Ikonen der Spielzeug-Geschichte: Was sich Kids damals SO SEHR wünschten
Vielleicht warst du einer der Bevorzugten, die eine Playmobil-Ritterburg hatten. Oder eine Brio-Eisenbahn. Oder – öfters als nicht – war es bei deinem Spielkameraden oder Kindsgi-Freundin zu Hause, wo es genau jenes urcoole Spielzeug hatte. Und du konntest deine Eltern irgendwie nie davon überzeugen, dass du ebenfalls sowas benötigst. Du weisst, wovon wir reden: Das sind die Ikonen der Spielzeuggeschichte.
Nun, da die Weihnachtswunschzettel der Kinder aus unseren erweiterten Familien reinflattern, gönnen wir uns doch einen Blick zurück auf eine Auswahl (bei Weitem nicht alle) der meistgewünschten Spielzeuge im Laufe der Jahrhunderte!
Und zwar so richtig stier chronologisch, angefangen mit dem ...
Radio Flyer Red Wagon
1927
Seit 1927 in den USA unverändert hergestellt und weiterhin aus keiner nordamerikanischen Kindheit wegzudenken.
Das Stahl-Leiterwägeli transportiert bis heute Teddybären ebenso effizient wie Geschwister oder Hundewelpen und lässt sich auch prima an Dreiräder oder Velos anhängen. Jedes Kind braucht ein Transportmittel für seine wichtigen Unternehmungen!
Wisa Gloria Schaukelschnecke
1930er (genaues Datum unbekannt)
Seit fast 100 Jahren ist die Schaukelschnecke in der Schweiz Babys Liebling. Ein Urgestein der Traditionsfirma Wisa Gloria, der heute noch in jeder zweiten Kinderkrippe rege benutzt wird.
Märklin Modelleisenbahn Spur H0
1935
Die altehrwürdige Märklin & Cie. GmbH aus dem schwäbischen Göppingen wurde bereits 1859 gegründet, wo sie sich zunächst mit der Herstellung von Puppenküchen beschäftigte. Märklins Status als wahre Institution in der Welt der Modelleisenbahnen geht aber auf ihre erstmals 1935 angebotene H0-Serie zurück (obwohl die Spurweite schon früher existierte), die bis heute den internationalen Standard darstellt.
Sasha-Puppen
1941–2001
Die Schweizer Puppen mit der etwas anderen Ästhetik: Die Künstlerin Sasha Morgenthaler (1893–1975) entwarf ihre ersten Puppen Anfang der Vierzigerjahre. Bis zu ihrem Tod 1975 stellte sie Puppen in Handarbeit in ihrem Studio in Zürich-Höngg her. Doch dank der Fabrik-Produktion in Deutschland (1964–1970) und Grossbritannien (1965–1986) kamen Kinder weltweit in Genuss der «Sasha Dolls».
Ein Novum war, dass Morgenthalers Kreationen mehrheitlich als Kinder gestaltet waren und nicht Babys, wie es bei Puppen historisch bisher der Fall gewesen war. Auch besassen sie einen ernsten, offenen Gesichtsausdruck anstelle des bis dahin typischen Lächelns – eine bewusste Entscheidung Morgenthalers im Kontext einer Kindergeneration, die im Schatten des Zweiten Weltkriegs aufgewachsen war. Zudem sollten Sasha-Puppen ein Bild einer universellen Kindheit vermitteln, weshalb sie einen Hautton hatten, der ethnisch uneindeutig war.
Viererbob-Schneespielzeug
1950er

Mittels einer Rivella-Glasflasche eine Mini-Bobbahn im Schnee zu bauen und dann den kleinen Viererbob runterfetzen zu lassen, war doch eine der grössten Kinderfreuden des Winters. Die amtlichen Miniatur-Bobschlitten gab es schon seit den Fünfzigerjahren, doch der richtige Boom fand in den Siebzigerjahren statt. Bis heute gilt der Sombo-Viererbob als Schweizer Spielzeugklassiker.
Mr. Potato Head
1952
Viele kennen ihn nur noch aus den «Toy Story»-Filmen, doch Herr Kartoffelkopf mit Plastik-Körper gibt es erst seit Mitte der Sechzigerjahre. Vorher sollten sich die Kinder im Kühlschrank beim Gemüse bedienen:
Matchbox-Autöli
1953
Bereits in den Fünfzigerjahren begann die Produktion jener Miniaturautos, die so benannt wurden, weil ihre Verkaufsschachteln von der Grösse und dem Aussehen her einer Zündholzschachtel glichen. Die Modelle wechselten über die Jahre, doch die Modellpalette war stets auf insgesamt 75 Stück beschränkt, womit bereits bei Kindern der Sammlergeist geweckt war.
Und wer viel Glück hatte, bekam anno 1970 das Modell Nummer 1 – «Mod Rod» – in der super-raren Version mit roten Reifen geschenkt. Heute ist das Teil einiges wert.
Brio Holz-Eisenbahn
1958
In linksgrünen Kreisen galten Autöli, Cowboy-Pistolen, Barbies und allgemein Plastikzeugs als des Teufels. Das solide Holz der schwedischen Traditionsfirma Brio war aber stets unbedenklich. Daher fand man selbst in noch so antiautoritären Familien im Kinderzimmer eine Brio-Eisenbahn. Bis heute erfreut sich die Holzeisenbahn ungebrochener Beliebtheit (obwohl die Kids heute wie damals monieren, sie hätten zu wenig Weichen).
Etch A Sketch
1960
Die französische Erfindung, die zu einem amerikanischen Nationalheiligtum wurde. Obwohl wir das Teil nach ein paar vergeblichen Zeichenversuchen frustriert in die Ecke warfen, fühlten wir uns stets immer wieder zu ihm zurückgezogen. Seine Faszination hat dieses Spielzeug bis heute nicht verloren.
Carrera-Autorennbahn
1963
Scalextric aus England brachte als erstes Unternehmen Slotcar-Sets auf den europäischen Markt, aber im deutschsprachigen Raum war es Carrera aus dem fränkischen Fürth, das bald zum Synonym für dieses Spielzeug wurde. Generationen von Kindern wünschten sich nichts sehnlicher, als ein Carrera-Set unter dem Weihnachtsbaum (genauso wie ihre Väter, übrigens).
Film- und TV-Serie-Autos von Corgi
1965
Ja, Matchbox hatte vielleicht die süssen, kleinen Autöli, doch die Konkurrenz aus Wales hatte das Batmobile! Und James Bonds Aston Martin DB5 aus «Goldfinger» ...
... mit drehbaren Nummernschildern, Reifenschlitzer, Rammbock-Stossstangen, Maschinengewehren und – jetzt kommts! – Schleudersitz! Und später dann, anno 1977, das Lotus-Esprit-U-Boot aus «The Spy Who Loved Me»!
Mehr als 40 Jahre vor Lego Star Wars setzte Corgi auf den Crossover mit Populärkultur und auf gross angelegtes Franchising. Was 1965 mit dem Volvo von Simon «The Saint» Templar begann, entwickelte sich bald zu einer ganzen Serie von Vehikeln aus beliebten Filmen, TV-Serien und – mit dem Yellow Submarine der Beatles und dem Monkeemobile – sogar aus der Musikwelt.
Fisher Price Action Garage
1970
Kinder der Siebziger, das hier kennt ihr bestimmt!
Dieses Konstrukt aus superstabilem Kunststoff hatte nebst einem Autolift (mit automatisch sich senkenden «Stop»-Tafeln), auch noch eine Zapfsäule und eine Waschanlage. Auf dem Parkdeck war dann noch ein Drehteller, um platzsparend den farbkoordinierten Parkplatz zu erreichen. Wie cool war das denn?
Darda Motor
1970
«Die schnellste Spielzeug-Rennbahn der Welt», so der Werbe-Claim. In der Tat: Dank des Federtriebwerks, 1970 von Helmut Darda entwickelt, erreichen die Autos Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h. Hatte die Familie, zu der man mit den Eltern auf Besuch mit musste, eine solche Bahn, war der Abend gerettet.
Big Bobby Car
1972
Über Nacht draussen im Regen stehen lassen? Die Treppe hinunter schieben? Während dem Streit mit dem Bruder reintreten? Das steckt das Bobby Car locker weg, so unverwüstlich ist der.
Monchichi
1975
Manche Eltern fanden (und finden) sie grauenhaft. Doch manch ein Kind wollte nichts sehnlicher zu Weihnachten als das Äffchen, das sich den Daumen in den Mund tun konnte.
Barbie Star Traveler
1976
Barbie – in welcher Konstellation auch immer – war schon seit je her auf Mädchen-Wunschlisten hoch platziert. So richtig, richtig beneidenswert waren aber die Freundinnen, die eines der Camping-Fahrzeuge hatten.
Den allerersten davon kam bereits 1971 auf den Markt, doch das höchste der Gefühle war der riesige Barbie Star Traveller von 1976, modelliert nach dem kultigen GMC Motorhome. Schaut es euch an, Leute! Schaut es euch mal an!
Das Playmobil-Piratenschiff
1978
Alternativ hätte hier auch Playmobils Western-Fort stehen können. Oder die Ritterburg. Diese und das Piratenschiff waren Ende der Siebzigerjahre die grossen, fetten Playmobil-Sets, die man sich so sehnlichst wünschte, weil der eine Klassenkamerad so eins hatte und man mal bei ihm eines der glücklichsten Spielnachmittage seines Lebens verbracht hatte. Doch das Piratenschiff sollte sich am langlebigsten erweisen und steht bis heute auf den Weihnachtswunschlisten der Kinder.
Lego Space
1978–1987
1978 war ein gutes Lego-Jahr. Die dänische Firma führte die (heute noch gebräuchlichen) «Minifig»-Männlein mit beweglichen Extremitäten ein und – damit einhergehend – spannende neue Themenwelten. Keine war aber lässiger (auch so ein 1978-Wort) als Lego Space. Um uns Jungs wars damit geschehen.
«Star Wars»-Figürchen
1977
Der Schlüssel zu George Lucas' Erfolg? Merchandising! Allem voran die Spielzeuge. Manch ein Vater mit Jahrgang 1970 konnte nicht davon ablassen und hat alle Figürchen über Jahrzehnte gesammelt.
Nintendo Game & Watch
1980–1991
1980 war es soweit: Ein Handheld-Game kam auf den Markt, das in die Jacken-Innentasche passte. Ach ja, eine Digital-Uhr hatte es auch noch. «Popeye» war eine der beliebtesten Versionen ... bis in der späteren, aufklappbaren Version ein gewisser «Donkey Kong» daherkam:
Und worauf besann sich Nintendo – zumindest designmässig –, als sie 2004 den Nintendo DS auf den Markt brachten? Worauf wohl? Geeeenau.
Cabbage Patch Kids
1982
Die Tochter hatte sich so sehr eins gewünscht ... öh, weshalb eigentlich? Manch ein Elternteil schüttelte den Kopf, als man zum ersten Mal diese merkwürdige aussehende Puppe in die Hände bekam. Aber irgendwas machte der Erfinder Xavier Roberts richtig, als er Mitte der Siebzigerjahre im altehrwürdigen Steppdecken-Verfahren hergestellte Stoffpuppen entwarf – die Teile sind weiterhin weltweit erhältlich.
Tamiya Super Champ
1982
Der Super Champ steht hier stellvertretend für eine ganze Reihe funkferngesteuerter Modellautos – RC Cars –, mit denen der japanische Modellbausatzhersteller Tamiya in den Achtzigerjahren den Markt dominierte. Im Gelände unvorstellbar fähig, hatten sie einen gehörigen Kostenpunkt und galten in Elternkreisen bald mal als «nicht wirklich Spielzeuge, sondern hochtechnische Modelle» – was etliche Familienväter damit die Rechtfertigung lieferte, statt den lieben Kinderlein sich selbst so ein Ding zu schenken.
Game Boy
1989
Diskussion überflüssig, weshalb dies eine Epoche Veränderung in der Spielzeuggeschichte darstellte. Wohl dürfte man von einer Vor-Gameboy-Ära und einer Nach-Gameboy-Ära sprechen.
Tamagotchi
1996
Das ist doch mal ein neuartiges Konzept! Ein Spielzeug, das, wenn es nicht genug Aufmerksamkeit bekommt, buchstäblich ... STIRBT.
Wenn es einen Weihnachtswunschlisten-Eintrag gab, bei dem sich manch ein Elternteil fragte, was zum Geier daran Spass machen sollte, dann wohl das Tamagotchi. Jenes kleine Plastikei, das vielleicht mal irgendwelche Geräusche von sich gab? Derweil eignete sich eine ganze Generation Kinder, dieser japanischen Erfindung sei Dank, erstmals das Konzept einer Verantwortlichkeit an. Denn nie war man trauriger, als damals, als unser Tamagotchi krank war.
Furby
1998
Ist es eine Eule? Eine Katze? Eine Maus? Ach, den Kindern war es egal, denn dieses Plüsch-Irgendwas reagierte freudig mit Augen- und Ohrenwackeln darauf, wenn es gekitzelt oder gestreichelt wurde (allerlei Geräusch-, Licht- und Bewegungssensoren sei Dank). Ausserdem konnte man sich mit einem Furby regelrecht unterhalten – auf «Furbisch» (viel Glück damit) und in der Sprache des Landes, in dem der Furby jeweils vertrieben wurde.
Und hey – 1999 wurden Furbys wegen Sicherheitsbedenken aus allen Liegenschaften der US-Auslandgeheimdienstes National Security Agency verbannt, da die NSA eine illegale Überwachung und Aufzeichnung von sicherheitsrelevanten Informationen befürchtete. Nicht schlecht für ein Vorschulspielzeug, oder?
Der krasse Lego-Star-Wars AT-AT
2003
Corgi machte es bereits in den Sechzigerjahren vor. Doch mit der Film-Franchising-Idee so richtig-richtig durchgestartet ist Lego anno 1999, als die dänische Firma «Star Wars»-Spielsets zum Filmstart von «Star Wars I – The Phantom Menace» auf den Markt brachte.
Es war eine perfekte Kombination: Die Kinder, die sich für die damals neue Prequel-Trilogie begeisterten, hatten Eltern, die Ende selbst Kids gewesen waren, als die Originalfilme in die Kinos kamen. So gab es zwei Generationen, die sich Lego-Sets zu Weihnachten wünschten. Und keine dieser Sets war begehrter als der riesige AT-AT, der erstmals 2003 auf den Markt kam.
