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Wo in der Schweiz leben eigentlich am meisten Nutztiere? Und wie sieht es in deiner Gemeinde aus?
Wo in der Schweiz leben eigentlich am meisten Nutztiere? Und wie sieht es in deiner Gemeinde aus?bild: shutterstock

Wie viele Nutztiere leben in deiner Gemeinde? Diese Übersicht zeigt es dir

Rund drei Viertel aller 15 Millionen Nutztiere in der Schweiz sind Geflügel. Warum das so ist, welche Gemeinde am meisten gemeldete Nutztiere hat und welche 63 gar keine – eine Übersicht.
21.03.2019, 15:2713.12.2019, 12:50
Reto Fehr
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So viele Nutztiere leben in der Schweiz

In der Schweiz leben rund 15 Millionen Nutztiere. Die Entwicklung der Bestände von Rindern, Pferden, Schafen, Ziegen, Schweinen und Geflügeln hat sich seit 1985 sehr unterschiedlich entwickelt.

Was auffällt: Die Geflügelpopulation hat sich in dieser Zeit fast verdoppelt. Sie macht auch rund 75 Prozent des gesamten jährlichen Nutztierbestandes der Schweiz aus. Wie kam es dazu? Und wo leben sie? Mehr dazu gibt es ab Punkt vier.

So viele Nutztiere leben in deiner Gemeinde

Bevor wir zum Geflügel kommen, schauen wir uns zunächst an, in welchen Gemeinden wie viele Tiere leben.

Gemeldete Nutztiere für das Jahr 2017 (in absoluten Zahlen und im Verhältnis zu den Einwohnern).

Je dunkler das Blau bei einer Gemeinde, desto grösser die Zahl an gemeldeten Tieren also. Und je grösser die Zahl, desto wahrscheinlicher, dass eine Geflügelfarm ansässig ist, denn diese erreichen viel höhere Bestände als andere Nutztiere. In Gemeinden mit über 40'000 gemeldeten Nutztieren drückt in allen Fällen eine grosse Geflügel-Zucht die Zahl in die Höhe. In der Zusammenfassung sieht das wie folgt aus:

Mit Abstand am meisten Nutztiere sind also im freiburgischen Montagny gemeldet. Die Gemeinde hat gerade einmal 2404 Einwohner – aber über 260'000 Nutztiere. Wobei es sich praktisch ausschliesslich um Geflügel handelt. Dass sich die Geflügelhochburgen rund um das freiburgische Courtepin ballen, ist kein Zufall: Dort steht mit dem Geflügelschlachthof der Micarna einer der grössten der Schweiz (mehr dazu unten).

Ansonsten sehen wir die drei Nutztier-Hotspots in den Kantonen Freiburg und Luzern, sowie in der Ostschweiz.

So viele Gemeinden haben kein einziges Nutztier (gemeldet)

Es gibt allerdings auch Gemeinden, die gar keine Nutztiere gemeldet haben. Werfen wir zunächst einen Blick auf diese:

In diesen Gemeinden gab es 2017 keine Nutztiere.

Meist handelt es sich bei den Gemeinden ohne Nutztiere um flächenmässig kleine, aber dicht besiedelte Gebiete. Im Fall von Rorschach – der flächenmässig kleinsten Gemeinde des Kantons St. Gallen – kann uns kein Landwirtschaftsbeauftragter weiterhelfen. Warum, erklärt sein «Stellvertreter» gleich selbst: «Es gibt keinen Landwirtschaftsbetrieb in Rorschach», sagt Eugen Loepfe, Mitarbeiter der Stadtkanzlei. «Hier ist alles fast bis auf den letzten Quadratmeter überbaut. Die Grünflächen beschränken sich vor allem auf einige Parks dem See entlang.»

Ähnlich tönt es aus Oberengstringen, einer der flächenmässig kleinsten, dafür in Sachen Einwohnerdichte weit oben platzierten Gemeinden im Kanton Zürich an der Limmat: «Historisch hatten wir viele Blumenfelder», sagt Gemeindepräsident André Bender auf Anfrage. Und Bauernhöfe? «Vor zwei bis drei Jahren hörte der letzte (Klein-) Betrieb auf.»

Immerhin zwei Bauernhöfe existieren noch im solothurnischen Zuchwil. «Allerdings haben die keine Tiere», so Thomas Emch, der Erhebungsverantwortliche Landwirtschaft. «Schafe weideten vor ein paar Jahren noch in Zuchwil, heute weiss ich nur von einer einzigen Ziege», allerdings gehört diese nicht zu einem landwirtschaftlichen Betrieb und somit nicht in die Statistik.

Wo die 11,5 Millionen Geflügel leben

Schauen wir nun auf die Geflügel-Population in der Schweiz. So verteilen sie sich:

So viele Geflügel lebten 2017 in den Schweizer Gemeinden (in absoluten Zahlen und im Verhältnis zu den Einwohnern).

Wie oben bereits erwähnt, ist die Ballung rund um Courtepin FR logisch. Düdingen – mit 116'752 Geflügeln die Gemeinde mit der zweithöchsten Anzahl Federvieh – ist einer dieser Orte. Gemeinderat Stefan Siegenthaler sagt: «Wir haben hier diverse grössere Hallen für Geflügel. Einige davon bieten 8000 Tieren Platz, zwei 12'000 und eine rund 18'000.»

Diese Konzentration auf ein Gebiet macht durchaus Sinn. Thomas Jäggi, Stv. Leiter Geschäftsbereich Viehwirtschaft beim Schweizerischen Bauernverband, erklärt: «Micarna sucht sich natürlich neue Mäster wenn möglich in der Nähe aus. Das liegt ökonomisch und ökologisch auf der Hand und die kurzen Transportwege unterstützen das Tierwohl. Da die Nachfrage nach Poulet weiter wächst, dürfte diese Region auch in den nächsten Jahren noch an Geflügel-Beständen zulegen und sich der Hotspot so ausdehnen.» Zwei weitere Geflügel-Hotspots gibt's im Kanton Luzern und der Ostschweiz. Was diese begünstigt, ist der Trend zu «Aus der Region, für die Region».

Saillon im Wallis tanzt hier etwas aus der Reihe. Es handelt sich nicht um einen klassischen Mastbetrieb. Im Gegenteil: Dort leben die Muttertiere für die Küken, welche dann in Micarna-Betrieben aufgezogen werden.

So kam es zur «Geflügel-Explosion»

Wie aber kam es zu dieser massiven Zunahme beim Geflügel? Thomas Jäggi nennt zwei Hauptgründe: «Die Nachfrage ist gestiegen und der Inland-Marktanteil legte massiv zu.»

Die Steigerung der Nachfrage setzt sich dabei aus verschiedenen Faktoren zusammen. Zum einen wuchs schlicht die Bevölkerung und damit die Zahl potentieller Kunden, zum anderen wird allgemein mehr Poulet gegessen, weil das Fleisch als gesünder gilt (was nicht unbedingt zutrifft), und letztlich spielt auch der Preis eine Rolle.

Auch bei Proviande nennt man die gleichen Gründe. Regula Kennel, Leiterin Unternehmensentwicklung, ergänzt: «Der zunehmende Anteil der Bevölkerung, welcher kein Schweinefleisch isst, bewirkt, dass an Schulen, in Mensen oder überall dort, wo grosse Gruppen zusammenkommen, anstelle von Schweinefleisch Geflügel angeboten wird.»

Ein wichtiger Grund sind aber auch gesetzliche Entwicklungen für die Haltung von Legehennen oder Masttieren. 1981 trat in der Schweiz ein Tierschutzgesetz in Kraft, das Batteriehaltung verbot. Nach einer zehnjährigen Übergangsfrist gibt es in der Schweiz seit 1991 keine Batteriehaltungen mehr. In anderen Ländern treten erst jetzt ähnliche Gesetze in Kraft.

Auch bei der Produktion von Poulet ist das Tierwohl in der Schweiz deutlich höher gewichtet als im Ausland, so zum Beispiel mit dem ganzjährigen Zugang zu einem Aussenklimabereich. «Das Schweizer Ei und Poulet hat sich dadurch in den letzten Jahren einen hervorragenden Ruf geschaffen», sagt Jäggi.

Ob der Siegeszug des Schweizer Geflügels so weitergeht? Jäggi lässt sich nicht auf die Äste hinaus: «Vorderhand sieht es so aus. Aber da spielen auch gesellschaftliche Tendenzen mit, darum ist eine Prognose schwierig. Bei der Eiproduktion in der Schweiz bewegen wir uns wohl auf ein Maximum zu, beim Poulet könnte – zulasten des Imports – noch was gehen.»

So verteilen sich die restlichen Nutztiere in der Schweiz

Die Entwicklung beim Geflügel ist mit Abstand die auffälligste. Ob es auch bei Rindern, Schweinen, Pferden und Schafen/Ziegen regionale Hotspots gibt oder diese sich ausgeglichener verteilen, zeigen die folgenden Grafiken.

Die Rinder

Eine Hotspot-Region wie beim Geflügel gibt es bei den Rindern nicht. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

So viele Rinder lebten 2017 in den Schweizer Gemeinden (in absoluten Zahlen und im Verhältnis zu den Einwohnern).
Begriffserklärungen
Das Bundesamt für Statistik teilt die Nutztiere in folgende Kategorien: Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen, Schweine, Geflügel, übrige Tiere. Unter übrige Tiere gehören unter anderem Lamas, Alpakas und Fische. Apropos Fische: Im luzernischen Römerswil waren 2017 rund 170'000 Stück davon gemeldet, welche alle bei der Spielhofer Fisch AG gezüchtet werden – so viele «übrige Tiere» gibt es sonst in der Schweiz mit riesigem Abstand nirgends. Für unsere Berechnungen liessen wir die «Übrigen» allerdings weg und fokussierten auf die Hauptkategorien, wobei wir Schafe und Ziegen als eine Gruppe betrachteten.

Landwirtschaftliche Betriebe: Die hier berücksichtigten Betriebe erwirtschaften zusammen mindestens 99% der Gesamtproduktion der Landwirtschaft. Was unter «landwirtschaftlicher Betrieb» fällt, hält das Bundesamt mit Mindestnormen klar fest. Es braucht hierzu in Bezug auf Tierhaltung: 1 Hektare (100 × 100 m Seitenlänge) landwirtschaftliche Nutzfläche oder acht Mutterschweine oder 80 Mastschweine oder 80 Mastschweinplätze oder 300 Stück Geflügel.

Die Schweine

Der Hotspot für Schweinehalter ist im Kanton Luzern. Dieser ist allerdings im Gegensatz zum Geflügel historisch gewachsen und hängt nicht mit einem grossen Schlachtbetrieb in der Nähe zusammen.

So viele Schweine lebten 2017 in den Schweizer Gemeinden (in absoluten Zahlen und im Verhältnis zu den Einwohnern).

Die Pferde

Mit rund 80'000 Exemplaren besetzen Pferde bei den Nutztieren schon fast eine Nische. Ein kleiner Hotspot bilden – historisch gewachsen – die Freiberge im Jura. Hier siehst du, wie es in deiner Gemeinde steht:

So viele Pferde lebten 2017 in den Schweizer Gemeinden (in absoluten Zahlen und im Verhältnis zu den Einwohnern).

Die Schafe und Ziegen

Ähnlich wie bei den Pferden ist auch die Verteilung der Schafe und Ziegen wenig überraschend. Der Hotspot wird auch in Zukunft in den bergigeren Gebieten bleiben.

So viele Schafe und Ziegen lebten 2017 in den Schweizer Gemeinden (in absoluten Zahlen und im Verhältnis zu den Einwohnern).
Daten und Quellen
Für die Auswertung berücksichtigt wurden die Zahlen von 2017. Die Daten zu den Nutztierbeständen stammen alle vom Bundesamt für Statistik (bfs). Dabei sammelt das bfs die Angaben nach Betriebsstandort, was teilweise zu Unschärfen führen kann (u. a. Sömmerung, Landwirte mit Gebieten ausserhalb der Gemeindegrenze).

Zu beachten gilt, dass es sich hier um Nutztiere von landwirtschaftlichen Betrieben handelt. Es kann durchaus sein, dass beispielsweise (wenige) Pferde, Schafe oder Ziegen privat gehalten werden.

Zusätzlich zu den Daten des bfs wurden diverse Bauernverbände und Gemeindeverwaltungen kontaktiert, um die Details hinter den Zahlen zu erfahren.

Unsere Emily fühlt sich in der Nähe von Kühen wohl:

Video: watson/Emily Engkent

Falls jemand noch einen Kalender für 2019 sucht. Wir hätten da eine Idee:

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quelle: farmercalendar.com / farmercalendar.com
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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Baccaralette
21.03.2019 12:29registriert Oktober 2015
Also folgendes. Bei den Pferden gibt es seit einigen Jahren die Registrierungspflicht. Ein Nutztier Pferd kann geschlachtet werden - hat aber strenge Restriktionen, was den Medikamententeil angeht.
Ein Grossteil der Pferde sind aber als Heimtier registriert, da hier keine Restriktionen für die Medikamentenabgabe vorherrschen. Allerdings kann ein Heimtier Pferd NICHT geschlachtet werden. Es wird vom Tierarzt eingeschläft, wie jedes andere Heimtier auch.
Kleiner, aber wichtiger Unterschied.
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fischbrot
21.03.2019 14:57registriert Juni 2014
Irgendwo in Thun
lebt 1 dicken Huhn
Wohnt in demselbe Strasse
wie 1 dicken Hase
in ein Haus mit Herd
zusammen mit 1 dicken Pferd.
Cheers!
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Glenn Quagmire
21.03.2019 12:07registriert Juli 2015
Die Pferde sind wohl eher Freizeit- als Nutztiere, mal abgesehen von denen, die Kräuterbutter statt einem Sattel drauf bekommen.
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