Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A general view shows the place where a Swiss Army Airforce F/A-18 C fighter jet crashed in the Susten region, Switzerland August 31, 2016. REUTERS/Ruben Sprich

Am 31. August prallte eine F/A-18 in diesen Berg. Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Interview

«Einmal verlor die Schweizer Luftwaffe sieben Leute in einer Woche»

Der tragische Unfall, bei dem vor einer Woche ein F/A-18-Pilot ums Leben gekommen ist, wirft weiterhin Fragen auf. Einer, der Antworten darauf weiss, ist der Aviatiker Peter Brotschi.



Herr Brotschi, vor genau einer Woche ist ein F/A-18-Pilot am Susten ums Leben gekommen. Was ging Ihnen als erstes durch den Kopf, als sie vom jüngsten Unfall der Schweizer Luftwaffe hörten?
Meine Gedanken gingen sofort zum Piloten, ob er hoffentlich den Schleudersitz betätigen konnte und am Leben ist. Und dann ehrlicherweise auch ein «Schon wieder …», obwohl ich weiss, dass es früher sehr viel mehr Flugunfälle gegeben hat.

Seit 2013 hat die Luftwaffe vier Jets verloren, davon drei F/A-18. Das fühlt sich nach einer ausserordentlichen Häufung an. Trügt der Schein?
Vor der jüngsten Serie gab es fünfzehn Jahre lang keinen einzigen Unfall mit einem Kampfjet. Der letzte passierte im Frühling 1998 mit einer F/A-18 im Wallis. Deshalb kommt einen die jetzige Serie wie eine Häufung vor. Aber das ist eigentlich eine Täuschung.

«Noch 1981 verlor die Luftwaffe in einem einzigen Jahr neun Jets!»

Gibt es für diese Häufung eine Erklärung?
Nein. Ich denke eher, dass die anderthalb Jahrzehnte ohne Absturz eines Kampfjets eine glückliche Phase war, die es so leider nicht immer gibt.

Sie haben das Buch «Gebrochene Flügel» geschrieben, sich mit all den Unfällen intensiv befasst. Können Sie eine historische Einordnung der Unfälle machen?
Die Flugsicherheit hat sich deutlich verbessert, wobei anzumerken ist, dass auch die Zahl der geflogenen Flugstunden deutlich abgenommen hat. Die Zeiten mit intensivem Flugdienst, also im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg, brachten auch viele Flugunfälle. So gab es innerhalb einer Woche im August 1943 vier Unfälle mit sieben toten Besatzungsmitgliedern. Noch 1981 verlor die Luftwaffe in einem einzigen Jahr neun Jets!

Absturz der F/A-18 am Susten 

Es ist nicht das erste Mal, dass es einen Zwischenfall mit einer F/A-18 gibt. Ist dieses Modell besonders anfällig?
Wie bereits gesagt, gab es 15 Jahre lang Flugdienst mit der F/A‐18 Hornet ohne einen Unfall. Und zwischen den vier Unfällen kann ich nach dem jetzigen Stand der Erkenntnisse keinen roten Faden sehen, der Anlass zur Besorgnis gäbe. Die Geschichte zeigt auch, dass ein Unfall selten mit einem Versagen der Flugzeugtechnik zusammenhängt.

Werden Flugzeuge, die abstürzen, eigentlich ersetzt?
Früher gab es dies vereinzelt, heute nicht mehr. Die Luftwaffe hat jetzt einfach nur noch 30 F/A‐18 Hornet.

Brotschi

Peter Brotschi. bild: zvg

Lehrer, Buchautor, Kantonsrat 

Peter Brotschi, 1957, arbeitet als Lehrer und Aviatikjournalist und lebt in Grenchen SO. In der Politik ist er Kantonsrat der CVP. Im Militär war er Major der Luftwaffe. Er hat sieben Bücher verfasst, darunter «Gebrochene Flügel – alle Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe». (feb)

Als Laie fragt man sich: Ist es eigentlich schwieriger, ein Flugzeug in den Alpen zu lenken als über flachem Grund?
Jede Pilotin und jeder Pilot, vom Gleitschirm- bis zum Kampfjetflieger, muss sich in der Schweiz mit dem Fliegen in den Alpen auseinandersetzen. Schon in der Ausbildung zum Segel‐ oder Motorpiloten auf privater Basis gibt es die sogenannten «Alpeneinweisungs‐Flüge». Es ist nicht schwieriger in den Alpen zu fliegen, aber man muss mehr beachten, zum Beispiel die Einflüsse des Windes und die Wetterverhältnisse, die schnell wechseln können. Und ja, es gibt mehr Unfälle in den Alpen als im Mittelland, aber das hat auch damit zu tun, dass die Alpen den grössten Teil unserer Landesfläche einnehmen.

Wie sieht die Zukunft der Schweizer Luftwaffe aus?
Alle Angestellten der Luftwaffe und die Milizangehörigen machen einen guten Job, obwohl Teile der Politik, vorab der linken Seite, und der Öffentlichkeit ihrer Arbeit leider – aus meiner Sicht ohne Grund – kritisch oder gar ablehnend gegenüberstehen. Ich weiss, wie sehr immer und immer an der Flugsicherheit gearbeitet wird. Und deshalb stimmt es mich traurig, wenn trotz aller Bemühungen wieder ein Unfall passiert. Aber die hundertprozentige Sicherheit gibt es eben nirgends.

HANDOUT - Undatierte Aufnahme eines F/A-18 Militaer-Flugzeuges. Das Ruestungsprogramm 2008 ist 917 Millionen schwer. Groesste Brocken sind die Werterhaltung der Kampfjets FA-18 und die Beschaffung von 220 geschuetzten Mannschaftstransportfahrzeugen aus dem Hause Mowag in Kreuzlingen TG, wie das VBS heute Mittwoch, 20. Februar 2008, mitteilte. (KEYSTONE/VBS) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Eine F/A-18 im Schweizer Gebirge. Bild: VBS

Wie sind Sie zu einem Experten auf dem Gebiet der militärischen Unfälle geworden? Was fasziniert Sie daran?
Mein Vater war im Militär Flugzeugmechaniker und hat mir schon als ein kleiner Junge von Flugunfällen erzählt. In meinem Militärdienst habe ich dann selber viele Flugunfälle mitbekommen, auch von Piloten, die ich gut gekannt habe. Es gab aber nach über 90 Jahren Luftwaffe keine Publikation zu diesem Gebiet, nur viele mündliche Legenden. So habe ich mich hingesetzt und in vierjähriger intensiver Freizeitarbeit geforscht und das Buch «Gebrochene Flügel» verfasst. Von meiner Grundausbildung her bin ich Primarlehrer, und so interessieren mich, wie bereits erwähnt, vor allem die Schicksale der Menschen. Ich wollte sie dem Vergessen entreissen und ihnen ein publizistisches Denkmal setzen. Dass das Buch zu einem derartigen Erfolg werden sollte, hätte ich mir nicht träumen lassen.

* Das Interview wurde schriftlich geführt

Unsere liebe Armee

Das sind die besten Rekruten der besten Armee der Welt

Link zum Artikel

Der Armee gehen die Soldaten aus – und Schuld sei der Zivildienst

Link zum Artikel

Geldstrafe wegen schiefen Tönen: Die Armee büsste schon drei Musiker, die falsch spielten

Link zum Artikel

Verlorene Panzer, übermütige Rekruten und Wasserdiebstahl: Die 11 grössten Fails der Schweizer Armee

Link zum Artikel

Die beste Intriganten-Truppe der Welt – die Armee hat ein Mobbing-Problem

Link zum Artikel

Im Kampfjetpoker bekommt es Amherd mit Schneider-Ammanns Truppen zu tun

Link zum Artikel

Armee wollte «Hakenkreuz»-Rekruten Karriere machen lassen

Link zum Artikel

Hitlergruss und Hakenkreuz: Brisantes Foto von Schweizer Soldaten aufgetaucht

Link zum Artikel

Kritik für Bundesrat Parmelin – Notbremse wurde bei Raketen-Beschaffung voreilig gezogen

Link zum Artikel

Bodluv-Desaster: Norweger boten der Schweiz ein weit günstigeres Abwehrsystem an

Link zum Artikel

F/A-18 Flieger sollen für den Erdkampf umgerüstet werden: Parmelins Pläne unter Beschuss

Link zum Artikel

Mit 19 oder 25? Wann du in die RS musst, kannst du künftig selbst entscheiden

Link zum Artikel

Neue Kampfjets: Airbus will die Schweiz vom Eurofighter überzeugen

Link zum Artikel

Wie die Schweizer Armeewaffen verschwinden

Link zum Artikel

Jeder vierte Militärpflichtige ist übergewichtig

Link zum Artikel

Militärkader kommen in Yverdon mit Geldstrafen und Freispruch davon

Link zum Artikel

Blocher: Die Europäer haben «ihre Armeen verludern lassen, auch die Schweiz»

Link zum Artikel

Referendum «Nein zur Halbierung der Armee!» ist gescheitert

Link zum Artikel

Wie werde ich untauglich? Wir sammeln die besten Militär-Ausreden 

Link zum Artikel

Norwegen macht's vor: Bundesrat soll Dienstpflicht für Frauen prüfen

Link zum Artikel

Frauen antreten! Warum wir endlich auch von der Dienstpflicht profitieren wollen 

Link zum Artikel

Danke, liebe User! Ihr seid einfach grossartig: Eure Top-13 der Militär-Ausreden

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

«So sehen Depressionen aus» – Facebookpost einer jungen Frau geht viral

Link zum Artikel

Kann Basel YB wieder gefährlich werden? Alle Transfers der Super League im Überblick

Link zum Artikel

Mehr Spass! Hier kommen die 24 lustigsten Fails, die das Internet gerade zu bieten hat

Link zum Artikel

Kommen Sie, kommen Sie! PICDUMP!

Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

12
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • 7immi 05.09.2016 16:57
    Highlight Highlight spannendes, beleuchtendes interview. bitte mehr davon und weniger "war der fluglotse schuld?" artikel, die nur mutmassungen enthalten und nichtssagend sind...
  • Shin Kami 05.09.2016 09:41
    Highlight Highlight Tja hört auf unnötig herumzufliegen dann spart ihr (neben Geld usw.) auch Menschenleben.
    • leclerc 05.09.2016 10:12
      Highlight Highlight Dann kannst ja du dich beim nächsten Vorfall, wenn die Luftwaffe wieder gebraucht würde, melden 😉
    • tzhkuda7 05.09.2016 11:17
      Highlight Highlight Dein Kommentar ist eine absolute Respektlosigkeit gegenüber der Familie.
    • Nevermind 05.09.2016 11:27
      Highlight Highlight Panzer, Bodentruppen etc. und vor allem die Ausbildung der ADA am Boden und deren Sinn. Darüber kann man von mir aus gerne diskutieren.
      Die paar Jets die die Luftwaffe hat sind meiner Meinung nach einfach als Luftpolizei unersetzlich.
      Bei einem Anschlagszenario wie 9/11 wird kein französisches Flugzeug in Richtung Bern oder Zürich abheben. Die bewachen dann den Luftraum über Paris und Lyon.
      Und mir ist es lieber ein schweizer Pilot nimmt sichtkonntakt mit einem Passagierflugzeug ohne Funkkontakt auf anstatt sich darauf zu verlassen, dass die letzte Möglichkeit Boden-Luftraketen sind.
    Weitere Antworten anzeigen

Neue ETH-Studie zeigt: So simpel lässt sich der Klimawandel stoppen (eigentlich)

Bäume speichern riesige Mengen CO2. Das Crowther Lab der ETH Zürich forscht an naturbasierten Lösungen für den Klimawandel und hat nun im Fachblatt «Science» eine beeindruckende Berechnung präsentiert.

Es läuft harzig. Die Versuche der Menschheit, weniger CO2 auszustossen, fruchten nicht. Jahr um Jahr werden global mehr Treibhausgase ausgestossen. Umso stärker setzt die Welt ihre Hoffnungen in die Speicherung von CO2. Riesige Pumpen sollen das Gas aus der Luft filtern und im Boden verlochen, so die Zukunftsträume. Aber nicht nur ist der Effekt verschwindend klein, auch die Speicherung funktioniert noch nirgends.

Nun soll uns der Wald retten. Und in der Theorie könnte er das tatsächlich. Das …

Artikel lesen
Link zum Artikel