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epa06069952 Nico Hischier, player of the New Jersey Devils, poses after a press conference in the PostFinance Arena in Bern, Switzerland, 06 July 2017.  EPA/THOMAS DELLEY

Nie zuvor hat ein Schweizer Eishockeyspieler vor der ersten Partie so viel Aufmerksamkeit erregt wie Nico Hischier. Bild: EPA/KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Nico Hischier vor dem NHL-Debüt: Wie eine seriöse Hockey-Antwort auf Justin Bieber

Nico Hischier ist neben dem Eis bereits in der NHL angekommen. Der Medienzirkus in New Jersey dreht sich um ihn – und dabei geht ein zweiter Schweizer vergessen, der zur grossen Überraschung der Saison werden könnte: Mirco Müller.

klaus zaugg, newark



Ein Wunderkind. Noch bevor er nur eine Sekunde in der NHL gespielt hat, ist Nico Hischier in New Jersey ein Star.

Die US-Zollbeamten sind keine Spassvögel. Streng kontrollieren sie, wer da Einreise in ihr Land begehrt. Diesmal hellt sich die Miene des gestrengen Wächters der Grenzen am Flughafen Newark auf. Er sieht den roten Pass und freut sich über Besuch für das «Wunderkind». Ja, ja, er habe schon viel erfreuliches über «Nico» gehört.

Wunderkind. Das ist wohl tatsächlich der richtige Ausdruck. Nie zuvor hat ein helvetischer Eishockeyspieler vor der ersten Partie mit seinem neuen Team so viel mediale Aufmerksamkeit erregt wie Nico Hischier (18) bei den New Jersey Devils.

Das letzte Training vor der Saisoneröffnung (Samstag, 20.00 Uhr Schweizer Zeit gegen Colorado) im Prudential Center zu Newark ist kurz nach Mittag vorüber.

Die harten Kerle sind in die Kabine zurückgekehrt. Die Chronistinnen und Chronisten haben Zugang zum Allerheiligsten des Mannschaftsportes. Wie das so üblich ist in Nordamerika.

Alles dreht sich um den «Posterboy» aus der Schweiz

Nico Hischier steht noch in der Ausrüstung vor seinem Garderobekasten und gibt Auskunft. 23 Mikrofone werden ihm entgegengestreckt. Klub-Mediengeneral James Stolfi greift ein und regelt den «Medienverkehr»: zuerst Fragen in Englisch, erst dann in einer zweiten Session noch ein paar Fragen in der Muttersprache.

New Jersey Devils' Nico Hischier, center, sits with head coach John Hynes, left, and general manager Ray Shero during a news conference in Newark, N.J., Monday, June 26, 2017. The 18-year-old center was the first Swiss-born player to be drafted first overall in the NHL draft. (AP Photo/Seth Wenig)

Der grosse Medienrummel gehört bereits zu Hischiers Alltag (hier an einer Pressekonferenz Ende Juni 2017). Bild: AP/AP

Ein 18-jähriger Junge aus der Schweiz ist der «Posterboy» eines amerikanischen Sportunternehmens. Um ihn dreht sich alles. Er soll den New Jersey Devils ein Gesicht geben. Die Vermarktung eines Sportunternehmens im Grossraum New York, in einem der weltweit härtesten Märkte der Unterhaltungs-Industrie, läuft nun mal über Personen.

Die Devils setzten wie vielleicht nie zuvor ein NHL-Team auf Jugendstil. Sie vertrauen die Schlüsselpositionen des ersten und zweiten Centers dem 20-jährigen Tschechen Pavel Zacha und dem 18-jährigen Schweizer Nico Hischier an. Das wäre in Montréal oder bei den Rangers undenkbar.

Bei den Devils steht alles auf Neuanfang

Der Jugendstil hat seinen Grund. Die einst so mächtige NHL-Organisation hat seit dem verlorenen Finale von 2012 (gegen Los Angeles) fünfmal hintereinander die Playoffs verpasst. Schlimmer kann es nicht werden. Es ist die grosse Chance, mit einer neuen Generation zu neuem Ruhm aufzubrechen. Die optimale Ausgangslage für Nico Hischier.

Für diesen Neuanfang ist mit «One Jersey» ein griffiger Slogan kreiert worden. Die Devils sollen ganz New Jersey vertreten, sozusagen als «Nationalmannschaft» des Staates New Jersey.

Nico Hischier mit Fans, waehrend dem Empfang zu seinen Ehren in seiner Heimatgemeinde, nachdem der 18-jaehrige Eishockeyspieler im NHL-Entry-Draft von den New Jersey Devils in Chicago als Nummer 1 gezogen wurde, in Naters am Freitag 30. Juni 2017. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Hischier und seine Fans kurz nach seinem Draft. Bild: KEYSTONE

Wie Nico Hischier nun den Medienrummel meistert, ist beeindruckend. Die nordamerikanischen Medienschaffenden versuchen die Gefühlslage vor dem ersten Auftritt auf der grossen NHL-Bühne auszuloten. Das ist hier so üblich. Es geht fürs grosse Publikum zuallererst um Emotionen. Und Hockey muss hier in erster Linie einem breiten Publikum verkauft werden, jenen, die wenig von Hockey verstehen, aber einen jungen Mann ins Herz schliessen können. Da sind Gefühle wichtiger als Linienzusammenstellungen und taktische Varianten. Nico Hischier ist ein wenig wie eine helvetische Hockeyantwort auf Justin Bieber.

Mit Glücksritual und Talisman

Ob er schon nervös sei? Wie er sich vor dem ersten NHL-Spiel fühle? So oder ähnlich lauten die vielen Fragen. Er antwortet in perfektem Englisch. Freundlich, mit weicher Stimme. Ja, ein wenig sei er schon nervös, aber das gehöre dazu. Nach dem ersten oder zweiten Einsatz werde sich diese Nervosität legen und es werde einfach ein Hockeyspiel sein.

Auf die Erkundigungen, wie er die Vorbereitung erlebt habe, antwortet er, wichtig sei gewesen, die Spiele zu gewinnen und dass er der Mannschaft dabei helfen konnte. Die Zeit bis zum Spielbeginn 14.00 Uhr Lokalzeit werde er nützen, um noch einmal ein wenig abzuschalten. Seine Eltern seien hier. Und ja, auch er habe so sein Ritual. Er werde den rechten Schlittschuh zuerst binden und im Portemonnaie trage er einen Talisman bei sich.

Nico Hischier ist ein kluger, sanfter junger Mann und spricht so, als sei er schon Jahre hier. Der Nummer-1-Draft hat auch neben dem Eis alles, um die grosse, zentrale Figur der New Jersey Devils zu werden. Das Gesicht eines Hockey-Unternehmens, das dabei ist, sich neu zu erfinden.

Nach neun Spielen wird entschieden

Und wie sieht es sportlich für Nico Hischier aus? Sehr gut. Er wird heute das Spiel als zweiter Center hinter Pavel Zacha (20) beginnen. Auf den Aussenbahnen stürmt neben Nico Hischier links der smarte, flinke Schwede Marcus Johansson (27) und rechts der kräftige amerikanische Powerflügel Drew Stafford (31).

New Jersey Devils center Nico Hischier (13), of Switzerland, celebrates his goal with John Quenneville (47), Marcus Johansson, second from right, and Drew Stafford (18) as Washington Capitals goalie Braden Holtby (70) looks back at the goal during the first period of an NHL preseason hockey game, Wednesday, Sept. 27, 2017, in Washington. (AP Photo/Nick Wass)

Nico Hischier zusammen mit John Quenneville, Marcus Johansson und Drew Stafford. Bild: AP/FR67404 AP

Auch der äussere Rahmen stimmt. Soeben ist in der Arena ein neuer Videowürfel installiert worden. Es ist der grösste der Welt. Angeblich 40 Tonnen schwer. Und 29 Millionen Bildpunkte sollen die Kunststücke von Nico Hischier & Co. in laufende Bilder umsetzen.

Nach neun Spielen wird General Manager Ray Shero entscheiden, ob Nico Hischier im Team bleibt oder zur Weiterbildung bis Saisonende zu den Junioren zurück oder zum SC Bern geschickt wird. Alle gehen davon aus, dass er die ganze Saison mit den Devils bestreiten wird.

«Es bleibt keine Zeit, ich muss die Scheibe schneller spielen.»

Nico Hischier

Nico Hischier ist im Vergleich zum letzten Frühjahr bei den Junioren in Halifax kräftiger geworden. Das ist auf den ersten Blick zu sehen. Er ist immerhin 188 Zentimeter gross und erweckt im Training nie den Eindruck, noch ein Junior zu sein. Die Frage ist, ob er sich als Center gegen die ausgefuchsten Gegenspieler beim Bully durchzusetzen vermag. Ob er auch defensiv seine Rolle spielen kann. Er sagt, die Intensität sei schon eine ganz andere. «Es bleibt keine Zeit, ich muss die Scheibe schneller spielen.» Und er ist sich bewusst, dass diese Intensität noch viel höher sein wird als während der Saisonvorbereitung.

Im zweiten Block lauert Mirco Müller

Eine gute Leistung von Nico Hischier wird hier also allenthalben erwartet. Für eine unerwartete, grosse Überraschung könnte ein anderer Schweizer sorgen. Verteidiger Mirco Müller (22). Der Bruder von Nationalstürmerin und Olympia-Bronze-Heldin Alina Müller ist letzte Saison in San José «versauert» und kam nur zu vier Einsätzen in der NHL. Nun hat sein Agent André Rufener den Wechsel nach New Jersey orchestriert und der Erstrundendraft von 2013 (Nr. 18) beginnt seine NHL-Karriere in New Jersey ein zweites Mal. Er hat im zweiten Block hinter Nico Hischier trainiert. Boxplay, Powerplay und fünf gegen fünf. Ein unerhört flinker, smarter Defensivverteidiger. Ein Feinmechaniker des Defensivhandwerkes.

Während des medialen Gedränges um Nico Hischier hat er sich in aller Ruhe aus seiner Ausrüstung geschält. Die nordamerikanischen Chronistinnen und Chronisten wollen von ihm nichts wissen. Die meisten haben noch kaum davon Notiz genommen, dass es im Team ja noch einen zweiten Schweizer gibt.

Das könnte sich schon bald ändern.

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