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THEMENBILD ZU BUDGET ARMEE INFRASTRUKTUR BERATUNGEN AN DER SESSION NATIONALRAT - Rekruten der Panzergrenadiere Pz Gren Rekrutenschule in der Mittagspause auf dem Waffenplatz Bure, aufgenommen am 18. Juli 2007. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Finden Rekruten später keinen Job wegen des Dienstes? Bild: KEYSTONE

Wird der Militärdienst zum Karrierehindernis? Korpskommandant rügt Arbeitgeber

Der Kommandant des Heers wehrt sich gegen eine Genfer Firma, die keine Dienstpflichtigen einstellt.

Andreas Fahrländer / Nordwestschweiz



Die Empörung war gross in Militärkreisen: Die Genfer Firma KTM SA suchte Anfang Mai einen Kadermitarbeiter mit Berufserfahrung und einem Netzwerk im internationalen Ölhandel, mit Reisebereitschaft – und ohne militärische Verpflichtungen. Die Tageszeitung «Tribune de Genève» zitierte den Präsidenten der Genfer Offiziersgesellschaft USMG, Oberstleutnant Flavien Valloggia, mit den drastischen Worten: «Choquant! Illégal!» In einem Brief an Bundesrat Guy Parmelin und den Genfer Staatsrat forderte die USMG, Sanktionen zu ergreifen und die Rechte der Bürger zu schützen, die ihre militärischen Pflichten erfüllen würden.

Jetzt hat sich auch Korpskommandant Daniel Baumgartner eingeschaltet. Der Kommandant des Heers ist direkt dem Chef der Armee unterstellt und unter anderem für die Ausbildung der Landstreitkräfte verantwortlich. Baumgartner hat einen offenen Brief an die Adresse der KTM SA geschickt. Das Rohstoffunternehmen, das sein Geld im internationalen Öl- und Petrochemikalienhandel verdient, hat seinen Hauptsitz in einem schmucklosen Bürogebäude an der Genfer Avenue Blanc. Im selben Haus sind eine Autowerkstatt und das sudanesische Generalkonsulat eingemietet.

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Korpskommandant Daniel Baumgartner wehrt sich dagegen.

«Schlicht inakzeptabel»

Dem Verwaltungsratspräsidenten der KTM SA schreibt Baumgartner: «(Mit Ihrer Stellenausschreibung) diskriminieren Sie engagierte Schweizerinnen und Schweizer, die bereit sind, unter Einsatz ihres Lebens für unsere Werte, die Sicherheit und die Freiheit unseres Landes einzustehen.» Das sei schlicht inakzeptabel.

Baumgartner sagt zu dieser Zeitung, es komme immer wieder vor, dass Arbeitgeber ihren Angestellten mit einer Entlassung drohen, sollten sie sich für eine militärische Weiterausbildung entscheiden. «Das verstösst gegen geltendes Recht und ich werde solchen Absichten auch in Zukunft unmissverständlich entgegentreten», so Baumgartner. «Wir alle, und das schliesst internationale Firmen mit Sitz in der Schweiz ein, profitieren davon, in einem Land leben zu dürfen, in dem Wohlstand, Prosperität und Sicherheit herrschen.»

Nachteil Offiziersrang

Für das Schweizer Milizsystem ist das Stelleninserat ein Schlag ins Gesicht. Die Armee hat seit Jahren ein Rekrutierungsproblem. Obwohl für Männer die allgemeine Wehrpflicht gilt und der Militärdienst auch für Frauen immer attraktiver gemacht wird, schafft es die Armee nicht, die jährlich benötigten 18'000 Dienstpflichtigen zu rekrutieren. Früher war es für eine Karriere in der Schweizer Wirtschaft Voraussetzung, einen Offiziersrang innezuhaben. Heute scheint das vielmehr ein Hindernis zu sein.

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Der Basler Headhunter Helmut Zimmerli-Menzi sagt: «Zu meinem Leidwesen muss ich sagen, dass ein militärischer Grad der Karriere nicht mehr unbedingt förderlich ist.» Zimmerli war selbst Offizier. Früher sei auf jedem Lebenslauf der militärische Grad und die Einteilung gestanden – bei Offizieren sogar mit Stolz. Heute sei das eine absolute Seltenheit. «Ein Offiziersrang ist sicher kein Vorteil mehr für die Karriere. Es ist eher so, dass einem der Militärdienst zum Nachteil gereicht.»

Zimmerli erklärt das mit der zunehmenden Internationalisierung. Wenn selbst KMU Teil von internationalen Firmen werden, sei es sehr schwierig, einem ausländischen CEO zu erklären, warum man für drei Wochen WK fehlen müsse, obwohl weit und breit kein Krieg in Sicht ist.

Headhunter René Kuehni von aebi+kuehni glaubt nicht, dass solche Stelleninserate zum Trend werden. Es könne zwar vorkommen, dass es bei einer Stellenbesetzung eine Rolle spiele, ob jemand Dienstpflichten hat – gerade wenn regelmässige und längere Auslandeinsätze verlangt werden.

Dass Dienstpflichten aber schon im Stelleninserat als K.-o.-Kriterium stehen, sei keinesfalls üblich. Kuehni sagt auch, dass die Zeiten vorbei seien, als der militärische Grad entscheidend war für die Karriere. Eine militärische Führungsausbildung könne durchaus immer noch von Vorteil sein. Weil man dann zum Beispiel gelernt habe, was alles zu einem klaren Auftrag gehört.

Dass eine militärische Funktion generell zum Handicap bei der Stellensuche werde, glaubt Kuehni nicht, aber: «Das war jedenfalls kein besonders geschicktes Inserat». Korpskommandant Baumgartner sagt, er habe eine erfreuliche Antwort von KTM erhalten. Über den genauen Inhalt möchte er sich nicht äussern. Die KTM SA selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. (aargauerzeitung.ch)

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