Schweiz
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Temposünder mit 32 km/h zu schnell geblitzt – doch nahm die Polizei den falschen raus?

Ein 75-Jähriger musste wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln vor Bezirksgericht Brugg erscheinen. Er stritt jedoch vehement ab, 32 Stundenkilometer zu schnell gewesen zu sein. Auch der Richter hatte Zweifel.

Michael Hunziker / az Aargauer Zeitung



Ein Auto-Wrack steht in der Mitte der Badnenerstrasse in Zuerich am Samstag, 4. juni  2005. Die Zuercher Polizei macht in ihrer neusten Verkehrssicherheitskampagne Raser eindruecklich auf die Folgen ihrers Tuns aufmerksam. Als

Fuhr wirklich der angeklagte Rentner viel zu schnell? Um diese Frage drehte sich die Gerichtsverhandlung. Bild: KEYSTONE

«Finito». Luigi (Name geändert) fiel sichtlich ein grosser Stein vom Herzen an der Urteilseröffnung am Bezirksgericht in Brugg. «Grazie», sagte der drahtige Mann mit dem freundlichen Gesicht, als er den Saal verliess.

Zur Last gelegt wurde dem 75-Jährigen aus dem Bezirk Brugg eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln. Vorsätzlich habe er, so die Staatsanwaltschaft, eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, indem er die zulässige Höchstgeschwindigkeit ausserorts überschritten habe. Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 100 Franken sowie eine Busse von 800 Franken.

Er fuhr hinter Lastwagen her

An jenem Donnerstag im August des letzten Jahres fuhr Luigi mit seinem Kleinwagen auf der Birrfeldstrasse von Lupfig in Richtung Mülligen. Laut Anklageschrift war er anstatt den erlaubten 80 Stundenkilometern mit 116 Stundenkilometern unterwegs, was abzüglich der Toleranz einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 32 Stundenkilometern entspricht.

Für Luigi stand fest: Er soll für etwas geradestehen, das er nicht getan hatte. Er mache sich grosse Sorgen, habe vor dem Gerichtstermin kaum geschlafen, liess er durch die Dolmetscherin mitteilen. Der Italiener wohnt zwar schon lange in der Schweiz, kann sich aber mehr schlecht als recht in deutscher Sprache ausdrücken. Im Berufsleben führte er als selbstständiger Handwerker seinen eigenen Betrieb. Mittlerweile bezieht er eine Rente.

Er sei hinter einem Lastwagen hergefahren, der dann zum Kieswerk abgebogen sei, blickte Luigi auf den Tag der Geschwindigkeitskontrolle zurück. Kurz darauf habe ihn die Polizei angehalten. Es sei unmöglich, dass er so schnell gefahren sei, versicherte er dem Gerichtspräsidenten Sandro Rossi. «Das kann nicht sein.»

Den Rapport der Polizei habe er unterzeichnet, weil er den Inhalt nicht verstanden habe. In einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft wies der Beschuldigte Anfang dieses Jahres dann darauf hin, dass auf dieser Strecke um die Mittagszeit jeweils zwei Fahrzeuge des gleichen Typs und der gleichen Farbe beobachtet werden können. Sein Sohn habe entsprechende Fotos gemacht als Beweis.

Es mangelt an Beweisen

Der junge Polizist, der Luigi damals angehalten hatte, sagte als Zeuge aus. Er schilderte, wie vorgegangen wird bei einer Geschwindigkeitskontrolle, wenn vom Messpunkt über Funk ein Schnellfahrer gemeldet wird. Er erklärte weiter, wie viel Zeit in etwa verstrichen sein dürfte bis zum Haltezeichen, zeigte auf der Karte, wo er mit seinem Kollegen stand, welchen Bereich der Strasse er überblickte.

Gleich zu Beginn räumte der Polizist aber auch ein, dass er sich nicht mehr an viele Details erinnern kann bei diesem konkreten Fall, der doch über ein Jahr zurückliegt. Er wusste aber, dass die Verständigung schwierig war mit Luigi und dass einer dessen Söhne eintraf bei der Polizeipatrouille, um zu übersetzen.

Für Luigis Verteidiger war klar: In diesem Fall mangelt es an Beweisen. «Wir haben nichts», stellte er fest. Denn auf dem Messfilm der Polizei seien weder die Autonummer noch der Lenker identifizierbar. Auch sei es nicht möglich, mit einem Auto dieses Typs auf der kurzen Strecke so stark zu beschleunigen. Ebenfalls machte der Verteidiger auf die von der Polizei angegebene – grosse – Zeitspanne zwischen Geschwindigkeitsmessung und Haltesignal aufmerksam. Es sei gut möglich, dass ein anderer Fahrzeuglenker nach dem Messpunkt von der Birrfeldstrasse abgebogen oder bereits an der Polizeipatrouille vorbeigefahren sei, bevor er angehalten werden konnte.

Kurz: Es sei davon auszugehen, dass Luigi nicht der Autofahrer sei, der mit überhöhter Geschwindigkeit gemessen wurde. Sein Mandant sei von Schuld und Strafe freizusprechen. Tatsächlich lautete das Urteil dann in dubio pro reo, weil laut Gerichtspräsident Sandro Rossi objektive Zweifel angebracht sind. Die Verfahrenskosten gehen zulasten des Staats, dem Beschuldigten wird eine Entschädigung ausgerichtet. 

Eine optische Täuschung soll Raser stoppen

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Video: srf

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43
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43Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Blue64 04.09.2018 07:01
    Highlight Highlight Zum einen: es gibt Regeln, traurig genug, dass viele denken, für sie gelten diese nicht. Das zeugt von Egoismus und schlechter Erziehung. Und passt mir die Regel nicht, dann brech ich sie nicht, sondern suche Wege, diese zu ändern.
    ABER: liebe Polizei - wie dumm ist das denn, eine Messstrecke zu "verwenden", von der man abbiegen kann! Sorry - aber so dürft ihr euch über mangelnden Respekt nicht wundern.
  • Hans Franz 03.09.2018 22:22
    Highlight Highlight ...Denn auf dem Messfilm der Polizei seien weder die Autonummer noch der Lenker identifizierbar...

    ist dies per Gesetz erlaubt so zu Blitzen? da vorher eine, so wie es aussieht nicht von der Polizei einsichtliche Abzweigung vorhanden ist, weiss die Polizei nie ob das tatsächliche zu schnelle Auto abgebogen ist und das falsche Auto angehalten und gebüsst wird!!

    Die Verfahrenskosten sollte die Polizei zahlen und nicht wir Steuerzahler
    • Herren 03.09.2018 22:38
      Highlight Highlight Und die Polizei finanziert sich wie? Über Werbung?
    • Astrogator 03.09.2018 23:13
      Highlight Highlight "Die Verfahrenskosten sollte die Polizei zahlen und nicht wir Steuerzahler"
      Was glaubst du wer finanziert das Budget der Polizei?
    • dontknow 03.09.2018 23:38
      Highlight Highlight Und jetzt rate mal wer die Polizei bezahlt ? Richtig wir Steuerzahler. Das kommt also in auf das gleiche raus ;)

      Und falls du die Polizisten als natürliche Person meinst: Ich will ja mal sehen was du davon hältst wenn dein Chef z.B. aufgrund eines Fehlers deinerseits den verlorenen Umsatz eines Kundenauftrages bezahlt haben will aus deinem Lohn :-)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Darkside 03.09.2018 20:25
    Highlight Highlight Ich hab letzte Woche eine Busse erhalten da ich irgendwo auf der A1 im Kanton St. Gallen mit knapp 20kmh zu viel geblitzt worden sei. Müsste erstmal Google Maps bemühen um zu schauen wo das genau gewesen sein sollte. Das dumme daran ist, ich war überhaupt noch gar nie auf dieser Strecke unterwegs. Hab dann angerufen und gefragt ob die Dame sehe was das für ein Auto war. Es war eine andere Marke, hat sich dann rausgestellt dass dort offenbar die Autonummern von Mitarbeitern abgelesen werden, also nicht automatisiert, und der Kollege beim ablesen einfach nen Fehler gemacht hat.
    • Darkside 03.09.2018 23:03
      Highlight Highlight Dazu sollte ich fairerweise noch folgendes erwähnen: ich bin absolut kein Freund der Verkehrspolizei, aber Fehler sind nur menschlich, und diesen Fall richtigzustellen war wirklich erfreulich unkompliziert, hatte sofort eine sehr freundliche und kompetente Person am Telefon, ohne mühsames Durchklicken eines Computermenus oder ewiger Warteschleife und das Problem war innert drei Minuten erledigt. Top Service, danke dafür. Darf man auch Mal sagen.
  • Triple 03.09.2018 19:57
    Highlight Highlight Da stellt sich bei mir die Frage, wieviel solche Fälle in der Schweiz geschehen und sich der Beschuldigte nicht wehren kann?
    • EvilBetty 04.09.2018 08:50
      Highlight Highlight Also wenn sich ein Senior der kaum Deutsch spricht wehren kann, könnten das wohl die meisten auch anderen auch... sind einfach zu faul.
  • Ueli der Knecht 03.09.2018 17:17
    Highlight Highlight "Denn auf dem Messfilm der Polizei seien weder die Autonummer noch der Lenker identifizierbar."

    Entweder ist die Austrüstung der KaPo AG nicht geeignet, oder die eingesetzten Beamten, oder dann hat jemand den Messfilm manipuliert.

    So oder so wieder ein Armutszeugnis mehr für die unfehlbare Polizei.
  • andrew1 03.09.2018 16:30
    Highlight Highlight Wegen 112 gerade eine so deftige busse ist per se massiv übertrieben. So gefährlich ist diese geschwindigkeit auch wieder nicht. In deutschland wäre das gerade mal 120 euro und 1 punkt. Unter der voraussetzung das nur 80 erlaubt wären. Normalerweise ist dort ausserorts 100 kmh. https://www.bussgeldkatalog.org/geschwindigkeitsueberschreitung/
    • Aglaya 03.09.2018 20:48
      Highlight Highlight Bei einer groben Verkehrsregelverletzung gibt es in der Schweiz keine Ordnungsbusse, sondern eine Geldstrafe. Diese ersetzt die frühere kurze Haftstrafe und ist einkommensabhängig (und wird bei Ersttätern üblicherweise bedingt ausgesprochen). Zur bedingten Geldstrafe gibt es oft, aber nicht immer, eine zusätzliche Verbindungsbusse, die rund 20% des Geldstrafenbetrags beträgt. Wer ein höheres Einkommen hat, zahlt dementsprechend mehr als jemand, der kaum Geld hat.
    • In vino veritas 03.09.2018 20:53
      Highlight Highlight Aha. Ihrer Logik zufolge kann man ja auch in der Schweiz Kinderehen legalisieren, schliesslich ist es in einem andern Land legal. Ausserdem haben Geschwindigkeitsbegrenzungen bzw. deren Einhaltung durchaus ihre Berechtigung.

      https://m.focus.de/auto/ratgeber/unterwegs/crashtest-mit-tempo-80-10-km-h-entscheiden-ueber-leben-und-tod_aid_326298.html
    • andrew1 04.09.2018 07:56
      Highlight Highlight Ist etwas weit hergeholt.Dann muss man gerade so ungünstig reindonnern dass man mit 10 kmh weniger nicht stirbt, mit 10 mehr aber schon.Ist logisch dass irgendwo eine grenze liegt. Aber vielleicht schon bei 75 kmh wenn man einen baum erwischt, wenn man aufs feld hinausfährt vielleicht 140. Und weshalb sollte jetzt gerade 80 kmh richtig sein und nicht 70 oder 90? So eine digitale angelegenheit ist es nämmlich auch nicht mit der Geschwindigkeit. Zudem sollte so oder so kein unfall passieren. Man kann nicht immer mit allem rechnen sonst darf man nicht mehr vor die türe. Nur noch in einer gummizel
    Weitere Antworten anzeigen
  • Astrogator 03.09.2018 15:46
    Highlight Highlight Wurde letzthin mit 60 zuviel geblitzt - mit dem Zug 😂
    Ich durfte 140 fahren, die Strasse nebenan ist 80. Der Blitzer hat bei jedem Wagen ausgelöst, dachte erst ich hätte die Fahrleitung runtergerissen bis ich kapierte was los war.

    Auch bei der Kapo Aarau gibt es Leute mit Humor, habe das Bild gratis zugeschickt bekommen 😋
    • namib 03.09.2018 20:14
      Highlight Highlight und deine Passagiere hatten dann alle das Billet weg?😳
    • Siebenstein 03.09.2018 20:24
      Highlight Highlight Herrlich! 😂
    • andrew1 03.09.2018 20:26
      Highlight Highlight Bleibt nur zu hoffen das nicht gerade ein auto gleichteitig mit 80 nebenher fährt. Sonst hat man im dümmsten fall einen messfehler welcher der autofahrer wohl schwer belegen kann.... vielleicht war es hier ja ähnlich.
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