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German Chancellor Angela Merkel, left, speaks with Google's Eric Schmidt, right, and Facebook founder Mark Zuckerberg,  second right, during a round table meeting of G8 leaders and Internet representatives at the G8 summit in Deauville, France, Thursday, May 26, 2011. G8 leaders, in a two-day meeting, will discuss the Internet, aid for North African states and ways in which to end the conflict in Libya. (AP Photo/Philippe Wojazer, Pool)

Angela Merkel mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Google-Präsident Eric Schmidt. Bild: AP Reuters Pool

Merkel hatte recht! Das Internet «ist für uns alle Neuland»



Als Angela Merkel das Internet vor fünf Jahren zu «Neuland» erklärte, war ich einer der Besserwisser, der höhnisch in den Chor des Gelächters einstimmte. Ich geb's zu.

Diese Woche doppelte die scheidende Bundeskanzlerin am deutschen Digitalgipfel nach und sagte zum Thema künstliche Intelligenz: «Wir befinden uns alle in einer Sphäre, in der wir uns noch nicht so gut auskennen. Ich habe früher ‹Neuland› gesagt, das brachte mir einen grossen Shitstorm ein. Jedenfalls ist es in gewisser Weise noch nicht durchschrittenes Terrain.» 

Natürlich trat das undurchschrittene Terrain in den sozialen Medien neuerlich eine Lawine an Witzen los. Doch mir ist das Lachen inzwischen gehörig vergangen. In den letzten Jahren sind die Herausforderungen und Schattenseiten der digitalen Welt zu offenkundig geworden, um Merkels Skepsis gegenüber Digitalisierung und künstlicher Intelligenz mit einem lustigen Tweet wegzulachen.

Wenn wir ehrlich sind, begreifen wir nur sehr gemächlich, welche gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Auswirkungen die Digitalisierung hat – und pfannenfertige Lösungen für die mannigfachen Probleme (Datenschutz, Hackerangriffe, Fake News etc.) haben wir nicht.

Fakt ist: Kurzfristig frisst die Digitalisierung Millionen Jobs, gefährdet den sozialen Frieden und die Diskussion um flankierende Massnahmen wie das bedingungslose Grundeinkommen steckt in den Kinderschuhen. Vermutlich gilt aber auch: Digitale Treiber wie Blockchain, künstliche Intelligenz und das Internet of Things schaffen neue Jobs, für die es heute noch nicht mal eine Bezeichnung gibt.

Merkel hat recht. Die Digitalisierung ist für uns Neuland. Wer hingegen glaubt, die digitale Welt und ihre Implikationen verstanden zu haben, hat vermutlich gar nichts verstanden. Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Big Data, Fake News und damit verbundene Wahlmanipulationen sind nur die geläufigsten Herausforderungen. Mit Deepfakes werden Fälschungen im Netz gerade auf eine neue Stufe gehoben. Der Schutz der Online-Urheberrechte und der Knatsch um das E-Voting sind weitere Baustellen, die nach einer Lösung schreien.

Wenn Merkel das Netz und künstliche Intelligenz als «noch nicht durchschrittenes Terrain» bezeichnet, gibt ihr ausgerechnet das Gebaren der mächtigsten Internet-Konzerne aus den USA und China recht. Der Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica ist nur die Spitze des Big-Data-Eisberges. Als grösster Social-Media-Konzern der westlichen Hemisphäre steht Facebook im Fokus. Dass andere Firmen verantwortungsvoller mit unseren Daten umgehen, ist oder besser war eine Illusion, die mehr und mehr Risse erhält. 

Fast täglich zeigt uns das Internet den Mittelfinger, wenn Hackerattacken auf Firmen bekannt werden, bei denen insgesamt Milliarden Nutzerdaten abfliessen, die für weitere Hacks benutzt werden. Und von der Öffentlichkeit fast unbemerkt tobt seit Jahren der Cyberkrieg zwischen Geheimdiensten, während Schweizer Politiker noch immer darüber diskutieren, wie unsere Cyber Defence zu gestalten sei.

Merkel hat recht. Wer Bitcoins kaufen kann, ist noch lange kein Blockchain-Experte. Wer E-Banking nutzt, versteht nicht automatisch die weitreichenderen Risiken, die sich aus dem E-Voting ergeben. Und wer Serien mit Netflix streamt, hat die Bedeutung der Netzneutralität – des zentralen Konzepts des offenen Internets – deswegen noch nicht verstanden. Oder ganz allgemein gesagt: Sarkastische Tweets über Merkels Neuland machen einen nicht zum Internet-Experten.

In den letzten Jahren hat sich das Netz – und mit ihm alle Chancen und Risiken – so schnell verändert, dass nur eines gewiss ist: Auch in nächster Zeit wird uns der digitale Wandel vor Herausforderungen stellen, die wir heute nicht mal erahnen. Insofern passt die Bezeichnung «nicht durchschrittenes Terrain» wie die Faust aufs Auge.

Merkel legt CDU-Vorsitz nieder – bleibt Kanzlerin bis 2021

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Video: srf

Das sind Merkels mögliche Erben

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Political Incorrectness 07.12.2018 13:27
    Highlight Highlight Mich nerven die Bezeichnungen "Neuland" und "nicht durchschrittenes Terrain". Das Internet ist nicht der Marianengraben, der kaum erforscht ist.
    Alle Probleme die in diesem Artikel angesprochen wurden gab es schon vor dem Internet. Probleme werden nun nur schneller und global ausgebreitet.
    Kann mit einer sagen, was wir vom Internet nicht wissen?
  • zsalizäme 07.12.2018 11:43
    Highlight Highlight Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die am lautesten lachen selber keine Ahnung haben. Wenn jemand behauptet, er hätte das Internet verstanden, hat meist keinen schimmer. Da sind übrigens auch die "Digital Natives" keine Ausnahme. Ja, sie können ein Smarphone, Tablet, Laptop blind bedienen, aber von der Technologie, den Konsequenzen und der Bedeutung für unsere Gesellschaft haben die meisten keine Ahnung. Da zähle ich mich übrigens im gross und ganzen auch dazu.
  • Nik G. 07.12.2018 09:16
    Highlight Highlight Merkel hat Physik studiert und ist, soweit ich es beurteilen kann, ein sehr Analytischer Mensch. Ihre Aussage ist absolut korrekt. Niemand kann uns sagen was uns die Digitalisierung bringt. Wir können nur Tendenzen feststellen. Aber natürlich gibt es die Allwissenden Personen die genau wissen was passieren wird, dass sind dann die Nostradamuse....
  • Purscht 07.12.2018 09:04
    Highlight Highlight Ich hab auch gelacht. Aber du hast absolut recht. Danke für den Artikel.
  • Triple A 06.12.2018 23:26
    Highlight Highlight Ja, zwischen bei etwas mitmachen und es verstehen ist ein grosser Unterschied. Als Physikerin in der Grundlagenforschung weiss das Frau Merkel sehr gut.
  • Zingarro96 06.12.2018 21:56
    Highlight Highlight Und oben diesem Artikel auf der Startseite: Täuschend echt, Fake Twitter Account von KKS😅 wie passend
  • bebby 06.12.2018 21:02
    Highlight Highlight Der Satz: „Fakt ist: Kurzfristig frisst die Digitalisierung Millionen Jobs (...)“ lässt mich wundern. Welche Jobs sind da kurzfristig weg gegangen? Auf welchen Fakten basiert diese Feststellung? Oder meinte der Autor ev. langfristig?
  • Zeit_Genosse 06.12.2018 20:11
    Highlight Highlight Wenn man den für Cybersicherheit der USA verantwortlichen Giuliani sieht, ist Merkel gerade eine weitsichtige NERDin.
    • DerTaran 07.12.2018 01:06
      Highlight Highlight Sie ist Physikerin, natürlich ist sie ein Nerd. Sheldon?
  • hemster 06.12.2018 19:16
    Highlight Highlight sehr gut beschrieben, mit einem riesigen ABER.

    jeder der nicht vom fach ist, oder zumindest das fach "informatik" versteht, wird diesen artikel vermutlich nicht mal lesen, und wenn doch, ganz bestimmt nicht die beschriebenen tragweiten verstehen.

    von unseren geliebsten volksverdrehern ganz zu schweigen die sich mit solchen themen auseinandersetzen sollen
  • Flexon 06.12.2018 19:11
    Highlight Highlight Guter Artikel und das Internet wird auch immer Neuland bleiben weil es sich ständig weiterentwickelt. Letztlich kann man das Internet als einen gigantischen Rechner sehen, der immer mehr Aufgaben übernehmen wird. Wohin das noch führt weiss niemand. Sicher ist: es wird sich noch einiges ändern.
  • mw1 06.12.2018 19:01
    Highlight Highlight ich als Informatiker behaupte mal, dass 95% der user keine ahnung von pcs und dem internet haben,ganz zu schweigen von den weitreichenden folgen und den schattenseiten.
    • ch2mesro 06.12.2018 20:37
      Highlight Highlight das problem ist das 95% ebenfalls keine ahnung von pcs und internet hat...🤔
  • Abnaxos 06.12.2018 18:51
    Highlight Highlight … währenddessen lacht man weiter über die Piratenpartei, die zum grössten Teil aus Leuten besteht, die sich teilweise seit Jahrzehnten beruflich mit der Thematik auseinandersetzen und vor all diesen Dingen warnen und vor 10 Jahren bereits gewarnt haben, die es für so dringend nötig hielten, diese Themen in den Parlamenten fundiert zu diskutieren, dass sie beschlossen, sich zu politisieren, und eine Partei dafür gründeten.

    Natürlich, hauptsächlich ITler, nicht Politiker. Das ist ja genau die Idee dahinter, aber wohl auch das Problem …
    • Findolfin 06.12.2018 19:07
      Highlight Highlight Das Problem ist der Name. Den nehmen einfach die wenigsten ernst.

      Ve mutlich auch, weil der Eindruck entsteht, dass eine Partei, die so heisst, es nicht ernst meint.
    • MacB 07.12.2018 08:11
      Highlight Highlight Beim Namen Piratenpartei denkt man zuerst an illegale Filesharer...sorry.
  • cypcyphurra 06.12.2018 18:39
    Highlight Highlight True Story! Guter Artikel.
  • Daniel Caduff 06.12.2018 18:37
    Highlight Highlight Sehr guter Artikel! 👍
  • Gawayn 06.12.2018 18:34
    Highlight Highlight Kann ich absolut zustimmen
    Nur weil man online spielt, duverse Kanäle nutzt oder ein paar Scrypts tippen kann, ist man bei Weitem kein Experte.
    Die Aussage, die Digitalisierung würde mehr Jobs schaffen als kosten, glaube ich so nicht.

    Soll ein Schlosser mit 50, sich umschulen, weil jetzt Autos keine Schlüssel mehr brauchen?

    Gibt noch massig andere Beispiele.

    Hacker Angriffe.
    Wird eine Oerson oder Firma Opfer,
    Heist es
    "Hast du den Virenschutz vernachlässigt?"

    Wenn einem auf offener Strasse die Zähne eingeschlagen werden,
    Fragt man auch nicht
    "Beherrschst du etwa keine Kampfsport Art? "
  • salamandre 06.12.2018 18:05
    Highlight Highlight Die digitale Entwicklung wird vermutlich schneller sein als der Mensch eben Diese zu verstehn vermag.
  • Majoras Maske 06.12.2018 18:02
    Highlight Highlight Es stimmt leider, dass die Schattenseite des Internets erst in den letzten Jahren für ein breiteres Publikum bemerkbar wurden. Allerdings ist es auch so, dass für viele Leute, die vor den Siebzigern geborenen wurden, dass Internet immer noch "Neuland" ist. Und vermutlich auch bleiben wird.
    • Adam Gretener (1) 06.12.2018 18:12
      Highlight Highlight Ähm, ich weiss ja nicht, wie alt Du bist? Ich habe Jahrgang 76 und habe bereits in den 90ern Webseiten entwickelt. Und ich war einer der Jüngeren auf dem Platz Zürich.
    • Findolfin 06.12.2018 18:19
      Highlight Highlight Ja und es wird nochmals Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis der Durchschnittsbürger sich der Konsequenzen bewusst wird und dementsprechend vorsichtig agiert.
    • Carry62 06.12.2018 18:43
      Highlight Highlight So ein Seich 🤮
      Typischer Kommentar der Generation Watson 😂
      Ich bin vor den 70ern geboren. Das Internet ist definitiv kein Neuland für mich.
      In den 80ern auf Videotex (ohne t am Schluss) online unterwegs. Wer kennt das noch???
      In den 90igern via Compuserve und Knoten Zürich oder Basel im Internet... Für 18.-/h.
      Ende der 90er noch ohne spez. Software stundenlang HTML Seiten gestrickt.

      Es nervt mich einfach, wenn „Junge“ unsere Generation als digitale Dödels bezeichnen...
      Internet ist nicht nur fb, snapchat und Insta 😡

      Und jetzt ⚡️
      😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • dencel 06.12.2018 17:48
    Highlight Highlight Es ist natürlich einfacher, sich mit der Masse über Merkel lustig zu machen, als sich ernsthaft Gedanken zum Thema zu machen. Danke deshalb für diesen Artikel!
    • DichterLenz 06.12.2018 18:15
      Highlight Highlight Das fällt mir bei Merkel häufig auf. Sie wird sehr häufig gebashed. Wenn man dann nachfragt wieso kommt dann ganz schnell nix mehr bzw. es stellt sich heraus, dass sie eben meistens nicht unrecht hat.
    • Rabbi Jussuf 07.12.2018 01:09
      Highlight Highlight Eine Frage des Verständnisses.
      Ich glaube nicht, dass Merkel ihre Bemerkung so gemeint hat, wie sie hier im Artikel und bei den Kommentatoren verstanden wird.
      Ich glaube, die Frau hat echt keine Ahnung. Das zeigt es auch, wie stümperhaft sie und ihre Regierung (Maas) mit Internetproblemen umgeht.
  • Adam Gretener (1) 06.12.2018 17:45
    Highlight Highlight Merkel hat wieder mal recht. Diese Social-Media-Experten glauben ihr Twitter- und Insta-Profil seien der Nabel des Internets. Evtl. noch ein paar Statistiktools.

    Wenn das Internet, sagen wir mal in der Schweiz, ein paar Wochen nicht mehr wäre, würde gar nichts mehr gehen. Weder in der Bank noch am Automaten, Spitäler, Kommunikation, Ampeln, Bahnhöfe könnten nur absolut rudimentär betrieben werden. Tausende Unternehmen wie Galaxus, Coope Home oder andere grosse eBusiness-Anbieter würden sehr schnell komplett Pleite gehen.

    Da ist die wirkliche Gefahr.
    • mrmikech 06.12.2018 17:55
      Highlight Highlight Würde es ein paar wochen kein strom oder wasser geben hätten wir auch ein problem.
    • Adam Gretener (1) 06.12.2018 18:01
      Highlight Highlight Wasser ginge ja noch, Strom wäre wirklich auch suboptimal.
  • Heieiei 06.12.2018 17:37
    Highlight Highlight Auf den Punkt gebracht. Sehr guter Artikel.

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