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Politiker instrumentalisieren Religionen für ihre persönlichen Zwecke

Indian Prime Minister Narendra Modi, arrives to lead the opening of a temple dedicated to Hinduism?s Lord Ram in Ayodhya, India, Monday, Jan. 22, 2024. The magnificent temple lies at the site of a 16t ...
Der indische Premierminister Narendra Modi am 22. Januar in Ayodhya. Bild: keystone
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Wie Politiker Religionen nutzen – und die Geistlichen die Gläubigen verraten

Er steht auf den Ruinen einer Moschee: der umstrittene Ram-Tempel in Ayodhya. Nun hat ihn der indische Premierminister Narendra Modi eingeweiht.
27.01.2024, 07:50
Hugo Stamm
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Religionen und Glaubensgemeinschaften sind überzeugt, alle Ideale zu verkörpern, die zu einer besseren Welt führen. Als Hüter von Moral und Ethik glauben die Geistlichen, ihren Gläubigen den Weg weisen zu können, die sie zu vorbildlichen Wesen machen, die friedfertig, einfühlsam, respektvoll und tolerant durchs Leben gehen. Viele Gläubige sind überzeugt, von Gott beschützt und geleitet zu werden, auf dass sie ein gottgefälliges Leben führen können und schliesslich das Heil auf ewige Zeiten erreichen.

Wirft man aber einen Blick auf die Welt und die Geschichte, beschleichen einen erhebliche Zweifel, ob Glaubensgemeinschaften aus ihren Mitgliedern bessere Menschen machen. Und ob sie einen positiven Einfluss auf Gesellschaft und Politik ausüben.

Unterdrückung und Rache

Es liessen sich unzählige Beispiele anführen, die belegen, dass recht viele Glaubensgemeinschaften und Religionen konfliktträchtig sind und mehr zu Auseinandersetzungen als zum Frieden beitragen.

Ein aktuelles Beispiel liefert die Einweihung des neuen hinduistischen Ram-Tempels in Ayodhya, der heiligen Stadt im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Hier zeigt sich die hässliche Seite des indischen Hinduismus. Es geht um Unterdrückung, Rache, Skrupellosigkeit und politische Macht.

Als Aggressor treten ausgerechnet Hindus auf, die im Westen gern als friedfertig und tolerant beschrieben und von vielen Ashrambesuchern als vorbildlich verehrt werden. Um den neuen Tempel schwelte jahrzehntelang ein blutiger Konflikt, weil er auf der Ruine der abgerissenen Babri-Masjid-Moschee aus dem 16. Jahrhundert erbaut wurde.

Tausende eingeladene Gäste waren vor Ort:

Einweihung des Ram-Tempels.Video: YouTube/euronews (deutsch)

Nun wird der Ram-Tempel zum bedeutungsvollen hinduistischen Symbol hochstilisiert. Deshalb überrascht es nicht, dass Premierminister Narendra Modi seinen grossen Auftritt bei der Einweihungszeremonie hatte.

Seine pathetischen Worte sprechen für sich: «Heute ist der 22. Januar 2024. Nicht einfach irgendein Datum im Kalender, sondern der Beginn einer neuen Ära.» Nach Jahrhunderten der Geduld, unzähligen Opfern und Busse sei Lord Ram an seinen Geburtsort zurückgekehrt, sagte er.

Bezeichnend ist, dass seine Rede mehr mit Politik, denn mit Religion zu tun hatte: «Heute haben wir uns vom Denken der Sklaverei befreit und uns einer komplizierten Vergangenheit angenommen», behauptete Modi. «Die Zukunft aber sieht von nun an rosig aus. Wir erschaffen eine neue Geschichte.»

Der Konflikt zwischen den Moslems und den Hindus eskalierte im Dezember 1992 und führte zur Zerstörung der Moschee. Die blutige Auseinandersetzung forderte mehr als 2000 Tote.

Modi löste ein jahrzehntelanges Versprechen ein, an dieser Stelle einen Tempel zu Ehren des wichtigen Hindu-Gottes zu erbauen. Das monumentale Bauwerk gilt als Symbol für den Machtkampf mit der muslimischen Bevölkerung, die vielerorts in Indien unterdrückt wird.

Der neue Tempel ist nicht nur für die Gläubigen ein Prestigeobjekt, sondern auch für die Regierung des hindu-nationalistischen Premierministers Modi. Dieser griff tief in die Staatsschatulle, kostete doch allein die Tempelanlage rund 200 Millionen Franken. Gleichzeitig steckte er ein Mehrfaches in die Infrastruktur von Ayoydha, denn die Stadt sollte in einem Glanz erstrahlen, der dem Prunkbau die nötige Würde verleiht.

An Indian Air Force helicopter showers flower petals during the opening of a temple dedicated to Hinduism's Lord Ram in Ayodhya, India, Monday, Jan. 22, 2024. Indian Prime Minister Narendra Modi  ...
Das Gotteshaus steht auf einem Gelände, wo vor Jahrzehnten eine historische Moschee von radikalen Hindus zerstört worden war.Bild: keystone

Rechtsstreit zu Gunsten der Hindus

Der Konflikt zwischen den Moslems und den Hindus eskalierte im Dezember 1992 und führte zur Zerstörung der Moschee. Die blutige Auseinandersetzung forderte mehr als 2000 Tote.

Es entbrannte ein Rechtsstreit, den schliesslich das oberste Gericht 2019 entschied. Es kam wenig überraschend zum Schluss, dass die Hindus das Recht besässen, auf diesem Grundstück einen Tempel zu errichten.

Bei der Einweihung des Prunkbaus trat Modi wie ein Priester auf. Er war in die traditionelle goldene Kurta gekleidet und leitete die religiöse Zeremonie im Allerheiligsten des Tempels.

Öffentliche Kritik gab es kaum, auch nicht von fortschrittlicheren Hindus. Schliesslich war es ein wichtiges Fest für alle Gläubigen weltweit. Einzig die politische Opposition störte sich daran, dass Modi als Priester auftrat, denn im April finden in Indien Wahlen statt. Es war offensichtlich, dass der Premier die religiöse Monsterzeremonie als Wahlplattform nutzte.

Einweihung des Tempels als Wahlplattform

Die Opposition boykottierte die Einweihung. Sie wollte das Unrecht, das den Moslem angetan worden war, nicht nachträglich legitimieren. Sie kritisierte, die Zeremonie sei eine Machtdemonstration der regierenden Hindu-Nationalisten.

Die Gläubigen wehrten sich nicht, dass sie politisch instrumentalisiert wurden. Sie verrieten damit ihre religiösen Werte und unterwarfen sich einem rücksichtslosen Politiker, der primär seine politische Karriere im Fokus hat.

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Indien ist aktuell bei weitem nicht das einzige Land, in dem Politiker Religionen und Glaubensgemeinschaften für ihre persönlichen politischen Bedürfnisse missbrauchen. Ein auffälliges Beispiel ist die russisch-orthodoxe Kirche, die sich als aktive Kriegstreiberin im Dienst Putins gebärdet.

Andere Schauplätze sind Iran und Afghanistan, die schon weitgehend Gottesstaaten sind. Auch in vielen anderen Staaten, die von Diktatoren oder Autokraten regiert werden, lassen sich Geistliche und Gläubige zu willfährigen Instrumenten der demokratiefeindlichen Regierungen degradieren.

Machtziele der Religionsführer

Dabei verfolgen die Religionsführer ähnliche Machtziele wie die Politiker und verraten ihre religiösen Werte. Sie verlieren dabei ihre Glaubwürdigkeit und tragen ihren Teil zur schreienden Ungerechtigkeit und Unterdrückung der Bevölkerung bei.

Die meisten Gläubigen weltweit sind wohl überzeugt, der Glaube habe aus ihnen bessere Menschen gemacht. Die Geschichte der Religionen und Glaubensgemeinschaften lassen aber Zweifel daran aufkommen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander.

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Hugo Stamm, Sektenblog
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Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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686 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Macca_the_Alpacca
27.01.2024 08:16registriert Oktober 2021
Kein anderer hat es je so treffend auf den Punkt gebracht, wie Karlheinz Deschner. Jesus hat den Menschen das Himmelreich versprochen - gekommen ist Auschwitz. Mehr muss man dazu auch gar nicht sagen.
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Zum Kommentar
686
Zu früh der Höhepunkt
Es hätte alles so gut sein können. Aber dann wurde es «komplex».

Wer nun dachte, dass dies ein Text über einen vorzeitigen Orgasmus ist, der hat sich getäuscht. Nicht, dass es dazu keine Geschichten gibt. Aber die sind zum Glück etwas länger her. Die waren aktuell, da war ich noch nicht der erfolgreichste Kolumnist bei watson. Da war ich noch Maturand, falsch, vor der Matura hatte ich keinen Sex. Ich war Student. Lebte in WGs mit zu vielen Leuten und zu vielen langen Haaren überall am Boden. Wenn ich etwas hasse, dann sind es lange Haare am Boden. Noch schlimmer als lange Haare sind gelockte lange Haare, weil die so trügerisch sind, wie Schlangen, ganz klein eingerollt, aber in Wahrheit ewig lang. Hasse ich.

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