DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild: shutterstock
Sektenblog

Wie und wo entstehen Religionen? Meist im Hirn eines Mannes

23.07.2022, 08:15

Glaubensgemeinschaften prägen unser Bewusstsein auch in Zeiten der Säkularisierung stärker als wir ahnen. Bis vor ein paar Jahrzehnten war der überwiegende Teil der Menschheit in irgend einer Weise gläubig. In vielen Weltgegenden ist dies auch heute noch so. Glauben und Religion sind seit Jahrhunderten zentraler Teil unserer geistigen DNA. Sie haben uns mehr geprägt als Politik und Kultur.

Doch weshalb sind Religionen entstanden? Entwickelten sie sich natürlich aus dem jeweiligen Zeitgeist heraus? Haben Götter sie inszeniert? Sind sie quasi vom Himmel gefallen? Haben Visionäre oder Propheten religiöse Ideen und Konzepte aufgrund ihrer persönlichen Neigung oder Bedürfnisse entwickelt? Wir wissen es nicht.

Am Anfang war meist nicht das Wort

Sicher ist aber: Am Anfang war meist nicht das Wort, wie es in der Bibel steht, sondern stets das Bedürfnis eines einzelnen Menschen. Genauer: Eines Mannes. (Frauen hatten früher selten die gesellschaftliche oder politische Autorität, um eine neue Glaubensgemeinschaft, Religion oder Sekte zu gründen.)

Religionen entstanden also primär im Hirn eines Mannes. Und von solchen Männern gab und gibt es viele. Weltweit haben im Lauf der Geschichte Zehntausende eine Glaubensgemeinschaft oder Sekte gegründet. Die meisten waren oder sind von einem Sendungsbewusstsein bestimmt. Viele sind extravertiert und machtbesessen.

Kurzporträts der fünf Weltreligionen.Video: YouTube/MrWissen2go

In keinem anderen Lebensbereich kann die Machtfülle grösser sein. Religionsführer sind meist überzeugt, im Namen und Auftrag eines Gottes zu handeln. Sie sehen sich als Heilsbringer und zentrale Figur in der Geschichte der Menschheit.

Vor allem aber haben sie die höchstmögliche Form der Macht über ihre Anhänger. Diese huldigen ihren Führern und bringen ihnen viel Verehrung entgegen.

Erfolgreiche Religionsgründer erhalten oft auch weltliche Macht. Der Obolus der Gläubigen führt oft zu grossem Reichtum. Und Geld hat immer schon Macht bedeutet. Entsteht aus einer Glaubensgemeinschaft eine Weltreligion, wächst der politische Einfluss rasch.

Die meisten erfolgreichen Religionsgründer hätten wohl Freude, wenn sie die heutige Machtfülle ihrer Verwalter erleben könnten.
Indiens Premier Narendra Damodardas Modi.
Indiens Premier Narendra Damodardas Modi.Bild: keystone

Der Islam prägt in vielen Ländern auch das politische und gesellschaftliche Leben. Der Machtwille der Religionsführer zeigt sich vor allem in Ländern, die sich zum Kalifat oder Gottesstaat entwickeln. Auch im Hinduismus lassen sich Machtstrukturen ausmachen, die über das Religiöse hinausgehen. Der indische Premierminister Narendra Damodardas Modi ist ein hindu-nationalistischer Politiker der Bharatiya Janata Party (BJP).

In unseren Breitengraden hatten früher auch die christlichen Geistlichen eine überragende Stellung im politischen und gesellschaftlichen Leben. Selbst Fürsten, Könige und Kaiser richteten ihre Politik auf die religiösen Bedürfnisse der Kirchenführer aus. Und die Gerichte urteilten nach den oft problematischen moralischen und ethischen Grundsätzen der Geistlichen.

Kriegsheld Mohammed

Die meisten erfolgreichen Religionsgründer hätten wohl Freude, wenn sie die heutige Machtfülle ihrer Verwalter erleben könnten. Zu ihnen gehört vermutlich auch der einstige Kriegsheld Mohammed, der seine Religion dank weltlicher Macht ausweiten konnte.

Bei Jesus ist es etwas komplizierter, wenn wir den Schilderungen in der Bibel Glauben schenken. Als Wanderprediger lebte er sehr bescheiden und verlangte auch von seinen Jüngern ein Leben in Askese. Was die Hüter seines religiösen Werks aus seiner Lehre gemacht haben, dürfte ihm deshalb nicht gefallen. Der Pomp im Vatikan ist kaum nach seinem Geschmack. Vielleicht ist seine Heilslehre aber wie bei allen anderen Religionsgründern auch nur in seinem Hirn entstanden.

Sektenblog

Alle Storys anzeigen
Bild: zvg
Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

Du kannst Hugo Stamm auf Facebook und auf Twitter folgen.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

914 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Jatin
24.07.2022 04:54registriert Juli 2022
Der erste Sündenfall war ja ein Mann.
443
Melden
Zum Kommentar
avatar
Tayta
24.07.2022 09:01registriert Dezember 2021
Jesus, Moses, Noah oder wie sie alle noch hiessen, waren ja alles auch Männer denen sie auf ihrem Wege folgten.
434
Melden
Zum Kommentar
avatar
Sarvashiva
24.07.2022 11:57registriert Juli 2022
Was da nicht alles so funkt im Hirn eines Mannes.
434
Melden
Zum Kommentar
914
Darf meine Vermieterin die Nebenkosten einfach so erhöhen?
Die Antwort darauf steht in deinem Mietvertrag. Bezahlst du Akonto-Beträge, darf deine Vermieterin in der Schlussabrechnung ohne weiteres höhere Nebenkosten einfordern. Bei einer Nebenkostenpauschale hast du Glück und eine Erhöhung ist nicht unmittelbar möglich. Am besten dran bist du allerdings, wenn in deinem Mietvertrag überhaupt nichts von Nebenkosten steht. Denn dann schuldest du gar keine Nebenkosten.

In den allermeisten Fällen ist im Mietvertrag ein monatliches Nebenkostenakonto erwähnt. Wie der Name «a conto» schon sagt, bezahlst du hier als Mieter vorab einen Betrag «auf Rechnung». Die Vermieterin rechnet die geleisteten Zahlungen an den Schlussbetrag an. Erst am Ende der Abrechnungsperiode, mindestens einmal jährlich, erfährst du die endgültige Höhe der Nebenkosten. Sind sie tiefer als von der Vermieterin einkalkuliert, erhältst du einen Betrag zurück. Sind sie höher, zahlst du nach.

Zur Story