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HC Lugano-Praesidentin Vicky Mantegazza spricht zu den Fans an der offiziellen Team-Praesentation des HC Lugano, am Samstag, 26. August 2017 in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Vicky Mantegazza ist die starke Frau beim HC Lugano. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Die vergessene Mutter des Schweizer WM-Triumphes – eine Milliardärin aus Lugano

Das Schweizer Eishockey verdankt die schönen Tage von Kopenhagen auch Vicky Mantegazza (52). Sie ist Milliardärin, Präsidentin des HC Lugano und Entdeckerin von Patrick Fischer.

klaus zaugg, kopenhagen



Im Frühjahr 2013 ist der Trainer-Assistent des HC Lugano nicht mehr bereit, die zweite Geige zu spielen. Er spricht bei seiner Präsidentin vor und beansprucht die Position des Cheftrainers.

In einem «normalen» Hockeyunternehmen mit einer «normalen» Präsidentin oder einem «normalen» Präsidenten wäre diese Forderung des charismatischen, selbstbewussten Mannes mit einem milden Lächeln und freundlichen Worten abgelehnt worden. Zu jung – noch nicht einmal 40 Jahre alt – und keine ausreichende Erfahrung als Cheftrainer auf irgendeiner Stufe. Den HC Lugano zu coachen, eine Kabine besetzt mit einigen der grössten Egos unseres Hockeys zu bändigen, ist schliesslich kein Kindergeburtstag. Und der HC Lugano ist ein ambitioniertes Unternehmen. Kein Institut für die Ausbildung von Trainer-Zauberlehrlingen.

Luganos's head coach Patrick Fischer, right, during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2014/15 between HC Lugano and Lausanne HC, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, Tuesday, October 14, 2014. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Patrick Fischer als Lugano-Trainer im Oktober 2014. Bild: KEYSTONE / TI-PRESS

Aber Vicky Mantegazza erkennt das Potenzial von Patrick Fischer. Vielleicht auch, weil sie als ehemalige Spielerin eine Sensibilität für die Besonderheiten dieses Spiels auf rutschiger Unterlage hat. Sie gibt Patrick Fischer den Job. Bald einmal ist in Lugano von einer Revolution die Rede. Aufbruchstimmung. Vielleicht doch der erste Titel seit 2006?

Die Kabine verloren

Patrick Fischer hat keine Angst vor grossen Tieren. Frischer Wind weht durch die Kabine, arrivierte Stars müssen sich warm anziehen. Selbst der Titan Hnat Domenichelli wird in Frage gestellt und schliesslich aus laufendem Vertrag noch während der Saison nach Bern «straftransferiert».

Lugano rockt – und scheitert. Zweimal hintereinander hat Patrick Fischer das Pech, dass er im Viertelfinale gegen Servettes Chris McSorley antreten muss. Diesem ausgefuchsten Bandengeneral ist er noch nicht gewachsen und scheidet zweimal kläglich aus.

Um die Autorität des Zauberlehrlings zu stützen, wird der Vertrag demonstrativ verlängert. Am 22. Oktober 2015 ist die Fischer-Revolution trotzdem zu Ende. Vicky Mantegazza stimmt seiner Entlassung schweren Herzens zu. Es geht nicht mehr. Patrick Fischer hat, wie die Nordamerikaner so schön sagen, «die Kabine verloren». Die Spieler machen nicht mehr mit. Lugano ist auf den letzten Platz abgerutscht. Doug Shedden übernimmt und führt Lugano bis ins Finale.

Es ist, als hätten die Hockeygötter diese Entlassung orchestriert. Just zur gleichen Zeit ist nämlich im Verband das Chaos ausgebrochen. Nationaltrainer Glen Hanlon hat das Handtuch völlig überraschend geworden. Woher im Herbst einen neuen Nationaltrainer nehmen?

Biels Kevin Schläpfer wird gefragt und sagt unter Tränen ab. Felix Hollenstein ist ein Kandidat und kann aus familiären Gründen – sein Vater ist erkrankt – nicht sofort einsteigen. Ein Ausländer ist nicht verfügbar.

ARCHIV - ZUR ENTLASSUNG DES EHC-BIEL-TRAINERS KEVIN SCHLAEPFER STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Der Eishockey Trainer des EHC Biel, Kevin Schlaepfer, spricht am Donnerstag, 15. Oktober 2015, in einer Medienkonferenz in der Tissot Arena in Biel ueber seine berufliche Zukunft. Der Schweizer Eishockeyverband Swiss Ice Hockey hat in den letzten Tagen mit Schlaepfer Gespraeche ueber den Posten als Nationaltrainer gefuehrt, obwohl er noch in einem bis 2018 laufenden Vertrag mit dem EHC Biel gebunden ist. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Schläpfer in Tränen an der geschichtsträchtigen Medienkonferenz. Bild: KEYSTONE

Und so kommt Patrick Fischer ins Spiel. Sven Leuenberger, damals Sportchef beim SC Bern, redet seinem Chef Marc Lüthi die Idee aus, Patrick Fischer zum Nachfolger des gefeuerten Guy Boucher zu machen. Sein Bruder Lars übernimmt den Job und wird den SCB im Frühjahr 2016 zum Titel führen.

Aber Verbands-Sportdirektor Raëto Raffainer hat den Mut, den in Lugano gescheiterten und vorübergehend arbeitslosen Zauberlehrling zum Nationaltrainer zu machen. Den Rest der Geschichte kennen wir ja.

Geo Mantegazza, der Pionier

Ohne Vicky Mantegazza – sie kümmert sich hauptberuflich um die Verwaltung des milliardenschweren Immobilien-Imperiums der Familie – gäbe es die Karriere von Patrick Fischer und die schönen Tage von Kopenhagen so nicht. Vielleicht wäre ohne die Familie Mantegazza (mit einem von Wirtschaftsmedien geschätzten Vermögen zwischen drei und fünf Milliarden) die Rückkehr unseres Eishockeys in die Weltklasse so überhaupt nicht möglich geworden.

Vicky Mantegazzas Vater Geo ist nämlich einer der Väter des Hockeys wie wir es heute kennen. Zu Beginn der 1980er -Jahre beschliesst er, den HC Lugano zu den Gipfeln des Ruhmes zu führen. Er verpflichtet nicht einfach die besten Spieler. Er holt mit John Slettvoll einen Besessenen des Hockeys, finanziert einen Profibetrieb wie ihn unser Hockey noch nie gekannt hat. Lugano wird Grande: Meister 1986, 1987, 1988 und 1990.

Geo Mantegazza, Maezen des HC Lugano, aufgenommen an der Saison-Pressekonferenz, am Mittwoch, 3. September 2014, in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Geo Mantegazza. Bild: TI-PRESS

Die Deutschschweizer, die wahren Herren unseres Hockeys, sind geschockt. Sie müssen nachrüsten – und zwar nicht nur mit Geld. Sondern auch mit der Verbesserung der Strukturen. Mit der Einführung des Profibetriebes.

Die Dynamik, die Geo Mantegazza ausgelöst hat, trägt unser Hockey dahin, wo es heute ist. International zinst dieser Entwicklungsschub mit dem Aufstieg in die A-WM 1986 und den WM-Halbfinals von 1992 («Prager Hockeyfrühling»).

Mit der Entdeckung Patrick Fischers und dessen rechtzeitigen, ja zeitlich fast punktgenauen Entlassung hat Vicky das Werk ihres Vaters sozusagen fortgeführt. Wenn die Hockeygötter einen Sinn für Gerechtigkeit haben, belohnen sie den HC Lugano auch wieder einmal mit einem Titel.

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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Ambraham (FKA Housi von Wattenwyl)
20.05.2018 13:19registriert April 2017
Klaus, mach mal Pause! Hast ja dann heute Abend noch genug zu schreiben. 😎
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Bruno Wüthrich
20.05.2018 14:04registriert August 2014
Das ist etwas (zu) weit her geholt. Vicky Mategazza verdient in unserem Eishockey grossen Respekt. Sie hat den den HC Lugano sozusagen auf den rechten Weg geführt (bzw. führt ihn), aber die Gischechte mit Patrick Fischer ist mit zu vielen Zufällen behaftet, als dass man der HCL-Präsidentin ein wesentliches Verdienst am derzeitigen Höhenflug der Nati andichten könnte. Fischer wäre möglichweise immer noch oder wieder arbeitslos, wenn Schläpfer damals den Job als Naticoach hätte antreten können. Vielleicht hätte er aber den EHC-Kloten vor dem Abstieg gerettet. Wer weiss das schon.
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Wagner
20.05.2018 16:26registriert February 2014
Klaus Zaugg wahrlich der wohl beste Bericht ever ever, du bringst es sowas von auf den Punkt! Lugano gehört endlich den Respekt den es verdient für die Hockeynation Schweiz und an alle Deutschweizer, Lugano gehört zur Schweiz und prägte das Eishockey in der Schweiz, seid endlich mal stolz darauf. Nicht alles Gute kommt aus Zürich oder Bern...
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Eismeister Zaugg

Geht es unseren Hockey-Klubs eigentlich immer noch viel zu gut?

Die tüchtigen Hockey-Manager gefährden mit politischer Dummheit die staatlichen Hilfsgelder. Offensichtlich geht es ihnen finanziell noch immer zu gut. Wann lernen sie endlich von den Bauern?

Eine Meisterschaft ohne sportlichen Stress? Ja, das ist möglich. So nahe war unser Hockey dieser Utopie noch nie. Nur zwei Drittel der Sitzplätze dürfen benützt werden. Das bedeutet, dass die Resultate zum ersten Mal in der Geschichte keinen Einfluss aufs Geschäftsergebnis haben: Alle Plätze werden für die Inhaber von Saisonkarten benötigt. Es können keine zusätzlichen Tickets mehr verkauft werden.

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