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Elon Musk stellte Mitarbeitern Ultimatum – und bekommt nun die Quittung

Elon Musk marschier mit einem Lavabo ins Twitter-Hauptquartier
Ende Oktober marschierte Neo-Twitter-Besitzer Elon Musk mit einem Lavabo ins Hauptgebäude. Ein WC wäre wohl passender gewesen. Bild: twitter/elonmusk

Elon Musk stellte Mitarbeitern ein Ultimatum – und bekommt nun die Quittung

Twitter-Angestellte mussten sich bis Donnerstagabend zu Überstunden und einer «Hardcore»-Unternehmenskultur verpflichten – oder mit einer Abfindung gehen. Wie sich herausstellt, nimmt wohl die Mehrheit das Geld und zieht von dannen.
18.11.2022, 14:1820.11.2022, 09:13
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Elon Musks «friss oder stirb» kommt schlecht an. Hunderte Angestellte verlassen Twitter freiwillig, darunter viele erfahrene Top-Leute. Die Übriggebliebenen erwarten, dass die Plattform bald zu kollabieren beginnt.

Am Mittwoch stellte Musk ein Ultimatum: «Extreme Hardcore»-Kultur mit Überstunden oder entlassen werden.

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In der Nacht auf Mittwoch stellte Musk den nach seiner ersten Entlassungswelle verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Ultimatum, sich zu Überstunden zu verpflichten oder das Unternehmen zu verlassen.

Er warnte die Angestellten, dass es «extrem hardcore» sein werde, seine Vision eines «Twitter 2.0» umzusetzen. Wer bis Donnerstag 17:00 Uhr (Ortszeit New York) nicht über einen Link bestätige, Teil des «neuen Twitter» sein zu wollen, werde gekündigt und erhalte drei Monatsgehälter Abfindung.

Nun zeigt sich: Viele der verbliebenen Twitter-Angestellten zeigen Musk den Vogel und gehen in Scharen.

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Weit weniger Software-Entwickler als gedacht sind bereit unter Musks Regime zu arbeiten. Dieser ist nun offenbar bereit das jüngst erlassene Homeoffice-Verbot wieder teilweise zu lockern.

Er hatte auch Gespräche mit einzelnen Top-Ingenieuren, um sie zum Bleiben zu überreden. Dafür muss er aber wohl viel Geld in die Hand nehmen.

Für das Tagesgeschäft unverzichtbare Angestellte und ganze Kern-Teams, die für die Schlüssel-Infrastruktur zuständig sind, haben offenbar gekündigt.

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Das Team, das die zentralen Systembibliotheken von Twitter pflegt, die jeder Software-Ingenieur im Unternehmen nutzt, ist ebenfalls weg. «Ohne dieses Team kann man Twitter nicht betreiben», sagte ein ausscheidender Mitarbeiter gegenüber dem US-Techblog The Verge.

Fast das vollständige IT-Sicherheitsteam soll gekündigt haben. Einige wurden entlassen, die Top-Leute gehen nun freiwillig, weil sie bessere Alternativen haben.

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Auch die Lohnbuchhaltung und andere Finanz-Teams nehmen offenbar den Hut.

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Im Panik-Modus wollte Musk die wichtigsten Angestellten in Video-Meetings zum Bleiben überreden. Einige verliessen das Online-Meeting, als die 17-Uhr-Frist verstrich.

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Hunderte Angestellte machten im Firmenchat deutlich, dass sie kein Part von Musks «Twitter 2.0» sein wollen.

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Rund 75% der verbliebenen Mitarbeiter sollen Musks Deadline zunächst ignoriert haben.

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Einige werden ihre Meinung noch ändern, aber geschätzt mehr als die Hälfte der Verbliebenen hat offenbar genug. Genaue Zahlen sind nicht bekannt.

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Musk hat den Exodus befeuert, indem er die zuvor Entlassenen mit Spott und Häme verabschiedete.

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Ex-Angestellte teilen Videos, wie sie Twitter verlassen.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass Twitter sehr bald nicht mehr richtig funktioniere, sagen mehrere Angestellte.

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Die eigentlich Entlassenen hatten Stunden nach Ablauf der Frist noch immer Zugang zu Twitters System. Das könnte daran liegen, dass jene, die für die Zugriffsrechte zuständig sind, ebenfalls gekündigt haben.

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Inzwischen hat Twitter alle Bürogebäude vorübergehend geschlossen und der Zugang mit Badge ist gesperrt.

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Offenbar befürchtet Musk, dass Mitarbeiter das Unternehmen sabotieren könnten.

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Musk hatte zuletzt die Homeoffice-Möglichkeit bei Twitter abgeschafft. Nun kommen die Angestellten nicht mehr ins Büro rein.

Derweil vor dem Twitter-Hauptquartier

Aktivisten machen sich mit Projektionen am Twitter-Gebäude über Musk lustig

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Auf Twitter sagen die Angestellten Adieu

Sieben Senatoren rufen die US-Konsumentenschutzbehörde FTC auf, die jüngsten Vorgänge bei Twitter zu prüfen.

Twitter gehe ohne Rücksicht auf die User vor, heisst es im Schreiben der Demokraten an die FTC-Vorsitzende Lina Khan. «In den vergangenen Wochen hat der neue Twitter-Chef Elon Musk alarmierende Schritte unternommen, die die Integrität und Sicherheit der Plattform untergraben haben.»

Und zuletzt noch dies – Professor Scott Galloway über Musk: «Ich denke, dass dies eine Person ist, die einen totalen Mangel an Anstand gezeigt hat, keine Leitplanken um sich herum hat und deren Reichtum sich wahrscheinlich halbieren wird.»

Twitter sagt zu all dem nichts. Es gibt auch keine Kommunikationsabteilung mehr, die man für eine Stellungnahme kontaktieren könnte. Dafür twittert Musk.

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(oli)

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205 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ahaok
18.11.2022 15:00registriert Januar 2015
Musk hat nicht so ganz begriffen das es in der It-Branche (wie auch in vielen andern Branchen) einen riesen Fachkräftemangel gibt. Jeder der nur ansatzweise Programmieren kann findet ohne Probleme eine neue stelle. Warum sollten die Angestellte also die "Extreme Hardcore"-Kultur mitmachen, während ihr Chef gleichzeitig lieber memes veröffentlicht und mit leuten aus dem ultra rechten politspektrum sympathisiert
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Statler
18.11.2022 14:54registriert März 2014
Die einzigen, die wohl bleiben, scheinen die MAs zu sein, die mit einem Visum in den USA sind. Die haben keine andere Wahl, denn mit der Kündigung würden sie auch das Aufenthaltsrecht verlieren.

Wat 'ne Shitshow... 🍿
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B-M
18.11.2022 16:18registriert Februar 2021
Musk wird in die Geschichte eingehen!
So schnell hat noch nie jemand ein 44 Milliarden schweres Unternehmen in den Sand gesetzt.
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