DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Obwohl ihn das Volk nicht wollte, wird er für die Armee bald wieder zum Thema: Der neue Gripen an einer Präsentation im vergangenen Mai in Schweden.
Obwohl ihn das Volk nicht wollte, wird er für die Armee bald wieder zum Thema: Der neue Gripen an einer Präsentation im vergangenen Mai in Schweden.
Bild: EPA/TT NEWS AGENCY

Korruption und Rüstungsfilz: Parmelin zieht die Schraube an

Unter Bundesrat Guy Parmelin (SVP) geht das Verteidigungsdepartement (VBS) vermehrt auch vorsorglich gegen mögliche Rüstungskorruption und Vetternwirtschaft vor, wie Recherchen ergeben. Das zeigt sich jetzt insbesondere bei der departementsinternen Kampfjet-Expertengruppe.
10.07.2016, 06:1210.07.2016, 10:55
henry habegger / schweiz am Sonntag
Ein Artikel von Schweiz am Sonntag
Schweiz am Sonntag

Laut VBS-Sprecherin Karin Suini müssen Mitarbeitende der Bundesverwaltung, die in Beschaffungen involviert sind, ohnehin schon «periodisch eine schriftliche Erklärung abgeben, wonach sie keine privaten Verbindungen zu offerierenden Anbietenden haben».

Aber Bundesrat Parmelin und der Leiter der Expertengruppe, Armeestabchef Claude Meier, wollen mehr: «Der Vorsitzende hat beschlossen, dass die Mitglieder der Expertengruppe zum Start des konkreten Evaluations- und Beschaffungsverfahrens zusätzlich eine schriftliche, auf das Projekt bezogene Unbefangenheitserklärung abzugeben haben», hält die VBS-Sprecherin fest.

Bundesrat Guy Parmelin.
Bundesrat Guy Parmelin.
Bild: KEYSTONE

Die Expertengruppe besteht aus Mitarbeitern des Generalsekretariats des VBS, der Beschaffungsorganisation Armasuisse und der Gruppe Verteidigung. Mit Ausnahme des Nidwaldner SVP-Regierungsrats Res Schmid, der ein 20-Prozent-Pensum beim VBS hat, sind alle Mitglieder zu 100 Prozent beim VBS angestellt. Die Unbefangenheitserklärung dürfte daher gerade für Schmid relevant werden, dem bei der letzten Kampfjetausmarchung Nähe zum Gripen-Lager nachgesagt wurde. Der Gripen dürfte auch beim nächsten Versuch, neue Kampfjets zu beschaffen, ein Thema sein.

Diese Expertengruppe soll gemäss VBS bis zum Frühling 2017 die «grundlegenden Fragen zu Bedarf, Vorgehen (Evaluation und Beschaffung) und industriellen Aspekten in einem Bericht beantworten». Thema soll da auch die Zukunft der F/A-18- und Tiger-Kampfflugzeuge sowie die Zusammenhänge mit weiteren anstehenden Beschaffungen wie dem sistierten Lenkwaffensystem Bodluv sein. «Der formelle Beginn des Projekts zur Beschaffung eines neuen Kampfflugzeugs wird erst mit dem Antrag für einen Kredit für Projektierung, Erprobung und Beschaffungsvorbereitung (PEB) erfolgen, so das VBS. Das dürfte voraussichtlich 2017 der Fall sein. Und ab Stadium PEB müssen die Mitglieder der Expertengruppe ihre Erklärung unterschreiben.

Erst eine Prüfung durchgeführt

Am Werk ist im VBS-Auftrag auch eine 14-köpfige externe Kampfjet-Begleitgruppe unter Alt-Ständerat Hans Altherr (FDP, NW). Bei dieser allerdings sind die Anti-Korruptionsmassnahmen weniger ausgeprägt. «Von den Mitgliedern der Begleitgruppe wurden keine schriftlichen Erklärungen verlangt», so die VBS-Sprecherin. Zur Gruppe gehören ehemalige oder aktive Parlamentarier der Bundesratsparteien, VBS-Grössen wie Luftwaffenchef Aldo Schellenberg, je ein Vertreter von Swissmem und Offiziersgesellschaft sowie Vertreter anderer Departemente.

50 Mowag-Panzer für Botswana
Die Thurgauer Mowag, die zum US-Konzern General Dynamics gehört, kann wohl Panzer in Afrikas Süden liefern. Antje Baerschi vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigt: Im März habe das Seco «im Einvernehmen mit dem EDA eine Voranfrage für die Ausfuhr von 50 gepanzerten Mannschaftstransportern des Typs Piranha an die Armee Botswanas positiv beantwortet. Die Fahrzeuge sollen gemäss Angaben der Firma im Rahmen von UNO-Missionen eingesetzt werden.» Gemäss defensenews.com zahlt Botswana 179 Millionen Dollar. Lewin Lempert von der GSoA traut der Sache nicht: «Bei jedem Rüstungsgeschäft mit egal welchem Partner besteht ein Restrisiko.» Botswana will auch 12 Gripen kaufen. Dazu gab es Meldungen, dass Mittelsmänner sich dabei eine goldene Nase verdienen. (hay)

Einzig Alt-SVP-Nationalrat und Rüstungslobbyist Roland Borer wurde einer Prüfung unterzogen, nachdem in den Medien kritische Fragen auftauchten, so das VBS. Borer habe sich daraufhin bereit erklärt, seine Mandate gegenüber dem Präsidenten der Begleitgruppe schriftlich offenzulegen. Präsident Altherr habe darauf festgestellt, «dass Herr Borer keine Mandate mit Bezug zur Flugzeugindustrie hat».

Letzte Woche hat SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz in der «Schweiz am Sonntag» gefordert, dass künftig alle Politiker, die mit Beschaffungen zu tun hätten oder in Aufsichtskommissionen sitzen, Erklärungen unterschreiben müssen, dass sie keine verdeckten Interessen haben. Amstutz lobt nun das Vorgehen bei der VBS-internen Expertengruppe: «Das auch von Bundesrat Parmelin geforderte Umdenken Richtung Transparenz beginnt zu wirken.» 

Bei der Begleitgruppe unter Alt-Ständerat Altherr sieht Amstutz aber Handlungsbedarf: «Dass bisher nur Alt-Nationalrat Borer eine Erklärung abgeben musste, ist in Anbetracht des in der gleichen Gruppe tätigen Oberlobbyisten Bieri ein Witz.» Alt-CVP-Ständerat Peter Bieri war lange Verwaltungsrat etwa beim kanadischen Konzern Bombardier, der auch Flugzeuge herstellt.

Beste Armee der Welt

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Clevere Arbeit – doch was ist mit den Europäern? Die Kommentare zum Kampfjet-Entscheid

Verteidigungsministerin Viola Amherd hat militärisch überzeugend dargelegt, weshalb sich der Bundesrat bei der Kampfjet-Beschaffung für den US-Typ F-35 entschieden hat. Politisch und finanziell bleiben jedoch Fragen, wie es in Kommentaren der Schweizer Medien heisst.

Juristisch habe der Bundesrat bei seinem Kampfjet-Entscheid kaum Spielraum gehabt, kommentiert die «Neue Zürcher Zeitung». Er habe dem wirtschaftlich günstigsten Angebot den Zuschlag erteilen müssen. Der Abstand zu den anderen …

Artikel lesen
Link zum Artikel