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Kommentar

Ich habe mein erstes 1970er- Kochbuch gefunden und probiere nun ein paar Rezepte

Nein, es ist nicht «Tiptopf».
27.12.2020, 19:4929.12.2020, 06:03

Einen Estrich ausmisten bringt so manches zum Vorschein. Sowas, etwa:

Bild: obi/watson

«Hamlyn's All-Colour Book of Quick Dishes», verehrte Damen und Herren! Aka das Buch, das mir das Kochen beibrachte.

Bild: obi/watson

Mit ‹Kochen beibringen› meine ich ‹den Kochalltag bewältigen›. Denn damals, mit 15 Jahren, als ich aufhörte, bei Mami zu essen und auf den drei Elektroplatten eines klapprigen Blechherds, der in jener unbenutzten Küche herumstand, meine kulinarischen Gehversuche machte, waren es Rezepte aus diesem Buch, die ich ausprobierte.

Gewiss, meine Mutter und Grossmutter hatten mir das eine oder andere schon beigebracht. Wie man Pasta kocht, etwa. Wie Beilagenreis geht. Und Risotto. Aber Rezepte – Gerichte an sich – kannte ich keine. Ich wollte mich nicht tagaus tagein ausschliesslich von Pasta ernähren und so behändigte ich mir jenes eine Kochbuch, das meine Mutter mit «Kannst haben, ich hab's seit London nicht mehr benutzt» kommentierte.

Kein Lieblingskochbuch, also. Und auch kein Klassiker, leider. Kein «Cucchiaio d'argento», keine Elizabeth David, keine Elisabeth Fülscher (wieso hiessen die alle Elisabeth?), sondern «Quick Dishes» von ... wem eigentlich? Die Autorin – eine gewisse Moya Maynard – findet man nur im Kleingedruckten im Innenband; wo man auch erfährt, dass das Werk 1977 veröffentlicht wurde. Letzteres sieht man ihm auch an:

Bild: obi/watson

Das mit den anmächeligen Food-Fotos kam erst in den Neunzigerjahren.

Das Buch sei gedacht für «Leute, die in letzter Minute Gäste bekochen müssen», steht in der Einleitung, und «für arbeitende Hausfrauen oder Mütter, die einen stressvollen Tag hatten» (logisch – Kochen war selbstredend immer noch Frauensache). Und vielleicht auch nicht so schlecht für einen Teenager, der Rezepte ausprobieren möchte.

Was mich heute nun interessiert: Wie gut sind diese Siebzigerjahre-Rezepte gealtert? Und so beschliesse ich, meine allerersten kulinarischen Erlebnisse nachzukochen. Mal sehen, ob sie noch schmecken!

«Sweetcorn and Cucumber Salad»

Bild: obi/watson

Yay! Ich weiss noch, dass ich als Kind dieses Rezept liebte. Nur logisch, dass das wohl das erste Rezept aus dem Buch war, das ich selbst zubereiten wollte. «GOOD!» steht da (in der Schrift meiner Ma). Und ausserdem: «Less onion» – weniger Zwiebeln, als dort steht, also. Ausserdem erlaube ich mir, die Gurke nicht zu raffeln, sondern in sehr kleine Würfelchen zu schneiden. Los geht's!

Für 4 Personen (als Vorspeise)

Zutaten:

  • 1/2 Gurke, geschält, entkernt und fein gewürfelt
  • etwas Salz
  • 200g Süssmais (Abtropfgewicht)
  • 1 TL Zwiebel fein geraffelt
  • 150 ml Sauerrahm
  • etwas frisch gemahlener, schwarzer Pfeffer
  • frische Minze oder Petersilie, zum Garnieren

Zubereitung:

  • Die fein gewürfelte Gurke auf einen Teller geben, mit etwas Salz bestreuen und mindestens 30min lang stehen lassen. Danach abtropfen lassen und auf einem Küchenpapier etwas trockentupfen.
  • Sämtliche Zutaten vorsichtig untermischen. Abschmecken. Mit etwas Minze oder Prezzemolo garnieren.

So sah's dann aus:

Bild: obi/watson

Fazit (nach mehr als 30 Jahren):

Im Rezept wird nicht präzisiert, welche Sorte Zwiebeln man verwenden soll (it was the 70s, hey). Ich verwendete rote Zwiebeln ... aber obwohl ich die Hälfte der angegebenen Menge nahm, stellte es sich als immer noch zu viel heraus. Hmm, ich würde beim nächsten Mal in der Zubereitung vielleicht ganz darauf verzichten und dafür etwas fein gehackte Frühlingszwiebel dazu geben. Jedenfalls ist dieses Salätchen – besonders frisch aus dem Kühlschrank – eine ganz nette Vorspeise, wenn auch ein wenig Kinderfood-mässig. In der Tat, «Good!»

«Piquant Spaghetti»

Bild: obi/watson

OMG dies war mein aller-allererstes Spaghetti-Rezept! Und – boah! – so ziemlich diametral dem entgegengesetzt, wie ich heute Pastasaucen zubereite. Aber probieren wir's doch mal aus!

Saucenmenge ist für 4 Personen. Pasta nach Bedarf.

Zutaten:

  • Spaghetti nach Bedarf – 80-100g pro Person
  • 2 EL Butter
  • 1 rote Zwiebel, fein gehackt
  • 1 EL Mehl
  • 1 TL Colman's Senfpulver
  • 1 400g-Dose Pelati, gehackt
  • 150ml Hühnerfond
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 EL Rot- oder Weissweinessig
  • 1 EL Worcestershire Sauce
  • 1 Messerspitze Zucker
  • 1 TL getrockneter Oregano
  • 1 EL Prezzemolo (flachblättrige Petersilie), fein gehackt
  • etwas Parmesan, gerieben, und etwas Prezzemolo, fein gehackt

Zubereitung:

  • Pasta in gesalzenem Kochwasser gemäss Packungsangaben kochen. Teller im Ofen vorheizen.
  • Derweil in einem mittelgrossen Kochtopf die Butter schmelzen und darin die Zwiebel auf mittlerer Temperatur dünsten, bis sie glasig ist. Mehl und Senf unterrühren und 1 Minute kochen lassen.
  • Tomaten, Hühnerfond, Tomatenmark, Essig, Worcestershire Sauce, Zucker, Oregano und Prezzemolo beigeben, gut verrühren; abschmecken. Zum Kochen bringen, danach Temperatur auf niedrig stellen und bei geschlossenem Deckel 10 Minuten köcheln lassen.
  • Sauce ev. mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit der Pasta servieren. Dazu Parmesan und Prezzemolo.

So sah's dann aus:

Bild: obi/watson

Fazit:

Wow. Merkwürdig. Und ein Paradebeispiel dafür, dass eine grössere Anzahl Zutaten nicht zu einem besseren Resultat führen. Fein ist's trotzdem; es schmeckt nur nicht sonderlich nach einem Tomatensugo. Die Verwendung von Mehl, Senfpulver, Worcestershire Sauce und Co. ergibt eine sämige Angelegenheit, die geschmacklich am ehesten an jene Fertigsaucen aus dem Glas erinnert.

«Piquant» ist wohl das englischsprachige Pendant zu «rassig» aus den Betty-Bossi-Büchern derselben Ära – beide Bezeichnungen treffen nicht zu. Trotzdem, obwohl ich seit Jahrzehnten meine Tomatensugi mit wenig mehr als Olivenöl, Pelati und ein Stückchen Knoblauch zubereite, führte der Weg dorthin anfänglich über obiges Rezept.

«Spinach and Avocado Salad»

Bild: obi/watson

Ahaaa! Von da hab' ich das Rezept also! Einer meiner Go-To-Salate scheint ebenfalls seinen Ursprung in diesem Buch gefunden zu haben. Nur scheine ich offenbar den «Spinach and Avocado Salad» von Seite 42 mit dem «Crunchy Bacon Salad» von Seite 43 kombiniert zu haben. Und zwar wie folgt:

(Mengen nach eigenem Gutdünken und Common Sense)

Zutaten:

  • Jungspinat, gewaschen
  • 1 Avocado, geschält, entkernt und in grobe Stücke geschnitten
  • etwas rote Zwiebel, in feine Ringe geschnitten
  • Bratspeck, in Streifen geschnitten, oder Speckwürfeli
  • Weissbrot vom Vortag, in Würfel geschnitten oder grob zerrupft
  • guter Parmesan, in grobe Stücke geschnitten/zerbrochen
  • Olivenöl und frischer Zitronensaft im Verhältnis 2:1
  • Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

  • Eine beschichtete Bratpfanne oder Wok auf grosse Hitze erhitzen und den Speck darin knusprig braten. Speck herausnehmen und auf einem Stück Küchenpapier beiseite stellen. Brotstücke zum übrig gebliebenen Fett in die Pfanne geben. Eventuell einen kleinen Gutsch Olivenöl beifügen und unter mehrmaligem Bewegen knusprig braten. Croutons beiseite stellen.
  • Sämtliche Zutaten in eine Salatschüssel geben und vorsichtig verrühren. Mengen nach eigenem Gutdünken (z.Bsp. 2 EL Öl und 1 EL Zitronensaft pro Person).

Und so wird's dann:

Bild: obi/watson

Fazit:

Fein! Aus gutem Grund ist dieser Salat bei mir ein Standardmenu geblieben. Er eignet sich übrigens bestens als Hauptspeise.

«Betty's Quick Country Steaks»

Bild: obi/watson

Oho – das erste Rezept, bei dem ich das Gefühl bekam, einen ‹echten› Znacht vorzubereiten. Weshalb weiss ich nicht mehr so genau. Vielleicht weil es ein Fleischgericht war. Dabei hat's mich damals schon nie richtig umgehauen. Ich hab's trotzdem ein paar Mal gekocht. Probieren wir's also nochmals!

Zutaten:

  • 3 EL Butter
  • 1 mittelgrosse Zwiebel, gehackt
  • 2 Knoblauchzehen, gepresst
  • 100g frische Champignons, in Scheiben geschnitten
  • 2 Rindssaftplätzli o.Ä.
  • Dijon-Senf
  • Salz und Pfeffer
  • 1 TL Worcestershire Sauce
  • 1 TL Tomatenmark
  • 2 EL frische Petersilie, fein gehackt

Zubereitung:

  • Steaks/Plätzli grosszügig auf beiden Seiten mit Senf bestreichen und mit Salz und frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer würden.
  • Butter in einer grossen, flachen Bratpfanne schmelzen, Zwiebel und Knoblauch auf mittlerer Hitze dünsten, bis die Zwiebel glasig ist. Champignons beigeben und unterrühren.
  • Zwiebel-Pilz-Mischung auf die eine Seite der Pfanne schieben und auf der anderen die Steaks kurz auf hoher Hitze anbraten. Hitze auf niedrig stellen.
  • Die Steaks auf eine Servierplatte geben. Worcestershire Sauce, Tomatenmark und Petersilie in die Pfanne geben, Hitze auf hoch drehen und alles unterrühren. Die Pilzmischung über die Steaks geben. Mit einem grünen Salat servieren.

Und so wurde es:

bild: obi/watson

Fazit:

Hmm. Okay, erstens: Sagt mal, Saftplätzli – what the actual F***? Gibt es irgendjemanden, der diese zähen, geschmacksarmen Schuhsohlen fein findet? Da werde ich gleich zum Vegi. Zweitens, das Rezept selbst: Ja, ganz okay. Essbar, gewiss. Nur ist nichts daran, das wirklich begeistert. Worcestershire Sauce und Tomatenmark – das war der Geschmack der Siebziger, offenbar. Und nochmals: Saftplätzli sind eine Zeitvergeudung. Selbst wenn man wie ich die Bio-Dinger verwendet (und selbst wenn sie mit «à la minute» angeschrieben sind). Die Pilzmischung hätte mir besser geschmeckt mit etwas Reis, etwa, oder als Beilage zu Rührei. Wenn schon Rindsteak, dann lieber ein Stück, das saftig ist. Und saignant, bitte.

P.S. Wer ist Betty?

It was the seventies, I guess ...

... und alles war ein wenig grauer. Die Farbakzente waren erdige Brauntöne, Olivgrün und Orange. Und die Männer trugen Schnäuze. Und Schlaghosen. Und so schmecken auch die Rezepte aus «Quick Dishes». Food durch eine Siebziger-Brille, halt. Trotzdem habe ich wegen diesem Buch angefangen, mich fürs Kochen zu interessieren. Behalten werde ich's auf jeden Fall. Wenn ich die Rezepte bereits lustig finde, was werden eines Tages meine Enkelkinder dazu wohl meinen?

Was war dein erstes Kochbuch? Oder das Kochbuch deiner Kindheit? Die Kommentarspalte steht euch offen!
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