Leben
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Ich und mein betrunkenes Ich – eine Hassliebe

Symbolparty. Hier bin ich nicht drauf. Ich habe nicht so coole Freunde. shuterstock



Dieser Beitrag ist für folgende Personen nicht geeignet:

Der stattliche Bruce Wayne hat seinen unerschrockenen «Batman». Der gutherzige Dr. Jackyll hat seinen furchteinflössenden «Mr. Hyde». Und der charmante Casting-Piratenmützen-Esteriore hat seinen jähzornigen Ringiergebäude-Mercedesamok-Esteriore. Alle drei haben ein Alter Ego, eine Art zweite Identität. Ein Selbst, das in gewissen Aspekten über das ursprüngliche Selbst hinauswachsen kann und Dinge macht, für welche das zivile Ich nicht in der Lage wäre.

Meine zweite Persönlichkeit heisst «Drunk Gregor».

Same same but different:

Er ist mir Feind und Freund zugleich und doch bin ich ihm persönlich nie begegnet. Alles was ich von ihm kenne, weiss ich durch Erzählungen von Freunden und den Spuren, die er hinterlässt.

Seine Aktivität hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Hier im Austauschsemester kommt er jedoch öfter wieder zum Vorschein.

Symbolausgang in Perth. bild: shutterstock

Er ist exakt so gross wie ich und sieht fast gleich aus, hat jedoch einen fröhlicheren Gesichtsausdruck. Seine persönlichen Eigenschaften unterscheiden sich zu den meinigen auf positive und negative Weise. Hier eine kleine Auflistung:

Pro

Contra

Ich habe einen Weg gefunden, mich mit «Drunk Gregor» anzufreunden und ihn mir zunutze zu machen.

Er hat angefangen, Hausarbeit zu erledigen, wenn er vom Ausgang nachhause kommt. Ämtli, die mich nerven, übernimmt er mit Freude. Er hat eine Riesengaudi vor dem ins-Bett-Gehen tanzend und singend die Wäsche aufzuhängen und das Geschirr abzuwaschen. Und ich wiederum freue mich, am Morgen aufzustehen und festzustellen, dass alles bereits erledigt ist.

Symbol-Ich: Glücklich und zufrieden aufgewacht und bemerkt, dass Drunk Gregor schon alles erledigt hat. Hach, er ist ein Guter! bild: shutterstock

Ich will den Alkoholkonsum weder zelebrieren noch verdammen. Das ist jetzt auch kein Anlass für die «Ohne Alkohol ist das Leben so viel echter» oder «Wer nicht trinkt ist langweilig»-Debatten.

Ich will nur sagen, dass die Welt vielleicht ein bisschen friedlicher wäre, wenn wir unser betrunkenes Alter Ego besser nutzen würden.

Einfach mal nach dem Weihnachtsessen torkelnd den Rasen mähen, nach der WG-Party die Abschlussarbeit schreiben oder nach dem Junggesellenabschied die Steuererklärung erledigen.

So können wir morgens aufwachen und den Kater-Sonntag im Bett verbringen – ohne schlechtes Gewissen.

Und nun: 93 Gründe dagegen, dieses Wochenende allzu viel zu saufen

gregor stäheli australien mint perth gregorstaeheli staeheli

Seine Lehrer sagten früher: «Wenn du ständig überall deinen Senf dazugeben musst, wird nie etwas aus dir.» Diese Herausforderung nahm er dankend an. Heute ist Gregor Stäheli als Slam Poet vor allem auf Bühnen anzutreffen. Ein Austauschsemester in Perth zwingt ihn, diese für ein halbes Jahr zurückzulassen. Da er es dennoch nicht bleiben lassen kann, sich ständig mitteilen zu müssen, nutzt er diese Reise, um für mint zu schreiben. Seien dies Erlebnisse, Begegnungen mit Schweizern, Gespräche mit Freunden oder grundsätzliche Themen, die ihm unterwegs in den Sinn kommen. Das ist KEIN Reiseblog. Deshalb solltest du ihn nicht zu ernst nehmen – das tut er nämlich selbst schon nicht.

Stalke Gregor auf Facebook oder auf seiner Homepage.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ironiemand 19.05.2017 21:02
    Highlight Highlight Mein betrunkenes Ich lässt mir manchmal eine Bananen-Milch im Kühlschrank stehen - das schönste Geschenk mit einem Kater. Leider schafft er es selten danach noch den Stabmixer abzuwaschen und die Milchpackung in den Kühlschrank zu stellen, ganz zu schweigen von der Bananenschale auf dem Dampfabzug.
  • Skater88 19.05.2017 19:52
    Highlight Highlight Hehe mein alter Ego schrieb bisher die besten Bewerbungen, Projektdokus und Präsentationen... Es geht auch ohne Alkohol... aber auch gut mit 😂
    • Gregor Stäheli 20.05.2017 06:17
      Highlight Highlight So soll es sein. Meines schreibt die besten Watson-Artikel :D
  • River 19.05.2017 19:28
    Highlight Highlight Köstlich! Mein Drunk-Me macht manchmal auch diese Arbeiten. Nur einmal hat es die Wäsche aufgehängt und dabei den Hausschlüssel in der Waschküche liegen lassen. Was es natürlich, vor seiner Wohnungstür angekommen, nicht mehr gewusst hatte. Der Nachbar von oben erzählt mir ein paar Tage später, dass er von meinem Geheule aufgewacht sei, mir geholfen habe den Schlüssel zu suchen und die Kotze vor meiner Tür aufzuwischen. Best night ever
  • samy4me 19.05.2017 19:23
    Highlight Highlight Haha, guter Artikel. Mein Alter Ego ist zwar durchaus gewillt Alltagsaufgaben zu übernehmen, nach dem er aber mal sämmtliche Klamotten bei zarten 95° gewaschen hat und dabei die Maschine fast explodiert wäre, bitte ich ihn das jeweils sein zu lassen.
  • Red4 *Miss Vanjie* 19.05.2017 19:02
    Highlight Highlight Mein besoffenes ich hat einen fatal schlechten Geschmack, baut unfälle und verarscht mein nüchternes ich sehr gerne. 😅 das Highe ich hingegen macht alles richtig und ist dann noch sehr locker drauf
  • gunner 19.05.2017 18:27
    Highlight Highlight Mein alter ego hat also auch schon am samstag morgen um 4 uhr noch das altpapier gebündelt, welches dann ca. Zwei stunden später abgeholt wurde. Man sollte eben die gunst der stunde nutzen. :D
  • Alle haben bessere Namen als ich. 19.05.2017 18:15
    Highlight Highlight Gregor ganz ehrlich: Deine Formulierungen sind der Hammer! Ganz grosse Props für diese sprachlichen Geniestreiche.
    • Gregor Stäheli 20.05.2017 06:15
      Highlight Highlight Ich danke herzlich.
  • Calvin Whatison 19.05.2017 18:01
    Highlight Highlight Nach einer intensiven Zeit des Lernens und bestandenen Prüfungen, gehört das Weekie mir, mir ganz allein. 😂😂Prost🍷🥃🍷🥃🥃🤗
  • hoorli 19.05.2017 17:48
    Highlight Highlight Nach dem Weihnachtsessen den Rasen mähen? :'D Vielleicht in Australien, in der Schweiz wohl eher 'die Einfahrt freischaufeln'.
    • Gregor Stäheli 20.05.2017 06:15
      Highlight Highlight Gib dem Klima noch zwei drei Jahre. :)

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Sugo di pomodoro ... mal ganz grundsätzlich.

Pasta mit Tomatensauce: Etwas derart Alltägliches, dass man darob kaum einen Gedanken verliert ... ausser vielleicht mit der Frage, «Und wie machst du so deinen Sugo?». Denn etwas ist selbst nördlich der Alpen implizit klar: Jeder hat da seine eigene Version.

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