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Eine Nacht mit Fremden – darum liebe ich es, alleine zu reisen

Bild: daniel monteiro



Alleine zu reisen hat Vor- und Nachteile. Am besten sind die Begegnungen, die einem je nach dem entgehen, wenn man auf seinen Reisepartner fixiert ist.

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Ich in Oregon. Auch beim Fragen, ob jemand ein Foto von einem schiessen kann, ergeben sich Bekanntschaften.  bild: grs

Der einzige Haken beim alleine Reisen, zumindest für mich, ist die Überwindung, die es braucht, um auf Menschen zuzugehen und sie kennenzulernen. Von Leuten, die mich ein bisschen kennen, höre ich oft: «Das glaube ich nicht. Du redest so viel und bist so laut. Und sowieso ... du machst Slam Poetry. Du kannst bestimmt gut mit Menschen reden und so.»

In Tat und Wahrheit bin ich aber ziemlich introvertiert – ich rede einfach nicht gern drüber (badabum, tschhh). Auf der Bühne schützen mich die blendenden Scheinwerfer vor den Blicken: Ich rede nicht mit einem Menschen, ich rede mit einem schwarzen Raum.

Das ist viel einfacher.

Mit Leichtigkeit Leute anquatschen kann ich nur unter zwei Bedingungen:

  1. Ich kenne den Angequatschten bereits sehr gut.
  2. Ich bin angemessen betrunken.

Wenn ich alleine unterwegs bin, kenne ich logischerweise niemanden und betrinken kann/will/sollte ich mich auch nicht andauernd. Ich reise liebend gern alleine, ich brauch dafür einfach immer erst einen Ruck.

Während meiner Semesterpause in Perth, ging ich für eine Woche alleine nach Melbourne. So ein Austauschsemester ist schliesslich anstrengend, da braucht's Ferien vom Urlaub.

Wie anstrengend, liest du hier. Achtung: Kann Spuren von Ironie enthalten.

In Melbourne angekommen, werfe ich mich ins kalte Wasser – ab in den Ausgang. Auf «Meetup», einer App für soziale Gemeinschaftsaktivitäten, sehe ich, dass sich eine Gruppe Expats im Ausgehviertel Fitzroy trifft. «Prima, andere Fremde – ein guter Anfang», denke ich mir und sage der Veranstaltung zu. Ich gehe hin und stell mich vor dem Club an. Was ich noch nicht weiss: Die Expats werde ich nie kennenlernen.

Eine besoffene Gruppe Australierjungs steht vor mir in der Schlange, oder besser gesagt um mich herum. Wir haben uns gleichzeitig angestellt und mit jedem Schritt, den es vorwärtsgeht, werde ich weiter in die laute Gruppe reingedrängt. Es wird immer unangenehmer und schwieriger so zu tun, als würde ich sie nicht bemerken und einfach lässig alleine in einer Menschentraube rumstehen. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass ich stocknüchtern und deshalb zu 100 Prozent im Introvertierten-Modus bin.

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Dieses komisch gefangene Herz da oben symbolisieret mein nüchternes Ich.  bild: grs

Sie spielen ein Spiel, bei dem einer das Smartphone an die Stirn hält und die anderen umschreiben müssen, welcher Begriff auf dem Display zu sehen ist. Tabu für Millennials quasi.

«Chris Rock» steht da.

Die Schnapsnasen legen los:

«Ein schwarzer Comedian.»

«Macht auch Filme.»

«Hat den Esel bei Shrek gespielt!»

«Nein. Das war Eddie Murphy, du Depp. Chris Rock ist das Zebra von Madagaskar», denke ich still in mich hinein. Raus kommt nur ein schwächlich gemurmeltes „Nein ... Murphy ... Zebra.“

Die Hooliganhorde verstummt und blickt mich an: «Wie bitte?» – «Eddie Murphy war der Esel bei Shrek. Du meinst das Zebra von Madagaskar», formuliere ich mein Gestammel etwas verständlicher aus.

Aus irgendeinem Grund (vermutlich Alkohol) brechen die Jungs in schallendes Gelächter aus. Ab diesem Punkt sind wir scheinbar beste Freunde. Steve, Jake, Daniel und den vierten Namen habe ich bereits wieder vergessen. Sie beginnen mich über die Schweiz auszufragen. Und auch wenn nichts aus diesem oberflächlichen Interview hängen bleiben wird, ist’s doch sehr lustig. Im Club angekommen wird mir Drink nach Drink in die Hand gedrückt.

Sie stellen mich euphorisch allen vor, die sie kennen, und auch allen anderen. Es stossen weitere Ethanol-Hünen dazu. Sie scheinen sich alle aus einer Football-Mannschaft zu kennen. Ich beginne, mir ein Spiel daraus zu machen, die Jungs irgendwelchen Promis zuzuordnen, an die sie mich erinnern. John zum Beispiel sieht aus wie Special Officer Doofy aus Scary Movie, Steve wie ein blonder Zach Woods (der Typ aus Silicon Valley).

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Das ist der hier. bild: wikimedia

Nach einer Weile wird beschlossen, weiter zu ziehen. Eigentlich möchte ich endlich mal die Expats aufsuchen, aber die Football-Jungs lassen mich nicht. Unterwegs erfindet meine neue Gang Fanchor-Gesänge mit meinem Namen. Es schauen alle schon schräg, eigentlich ein grosser Fremdschäm-Moment. Aber was soll's. Mich kennt zum Glück ja keiner und bald bin ich wieder weg. Wir ziehen von Bar zu Bar, wo es mehr und mehr Bier gibt. Einige der Jungs verlassen uns, ein paar neue Leute schliessen sich an. Unter anderem Barbara Schöneberger in jung.

Zum Schluss tanzen wir in einem leeren Pub zu einer Live-Band, die Indie-Covers von 90er Hits spielen, bis der Laden schliesst. Steve, der einzige nüchterne an diesem Punkt, fährt die verbliebene Crew nachhause. Im Auto werden zum letzten Mal die «Greg»-Gesänge angestimmt. Dann setzt er mich netterweise direkt vor meinem Hostel ab.

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Ich mit den verbliebenen Schauspielerdoubles, gezeichnet von einer langen Nacht. Guckt hinten steht Zach, seht ihr? Nicht schlecht, oder? bild: grs

Die Moral der Geschichte? Nichts Weltbewegendes, nur, dass es Vor- und Nachteile hat, alleine zu reisen. Es braucht Überwindung. Manchen mag dies wohl leichter fallen, anderen schwerer. Aber es entstehen Geschichten – spannende und unbedeutende, erzählenswerte und langweilige, tiefgründige und alberne. Manche bleiben in Erinnerung, manche geraten in Vergessenheit und manche landen auf watson.

Was ist eure liebste Geschichte vom Treffen mit Fremden?

Hier hin lohnt es sich auch alleine zu reisen: Die Top 10 Reiseziele  aus dem Jahr 2016

gregor stäheli australien mint perth gregorstaeheli staeheli

Seine Lehrer sagten früher: «Wenn du ständig überall deinen Senf dazugeben musst, wird nie etwas aus dir.» Diese Herausforderung nahm er dankend an. Heute ist Gregor Stäheli als Slam Poet vor allem auf Bühnen anzutreffen. Ein Austauschsemester in Perth zwingt ihn, diese für ein halbes Jahr zurückzulassen. Da er es dennoch nicht bleiben lassen kann, sich ständig mitteilen zu müssen, nutzt er diese Reise, um für mint zu schreiben. Seien dies Erlebnisse, Begegnungen mit Schweizern, Gespräche mit Freunden oder grundsätzliche Themen, die ihm unterwegs in den Sinn kommen. Das ist KEIN Reiseblog. Deshalb solltest du ihn nicht zu ernst nehmen – das tut er nämlich selbst schon nicht.

Stalke Gregor auf Facebook oder auf seiner Homepage.

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    Alle Leser-Kommentare
  • leu84 11.06.2017 14:42
    Highlight Highlight Habe ich bei meinem Sprachaufenthalt in Kanada gemacht. Habe da und auch ausserhalb viele neue Leute und Freunde kennengelernt. Mit vielen habe ich immer noch Kontakt und habe einige (nichtschweizer) wiedereinmal treffen können :)
  • suchwow 11.06.2017 09:03
    Highlight Highlight Früher wäre man wohl belächelt worden. "Alleine reisen? Sowas schickt sich nicht!" :D

    War zwar nicht alleine unterwegs, aber es war ein sehr erfrischendes Erlebnis, neue Leute kennenzulernen. Viele hatten sich für einige hundert Dollar einen Töff gekauft, und reisten vom Norden Vietnams in den Süden runter.

    War auch ganz lustig, als wir die einte oder andere Bikergruppe - aus Zufalls - jeweils ein zweites Mal getroffen hatten.

    An diejenigen, die Zweifel haben, weil sie sich als schüchtern bezeichnen: die Kennenlern-Mentalität im Ausland ist überwiegend eine ganz andere als hier :)
  • Nastor 10.06.2017 08:19
    Highlight Highlight Ich reise auch am liebsten alleine, auch oder gerade weil ich eher Introvertiert bin. Ich habe schon ein paar mal Reisen mit Freunden gemacht, 3 Wochen durch Japan. Am Ende haben wir uns eher gestritten und hatten einander satt.

    Als alleinreisender hat man die größte Freiheiten, die ich nicht mehr missen möchte.
  • Mix Master Mike 10.06.2017 04:52
    Highlight Highlight Ich reise im Moment in Süd-Ost Asien herum. Bevor ich los ging, war es meine grösste Angst, dass ich mehrheitlich alleine unterwegs sein werde. Dem ist aber definitiv nicht so. In Hostels lernt man super neue Leute kennen.
  • henk 10.06.2017 02:22
    Highlight Highlight Völlig aus der Seele gesprochen. War 4 Monate alleine im südlichen Afrika unterwegs, hab Menschen kennengelernt, die mich teilweise sogar spontan aufgenommen haben und mich an ihrem Leben teilnehmen liessen. Dadurch kommt man den Menschen so viel näher. Auch wenn man als Backpacker unterwegs ist, wird man nie alleine sein. Backpacker-Hostels sind glaub der beste Ort um gleichgesinnte oder ganz verrückte Menschen kennenzulernen.
    Mein Fazit: Ich war zwar alleine unterwegs, aber einsam wurde ich nie. Bin auch eher introvertiert (Schweizer-Gen?) aber man lernt so oder so neue Leute kennen.
  • mooi 09.06.2017 23:01
    Highlight Highlight Es muss für mich auch nicht unbedingt die grosse Auslandreise sein, sondern kann auch bei Ausflügen innerhalb der Schweiz gut tun, mal alleine unterwegs zu sein. Ich geniesse das jeweils sehr, stosse aber in meinem Umfeld meistens auf Unverständnis.
    • CASSIO 10.06.2017 06:34
      Highlight Highlight das mein ich doch auch. ich hatte 'ne zeit, da ging ich nicht mehr mit kollegen in den ausgang, sondern alleine. und plötzlich lernte ich massenhaft frauen kennen, resp. sie mich. und nein, es geht hier nicht ums abschleppen, sondern um eine gute zeit mit guten leuten, auch wenn sich daraus keine grossen freundschaften ergeben haben, und ich die wenigsten namen noch kenne, war es trotzdem eine geile zeit.
  • sevenmills 09.06.2017 22:49
    Highlight Highlight Um alleine zu reisen, muss man der Typ dafür sein. Für mich beispielsweise ist das nichts. Dafür bin ich einfach zu wenig der Typ, der offen genug auf andere zugeht und schnell Freundschaften schliessen kann. Fühle mich nicht wohl, im Gegenteil. Dann ist während der Reise ständig irgendwie ein Druck da, jemanden kennenlernen zu müssen.
    Für mich persönlich ist Reisen zu zweit ideal. Man ist noch flexibel genug in den Entscheidungen, hat immer Begleitung aber trotzdem noch die Chance, andere Leute kennenzulernen. Ich weiss, dass das Geschmackssache ist. Viele Bekannte Reisen auch lieber allein.
    • Greta Schloch 09.06.2017 23:18
      Highlight Highlight Wollte Herzen, habe aus Versehen geblitzt. Entschuldigung.
    • leu84 11.06.2017 14:49
      Highlight Highlight Aus eigener Erfahrung. Vieles geschieht dann automatisch. Je nach Land/Stadt lernt man gefühlt mehr Menschen kennen wie aus dem bisherigen Leben ^^. Ein paar davon bleiben ein Leben lang. Dank modernen Kommunikationsmittel ist es noch einfacher geworden, in Kontakt zu bleiben :)
    • sevenmills 11.06.2017 18:10
      Highlight Highlight Ja, ich weiss schon. Aber wie gesagt, ich persönlich fühle mich trotzdem nicht wohl beim alleine Reisen. Und ich hab auch beim Reisen zu zweit ganz tolle Bekanntschaften gemacht.
  • lohessmile 09.06.2017 22:12
    Highlight Highlight Schöner Bericht, Danke! Bin noch nicht so weit, aber ich hoffe, dass ich ebenfalls irgendwann mal den Mut zusammenkratzen kann, um alleine zu reisen.
    • Greta Schloch 09.06.2017 22:33
      Highlight Highlight Mach es. Ich war 2014 für 3 1/2 Wochen in China und bin sehr froh das einmal gemacht zu haben.
    • Baba 09.06.2017 22:57
      Highlight Highlight Wagen Sie es! Ich bin gerade auf der Heimreise von Indien und einer meiner neuen Freunde hat sich sogar eine schlaflose Nacht aufgehalst, bloss damit er mich auf den Flughafen begleiten konnte. Solche Dinge können einem wohl nur passieren, wenn man alleine reist. Daneben bin ich ernsthaft an eine exil-indische Hochzeit in Mexiko eingeladen, habe ein Mitglied von Trumps Transition-Team kennengelernt und die Bekanntschaft weiterer super spannender Leute gemacht.

      Alleine reisen rockt! 👌
    • Baba 09.06.2017 23:01
      Highlight Highlight Zum Mitglied des Transition-Teams...Wir waren uns gaaaar nicht einig. Spannend war es trotzdem 😊
  • elivi 09.06.2017 22:11
    Highlight Highlight Würd au gern alleine reisen, wenn man als frau den alleine reisen kann ...
    • Baba 09.06.2017 22:58
      Highlight Highlight Nicht vor allem und jedem Angst haben! Nur Mut - es klappt schon 😊
    • mooi 09.06.2017 23:05
      Highlight Highlight Seh ich in den meisten Ländern kein Problem dabei. Kommt halt auch drauf an, ob du wirklich ganz alleine unterwegs sein möchtest, oder dich einfach einer Gruppe Unbekannten anschliessen willst.
      Hab in Südafrika nach einem Sprachaufenthalt sehr kurzfristig meinen Heimflug verschoben und bin 2 Wochen auf eine Campingtour durchs Land, auf welcher ich niemanden kannte und die Leute mich einfach mal so nahmen, wie sie mich grad kennengelernt haben. War ein tolles Erlebnis!
    • DerElch 09.06.2017 23:40
      Highlight Highlight Ich war alleine in afrika - mehrere monate. Kenia, tansanua, zimbabwe, sambia, lesotho, südafrika. Mein grösstes problem war, dass ich als frau nicht dem mann (!) Den letzten sitzplatz überlassen durfte und mir eher selten in die augen ges hsut wurde. Und nachts ist man dort sowieso eher nicht alkeine unterwrgs - egal ob mann oder frau. Item: als frau alleine reisen geht tiptop wenn man aufs bauchgefühl hört und gesunden menschenverstand walten lässt - der rest sind vorurteile.
    Weitere Antworten anzeigen
  • moedesty 09.06.2017 21:39
    Highlight Highlight zu zweit definitiv besser als alleine.
  • Lümmel 09.06.2017 20:28
    Highlight Highlight Evelyne, bisches du?
    • Lukas Blatter 09.06.2017 20:30
      Highlight Highlight @Lümmel: Worauf willst du hinaus? 🤔
    • Lümmel 09.06.2017 20:31
      Highlight Highlight Ach nichts, war nur so ein Gedanke.
  • Widmer 09.06.2017 20:10
    Highlight Highlight Ich bin gar nicht dieser Meinung. Reisen zu zweit ist ganz bestimmt erfüllender. Dann brauche ich erst noch den abgelatschten Kevin-Film mit Popcorn anzuschauen.

22 Touristen aus der Hölle, die Respekt vor gar nichts haben

Massentourismus und Lokalkultur vertragen sich per se nicht. Doch dann gibt es noch vereinzelte Vollidioten (und nein, für dieses Wort muss man sich in diesem Kontext nicht entschuldigen), welche diese Divergenz auf die Spitze treiben.

Das Phänomen ist definitiv kein Novum: Touristen kommen in Massen, reissen sich alles unter den Nagel, was als «authentisch» gilt, glauben für ein paar Tage (oder Stunden) wie locals zu leben, steigen in ihre Cars und hinterlassen eine malträtierte Lokalkultur, geschunden von ihrer Ignoranz.

Ein Beispiel hierfür lieferte letztens eine Influencerin, die sich in Bali mit heiligem Wasser bespritzen liess – ein Affront erster Güte für die lokale Bevölkerung. Auch in Europa fürchten sich immer …

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