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Strategisch wichtiges Gebiet im Seekrieg: Die deutsche Marine unterhielt im Ersten Weltkrieg drei grosse U-Boot-Stützpunkte an der flandrischen Küste. 
Strategisch wichtiges Gebiet im Seekrieg: Die deutsche Marine unterhielt im Ersten Weltkrieg drei grosse U-Boot-Stützpunkte an der flandrischen Küste. Bild: AP/AP Archive

Deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg entdeckt – tote Besatzung noch an Bord

20.09.2017, 18:23

Von Belgien aus führte Deutschland im Ersten Weltkrieg seinen berüchtigten U-Boot-Krieg. Etliche Schiffe der kaiserlichen Marine wurden dabei versenkt. Nach rund einem Jahrhundert auf dem Grund der Nordsee ist vor der belgischen Küste ein deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg entdeckt worden.

Skizze des U-Boot-Wracks. 
Skizze des U-Boot-Wracks. Bild: Tomas Vermote

Das Schiff sei weitgehend intakt und verschlossen, sodass die Überreste der für den Typ üblichen Besatzung von 23 Mann noch an Bord vermutet werden, sagte der Gouverneur von Westflandern, Carl Decaluwé, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Das Rätsel um das Schiff und die getöteten Soldaten soll geklärt werden. Gehoben wird es nach Angaben der deutschen Botschaft in Brüssel aber wahrscheinlich nicht.

Aus Sicht des Gouverneurs ist der Fund eine Sensation. «Das ist völlig einzigartig», sagte Decaluwé. Man habe zwar in den vergangenen Jahrzehnten bereits elf U-Boot-Wracks in belgischem Seegebiet aufgespürt, doch sei keines ähnlich gut erhalten. «Es ist nicht explodiert», sagte Decaluwé. Nur vorne sei das U-Boot beschädigt. Ein Taucher fand das Boot im Juni in 25 bis 30 Metern Tiefe in der Nähe von Ostende – wo genau, halten die Behörden geheim. 

Das U-Boot liegt in rund 30 Meter Tiefe. Hier sind die Periskope zu erkennen. 
Das U-Boot liegt in rund 30 Meter Tiefe. Hier sind die Periskope zu erkennen. Bild: hln/Benny Proot

Umkämpfter Kriegsschauplatz

Der Badeort an der Nordseeküste wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zum beliebten Urlaubsziel für das Bürgertum, war aber zwischen 1914 und 1918 auch ein umkämpfter Kriegsschauplatz. Die Flotte des deutschen Kaisers führte von Flandern aus ihren berüchtigten U-Boot-Krieg unter anderem gegen britische Handelsschiffe.

Seekrieg im Ersten Weltkrieg: die Skagerrakschlacht

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Die Skagerrakschlacht
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Die deutsche Marine hatte nach Angaben von Gouverneur Decaluwé drei grosse U-Boot-Stützpunkte mit 10'000 Mann in Belgien und versenkte vor den Küsten mehr als 2500 Schiffe. «Das war eine gefährliche Waffe.» Die Kriegsgegner der Deutschen legten deswegen Minen vor der belgischen Küste. Eine dieser Bomben mit bis zu 1000 Kilogramm Sprengstoff wurde dem jetzt gefundenen U-Boot mutmasslich zum Verhängnis.

Um welches Boot es sich genau handelt, müssen Taucher untersuchen. Nach den Massen – das Wrack ist 27 Meter lang und sechs Meter breit – ist sich Decaluwé aber schon ziemlich sicher, dass es sich um ein Exemplar der U-Boot-Klassse UB II handelt, die ab 1915 gebaut wurde. Davon waren nach seinen Informationen zwischen 1915 und 1918 insgesamt 18 Boote in der Flandern-Flotte im Einsatz. 13 wurden im Einsatz zerstört oder sanken. 

Weitere Untersuchungen geplant

Wenn geklärt wird, welches Schiff genau dort seit rund 100 Jahren am Meeresgrund überdauerte, könnten wohl auch die Namen der Besatzungsmitglieder festgestellt werden, sagte der Militärattaché der deutschen Botschaft, Stefan Janke, der dpa. Noch vor dem Winter würden Taucher das Wrack erneut untersuchen.

Das U-Boot werde aber aller Voraussicht nicht geborgen, auch aus Kostengründen, sagte Janke. Üblicherweise werde der Fundort in Seekarten verzeichnet und dort «eine Art Friedhof» eingerichtet. Die Stelle werde gesichert und ein Tauchverbot durchgesetzt. Das ist auch der Grund, warum die Behörden in Flandern den Fundort nicht nennen: Man will keine Glücksritter anlocken, wie Decaluwé sagte.

(sda/dpa)

Britisches U-Boot-Wrack vor Sardinien gefunden

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Britisches U-Boot-Wrack vor Sardinien gefunden
quelle: ap/massimo bondone / massimo domenico bondone
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