«Bin sensibel, verständnisvoll und notgeil» – Dating-Annoncen von damals
Jawohl, liebe Kids, es gab einmal eine Zeit vor Dating-Apps, als man noch per Zeitungsannoncen auf Partnersuche gehen musste. In den entsprechenden Rubriken für einsame Herzen der Lokalzeitung konnte man Single-Börsen durchstöbern.
Der Insta-Blog Long Lost Personals führt das wohl umfassendste und spannendste Online-Archiv von Kontaktanzeigen aus dem 20. Jahrhundert: «Begeben Sie sich auf eine Reise auf der Suche nach Verbundenheit im vordigitalen Zeitalter. Kommt Zeit, kommt die Liebe.»
Begeben wir uns als auf die Reise! Hier eine Auswahl aus dem Archiv:
Frau, 55: «Ich finde alles interessant. Bin schizophren und manisch-depressiv. Möchte gerne einen Mann gleichen Kalibers kennenlernen.»
Gestatten, Margret aus Island, angestellt in der Fischerei:
«Meine Interessen sind: Männer, Reisen, Tanz, Musik, Tiere, Video, Essen, Schlaf, Sex und mehr.»
«Gesucht: Attraktive Backgammon-Spielerinnen für interessante Spiele.»
Hmm, welchen wollen wir?
Der eine ist Steuereintreiber: «Blaue Augen, Methodist; [...] hat für jeden ein freundliches Lächeln – besonders für Steuerzahler». Der andere ist Schauspieler, «mag Schwimmen. Nie verheiratet, also schauen wir doch mal, was wir dagegen unternehmen können.»
Bist du Komiker?
«Ich gehe mit demjenigen auf ein Date, der mir den lustigsten Brief schickt. Sei fantasievoll. Du wirst es nicht bereuen.»
Jö. Hoffentlich haben sich die beiden gefunden.
«Vertriebsleiter sucht Langzeitbeziehung, Heirat mit attraktiver, schlanker Frau, die sich für Fesselkunst interessiert.» Und: «Dessous-Model – möchte Fotos (am liebsten farbig) und Ideen austauschen zum Thema Fesselkunst.»
«ZOMBIE-GIRL, GRAB MICH AUS!»
«Dein untoter Prinz erwartet dich. [...] Bin interessiert an einer möglichen Langzeitbeziehung und bei Bedarf als lebendig durchzugehen.»
«Himmlisches Wesen, bist du irgendwo da draussen?»
«Völlig abgehobene Frau sucht Weltraumbewohner, der nicht von irdischen Vorbildern oder chemischen Substanzen beeinflusst ist. Touchdown auf meinem Pad. Keine Marsianer.»
«Langweilige, hässliche, instabile und inkompetente New Yorkerin in ihren 30ern sucht das komplette Gegenteil.»
«Ich interessiere mich für alle echten, seltsamen, exotischen und bizarren Praktiken in Kulten, die mit Aberglauben oder Hexerei zu tun haben.»
Genossin und Liebhaberin gesucht:
«Mann, 31, sucht Frau mit linkslastiger Gesinnung und gehobenem Geschmack.»
«Mann, 17, sucht spassige, sexbesessene Frau für eine Freikarte für Bon Jovi in Birmingham.»
Den Schein wahren:
«Gründe einen Tratsch-Klub, der als Buchclub getarnt ist. [...] Kummertanten auf Abwegen, quasi.»
Gestatten, Vanda aus Moskau:
Sie mag die Natur, das Meer, die Sonne und die Berge.
Und Jachten.
Und schöne Kleider und Schmuck, Restaurants und Partys. Sport auch.
Creepy ist hier nur der Vorname:
«Kannst du dir vorstellen, mietfrei in einem Luxusapartment in Brooklyn zu wohnen? [...] Ich bin sensibel, verständnisvoll und notgeil.»
New-Age-Krankenpflegerin sucht dich:
«Ich mag Kristalle, Kartenlegen, Chakren. Egal was, ich habe wahrscheinlich mal daran geglaubt, glaube jetzt daran oder werde irgendwann daran glauben. Suche aufgeschlossenen Mann (40+), der nicht erwartet, dass ich mehr pflege als einen Kater am Montagmorgen.»
Pianistin sucht Geiger zwecks Heirat:
«Ich möchte einen Violinisten oder Cellisten in seinen Vierzigern heiraten; einen lebensfrohen, ernsthaften Mann, der gerne Fragen stellt. Ich selbst bin genauso, nur dass ich eine Frau bin, 39. Und Pianistin.»
Ein modernes Paar:
«Modernes Paar möchte andere Paare kennenlernen für erwachsenen Spass.»
«19-jähriger, schwuler, besoffener Punk, der gerne Scheisse baut. Irgendwelche Hausbesetzer, die eine Bleibe suchen, können kommen. Keine Skinheads.»
Vampir sucht Vampire, ...
«... um mit ihnen die Schattenseite des Unlebens zu teilen. Auf der Suche nach Freundschaften, die mehrere Leben lang halten. Blutspender auch willkommen.»
Boah. Hier wird es aber ganz schön heftig.
«Stell dir einen geheimen Ort vor, an dem du eine süss-saftige Erdbeere schlürfen kannst, weich und rosa bis rubinrot, einen süssen, reifen Pfirsich essen kannst, dessen süsser Honigsaft über süsse reife Backen tropft.»
Nekrophilie ... oder Lachs-Bagels? Hmm, schwierige Wahl.
Einer möchte «mit tausend Korkenziehern aufgespiesst werden» und «dein Gehirn sezieren». Die andere will einen «heissen Typ», um «Liebe zu machen und Witze zu machen und Babys zu machen und Fehler zu machen und sich zu versöhnen».
«Gallante Damen mit grossen Brüsten» aufgepasst!
«In meinen Träumen suche ich nach dem Paradies der Brustdrüsen. Muss eine gute Schwimmerin sein.»
Obacht, Simone!
«Du hast mich geküsst und mir dafür gedankt, dass ich dich zum Lachen gebracht habe, dann bist du gegangen. Ich weiss, wir haben uns nur zweimal getroffen, ich weiss, dass du einen Freund hast, aber das ist mir egal. Ich tätowiere mir deinen Namen auf meinen Arm.»
Und zum Abschluss etwas Herziges:
Halt!
«Auf der Suche nach dem Geheimnis des Lebens? Hör auf damit. Es gibt keins. Du bist das Leben, Mädchen. Du bist ES – der Schlüssel zu allem Schönen.»
