We Will Always Love You – Happy 80th Birthday, Dolly Parton!
Also gut. Bringen wir die Busen-Witze hinter uns! Dazu lassen wir Dolly gleich selbst zu Wort kommen:
Aber, eigentlich:
Oh nein, Dolly Rebecca Parton ist mitnichten ein Dummerchen. Das kitschchirurgische Äussere ist Ablenkung, die ausladende Oberweite Legende («Dies sind meine Weapons of Mass Distraction»). Aber in erster Linie ist Dolly Parton eines: ein Jahrhunderttalent. Genauer: eine Sängerin mit weltweit 100 Millionen verkauften Tonträgern, 110 Singles in den Charts (davon 25 Mal die Nummer 1 der Billboard Country Charts), 8 Grammys, 46 Grammy-Nominationen, 2 Oscar-Nominationen, 10 Country Music Association Awards, 7 Academy of Country Music Awards, 3 American Music Awards, 3000 selbstkomponierten Songs, einem eigenen Freizeitpark (Dollywood), zwei Kochbüchern, ...
... einer eigenen Backmischungsmarke ...
... und einem Klon-Schaf, das nach ihr benannt wurde.
Und mögt ihr euch an die Dolly Parton Challenge erinnern?
Ja. Hät sie erfunde.
Und von ihrer karitativen Arbeit haben wir noch gar nicht gesprochen. Seit Mitte der 1980er unterstützt Parton unzählige wohltätige Projekte. So hat sie etwa die gemeinnützige Stiftung Imagination Library gegründet, die Lesefähigkeit bei sozial benachteiligten Kindern weltweit fördert.
Und wie war das damals, auf dem Höhepunkt der Covid-Pandemie, als der damalige Präsident Trump ahnungslos dabei zusah, wie hunderttausende seiner Mitbürger an den Folgen des Virus starben?
If a little Hillbilly singer like my big sister Dolly can invest in the vaccine then why the hell can’t some of you old moldy politicians pitch in a few million yourselves? I noticed you started getting vaccinated right away while people are starving and dying you Aholes.
— Stella Parton (@StellaParton) December 19, 2020
Dolly Parton, derweil, spendete still und leise eine Million Dollar für die Impfstoff-Forschung und ermutigte alle, die es sich leisten konnten, ähnliche Spenden zu tätigen. Ihre Spende finanzierte die entscheidenden frühen Entwicklungsphasen des Moderna-Impfstoffs.
Anders als bei etlichen heutigen Musik-Stars, die ihren finanziellen Erfolg vor allem Werbedeals und Reality-Shows (in denen man noch mehr Werbedeals platzieren kann) verdanken, beruht Partons geschätztes 450-Millionen-Dollar-Vermögen auf der Tatsache, dass sie eine verdammt gute Songwriterin ist. Allein schon Whitney Houstons Coverversion von «I Will Always Love You» für den Soundtrack von «The Bodyguard» spielte ihr unschätzbare Summen in ihre Kassen. Dabei war Dollys Originalversion Jahre zuvor bereits ein Hit gewesen. Zwei Mal. Ach ja, Elvis wollte den Song ebenfalls aufnehmen. Dolly ging auf den Deal nicht ein, weil von ihr verlangt worden wäre, die Hälfte der Songwriter-Rechte abtreten zu müssen.
Geboren und aufgewachsen in einer Einzimmer-Blockhütte im winzigen Käffchen Pittman Center in der Bergregion der Smoky Mountains im Osten Tennessees, lesen sich die Schilderungen von Dollys Kindheit wie die archetypische Countrymusik-Biografie. Das vierte Kind walisischer Einwanderer, ihr Vater war Analphabet («aber einer der klügsten Menschen, die ich je gekannt habe») und ihre Mutter hatte bis zum Alter von 35 Jahren zwölf Kinder geboren.
13 – so alt war Dolly, als ihre erste Single veröffentlicht wurde.
Der Song selbst war etwas älter: Dolly war 11 Jahre alt, als sie zusammen mit ihrem Onkel Bill Owens «Puppy Love» komponierte, und zu diesem Zeitpunkt war Dolly bereits eine routinierte Performerin, die seit Jahren regelmässig in lokalen Radio- und Fernsehsendungen im Osten Tennessees aufgetreten war. Mit 10 Jahren war sie bereits ein fester Bestandteil der Cas Walker Radio Show, die aus Knoxville, Tennessee, ausgestrahlt wurde.
So war Dolly immer noch ein Teenager, als sie anfangs 1960er in das Musik-Mekka Nashville kam. Dort arbeitete sie zunächst nicht als Sängerin, sondern als Songwriterin. Sie kam bei einem Verlag unter und schrieb Hits für die Country-Stars der damaligen Zeit. Darin beschrieb sie vor allem eigene Erfahrungen, die vielfach auf ihre Herkunft aus bitterarmen Verhältnissen in der Smoky-Mountains-Region von Ost-Tennessee zurückgingen. Ihre Songs handeln von Trennung, von Zwangsverwaisungen, von Totgeburten gar. Und immer wieder von verlorener Liebe. Waschechte Country-Themen, halt.
Darin liegt die Faszination Partons: Das Nicht-Verleugnen ihrer Herkunft einerseits, der Wunsch, ebendieser zu entfliehen andererseits. Für Letzteren steht wohl auch ihr ungemein kitschiges Äusseres.
Dolly blondierte und toupierte sich also auf und ging in die Welt hinaus, blieb aber letztlich ihren Wurzeln treu. Drückte man ihr ein Banjo in die Hand, konnte sie wie keine Zweite urige Appalachen-Folksongs zum Besten geben. Und ob man ihre Paillettenkleidchen und Perücken nun mag oder nicht, sie blieb ihrem Stil bis heute treu:
War es das Kokettieren mit dem Tussi-Look, das Dolly genug Aufmerksamkeit verschaffte, um im Showbiz herauszustechen, war es aber stets ihr Talent, welches über das exzentrische Äussere triumphierte. So erstaunte es nicht, dass es in den 1970ern die wesentlich bodenständigere Linda Ronstadt und die Hippie-Ikone Emmylou Harris waren, die mit Dolly zusammen zuerst in TV-Shows, danach für das legendäre Album «Trio» zusammenarbeiteten.
2022 wurde Parton für die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame nominiert – eine Einladung, die sie zunächst ablehnte, da sie meinte, dass es etliche eindeutig rockigere Performer gäbe, deren Aufnahme doch mehr als überfällig wäre, vor «diesem kleinen Hillbilly-Mädchen aus den Smoky Mountains». Nach einer Welle der Unterstützung aus der Musikerszene nahm sie das Angebot schliesslich an ... und veröffentlichte kurz darauf das starbesetzte Album «Rockstar» mit 30 Songs. Sie war 77 Jahre alt.
Und bis heute findet sie mit nunmehr 80 Lenzen immer noch Zeit, Musik aufzunehmen – mal kommerzieller, mal weniger (wie etwa das Radikal-Bluegrass-Album «The Grass Is Blue») – und Auftritte zu absolvieren.
Nicht schlecht für kleines Hillbilly-Mädchen aus den Smoky Mountains. Kein Wunder, dass we will always love you, Dolly. Verneigen wir uns also, vor der QUEEN!

