Angriff auf Paris
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screenshot günter jauch

Bei Günther Jauch schildern Julia und Thomas Schmitz, wie sie den Anschlag in der Konzerthalle überlebt haben.
Bild: screenshot ard/günther jauch

«Man hat wirklich gedacht: Ich sterbe jetzt. Hoffentlich tut's nicht weh und es geht schnell»

Thomas Schmitz will seinen Geburtstag mit Ehefrau Julia in Paris feiern. Doch aus einem perfekten Tag wird der schlimmste ihres Lebens. In der Sendung «Günther Jauch» erzählen die beiden, wie sie den Attentätern entkommen sind.



Thomas Schmitz feiert am 13. November seinen Geburtstag. Von seiner Frau bekommt er zu diesem Anlass eine Paris-Reise – inklusive Konzert-Besuch – geschenkt. Die beiden sind grosse Fans der Band «Eagles of Death Metal». Als gegen 21.30 Uhr die Katastrophe ausbricht, befindet sich das Ehepaar auf dem oberen Rang der Konzerthalle Bataclan. Gerade mal 48 Stunden später sitzen sie bei Günther Jauch in der Sendung und erzählen, wie sie die Nacht der Anschläge überlebt haben.

«Im ersten Moment denkt man nicht an eine Gefahr, sondern vielleicht an einen Gag, der zur Show gehört», berichtet Thomas Schmitz. Doch nach kurzer Zeit wird beiden klar, dass dies kein Scherz ist. So schnell wie möglich wollen sie den oberen Rang verlassen, doch das geht nicht: «In dem Moment fielen Schüsse, also blieb uns nichts anderes übrig, als wieder nach oben zu rennen», so der junge Mann aus Köln.

Der Backstageraum rettet 30 Leben

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Bild: screenshot ard/günther jauch

Zu ihrem grossen Glück befindet sich dort ein Backstageraum, der dem Ehepaar und rund 30 weiteren Menschen das Leben rettet. «Als die Tür eigentlich schon zu war, haben wir sie noch einmal kurz geöffnet, um noch zwei oder drei weitere Leute reinzulassen, aber dann mussten wir die Entscheidung treffen», erklärt Julia Schmitz. Und diese Entscheidung bedeutete: Tür zu und alles verbarrikadieren.

«Wir haben ein Sofa, einen Kühlschrank und alles, was sperrig und schwer war, vor die Tür geschoben. Dann haben wir uns auf den Boden gelegt und mit aller Kraft dagegen gedrückt», erzählt Thomas Schmitz. Insgesamt drei Stunden verbringen sie in dem Raum, vor dessen Fenster ein Gitter befestigt ist.

Als die Polizei das Konzerthaus stürmt, versucht einer der Attentäter in den Backstageraum zu gelangen. Thomas Schmitz erinnert sich: «Das war das Schlimmste. Wir haben alle zusammen gegen die Möbel gedrückt, damit die nicht reinkommen können.» In diesem Moment glaubt der junge Mann nicht mehr daran, den Raum lebendig verlassen zu können. «Man hat sich wirklich gedacht: Ich sterbe jetzt. Hoffentlich tut's nicht weh und es geht schnell.» Seine Frau empfand genau dasselbe: «Man schliesst tatsächlich ab. Ich war mir fast durchgehend sicher: Wir überleben das nicht.»

«Mich haben sie sechsmal kontrolliert, weil sie einfach nicht sicher waren.»

Thomas Schmitz

screenshot günter jauch

Bild: screenshot ard/günther jauch

Doch sie überleben: Weil ein Polizist den Attentäter genau vor dem Raum, in dem sich das Ehepaar befindet, niederstreckt. (Anm. d. Red.: Die Ausführungen der beiden sind hier etwas widersprüchlich. Es ist nicht ganz klar, ob der Attentäter erschossen wird oder sich selbst in die Luft sprengt.) Julia und Thomas Schmitz hören und spüren die Detonation, doch anschliessend dauert es noch eine ganze Weile, bis sie den Raum verlassen. Weil sie sich nicht trauen, die Tür zu öffnen.

«Wir waren uns nicht sicher, ob das wirklich die Polizei war, die dort an die Tür klopfte», erklärt Thomas Schmitz. Einer der Anwesenden ist dann ans Fenster getreten und hat mit den Polizisten, die sich auf der Strasse befanden, diskutiert. Erst als sie ganz sicher sind, öffnen sie die Tür.

«Der komplette Weg war gepflastert von toten Körpern.»

Julia Schmitz

«Dann wurden wir rausgebracht. Die haben uns angetrieben und angeschrien. Wir mussten alle die Hände hoch machen. Mich haben sie sechsmal kontrolliert, weil sie einfach nicht sicher waren», erzählt der Kölner. Trotz der Hektik bleibt den beiden genug Zeit, um die schrecklichen Bilder zu verinnerlichen: «Man will natürlich nicht gucken, aber man sieht sich trotzdem rechts und links um und der komplette Weg war gepflastert von toten Körpern», berichtet Julia Schmitz.

Zeit, um zur Ruhe zu kommen und das Ganze zu verarbeiten, hatte das Ehepaar bisher noch nicht. Doch auf Jauchs Frage, ob ihnen nun die Lust an Konzerten vergangen sei, antworten sie klar und deutlich: «Nein. Das ist doch genau das, worauf da abgezielt wird und da werden wir natürlich nicht einknicken. Es wird sicherlich eine Zeit dauern, bis wir uns wieder auf so ein Konzert wagen. Aber wir werden unser Leben weiterleben und Spass haben.» (viw)

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