Klima
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epa06047656 A general view over the Rhone Glacier covered in blankets above Gletsch near the Furkapass, Switzerland, 24 June 2017. The Alps oldest glacier is protected by special white blankets to prevent it from melting.  EPA/URS FLUEELER

Der Rhonegletscher im Kanton Wallis wird von speziellen Decken geschützt, damit er nicht schmilzt.  Bild: EPA/KEYSTONE

Gletscherschmelze ist laut Studie nicht mehr aufzuhalten – doch es gibt trotzdem Hoffnung

Die schlechte Nachricht: Egal, was wir tun, die Gletscher werden schmelzen. Die gute Nachricht: Wenn wir heute handeln, können wir die Eismassen teilweise retten. Der Erfolg wird sich laut einer Studie aber erst im nächsten Jahrhundert zeigen.



Die Gletscher werden weiter schmelzen – selbst wenn sich alle Länder an das internationale Klimaabkommen von Paris halten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Wissenschaftern der Universitäten Bremen und Innsbruck die im Fachmagazin «Nature Climate Change» veröffentlicht wurde. Danach werden etwa 36 Prozent des Gletschereises langfristig verloren gehen.

Nach den Berechnungen der Forscher macht es dabei keinen Unterschied, ob der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur wie im Pariser Abkommen vereinbart auf 2 Grad oder im besten Fall 1.5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt wird.

Das spiele eine «überraschend und auch frustrierend geringe Rolle», zumindest für das laufende Jahrhundert, sagte der Bremer Klimaforscher Ben Marzeion. Der Grund: Die Gletscher reagieren langsam auf klimatische Veränderungen.

FILE - In this July 19, 2011 file photo, pools of melted ice form atop Jakobshavn Glacier, near the edge of the vast Greenland ice sheet.   Since 1997, the West Antarctic and Greenland ice sheets have lost 5.5 trillion tons of ice (5 trillion metric tons), according to Andrew Shepherd at the University of Leeds, who used NASA and European satellite data.  (AP Photo/Brennan Linsley, File)

Seit 1997 haben die Eisschilde der Westantarktis und Grönlands 5,5 Billionen Tonnen Eis verloren. Im Bild der Jakobshavn-Gletscher in Grönland, die blaue Fläche ist geschmolzenes Wasser. Bild: AP/AP

Deshalb wird sich erst im nächsten Jahrhundert zeigen, ob der Klimaschutz erfolgreich war. Die Wissenschafter haben errechnet, dass jedes Kilogramm Kohlendioxid, das wir heute ausstossen, langfristig 15 Kilogramm Gletschereis schmelzen lässt.

«So rasch wie möglich»

Der Experte Torsten Albrecht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der nicht an der Studie beteiligt war, folgert daraus zwei Erkenntnisse: Die Studie zeige «die historische Dimension unserer Verantwortung für die folgenden Generationen». Und es werde die Notwendigkeit deutlich, das Zeitalter fossiler Energienutzung «so rasch wie möglich hinter uns zu lassen».

Für die Studie hatten Marzeion und seine Kollegen die Entwicklung der 200'000 Gletscher weltweit modelliert und aufaddiert, um eine globale Summe zu errechnen. Dabei bezogen sie Höhe und Grösse der Gletscher, regionale Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse, Daten aus Klimabeobachtungen und künftige Klimaszenarien mit ein. «Die globalen Zahlen sind interessant, weil sie die zentrale Rolle für den Anstieg des Meeresspiegels spielen», erläuterte Marzeion.

Ein Hundertstel der Eismasse

Die Eisschilde in der Antarktis und Grönlands sowie die Eisberge dort haben die Klimaforscher in der Studie nicht berücksichtigt. «Wir haben weniger als ein Prozent der weltweiten Eismasse erfasst», sagte Marzeion. «Aber diese kleinen Gletscher tragen ungefähr genauso viel bei zum Meeresspiegelanstieg wie die Eisschilde Grönlands und in der Antarktis.» Denn die kleineren Gletscher würden schneller schmelzen.

In this June 30, 2015 photo, a climber navigates a ladder placed over a crevasse high on the Ingraham Glacier during a climb of Washington's Mount Rainier. The glacier-covered faces of Mount Rainier are melting faster than usual this year, creating conditions on the mountain more like August or September just a few days into July. (Joshua Trujillo/seattlepi.com via AP) SEATTLE OUT; MAGS OUT; NO SALES; SEATTLE TIMES OUT; TV OUT; MANDATORY CREDIT

Der Ingraham-Gletscher im US-Bundesstaat Washington auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2015. Auch in den USA schmelzen schreitet die Gletscherschmelze voran. Bild: AP/seattlepi.com

Gerade für diese sei es entscheidend, ob die Temperatur künftig um 1.5 oder 2 Grad steige, kommentiert der Glaziologie-Experte Tobias Bolch von der Universität Zürich die Studie. «Es ist lange bekannt, dass Gletscher in verschiedenen Regionen der Erde in unterschiedlichem Ausmass reagieren.» Aussagen zu den regionalen Auswirkungen zum Beispiel in den Alpen könne die Studie allerdings nicht machen.

Johannes Fürst vom Institut für Geografie der Universität Nürnberg-Erlangen sieht darin den wunden Punkt der Studie. «Natürlich gibt es regional Unterschiede im erwarteten Gletscherrückzug. Unberücksichtigt bleiben Faktoren wie Schuttbedeckung, Eisdynamik, Eisbergkalben, lokale Gegebenheiten der Sonneneinstrahlung sowie das lokale Mikroklima.» (sda/dpa)

Die grössten Klimasünder

«Ich achte auf die Umwelt – und werde dafür blöd angemacht!»

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    Alle Leser-Kommentare
  • P. Saulus 20.03.2018 08:55
    Highlight Highlight Also ob es nun einen Gletscher gibt oder nicht, ist doch Jacke wie Hose - da gibts wirklich andere Dinge !
    • Chummerbueb 20.03.2018 12:30
      Highlight Highlight Ich gebe ihnen Recht! Ist doch Jacke wie Hose obe die Berge zusammenbrechen ab dem fehlenden Permafrost.
      Den Holländer und den Inselbewohner ist es auch egal ob der Meeresspeigel steigt oder nicht.
    • piatnik 20.03.2018 17:49
      Highlight Highlight und du willst jetzt etwas daran ändern?
    • el heinzo 20.03.2018 18:39
      Highlight Highlight P. Saulus, Wasser in flüssiger Form fliesst ja bekanntlich den Berg hinunter, und nicht den Berg hoch. Es macht darum sehr wohl einen Unterschied, ob man Eis in den Bergen hat, oder eben nicht. Während langer Trockenperioden im Sommer wird der Grundwasserspiegel durch das Schmelzwasser von oben laufend gespiesen. Auch ein Stausee füllt sich nur langsam lediglich durch Regen. Also schon recht wichtig, das Eis da oben. Sicher, auch das Gebirge an sich speichert an manchen Orten viel Wasser. Aber da könnten uns eben gerade auch in der Schweiz langfristig schon die saisonalen Vorräte verknappen.
  • Tomlate 19.03.2018 23:00
    Highlight Highlight Da kommt mir in den Sinn, dass ich meinen Kühlschrank enteisen muss.
  • Thomas Bollinger (1) 19.03.2018 19:08
    Highlight Highlight Hat eigentlich schon mal jemand die Frage gestellt, wozu die eiskalte Lava gut sein soll? Unsere Ahnen hatten auf alle Fälle allen Grund zur Angst: https://www.myswissalps.ch/story/833
    • bokl 19.03.2018 21:40
      Highlight Highlight @TB
      Also ich denke so 1-2 Niederländer (willkürliches Beispiel) haben sich diese Frage durchaus schon gestellt.
      Aber generell ist das 17-18 Jahrhundert kein guter Gradmesser. Da hat man sich vor ziemlich Allem gefürchtet. Solange die Gletscherzunge nicht den Bürkliplatz erreicht, ist alles in Ordnung ;)
  • Watson=Propagandahuren 19.03.2018 18:34
    Highlight Highlight Funfact: Die Gletscher schmelzen schon seit Ewigkeiten.
    Wir können sogar ziemlich froh sein, sonst hätten wir kein zuhause.
    Und wers nicht glaubt, liest mal was eine "Moräne" ist und schaut dann aus dem Fenster ;)
  • DerHans 19.03.2018 18:28
    Highlight Highlight Ich werde nicht schlau aus diesem Artikel?! Da wird eine Studie erstellt, aber nur auf einzelne Faktoren eingegangen und andere gar nicht berücksichtigt. Damit man auf ein Ergibnis kommt dass nie überprüft werden kann? Ich bin für einen sorgvollen Umgang der Ressourcen und pro Umweltschutz aber diese Studie ist m.M.n nicht den Strom wert der für die Berechnungen gebraucht wurde. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren.

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