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WG-Typen from Hell – bis auf den Einen, aber den gibt's vermutlich eh nicht

bild: shutterstock
14.04.2017, 10:13

Ich wohne in einem Studentenapartment auf dem Campus zusammen mit vier anderen. Wir sind ein Engländer, ein Malaysier, ein Amerikaner, ein Australier und ein Schweizer ... klingt wie der Anfang eines Kneipenwitzes. Ob es einer wird, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

So sieht mein derzeitiges zu Hause aus:

Als ich das Zimmer meiner Mutter zeigte, waren ihre Worte: «Ah schön, sieht aus wie eine luxuriöse Gefängniszelle.»
Als ich das Zimmer meiner Mutter zeigte, waren ihre Worte: «Ah schön, sieht aus wie eine luxuriöse Gefängniszelle.»gregor stäheli

Mein richtiges Zuhause liegt allerdings in der fernen Schweiz. Seit über sechs Jahren wohne ich dort in einer 2er-WG im Kreis 11. Ich sag ja immer Zürich-Affoltern ist vielleicht nicht das beste von Zürich, dafür das beste Affoltern. (Nimm das, Albis).

Westaustralien ist zwar kein Zürich-Affoltern, aber auch ganz okay.
Westaustralien ist zwar kein Zürich-Affoltern, aber auch ganz okay.gregor stäheli

In diesen Jahren gingen nicht weniger als fünf verschiedene Mitbewohner ein und aus. Das wirft jetzt nicht grad das beste Licht auf mich. Sie haben mir aber versichert, dass es an ihnen läge, nicht an mir. Und dass wir natürlich immer noch Freunde bleiben könnten. 

Ich habe keinen von ihnen jemals wieder gesehen.

Das Aufregende an neuen Mitbewohnern ist ja, dass man nie weiss, was einen erwartet. Klar, oft hat man die Person vorher bei der Besichtigung kennengelernt. Aber wer zeigt dort denn schon sein wahres Gesicht?!

Das ist vergleichbar mit einem Bewerbungsgespräch. Dort sagt jeder über seine grösste Schwäche:

«Ich bin zu perfektionistisch!»

Anstatt ehrlich zu sein und zu sagen:

«Ich gebe mir drei Wochen lang Mühe und dann scrolle ich auf Facebook durch Katzenbilder, runde bei der Arbeitszeiterfassung ordentlich auf und klaue gelegentlich Kaffeekapseln.»

Doch welches sind denn so die typischen Mitbewohner, sobald sie ihr wahres Gesicht zeigen? Aus meiner Erfahrung zeichnen sich folgende Charaktere ab:

Der Einsiedler

Man sieht ihn kaum bis nie. Die meiste Zeit verbringt er im Zimmer und kommt nur raus, um aufs WC zu gehen oder in der Küche kurz etwas zu holen. Und dann auch nur, wenn diese grad nicht benutzt wird. Deshalb ernährt sich der Einsiedler meist nachmittags oder nachts. Wenn man ihn doch mal kreuzen sollte, grüsst er in der Regel mit einem gemurmelten «Morge» (egal um welche Tageszeit) oder lediglich einem dezenten Nicken.

Der Verschollene

Ähnlich wie der Einsiedler verhält sich der Verschollene. Auch ihn bekommt man selten zu Gesicht. Der Unterschied jedoch liegt darin, dass er schlichtweg nie da ist. Entweder arbeitet er von 3 Uhr morgens bis um 24 Uhr, verbringt 99% der Zeit bei seiner Freundin oder ist im Berufsmilitär. Auf jeden Fall lässt er Monat für Monat einen Haufen Geld für ein ungenutztes Zimmer liegen. Man könnte es getrost auf Airbnb vermieten und er würde es noch nicht einmal merken.

Vielleicht ist er auch im Auftrag Ihrer Majestät Leuthard unterwegs.
Vielleicht ist er auch im Auftrag Ihrer Majestät Leuthard unterwegs.gregor stäheli

Der Gastgeber

Der Horror jedes Studenten in der Prüfungsphase. Der Gastgeber hat 1000 Freunde – und zwar nicht nur auf Facebook. Und die lädt er ständig zu sich ein. Sei es zu einem geselligen Pasta-Essen, einer Filmnacht oder meist einer Homeparty – der Gastgeber scheint partout nicht gern allein zu sein. Das geht so weit, dass man sich als Mitbewohner langsam fragt, ob seine Freunde denn kein eigenes Zuhause haben. Denn seltsamerweise ist der Gastgeber NIE irgendwo anders eingeladen.

Der Weirdo

Eine ganz eigenartige Spezies ist der Weirdo. Seine seltsamen Aktionen sind so alltäglich geworden, dass man schon längst aufgehört hat zu fragen: «Aber ...wieso??». Er züchtet zum Beispiel Hefe im Kühlschrank und spielt spirituelle Instrumente aus irgendwelchen Südseeinseln. Seine Taten sind sogar einem handelsüblichen Hipster zu seltsam. Er betet zu Göttern, die er sich selbst ausgedacht hat und sammelt etwas Ungreifbares, wie zum Beispiel Gerüche, und bewahrt diese in Einmachgläsern auf.

Die Partypille

Jede Droge, die es gibt, hat er schon eingeworfen. Und die, die es noch nicht gab, hat er selbst hergestellt. Er kennt jeden Club in der Stadt und ist zu jeder Underground-Party eingeladen. Die Street-Parade ist sein Weihnachten. Offiziell ist er entweder Student oder Grafikdesigner, inoffiziell ist er dauerhigh und auf der Suche nach einem grösseren Sinn. Von der Day-Party geht er in die Clubnacht, von der Clubnacht geht er direkt an den Raver-Brunch. Und so weiter.

Ganz unabhängig davon dieses Selfie vom letzten Jahr aus Weed in Kalifornien.
Ganz unabhängig davon dieses Selfie vom letzten Jahr aus Weed in Kalifornien.gregor stäheli

Der Ordnungswahnsinnige

Ordnung ist sein Leben. Alles muss glänzen und zwar zu jeder Zeit. Er besitzt ein Reinigungsmittel für jede Oberfläche und Schwämme in jeder Körnungsstärke. Er hat sogar ein Reinigungsmittel FÜR seine Schwämme. Er legt nicht einmal die Hände auf den Tisch, ohne einen Untersatz darunter zu stellen. Wer nicht nach jedem Gebrauch der Zahnseide (also einmal pro Monat) den Spiegel putzt, oder jedes verlorene Haar sofort vom Boden aufhebt, wird von ihm mit einem passiv-aggressiven Schnauben und einem tödlichen Blick bestraft.

Der Traummitbewohner

Und dann ist da noch der Traummitbewohner. Quasi der heilige Gral eines jeden Hauptmieters. Der Bigfoot, das Monster von Lochness. Niemand hat ihn je gesehen, doch trotzdem glaubt man ein bisschen daran, dass es ihn gibt. Er ist gesellig und lustig. Er ist nie laut und geht zu einer anständigen Zeit ins Bett. Er putzt regelmässig die gesamte Wohnung und wäscht sein Geschirr direkt nach dem Gebrauch, verlangt von dir aber nicht das gleiche zurück. Er ist höflich und toleriert jeden Krach, den du machst. Er bringt dir Frühstück ans Bett, selbst wenn du auswärts übernachtest. Vor dem Einschlafen deckt er dich zu und liest dir noch ein paar mint-Artikel vor. Er hat unzählige wahnsinnig gutaussehende Single-Kolleginnen und stellt sie dir alle vor ... Wer so jemanden kennt, der meldet sich bitte unter 076 443 ...

Kennt ihr noch mehr Mitbewohner-Typen? Klar tut ihr das! Verratet es mir!

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Seine Lehrer sagten früher: «Wenn du ständig überall deinen Senf dazugeben musst, wird nie etwas aus dir.» Diese Herausforderung nahm er dankend an. Heute ist Gregor Stäheli als Slam Poet vor allem auf Bühnen anzutreffen. Ein Austauschsemester in Perth zwingt ihn, diese für ein halbes Jahr zurückzulassen. Da er es dennoch nicht bleiben lassen kann, sich ständig mitteilen zu müssen, nutzt er diese Reise, um das festgefahrene «Schweizer-in-Australien»-Klischee zu renovieren.

Stalke Gregor auf Facebook oder auf seiner Homepage.

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