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Mag er's? Mag er's nicht? Ist er sich bewusst, dass ihm eine Wäscheklammer an der Nase hängt? Fragen, die die Wissenschaft leider nicht beantworten kann. Dafür andere. Bild: shutterstock

Interview

Dieser Forscher erklärt, warum wir an Achseln riechen sollten, bevor wir uns fortpflanzen

Eine Studie der Universität Bern kommt zum Schluss, dass Frauen, die besonders «fit» für Fortpflanzung sind, in Männernasen besser duften als andere. Studienverfasser Janek Lobmaier erklärt, was es mit dem Körpergeruch auf sich hat, warum er selber die Nase zurückhaltend einsetzt und wieso er bei der Studie von Al Pacino inspiriert wurde.



Herr Lobmaier, Sie haben in Ihrer Studie gezeigt, dass gewisse Frauen attraktiver riechen als andere.
Janek Lobmaier: Wir wussten von früheren Studien bereits, dass Frauen zu unterschiedlichen Zeiten ihres Monatszyklus' unterschiedlich attraktiv riechen. Was wir jetzt beantworten wollten war, ob es auch individuelle Unterschiede in den Düften gibt.

Und?
Wir haben herausgefunden, dass der Duft bestimmter Frauen universell attraktiver riecht für Männer. Verantwortlich dafür ist der unterschiedlich hohe Sexualhormon-Spiegel.

Was heisst «attraktiv» eigentlich in der Sprache der Wissenschaftler?
Aus biologischer Sicht ist «Attraktivität» ein Hinweis dafür, dass man sich mit dieser Person erfolgreich fortpflanzen kann.

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Bild: UniBern

Das heisst, bei der Partnerwahl muss man einfach seiner Nase folgen?
Nein, das sind ja Prozesse, die nicht bewusst ablaufen. Aber man denkt ja gemeinhin immer, das Visuelle sei der entscheidende Faktor bei der Partnerwahl. Ist er wahrscheinlich auch, aber das Olfaktorische spielt offenbar auch eine Rolle.

Zur Person

Janek Lobmaier ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Sozialpsychologie und Soziale Neurowissenschaft der Universität Bern.

Was passiert eigentlich, wenn wir Gerüche riechen?
Gerüche brennen sich in unser Gedächtnis ein. Wenn wir einen Geruch mögen, und wir riechen ihn wieder, dann kommen die Erinnerungen wieder auf, gute oder schlechte. Und das ist auch bei der Partnerwahl so.

Sie schreiben, dass diejenigen Frauen, die «für die Fortpflanzung am fittesten» sind, in den Männernasen am besten riechen. Das heisst, wenn ich den Geruch einer Frau mag, dann gibt das gute Kinder?
Ich würde es ein bisschen zurückhaltender formulieren: Der Geruch ist mit ein Hinweis auf die Fruchtbarkeit einer Frau, aber nur einer von vielen. Ob es dann gute Kinder gibt, kann man daraus nicht schliessen.

Wir verlieben uns also nicht in den Charakter, das Wesen oder den Humor einer Person, sondern sind schlicht Sklaven unserer Nasenhaare. Das ist ein bisschen unbefriedigend, nicht? 
So weit würde ich schon nicht gehen. Ob wir einen freien Willen haben oder nicht, ist ja in der Wissenschaft nach wie vor umstritten, aber Tatsache ist, dass uns biologische Vorgänge in einem nicht unbedeutenden Mass steuern. Auf der anderen Seite können wir uns nicht blind auf unsere Nasen oder Augen verlassen. Vor allem bei einem langfristigen Partner müssen viele andere Elemente stimmen, bevor man sich auf sie oder ihn einlässt.

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Unangenehm detailreiche Nahaufnahme von männlichen Nasenhaaren.  Bild: shutterstock

«Die Teilnehmerinnen mussten während des Untersuchungszeitraums auf Knoblauch, rohen Fisch, Alkohol, Pfeffer, Chili und allgemein scharfe Lebensmittel und stark gewürzte Speisen verzichten. Und auf Sex.»

Auf ihn? Wie ist es denn umgekehrt? Riechen gewisse Männer auch «universell» besser als andere?
Nun, das war zwar nicht Gegenstand unserer Untersuchung. Aber es ist gut denkbar, das der umgekehrte Fall auch gilt. Und möglicherweise ist es sogar extremer. Ob bei den Männern auch die Hormone verantwortlich sind und wenn ja, welche, ist dann aber wieder eine andere Frage.

28 Frauen und 57 Männer haben an Ihrer Studie teilgenommen. Wie muss man sich den Versuchsablauf eigentlich vorstellen, haben Männer an den Achselhöhlen von Frauen gerochen?
Nein, das wäre wohl nur schon aus wissenschaftlich-ethischen Gründen nicht vertretbar. Die weiblichen Studienteilnehmer klebten in der Zeit der höchsten Fruchtbarkeit über Nacht Wattepads unter die Achselhöhlen. Diese Proben haben wir dann eingefroren, das funktioniert bei Düften relativ gut.

Und dann?
Dann haben wir die Düfte aufgetaut, die Wattepads in Einmachgläser gelegt und die männlichen Studienteilnehmer eingeladen daran zu riechen. Mehr als 14 Düfte schafft man aber nicht an einem Tag, irgendwann ist die Nase überfordert. Eine Woche später haben wir die Männer also erneut eingeladen, um an den restlichen 14 Wattepads zu riechen.

«Heutzutage läuft praktisch niemand mehr mit dem eigenen Körpergeruch herum.»

Interessant, und wie wurde die Qualität der Gerüche bewertet?
Nun, wir haben nicht gefragt: Riecht das eher nach Vanille oder nach Schwefel. Wir haben den Männern eine Art Lineal in die Hand gedrückt mit einem Cursor. Je nachdem, wo sie diesen Cursor setzten, ganz links für «abstossend» und ganz rechts für «anziehend», haben wir Punkte vergeben, von 0 bis 100. Und das Interessante war dann eben, dass die Männer eine sehr grosse Übereinstimmung zeigten: Alle haben die Düfte der Frauen ähnlich attraktiv gefunden. Das hat uns überrascht.

Die weiblichen Teilnehmer der Studie mussten während der Studie ein fast asketisches Leben führen ...
Ja, sie mussten während des Untersuchungszeitraums beispielsweise auf Knoblauch, rohen Fisch, Alkohol, Pfeffer, Chili und allgemein scharfe Lebensmittel und stark gewürzte Speisen verzichten. Das alles verändert den Körpergeruch enorm. Wir haben auch andere Störfaktoren ausgeschlossen, wie zum Beispiel Geschlechtsverkehr oder Haustiere im Bett.

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Haustiere im Bett: Verheerend für den natürlichen Körpergeruch. Bild: shutterstock

Haustiere im Bett?
Ja, das soll es geben. Haustiere verfremden den Körpergeruch, genauso wie Sex zum Beispiel. Ziel war aber, dass wir einen möglichst neutralen, wahren, unverfälschten Körpergeruch einfangen konnten. Das ist einfacher gesagt als getan: Heutzutage läuft praktisch niemand mehr mit dem eigenen Körpergeruch herum.

Und wie lange dauerte es, bis man den eigenen, natürlichen Körpergeruch wieder zurück hat?
Wenn man einer strikten Diät folgt und auf Deos, künstliche Duschmittel, und so weiter verzichtet, schätzungsweise drei Tage.

Kinderkriegen steht heute für viele nicht mehr im Zentrum, hat die Evolutionsbiologie als Erklärung für die Untersuchung der Partnerwahl nicht auch ein bisschen ausgedient?
Sie hat nicht ausgedient, aber es stimmt natürlich, die Gesellschaft hat sich verändert. Und doch: den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zum Trotz haben wir dieses Überbleibsel aus Urzeiten – die Bestimmung der Attraktivität einer Partnerin über ihren Duft.

Was ist, wenn jemand sagt, er wolle keine Kinder oder wenn er keine Kinder haben kann? In diesem Fall läuft Ihre Theorie ja ins Leere.
Dann wären unsere Erkenntnisse in der Theorie für ihn nicht relevant. Aber hard-wired ist das eben trotzdem noch in unserem System. So funktioniert die Evolutionsbiologie. Sie entzieht sich dem populären Verständnis.

Der Titel Ihrer Studie, «The Scent of Attractiveness», erinnert an den Hollywood-Film «Scent of a Woman», Zufall?
Zugegeben, da haben wir uns inspirieren lassen. Es ist übrigens nicht unüblich, sich bei wissenschaftlichen Studientiteln von Werken aus Kunst und Kultur inspirieren zu lassen.

Haben Sie den Film gesehen?
Natürlich, Al Pacino als Lieutenant Frank Slade, eine seiner Paraderollen.  

Wissenschaftlichen Kriterien entspricht er aber nicht ganz, oder?
Natürlich nicht, aber dass man bei Titeln manchmal ein bisschen grosszügiger ist, ist ja in Ihrer Branche auch weit verbreitet.

Sie haben recht, wir werden das Interview deshalb so titeln: «Dieser Forscher erklärt, warum wir an Achseln riechen sollten, bevor wir uns fortpflanzen».
Sehen Sie!

Zurück zum Thema: Sie haben mit Ihrer Studie auch die These widerlegt, die besagt, dass die Wahl des Partners evolutionsbiologisch vor allem über das Immunsystem funktioniert.
Ja, die Immunsystem-Theorie hatte lange viele Anhänger, weil sie scheinbar schlüssig erklärt, wie die Partnerwahl vonstatten geht: Je unterschiedlicher das Immunsystem, so die These, desto besser.

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Echte Aufnahme eines Studienteilnehmers. Bild: UniBern

Wieso?
Weil dann das Kind sozusagen die Synthese, das Beste aus den beiden Immunsystemen der Elternteile in die Wiege gelegt bekommt – im Gegensatz zu Kindern aus Inzucht-Beziehungen. Nach unseren Erkenntnissen scheinen die unterschiedlichen Immunsysteme aber keine Rolle zu spielen, mindestens für Männer, die an Frauendüften riechen.

Der Sex im Kopf

Sie befassen sich nicht zum ersten mal mit dem Zusammenhang zwischen Geruch und Fortpflanzung. Kommt es eigentlich irgendwann zur déformation professionelle?
Sie meinen, ob ich mit erhobener Nase herumlaufe auf der Suche nach fortpflanzungsfähigen Partnerinnen?

Ja etwa in der Art.
Nein, eigentlich nicht. Die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben gelingt mir ganz gut. Es ist eher eine wissenschaftliche Neugier, die einen bei solchen Fragen leitet.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Blitzableiter 13.09.2018 09:13
    Highlight Highlight Wie siehts eigentlich mit den Fürzen aus?
  • Stratosurfer 12.09.2018 23:01
    Highlight Highlight Meiner Ansicht nach beruht die Studie auf dem falschen Geruch. Manche Menschen leiden unter unangenehmem Achselschweiss-Geruch, was aber nichts mit dem teils betörenden Geruch der Vulva zu tun hat und schon gar nicht mit der Fruchtbarkeit oder dem eventuell passenden Gen-Pool der Frau.
    • wuschel1984 13.09.2018 07:49
      Highlight Highlight Es gibt Menschen, die riechen das nicht oder empfinden das als anziehend! Ich kann es auch nicht nachvollziehen. Hab mal ein entfernter Kumpel gefragt ob es ihm nicht aufgefallen sei, dass seine Bekanntschaft so Achselausdünstungen hat? Die Antwort war: Er fände das nicht so schlimm 😖.
      Über mich kam der Schauder.
  • WolfCayne 12.09.2018 22:42
    Highlight Highlight Du riechst so gut
    Ich geh dir hinterher
    Du riechst so gut
    Ich steig dir nach
    Du riechst so gut
    Gleich hab ich dich.
  • bytheway 12.09.2018 20:25
    Highlight Highlight Und die Moral von der Geschicht',
    wähl' nach Geruch, nicht nach Gesicht.
  • dr. flöckli 12.09.2018 19:54
    Highlight Highlight Für kein Geld auf der Welt hätte ich an dieser Studie teilgenommen.. kein Knobli, keine Gewürze, kein Büsi zum Einschlafen🤦‍♀️🙈🙉 und das Schlimmste: man darf sich nicht mal mit Sex oder Alkohol trösten😜
  • milone 12.09.2018 19:45
    Highlight Highlight Interessante These... ich frage mich nur gerade ob bei so wenig Teilnehmern/-innen Zufall nicht auch eine mögliche Erklärung für das beobachtete Phänomen wäre?!
  • Vorname Nachname 12.09.2018 18:38
    Highlight Highlight Ä chli stinke muess es!
  • Merida 12.09.2018 18:24
    Highlight Highlight Seit wann sind die Riechzellen in den Nasenhaaren?! 🤔🙈
  • wuschel1984 12.09.2018 18:14
    Highlight Highlight Der Spruch“ ich mag dich riechen oder nicht“, kommt ja nicht von ungefähr!
  • Sagitarius 12.09.2018 17:37
    Highlight Highlight Mir schtinkts!
  • Pana 12.09.2018 17:20
    Highlight Highlight Zweimal innert eines Monates kann ich diesen Song auf Watson posten? Klasse! Here we go :D
    Play Icon
  • Märzespriggeli mit Pappnäsli 12.09.2018 17:17
    Highlight Highlight Schade, dass in dem Interview nicht EXPLIZIT erwähnt wurde, dass die Frauen auch nicht hormonell verhüten durften. Die Quintessenz der Ergebnisse ist nämlich, dass eine Frau während ihres Eisprungs am besten riecht... Und das macht ja auch Sinn!
    • achsoooooo 12.09.2018 18:49
      Highlight Highlight @Sommersprosse Guter Punkt!
      Aber trotzdem hat es individuelle Unterschiede gegeben (laut Interview haben alle Frauen die Pads in ihren fruchtbarsten Tagen verwendet).
    • Märzespriggeli mit Pappnäsli 12.09.2018 22:16
      Highlight Highlight Nicht nur der richtige Hormon-, sondern auch ein guter Alkoholpegel kann schon mal helfen!
      Ich persönlich finde Körperhygiene unfassbar sexy... Das kann auch ungemein helfen jemandem „appetitlich“ zu finden!
    • artyfrosh 13.09.2018 03:33
      Highlight Highlight Das ist doch nicht die Quintessenz dieser Studie?! Es wurden ja nicht verschiedene Zyklus-Zeiten getestet, sondern bei allen Frauen zur selben Zeit der Geruch aufgenommen...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Homer Ilias Odyssee 12.09.2018 16:47
    Highlight Highlight Die antiken Griechen sagten: Wenn der Mann die Frau in ihren Monats Zyklus riecht ist eine sache, aber wenn der Mann mit dem in Berührung kommt. Verliebt der Mann sich in die Frau so sehr, das er ohne sie sich kein Leben vorstellen kann. Weil er so gierig nach der Frau wird deswegen. Man spricht bis heute noch davon. Falls dein Mann dich nicht verlassen soll, nutze die Kraft deines Monats Zyklus aus.
  • Theor 12.09.2018 16:44
    Highlight Highlight "Unangenehm detailreiche Nahaufnahme von männlichen Nasenhaaren."

    Ja, Danke dafür! 🙈

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