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Der Rhonegletscher im Kanton Wallis wird von speziellen Decken geschützt, damit er nicht schmilzt. 
Der Rhonegletscher im Kanton Wallis wird von speziellen Decken geschützt, damit er nicht schmilzt. Bild: EPA/KEYSTONE

Gletscherschmelze ist laut Studie nicht mehr aufzuhalten – doch es gibt trotzdem Hoffnung

Die schlechte Nachricht: Egal, was wir tun, die Gletscher werden schmelzen. Die gute Nachricht: Wenn wir heute handeln, können wir die Eismassen teilweise retten. Der Erfolg wird sich laut einer Studie aber erst im nächsten Jahrhundert zeigen.
19.03.2018, 17:0019.03.2018, 17:39

Die Gletscher werden weiter schmelzen – selbst wenn sich alle Länder an das internationale Klimaabkommen von Paris halten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Wissenschaftern der Universitäten Bremen und Innsbruck die im Fachmagazin «Nature Climate Change» veröffentlicht wurde. Danach werden etwa 36 Prozent des Gletschereises langfristig verloren gehen.

Nach den Berechnungen der Forscher macht es dabei keinen Unterschied, ob der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur wie im Pariser Abkommen vereinbart auf 2 Grad oder im besten Fall 1.5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt wird.

Das spiele eine «überraschend und auch frustrierend geringe Rolle», zumindest für das laufende Jahrhundert, sagte der Bremer Klimaforscher Ben Marzeion. Der Grund: Die Gletscher reagieren langsam auf klimatische Veränderungen.

Seit 1997 haben die Eisschilde der Westantarktis und Grönlands 5,5 Billionen Tonnen Eis verloren. Im Bild der Jakobshavn-Gletscher in Grönland, die blaue Fläche ist geschmolzenes Wasser.
Seit 1997 haben die Eisschilde der Westantarktis und Grönlands 5,5 Billionen Tonnen Eis verloren. Im Bild der Jakobshavn-Gletscher in Grönland, die blaue Fläche ist geschmolzenes Wasser.Bild: AP/AP

Deshalb wird sich erst im nächsten Jahrhundert zeigen, ob der Klimaschutz erfolgreich war. Die Wissenschafter haben errechnet, dass jedes Kilogramm Kohlendioxid, das wir heute ausstossen, langfristig 15 Kilogramm Gletschereis schmelzen lässt.

«So rasch wie möglich»

Der Experte Torsten Albrecht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der nicht an der Studie beteiligt war, folgert daraus zwei Erkenntnisse: Die Studie zeige «die historische Dimension unserer Verantwortung für die folgenden Generationen». Und es werde die Notwendigkeit deutlich, das Zeitalter fossiler Energienutzung «so rasch wie möglich hinter uns zu lassen».

Für die Studie hatten Marzeion und seine Kollegen die Entwicklung der 200'000 Gletscher weltweit modelliert und aufaddiert, um eine globale Summe zu errechnen. Dabei bezogen sie Höhe und Grösse der Gletscher, regionale Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse, Daten aus Klimabeobachtungen und künftige Klimaszenarien mit ein. «Die globalen Zahlen sind interessant, weil sie die zentrale Rolle für den Anstieg des Meeresspiegels spielen», erläuterte Marzeion.

Ein Hundertstel der Eismasse

Die Eisschilde in der Antarktis und Grönlands sowie die Eisberge dort haben die Klimaforscher in der Studie nicht berücksichtigt. «Wir haben weniger als ein Prozent der weltweiten Eismasse erfasst», sagte Marzeion. «Aber diese kleinen Gletscher tragen ungefähr genauso viel bei zum Meeresspiegelanstieg wie die Eisschilde Grönlands und in der Antarktis.» Denn die kleineren Gletscher würden schneller schmelzen.

Der Ingraham-Gletscher im US-Bundesstaat Washington auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2015. Auch in den USA schmelzen schreitet die Gletscherschmelze voran.
Der Ingraham-Gletscher im US-Bundesstaat Washington auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2015. Auch in den USA schmelzen schreitet die Gletscherschmelze voran.Bild: AP/seattlepi.com

Gerade für diese sei es entscheidend, ob die Temperatur künftig um 1.5 oder 2 Grad steige, kommentiert der Glaziologie-Experte Tobias Bolch von der Universität Zürich die Studie. «Es ist lange bekannt, dass Gletscher in verschiedenen Regionen der Erde in unterschiedlichem Ausmass reagieren.» Aussagen zu den regionalen Auswirkungen zum Beispiel in den Alpen könne die Studie allerdings nicht machen.

Johannes Fürst vom Institut für Geografie der Universität Nürnberg-Erlangen sieht darin den wunden Punkt der Studie. «Natürlich gibt es regional Unterschiede im erwarteten Gletscherrückzug. Unberücksichtigt bleiben Faktoren wie Schuttbedeckung, Eisdynamik, Eisbergkalben, lokale Gegebenheiten der Sonneneinstrahlung sowie das lokale Mikroklima.» (sda/dpa)

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