International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Pro independence demonstrators march during a protest in support of Catalonian politicians who have been jailed on charges of sedition in Barcelona, Spain, Sunday, March 25, 2018. Puigdemont was arrested Sunday by German police on an international warrant as he tried to enter the country from Denmark. (AP Photo/Manu Fernandez)

Grossdemo in Barcelona nach der Verhaftung von Carles Puigdemont. Die Fahne im Bild ist die Estelada, die separatistische Variante der katalanischen Flagge.  Bild: AP/AP

In diesen 6 Regionen sind Spaniens Separatisten am stärksten

28.03.18, 09:42 28.03.18, 19:57


Wütende Demonstranten gegen Polizisten: In Barcelona hat der Protest gegen die Verhaftung des ehemaligen katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont zu Strassenschlachten geführt. Der Konflikt zwischen der spanischen Zentralregierung und der Region Katalonien ist damit erneut aufgeflammt. 

Die spanische Verfassung von 1978 hat ein föderales Modell eingeführt, das mit dem brachialen Zentralismus des Franco-Regimes aufräumte. Seither ist der spanische Staat stärker dezentralisiert als mancher dem Namen nach föderale Staat. Die 17 Comunidades Autónomas (Autonome Gemeinschaften), die der Funktion nach ungefähr Bundesstaaten entsprechen, verfügen zum Teil über erhebliche politische, administrative und finanzielle Befugnisse. 

Dennoch gibt es in mehreren Regionen separatistische Bestrebungen – nicht nur in Katalonien und im Baskenland, wo sie am stärksten sind. Eine Übersicht: 

Karte: Spanien, Autonome Gemeinschaften, Separatismus

Karte: watson

Katalonien
Cataluña / Catalunya

Bild: Wikimedia

In der wirtschaftsstärksten Region Spaniens wird rund ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet – dies trotz eines riesigen Schuldenbergs von mehr als 41 Milliarden Euro und einer Arbeitslosenquote von über 15 Prozent. Die Unzufriedenheit in Katalonien hat damit zu tun, dass viele Katalanen der Meinung sind, Barcelona müsse zu hohe Zahlungen an die Zentralregierung abführen, ohne dafür einen vergleichbaren Gegenwert zu erhalten. Im Gegensatz zum Baskenland, das finanzpolitisch weitgehend autonom ist, muss sich Katalonien überdies ständig mit der Zentralregierung abstimmen.

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum und der einseitigen Unabhängigkeitserklärung vom Oktober 2017 eskalierte der Konflikt mit Madrid, das mit der Absetzung der katalanischen Regionalregierung reagierte. Mittlerweile ist der katalanische Separatismus der virulenteste in Spanien und auch innerhalb der EU. In den beiden grössten Städten, Barcelona und Tarragona, sind die Separatisten allerdings deutlich weniger stark als auf dem Land. 

Baskenland
País Vasco / Euskadi

Flagge des Baskenlandes

Bild: Wikimedia

Die drei baskischen Provinzen Gipuzkoa, Biskaya und Álava im Nordosten Spaniens bilden seit 1979 eine Autonome Gemeinschaft. Die Region ist wirtschaftlich stärker als der spanische Durchschnitt; sie trägt etwa sechs Prozent zum nationalen BIP bei. Lange Zeit war der Separatismus im Baskenland am stärksten; rund 50 Jahre lang kämpfte die Terrororganisation ETA mit Anschlägen für die Unabhängigkeit. Erst 2011 stellte sie den bewaffneten Kampf ein. 2017 gab sie ihre Waffen ab.

Von allen Regionen Spaniens geniesst das Baskenland die weitestgehende Autonomie. Basken leben jedoch nicht nur in den drei Provinzen, sondern als Minderheit auch im spanischen Navarra sowie im französischen Baskenland jenseits der Grenze. Die meisten Basken in diesen Gebieten lehnen eine Unabhängigkeit eher ab. 

Galicien
Galicia / Galiza

Flagge von Galicien

Bild: Wikimedia

Das durch Berge vom restlichen Spanien isolierte Galicien definiert sich ähnlich wie Katalonien und das Baskenland über eine eigene Kultur und Sprache – das Galego ist dem Portugiesischen näher verwandt als dem Spanischen. Es gibt daher separatistische Strömungen, die einen Anschluss an Portugal befürworten. Für die Unabhängigkeit von Spanien tritt seit den 80er-Jahren der Bloque Nacionalista Galego (BNG) ein. Die Partei holte bei den galicischen Regionalwahlen von 1997 knapp ein Viertel der Stimmen und wurde damit zweitstärkste Partei. Seither ist ihr Anteil jedoch stark zurückgegangen.

Die schwache Wirtschaft Galiciens ist dem Separatismus nicht eben zuträglich. Die Region wählt in der Mehrheit ohnehin eher nationalistische Politiker – sowohl Diktator Franco wie der konservative spanische Premierminister Rajoy stammen aus Galicien. Die Unabhängigkeitsbewegung ist dennoch nicht tot: Beim Referendum in Katalonien gingen hier viele aus Solidarität auf die Strasse. 

Andalusien
Andalucía

Flagge von Andalusien

Bild: Wikimedia

Die Region im Süden des Landes, die aus acht Provinzen besteht, stand am längsten unter der Herrschaft der muslimischen Eroberer aus Nordafrika. Die lange Fremdherrschaft hat sich in der kulturellen DNA Andalusiens niedergeschlagen. Möglicherweise sind deswegen Bewegungen, die für mehr Selbstbestimmung eintreten, hier relativ früh aufgetreten: Schon im 19. Jahrhundert forderten Nationalisten ein autonomes Andalusien innerhalb eines föderalen Spaniens. Nach der Franco-Diktatur setzten sich mehrere Parteien für eine grössere Autonomie der Region ein, doch nur Splittergruppen forderten die Loslösung von Spanien. 

2007 stimmte eine grosse Mehrheit der Einwohner für mehr Befugnisse im Bereich Steuern und eine Stärkung der nationalen Identität. Insgesamt sind die separatistischen Tendenzen in Andalusien jedoch gering; der Partido Andalucista, der zeitweise in einigen Städten in Westandalusien das Bürgermeisteramt erobern konnte, in den regionalen Wahlen 2015 aber nur auf 1,5 Prozent kam, löste sich im selben Jahr auf. 

Balearen
Islas Baleares / Illes Balears

Flagge der Balearen

Bild: Wikimedia

Rund 70 Prozent der Einwohner der Balearen sprechen einen katalanischen Dialekt. Die Inselgruppe gehört zu den sogenannten Països Catalans (Katalanische Länder), in denen katalanisch gesprochen wird. Nach der franquistischen Diktatur fand auch auf diesen Mittelmeerinseln eine Rückbesinnung auf die regionale Identität statt, die sich vornehmlich an der Sprache orientierte.

Bei den Regionalwahlen 2015 erhielt ein Bündnis der nationalistischen Parteien Més per Mallorca und Més per Menorca 15 Prozent der Stimmen; die Partei Proposta per les Illes, die mehr Autonomie fordert, kam auf 8 Prozent. Dennoch ist die Mehrheit der Inselbewohner gegen eine Abspaltung von Spanien. 

Kanaren
Islas Canarias

Flagge der Kanaren

Bild: Wikimedia

Die Einwohner der Inselgruppe im Atlantik sprechen einen spanischen Dialekt und identifizieren sich gemäss Umfragen stark mit ihrer Region. Ende der 70er-Jahre kam es zu gewalttätigen Aktionen von Separatisten, die vom Festland zugewanderte Spanier mit dem Schlachtruf fuera godos («Goten raus!») zu vertreiben versuchten. Danach erlahmte der separatistische Eifer; die Partei MPAIAC, die für die Unabhängigkeit von Spanien eintrat, löste sich 1982 auf.

Heute sind separatistische Parteien wie die Frente Popular de las Islas Canarias lediglich Splittergruppen. Die wirtschaftliche Abhängigkeit von Madrid lässt die Unabhängigkeit von Spanien nicht als attraktive Option erscheinen. Die konservative Coalición Canaria, die 2015 auf 16 Prozent kam, hat sich daher nur die Selbstbestimmung der Kanaren aufs Banner geschrieben. 

Mehr zum Thema Katalonien

Carles Puigdemont bleibt vorerst in Haft – «Fluchtgefahr»

«Deutschland muss Puigdemont ausliefern»

Tausende protestieren in Barcelona gegen Festnahme Puigdemonts – über 50 Verletzte

Vom Nobody zum Schrecken Spaniens – das ist Carles Puigdemont

An dänischer Grenze: Deutsche Polizei verhaftet katalanischen Ex-Regierungschef Puigdemont

Carles Puigdemont kommt in die Schweiz 

Puigdemont verzichtet auf Amt des Regionalpräsidenten in Katalonien

Haftbefehl gegen geflohene katalanische Separatistin – Schweiz will sie nicht ausliefern

Puigdemont will zurück nach Katalonien: «Ich bin der Präsident – und ich werde es bleiben»

König Felipe warnt katalanische Abgeordnete vor neuer Konfrontation

Die Wahlen in Katalonien zeigen: Die Mächtigen in Madrid haben keine Ahnung von der Region

Wahl gewonnen – und jetzt? 4 Antworten zu Katalonien

Puigdemont bleibt vorerst in Brüssel

Belgischer Richter lässt Puigdemont wieder frei – aber unter Auflagen

Puigdemonts soll nur zur Wahl antreten dürfen, wenn er nach Spanien zurückkehrt

Razzia der Guardia Civil im Hauptquartier der katalanischen Polizei

Diese Frau hat den härtesten Job Europas

Staatsanwaltschaft klagt Puigdemont an – dieser setzt sich nach Belgien ab

Warum gerade Belgien? Die 8 wichtigsten Fragen und Antworten zu Puigdemonts Flucht

«Das ist eine Kriegserklärung!» – spanische Beobachter warnen vor «katalanischem Maidan»

Auf Youtube ist die Propaganda-Schlacht um Katalonien entbrannt

Kein Showdown in Barcelona: Es kehrt Ruhe ein im Epizentrum des Katalonien-Konfliktes

Keine Einigung in Sicht: Kataloniens Behörden wollen Weisungen aus Madrid nicht folgen

Wie weiter in Spanien? 5 Dinge, die du wissen solltest

Ganz Katalonien fragt sich: Was versteht Spanien unter «die notwendigen Mittel ergreifen»?

Spanien bereitet Machtübernahme in Katalonien vor – und will im Januar Neuwahlen

Ruft er die Unabhängigkeit Kataloniens aus, droht Puigdemont Festnahme

Haftbefehl gegen Separatistenführer entzürnt Katalonien: «Das ist Barbarei!» 

Spanien schraubt wegen Katalonien-Krise Wachstumsprognosen herunter

Streit um Unabhängigkeit: Spanien setzt Katalonien letzte Frist

Alle Artikel anzeigen

Damals war er noch Präsident Kataloniens: Wer ist Carles Puigdemont?

Video: srf

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ZaharztAua 28.03.2018 18:43
    Highlight Die katalonische Regierung bezahlt seit Jahren eine Gruppe Historiker, die Spuren des historischen Katalonien finden sollen.

    Die geben dann auch periodisch ihre Ergebnisse bekannt:
    So fanden sie z.B., dass Leonardo Da Vinci ein Katalane war.
    ... Ja, weil "damals" "Katalonien" bis nach Italien reichte.

    Und wenn man sich das so auf der Zunge zergehen lässt, merkt man auch, was für Leute/Gesinnungen hinter dieser Unabhängigkeitsbewegung stehen.
    12 10 Melden
  • ZaharztAua 28.03.2018 10:48
    Highlight Artikel: stark und schwach

    Stark der Artikel, über Spaniens Föderalismus:
    Katalonien ist bereits überwiegend autonom.

    Schwach der Artikel über die Motive der katalonischen Separatisten:
    "Die Unzufriedenheit in Katalonien hat damit zu tun, dass viele Katalanen der Meinung sind, Barcelona müsse zu hohe Zahlungen an die Zentralregierung abführen."

    Das mag ja ein Grund sein.
    Aber der Hauptgrund sind erzkonservative Kreise, die das katalonische Nationalgefühl des 16. Jhdt wiederaufleben wollen.
    Dieser Nationaltraum schliesst Südfrankreich und das westliche Norditalien mit ein.
    23 31 Melden
    • Liselote Meier 28.03.2018 14:02
      Highlight Ist auch nur ein Teilaspekt und beschreibt nur Rechte Gruppen. Gibt auch progressive sprich republikanische Separatisten und Linke
      34 4 Melden
    • Mario Kesselring 28.03.2018 16:56
      Highlight Es sind vor allem progressive republikanische Separatisten. So progresiv und republikanisch, dass sie kein Problem damit haben falls sich z.B. der Vall d' Aran in einer Volksabstimmung von Catalunya trennen möchte.
      5 2 Melden
    • Hoppla! 28.03.2018 17:59
      Highlight Alles sehr komplex. Man denke z.B. an die bewusst und zielgerichtete "Katalanisierung" im Bildungssystem. Das wird z.B. auch hier beschrieben: http://www.zeit.de/2017/53/katalonien-barcelona-separatisten-schueler
      4 1 Melden
    • Boixos 28.03.2018 18:09
      Highlight Sorry, das ist Schwachsinn und behaupten einfach immer die Gegner der Separatisten.

      Gerade bei vielen Jungen ist die Unabhängigkeitsbewegung stark aufgeblüht wegen verschiedenster Motive wie zB der Jugend-Arbeitslosigkeit. Aber auch die Spracheinschränkungen in Schulen oder die Annullierung des Stierkampfverbots durch das spanische Verfassungsgerichts sind Gründe. Und natürlich das von Seiten der spanischen Regierung jeglicheger Dialoge abgeblockt werden.
      14 10 Melden
    • Enzasa 29.03.2018 02:01
      Highlight Was bedeutet denn Unabhängigkeit?
      Bedeutet die EU Abhängigkeit?

      Nationalismus bringt Nichts außer zermürbende Kleinkriege und Schlimmeres.
      4 3 Melden
    • Hoppla! 29.03.2018 06:54
      Highlight Boixos, das kann man ja nun verschieden sehen. Auch weil der Journalist doch eher renommiert ist.

      Ich frage mich einfach: Wie kommt ein junger Mensch der in Spanien als Spanier geboren ist nun plötzlich mit einer uralten Geschichte von (angeblich) gestohlenem Land und einem besseren Leben in Unabhängigkeit? Wer hat den Samen des Separatismus zum Gedeihen gebracht?

      Nicht, dass die spanische Regierung fehlerlos ist, aber ich komme ja nun auch nicht aufgrund von Unzufriedenheit auf die Idee die Republik Bern wieder auszurufen.
      10 4 Melden

«Die AfD plant den Staatsstreich» – eine Aussteigerin packt aus

Franziska Schreiber war vier Jahre lang Mitglied der AfD. Zuerst als Vorsitzende der Jugendorganisation Junge Alternative, dann als Mitglied im Bundesvorstand. Kurz vor den Bundestagswahlen im Herbst 2017 trat die 27-Jährige aus der Partei aus. Jetzt hat sie ein Buch geschrieben, in dem sie vor ihrer ehemaligen Partei warnt.

Frau Schreiber, wenn Sie noch in der AfD wären, und wenn die AfD stärkste Partei wäre in Deutschland, könnte ich dann dieses Interview mit Ihnen noch führen?Franziska Schreiber: Nein, könnten Sie nicht, aus dem einfachen Grund, dass Sie dann als Journalist in Deutschland gar keine Lizenz mehr hätten. Sie sind, in der Sprache der AfD-Funktionäre, Schreiberling eines «linksrotgrün versifften Mediums», das man um jeden Preis eindämmen müsste. Die Medienlandschaft würde gesäubert, wer …

Artikel lesen