Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Urs Wyss Elsener, Marketingleiter Victorinox, uebergibt das neue Armeemesser 08 an Jakob Baumann, Ruestungschef, und Jean Paul Leuenberger, KDT. LVBZ/Art KDO Thun armasuisse, von links, am Dienstag 10. Maerz 2009 auf dem Waffenplatz in Thun. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Der ehemalige Schweizer Rüstungschef Jakob Baumann. (Archivbild). Bild: KEYSTONE

Warum Ex-Rüstungschef Baumann vom 250-Millionen-Deal der Schweizer Armee profitiert

Recherchen zeigen: Die Firma des ehemaligen Armasuisse-Chef Jakob Baumann liefert die Simulatortechnologie für die sechs neuen Drohnen der Armee.

Lorenz Honegger / Schweiz am Wochenende



Der ehemalige Schweizer Rüstungschef Jakob Baumann ist ein gefragter, aber auch ein umstrittener Mann. In Österreich steht der 59-jährige Militärexperte in den Schlagzeilen, weil er in den Augen des Wiener Verteidigungsministeriums bei einem Auftrag wichtige Geschäftsbeziehungen verschwiegen hat.

Ein Blick ins Handelsregister verrät, dass er sich auch in der Schweiz auf schwierigem Terrain bewegt. Baumann besitzt zahlreiche Mandate in der Rüstungsbranche. Unter anderem als Verwaltungsrat einer Firma, die am 250 Millionen Franken schweren Drohnen-Auftrag der Schweizer Armee mitverdient, wie Recherchen zeigen. Die Bagira Switzerland AG hat vor wenigen Monaten den Zuschlag bekommen, als Unterlieferantin hochmoderne Simulator-Technologie für die sechs neu bestellten Hermes-Drohnen zu liefern. Ein heikles Geschäft: Die Armasuisse, wo Jakob Baumann während dreier Jahre bis 2011 Chef war, hat den Auftrag im Herbst 2016 abgesegnet.

Alarmglocken läuteten nicht

Für Korruptionsexperte Martin Hilti von Transparency International ist klar: «Bei so engen Verflechtungen müssten aufseiten Armasuisse die Alarmglocken läuten.» Der Rechtsanwalt, der auch als Lehrbeauftragter an der Universität Basel tätig ist, sagt: «Es handelt sich bei Herrn Baumann nicht um irgendjemanden, sondern um den ehemaligen Chef der Behörde.» Bei einer solchen Konstellation stelle sich die Frage einer unrechtmässigen Bevorteilung «automatisch».

Doch die Alarmglocken läuteten nicht: «Es wurden keine besonderen Abklärungen getroffen», teilt die Armasuisse mit. Die Behörde begründet dies damit, dass sie nur einen Vertrag mit der Drohnenhersteller- in und Generalunternehmerin Elbit habe, nicht aber mit der Unterlieferantin Bagira.

Komplexe «Live»-Szenarien in realistischer Umgebung: Die Simulator-Technologie der Bagira Switzerland AG.

Weder Armasuisse noch Bagira wollen preisgeben, wie viele der 250 Millionen Franken Steuergelder auf das Konto der Firma von Ex-Armasuisse-Chef Baumann fliessen. Die Rüstungsbehörde beruft sich darauf, dass ihr die Preise der Unterlieferanten von Elbit «nicht bekannt» seien. Der Simulatorhersteller selber verweist aufs Geschäftsgeheimnis.

Kein Geheimnis ist, dass der Markt für Drohnensimulatoren weltweit stark am Wachsen ist. Aufgrund der immer grösser werdenden Nachfrage nach unbemannten Fluggeräten sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich wird sich das Volumen zwischen 2017 und 2022 laut Branchenanalysten mehr als verdoppeln.

Piloten der Luftwaffe werden wahrscheinlich ab 2019 mit der Bagira-Technologie trainieren. Diese erlaubt es, komplexe «Live»-Szenarien in einer realistischen Umgebung zu trainieren. Fussgänger, Strassen, Züge, Flugverkehr – alles wird lebensnah abgebildet.

Ex-Rüstungschef Jakob Baumann betont auf Anfrage, er sei erst im November 2015 zum Verwaltungsrat von Simulatorhersteller Bagira gestossen, «fast ein halbes Jahr» nachdem sich das Unternehmen erstmals mit einer Offerte um den Simulator-Auftrag von Elbit beworben habe.

«Personifizierte Antithese» zu Ueli Maurers Armeekonzeption

Jakob Baumann amtete von 2008 bis 2011 als Chef der Rüstungsbehörde Armasuisse. Schon bald nach dem Antritt von Bundesrat Ueli Maurer 2009 war klar, dass der Rüstungschef gehen muss. Baumann vertrat armeeintern das Credo «Sicherheit durch Kooperation» und war Maurer deshalb schon zu dessen Zeit als Nationalratein Dorn im Auge. Der SVP-Politiker vertrat die Ansicht, dass die Armee einzig der «autonomen Verteidigung des unabhängigen und neutralen Kleinstaats Schweiz» dienen sollte. Die «NZZ» bezeichnete Baumann als «personifizierte Antithese» zu Maurers Armeekonzeption. Heute ist er bei Rüstungsfirmen tätig, unter anderem auch bei einem Drohnenhersteller, der zu knapp 50 Prozent dem schwedischen Kampfjetproduzenten Saab gehört. (lhn)

Was er nicht erwähnt: Das grüne Licht von Armasuisse erhielt die Firma ein Jahr nach seinem Antritt, im November 2016. Baumann sagt, er habe keinen Einfluss auf den Deal gehabt. Die Generalunternehmerin Elbit habe Bagira im Konkurrenzverfahren ausgewählt. «Das technisch und kommerziell bessere Angebot bekam den Zuschlag.»

Längere Wartefrist?

Korruptionsexperte Martin Hilti bleibt skeptisch. Er hofft, dass der Bund künftig genauer hinschaut. Ihn erstaune es immer wieder, wie gering in Teilen der öffentlichen Verwaltung das Sensorium in Sachen Korruption sei. «Wir haben in der Schweiz sehr kleinräumige Strukturen. Es ist wichtig, zu wissen, wer wen kennt.» Der Fall zeige, dass die Karenzzeit von Kaderangestellten in der öffentlichen Verwaltung, aber auch von Politikern neu diskutiert werden müsste. Heute beträgt sie im Minimum sechs, im Maximum zwölf Monate.

Im Fall von Ex-Rüstungschef Jakob Baumann wäre jedoch auch eine doppelt so lange Karenzfrist wirkungslos gewesen – er war zum Zeitpunkt des Auftrags seit fünf Jahren nicht mehr im Dienst des Bundes.

Drohne + Alkohol = ... Ach, schau selbst!

abspielen

Video: watson

Die beste Armee der Welt

Armee wollte «Hakenkreuz»-Rekruten Karriere machen lassen

Link zum Artikel

Hitlergruss und Hakenkreuz: Brisantes Foto von Schweizer Soldaten aufgetaucht

Link zum Artikel

Kritik für Bundesrat Parmelin – Notbremse wurde bei Raketen-Beschaffung voreilig gezogen

Link zum Artikel

Bodluv-Desaster: Norweger boten der Schweiz ein weit günstigeres Abwehrsystem an

Link zum Artikel

F/A-18 Flieger sollen für den Erdkampf umgerüstet werden: Parmelins Pläne unter Beschuss

Link zum Artikel

Mit 19 oder 25? Wann du in die RS musst, kannst du künftig selbst entscheiden

Link zum Artikel

Neue Kampfjets: Airbus will die Schweiz vom Eurofighter überzeugen

Link zum Artikel

Wie die Schweizer Armeewaffen verschwinden

Link zum Artikel

Jeder vierte Militärpflichtige ist übergewichtig

Link zum Artikel

Militärkader kommen in Yverdon mit Geldstrafen und Freispruch davon

Link zum Artikel

Blocher: Die Europäer haben «ihre Armeen verludern lassen, auch die Schweiz»

Link zum Artikel

Referendum «Nein zur Halbierung der Armee!» ist gescheitert

Link zum Artikel

Wie werde ich untauglich? Wir sammeln die besten Militär-Ausreden 

Link zum Artikel

Norwegen macht's vor: Bundesrat soll Dienstpflicht für Frauen prüfen

Link zum Artikel

Frauen antreten! Warum wir endlich auch von der Dienstpflicht profitieren wollen 

Link zum Artikel

Danke, liebe User! Ihr seid einfach grossartig: Eure Top-13 der Militär-Ausreden

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
sentifi.com

Watson_ch Sentifi

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Die Weltwirtschaft kühlt sich bedrohlich ab. Das zeigt der jüngste ökonomische Outlook der UBS. Er zeigt aber auch, dass Schweizer Unternehmen gewillt sind, in einen ökologischen Umbau zu investieren.

Gerade optimistisch zeigen sich die UBS-Ökonomen nicht, wenn es um die aktuelle Entwicklung der Weltwirtschaft geht. Sie prophezeien zwar noch keine Rezession, sondern ein Durchwursteln in den nächsten 12 bis 24 Monaten. Doch selbst dazu braucht es zwei Voraussetzungen: «Die USA müssen eine Einigung mit China erzielen und keine Zölle auf Auto-Importe erheben», sagt Chefökonom Daniel Kalt.

Ob dies auch geschehen wird, ist derzeit alles andere als sicher. Die China-Verhandlungen hätten schon …

Artikel lesen
Link zum Artikel