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Es bleibt nicht mehr viel anderes übrig, als Witze über die Brasilianer zu machen. Bild: Elise Amendola/AP/KEYSTONE

Man kann Brasiliens Fussballer nur noch belächeln: Wie ein 90er-Mythos langsam zerbröckelt

Brasilien ist mit einer bitteren 0:1-Niederlage gegen Peru bereits in der Gruppenphase der Copa America tragisch gescheitert. Seit fast einem Jahrzehnt haben Brasiliens Samba-Kicker keinen richtigen Titel mehr geholt – die «Seleção» ist nur noch ein Schatten ihrer selbst.



Der 30. Juni 2002: Ronaldo – der Echte! – schiesst Brasilien mit einem Doppelpack gegen Deutschland zum fünften WM-Titel. Die «Seleção» unterstreicht ihre Vormachtstellung als beste Fussball-Nation aller Zeiten, hat zwei Weltmeister-Titel mehr auf dem Konto als die nachfolgenden Italien und Deutschland. 

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Die Highlights des WM-Finals 2002.
YouTube/shaiq ch

Was damals noch niemand ahnt, es ist die Hochkonjunktur in Brasiliens Fussball, die Rezession steht jedoch kurz bevor. In den 2000er-Jahren kommt es zum schleichenden Ende einer Erfolgsära.

Denn Brasilien, das ist – speziell für die Kinder der 90er – ein Mythos. Die Samba-Kicker vom Zuckerhut, die alle mit Cola-Dosen gelernt haben Fussball zu spielen, das sind die unantastbaren Superstars im Weltfussball.

Die Brasilianer dominieren zu dieser Zeit praktisch jeden Gegner. 1994 holen sie sich den WM-Titel, 1998 werden sie Zweiter, 1997 und 1999 holten sich die Brasilianer zudem die Copa America. Diese unheimliche Erfolgsära endet vorerst mit ebendiesem Weltmeistertitel 2002. 

** FOR USE AS DESIRED, PHOTOS OF THE DECADE ** FILE - Brazil's Ronaldinho, left, and Rivaldo kiss the World Cup trophy during a victory lap after the 2002 World Cup final soccer match between Brazil and Germany, in this June 30, 2002 file photo, in Yokohama, Japan. Brazil won the match 2-0. (AP Photo/Luca Bruno, File)

Ronaldinho und Rivaldo küssen den WM-Pokal im Jahr 2002.
Bild: AP

14 Jahre später

12. Juni 2016: Brasilien scheidet an der Copa America gegen Peru blamabel in der Gruppenphase aus. Auch wenn ein irreguläres Tor am Ursprung der 0:1-Niederlage steht – Brasiliens Fussball muss eine weitere schallende Ohrfeige einstecken. Der letzte «richtige» Titel geht auf das Jahr 2007 zurück, als die Brasilianer die Copa America gewannen.

2009 und 2013 holten die Südamerikaner zwar noch den Confed-Cup, das unbedeutende WM-Vorbereitungs-Turnier ist allerdings eine Farce und interessiert zu Recht kaum jemanden. An Grossanlässen ist die «Seleção» jedoch seit Jahren chronisch erfolglos. Die Chronik des Niedergangs:

WM 2010: Out im Viertelfinale gegen die Niederlande. Sneijder schoss die Holländer damals mit einem Doppelpack zum 2:1-Sieg.

Netherlands' Wesley Sneijder, center right, scores a goal past Brazil goalkeeper Julio Cesar, left, during the World Cup quarterfinal soccer match between the Netherlands and Brazil at Nelson Mandela Bay Stadium in Port Elizabeth, South Africa, Friday, July 2, 2010.  (AP Photo/Michael Sohn)

WM 2010: Wesley Sneijder kegelt Brasilien im Viertelfinal raus.
Bild: AP

Copa America 2011: Nur ein Sieg in vier Spielen, Brasilien scheitert im Viertelfinale im Elfmeterschiessen an Paraguay.

WM 2014: An der Heim-WM wird Brasilien im Halbfinale gleich mit 1:7 von Deutschland demontiert. Es ist das höchste Ergebnis, das es jemals in der Runde der letzten vier einer Fussball-Weltmeisterschaft gab und die höchste Niederlage eines WM-Gastgebers. Anschliessend blamiert sich Brasilien auch im Spiel um Rang 3 gegen Holland – die Partie geht 0:3 verloren.

Copa America 2015: Brasilien scheitert erneut im Viertelfinale, erneut heisst der Gegner Paraguay und erneut entscheidet das Penaltyschiessen zu Ungunsten von Brasilien.

Copa America 2016: Out in der Gruppenphase! Gerade mal einen Sieg gegen Haiti gibt's für die Brasilianer. Mit dem 0:1 gegen Peru ist das Out aber besiegelt.

Wetten, du kennst mehr Spieler von 2002?

Dass Brasilien nicht mehr so unantastbar ist, wie es lange der Fall war, kommt nicht ganz zufällig. Die ganz grossen Stars kann man im Gegensatz zu früher locker an einer Hand abzählen. Eigentlich ist da nur noch Neymar, der zur absoluten Elite gehört. Der Barça-Stürmer fehlte an der Copa aber, weil ihn der FC Barcelona nur für ein Turnier im Sommer freigab – der Stürmer wird im August am olympischen Fussballturnier teilnehmen. 

Vergleicht man die Startaufstellungen vom WM-Final 2002 mit der aktuellen Formation gegen Peru, fällt auf: Man kennt jetzt noch mehr Spieler aus dem damaligen Kader als aus der heutigen Nationalmannschaft.

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So hat sich die brasilianische Nationalmannschaft in 14 Jahren verändert. bild: wikipedia/watson

In Brasiliens Startformation gegen Peru standen mit Renato Augusto (Beijing Guoan) und Gil (Shandong Luneng) sogar zwei Akteure, die in der chinesischen Liga engagiert sind. Dazu kommen viele «No-Names» wie Alisson, Elias, Lucas Lima oder Gabriel, die in der heimischen Liga spielen.

Die «Seleção» hat immerhin an den Olympischen Spielen in zwei Monaten die Chance, sich im eigenen Land zu rehabilitieren. Dann wird auch Neymar wieder dabei sein – der letzte verbleibende Hoffnungsträger einer einst überragenden Fussballnation.

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