafür steckte man die US-Japaner (inkl. Frauen und Kinder) in Internierungslager in der Wüste. Auch geschmacklos.
    • pamayer 10.06.2016 13:42
      Highlight Highlight Aber offensichtlich weniger...

      Ist beides so was von jenseitig!

Tiere «schwerwiegend vernachlässigt» – Strafanzeige wegen Tierquälerei gegen Zürcher Bauer

Einem Bauern im Zürcher Oberland wird Tierquälerei vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eröffnet. Eine Tierschutzorganisation spricht von einem «extremen Fall».

Zentimeterhoch türme sich der Mist, der Boden sei mit Kot und Urin bedeckt, die Tiere würden vernachlässigt: Es sind happige Vorwürfe, welche die Organisation «Tier im Fokus» (TIF) gegen Landwirt H.M.* erhebt. Dieser führt in einer Gemeinde im Zürcher Oberland einen Mutterkuh-Betrieb. Bilder aus dem Innern des Rinderstalls von Bauer H.M. sollen die Vorwürfe belegen. Sie stammen laut Angaben von «Tier im Fokus» aus dem Juni 2019 und wurden der Organisation auf einem USB-Stick zur …

Artikel lesen
Link zum Artikel