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«Wir haben ihn»: Paris-Attentäter Abdeslam in Belgien verhaftet



Vier Monate nach der Anschlagsserie in Paris ist der mutmassliche Hauptverdächtige Salah Abdeslam in Brüssel gefasst worden. Der 26-jährige Islamist wurde am Freitag bei einer Razzia der Polizei im Brüsseler Stadtteil Molenbeek am Bein verletzt und festgenommen.

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Das Video zeigt die Verhaftung des Terroristen in Molenbeek.
YouTube/bfGames series

«Wir haben ihn»: Mit diesen Worten bestätigt Belgiens Justizminister laut der Nachrichtenagentur Reuters die Verhaftung von Salah Abdeslam. Europas meistgesuchte Person wurde heute bei einer Razzia in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek verhaftet. Zudem sei der Paris-Attentäter bei der Polizei-Aktion am Bein verwundet worden. Die Zeitung «La Libre Belgique» berichtete auf ihrer Internetseite von Schüssen während des Einsatzes. Ein Mann liege «am Boden», hiess es weiter

Nach Angaben des belgischen Premierministers Charles Michel wurden neben Abdeslam noch zwei weitere Verdächtige festgenommen, die Staatsanwaltschaft sprach später von fünf Festnahmen am Freitagabend. Zu ihnen gab es zunächst aber keine weiteren Angaben. Laut Michel gratulierte US-Präsident Barack Obama zum erfolgreichen Polizeieinsatz.

Der französische Präsident François Hollande sagte, Abdeslam sei nach den vorliegenden Erkenntnissen unmittelbar an der Vorbereitung und Organisation der Anschläge in Paris beteiligt gewesen.

Seit Wochen war unter Hochdruck nach Abdeslam gefahndet worden. Sein Bruder Brahim war einer der Selbstmordattentäter, die sich am 13. November in Paris in die Luft sprengten. Salah Abdeslam selbst organisierte zumindest zwei Mietautos und zwei Zimmer, die von den Kommandos genutzt wurden.

epa05218645 An undated handout picture provided by the Belgian Federal Police on 17 November 2015 shows Paris terror attack suspect Salah Abdeslam at an undisclosed location. Belgian media on 18 March 2016 report Salah Abdeslam has been wounded during a Belgian police anti-terror operation in Molenbeek suburb of Brussels.  EPA/BELGIAN FEDERAL POLICE / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Salah Abdeslam
Bild: EPA/BELGIAN FEDERAL POLICE

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Ein englischsprachiger Bericht von «France 24».
YouTube/oublidelinde

Am Abend der Anschläge soll er die Stade-de-France-Angreifer mit einem Renault zum Fussballstadion gefahren haben. Womöglich sollte auch er sich in die Luft sprengen: Ein im Pariser Vorort Montrouge gefundener Sprengstoffgürtel gehörte möglicherweise ihm.

Abdeslam wurde am Tag nach den Anschlägen von Gehilfen von Paris aus zurück nach Belgien gefahren - und schlüpfte sogar durch mehrere Polizeikontrollen, weil nach ihm noch nicht gefahndet wurde.

Eher zufällig gefunden

Seine Gehilfen setzten ihn am frühen Nachmittag des 14. November im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek ab. Medienberichten zufolge soll er sich dann drei Wochen in einer Wohnung versteckt haben, in der die Ermittler am 10. Dezember seine Fingerabdrücke sicherstellten.

Doch dann verlor sich seine Spur - bis die Ermittler am Dienstag in einer Wohnung im Brüsseler Vorort Forest offenbar eher zufällig fündig wurden.

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So berichtet CNN.
YouTube/GOPDEBATE2016

Belgische und französische Polizisten wollten im Zuge der Ermittlungen zu den Pariser Anschlägen eine Wohnung durchsuchen, die sie für leer hielten, und gerieten unter Beschuss. Vier Polizisten wurden verletzt, ein Verdächtiger getötet.

Zwei Menschen konnten fliehen - unter ihnen offenbar Abdeslam. Seine Fingerabdrücke wurden aber in der Wohnung gefunden. Am Freitag wurde Abdeslam dann bei einem Grosseinsatz in Molenbeek gefasst und verletzt.

Unbemerkte Radikalisierung

In dem wegen seiner Islamisten-Szene berüchtigten Stadtteil war der Franzose marokkanischer Abstammung aufgewachsen. Bekannte beschreiben ihn als eher gewöhnlichen Jugendlichen, der wie sein Bruder Brahim gerne Fussball spielte, abends ausging und mit Frauen anbändelte. Von einer islamistischen Radikalisierung bemerkte lange niemand etwas.

Doch dann lernte er Abdelhamid Abaaoud kennen, der später einer der bekanntesten belgischen Dschihadisten werden sollte und als Drahtzieher der Anschläge von Paris gilt. Wegen eines Raubes landeten beide 2010 hinter Gittern.

Razzia in Molenbeek: Paris-Attentäter Abdeslam verhaftet

Nachdem er später einige Zeit als Techniker bei den Brüsseler Verkehrsbetrieben gearbeitet hatte, übernahm Abdeslam zusammen mit seinem Bruder Brahim eine Bar in Molenbeek, das «Les Béguines». Dort soll viel Haschisch konsumiert worden sein - im November 2015 wurde die Bar nach dem Fund halbgerauchter Joints geschlossen.

Da hatten sich die Brüder aber bereits aus dem Geschäft zurückgezogen - vermutlich bereiteten sie die Anschläge von Paris vor.

Versagen der Geheimdienste?

Nachdem bei den Attacken von Paris sieben der Selbstmordattentäter sich in die Luft hatten oder erschossen worden waren und Abdelhamid Abaaoud und ein weiterer mutmasslicher Attentäter bei der Erstürmung einer Wohnung im nördlich von Paris gelegenen Saint-Denis gestorben waren, war Salah Abdeslam der vermutlich einzige Flüchtige der drei Kommandos.

Seine Ergreifung ist ein grosser Erfolg für die Ermittler. Doch zugleich werden sich die bereits in der Vergangenheit viel kritisierten belgischen Behörden unangenehme Fragen stellen lassen müssen. Denn sollte sich herausstellen, dass Abdeslam sich tatsächlich seit vier Monaten in Brüssel verstecken konnte, wäre das ein gewaltiges Versagen der Geheimdienste. (sda/reu/dpa/afp)

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • TheDude10 19.03.2016 05:35
    Highlight Highlight bei den amis hätte er den zugriff nicht überlebtb und es wären noch Polizisten verletzt worden.
  • Dan Rifter 18.03.2016 21:46
    Highlight Highlight Breivik beklagte sich doch neulich über seine Isolationshaft.
    Die beiden zusammen in eine Zelle zu stecken wär doch mal spannend. Am besten mit Livecam.
    • TomTayfun 18.03.2016 22:48
      Highlight Highlight Ja bitte den Link . . . bitte . . . bitteee
  • Beobachter24 18.03.2016 21:29
    Highlight Highlight Viele könnten es als Provokation auffassen, ich frag jetzt aber trotzdem - im vollen Ernst - in die Runde:
    Glauben die Leser, dass der soeben gefasste Mann verantwortlich ist für die Anschläge in Paris? Gibt es auch solche die zweifeln?

    Und bevor Ihr mich "blitzt", denkt einfach mal 30 Sekunden unvoreingenommen (?) darüber nach.

    Danke :-)
    • Toerpe Zwerg 18.03.2016 21:57
      Highlight Highlight Das kann ich nicht beurteilen. Können Sie?
    • Beobachter24 19.03.2016 13:44
      Highlight Highlight @Toerpe Zwerg
      Gute Antwort.
      Und, nein, kann ich auch nicht.
  • URSS 18.03.2016 20:05
    Highlight Highlight Na geht doch...
    • TomTayfun 18.03.2016 22:50
      Highlight Highlight Heii und alle NEUNEEE . . . .
    • Mafi 19.03.2016 00:36
      Highlight Highlight Stark, dass er nicht einfach erschossen wurde.
  • Paco69 18.03.2016 19:45
    Highlight Highlight Ob nun in Mittlerer Osten, Europa, Thailand, Burma, Philippinen oder Afrika, überall wo der Islam ist, zeigt er sein hässliches Gesicht. Leid können einem nur die Opfer des islamischen Terrors tun, denen anscheinend keine Macht der Welt helfen will oder kann. Schlimm, dass die Weltgemeinschaft solche Verbrechen zulässt und untätig zusieht. Und gleichzeitig muss man noch ertragen, dass die hiesige Politik diese Religion auch noch als Bestandteil der europäischen Kultur verkaufen will.
    • Datsyuk * 18.03.2016 22:34
      Highlight Highlight Paco69, du kannst nur hetzen. Mehr nicht.
    • Röschtigraben 18.03.2016 23:04
      Highlight Highlight @Paco69
      Augen auf und sich richtig informieren. Dann sieht man auch die Wahrheit
  • stiberium 18.03.2016 17:56
    Highlight Highlight Bravo!
  • ramonke 18.03.2016 17:55
    Highlight Highlight was ist denn mit dem stadtteil los? sollten da mal 10'000 polizisten reinschicken und jeden stein umdrehen. kann doch nicht sein das sich all die terroristen da verkriechen können über so lange zeit
    • Beobachter24 18.03.2016 22:22
      Highlight Highlight An was erkennt man einen Terrorist?
    • TomTayfun 18.03.2016 22:52
      Highlight Highlight Am Gewehr und dem Bombengürtel um den Bauch . . . oder nicht
    • Charlie Brown 19.03.2016 08:15
      Highlight Highlight @Beobachte24: An Burkas. An was denn sonst?
      Benutzer Bild
  • besibesi 18.03.2016 17:34
    Highlight Highlight Todesstrafe.
    • Sapere Aude 18.03.2016 18:00
      Highlight Highlight Verhindert keine Terrorangriffe.
      Belebt kein Opfer wieder.
      Mildert keinen Schmerz.
      Ist Mord.
    • TanookiStormtrooper 18.03.2016 18:17
      Highlight Highlight Super Idee, machen wir ihn zum Märtyrer...
      Schöne kleine Einzelzelle und den Schlüssel wegwerfen.
    • ramonke 18.03.2016 18:39
      Highlight Highlight wenn er schon sterben soll dann durch die einsatzkräfte. dann kostets den staat wenigstens nicht noch unsummen
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