DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Party mit 19-Jährigen? Ich bin zu alt für diesen Scheiss

shutterstock

Gregor ist endlich in Australien angekommen. Aber noch bevor er auspacken kann, «muss» er in den Ausgang. Mit seinen neuen Freunden. Seinen neuen, jüngeren Freunden.



Wieso ist jetzt alles mint?
Liebe User, herzlich willkommen zu unserem neuen watson-Blog mint! Ihr findet hier die Themen:

«Flair&Fair» (Design, Streaming, Reisen, Foodwaste)
«Fit&Food» (Katzen-Yoga, Rezepte, fein! – und gesund)
«Fuck&Feel» (selbsterklärend)

In mint schreiben watson-Autoren und freie Autoren aus aller Welt. Die Geschichten erkennt ihr auf der watson-Startseite an einem «m.» im Bild. So, und nun: Viel Spass. :)

Und nun zurück zum Artikel.

Direkt nach meiner Ankunft in Perth geht es in den Ausgang, na prima. Der Koffer ist noch ungeöffnet, das Bett noch nicht bezogen. Doch man will bekanntlich ja nicht der Typ sein. Der Stubenhocker, der Partymuffel. Mein Mitbewohner Sam begrüsst mich mit einem Bier und nimmt mich in eine andere Wohnung im Studenten-Komplex mit. Sie ist gefüllt mit anderen Austauschstudierenden. Die Gruppe besteht zu 80% aus Amerikanern im «reifen» Alter von 19-20 Jahren. Und sie alle sind betrunken.

Ich bin es nicht.

Bild

Jaja, wer’s glaubt. bild: gregor stäheli

Stocknüchtern stehe ich da und schaue mir das Szenario an. Wer schon einmal an einem Wochenende lange arbeiten musste und danach so gegen halb zehn abends über den Hauptbahnhof in Zürich geschlendert ist, kann sich jetzt gut in mich hineinfühlen. Der einzige Unterschied ist, dass nirgends ein Teenagermädchen betrunken in der Ecke sitzt und heult, weil der «Shadz» des Lebens nach zwei Wochen Facebookbeziehung schlussgemacht hat.

Nein, so ist es nicht. Eigentlich ist die Stimmung ganz fantastisch! Für die anderen.

Ein Gespräch anzufangen, ist kein Problem. Wenn Amerikaner etwas sind, dann neugierig:

«Was ist denn das für ein Akzent? WOHER kommst du? Wo liegt das? Habt ihr Strom da?»

Und während ich an ihren Gesichtern erkenne, dass sie bemüht versuchen, sich vorzustellen, wo dieses «Schweiz» denn in etwa sein könnte, verzeihe ich ihnen ihre Unwissenheit. Sie haben es sich schliesslich nicht ausgesucht, dass zuhause mehr Geld in Kriegsführung statt in Bildung investiert wird. Und sowieso; sie sind betrunken. Wer weiss betrunken schon, wo irgendetwas liegt.

Ich nippe an meinem Bier und stosse gedanklich mit mir selbst an:

Auf die Generation von morgen!

Okay, das ist jetzt vielleicht etwas unfair. Diese Kinder sind immerhin tausende Kilometer gereist, um der Alkohol-ab-21-Limite aus ihrem Land zu entfliehen. Zudem waren wir damals ja auch schon mit 15 Jahren unter den Büschen unserer Stadtparks liegend mit einem viel zu süssen Alkopop in der Hand anzutreffen.

Ich rede schon von damals ...

Nun fühle ich mich noch älter als die ohnehin schon 6-7 Jahre Unterschied zu diesen jungen Wilden.

Auch als ich mit ihnen dann endlich Richtung Club ziehe, ändert sich dieses Denken nicht. Anstatt in Partystimmung zu kommen, verwandle ich mich in einen der Balkon-Opas aus der Muppet-Show und ziehe innerlich über alles her.

https://en.wikipedia.org/wiki/Statler_and_Waldorf

Die beiden waren mir schon immer am sympathischsten. bild: wikipedia

Ich will raus hier.

Bild

gregor stäheli

Nostalgisch erinnere ich mich zurück an die Tage, als ich noch Freude dran hatte, von Mittwoch bis Samstag auszugehen. Damals, als ein Kater nur einen Vormittag lang hielt und mit dem Nachhauseweg-Döner meist schon gekontert war. Jetzt reicht ein feuchtfröhlicher Apéro riche und das Wochenende ist gelaufen. Am nächsten Morgen wache ich auf und schreibe innerlich schon mein Testament.

Damals, als Sorgen einfach abgeschaltet werden konnten. Mit einem Gummibärli in der Hand hatte die Welt keine Probleme mehr. Heute kann man sich beim Glas Wein kaum entspannen und denkt an...

Damals, als alles noch einfach war.

Damals, als ich den Ausgang noch wirklich geliebt habe.

Bild

bild: gregor stäheli

An dieser Stelle erwarte ich bereits Kommentare von Mittdreissigern, die meinen:

«Der Grünschnabel ist erst 26... was weiss der schon vom Leben...»

Gleichzeitig denken sich die Endvierziger genau das Gleiche über die reklamierenden Mittdreissiger. Die Kette geht immer weiter rauf und rauf, denn jeder mit weniger Lebenserfahrung hat doch sowieso keine Ahnung. Das Ganze gipfelt bei der Oma, die bequem im Schaukelstuhl sitzt und sich denkt: 

«Hebet doch alli d’Frässi, ihr Jammeris.»

Bild

Denn wenn Oma spricht, haben wir nichts mehr zu melden. bild: shutterstock

Und... Woran erkennt ihr, dass ihr älter geworden seid?

Vielleicht daran, dass es von euch keine solchen Bilder gibt?

1 / 94
93 Gründe dagegen, dieses Wochenende allzu viel zu saufen
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
gregor stäheli australien mint perth gregorstaeheli staeheli

Das bin übrigens ich. Die von watson haben mich gezwungen, ein Bild hier reinzumachen. bild: silvano lieger

Seine Lehrer sagten früher: «Wenn du ständig überall deinen Senf dazugeben musst, wird nie etwas aus dir.» Diese Herausforderung nahm er dankend an. Heute ist Gregor Stäheli als Slam Poet vor allem auf Bühnen anzutreffen. Ein Austauschsemester in Perth zwingt ihn, diese für ein halbes Jahr zurückzulassen. Da er es dennoch nicht bleiben lassen kann, sich ständig mitteilen zu müssen, nutzt er diese Reise, um das festgefahrene «Schweizer-in-Australien»-Klischee zu renovieren.

Stalke Gregor auf Facebook oder auf seiner Homepage.

Mehr mint gibt's hier:

«Ich liebe meine Freundin, aber ich liebe auch schöne Frauen…»

Link zum Artikel

15 Styles, die Ende 90er und Anfang 2000er der Shit waren

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

14 Comics, die das Leben als Mann perfekt auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

«Meine Ehefrau hat mich jahrelang mit ihrer Jugendliebe betrogen»

Link zum Artikel

Nach «Avengers: Endgame» – diese 7 kommenden Filme könnten auch die Milliarde knacken

Link zum Artikel

Coca Cola Life und 17 weitere Getränke, die (beinahe) aus der Schweiz verschwunden sind

Link zum Artikel

Die Boeing 737 ist derzeit nicht sehr beliebt – wie dieser Litauer jetzt auch weiss

Link zum Artikel

Dieses Model trägt als Erste einen Burkini auf der Titelseite der «Sports Illustrated»

Link zum Artikel

Ich + Ich + Tattoo-Dirk à Paris

Link zum Artikel

Schwangerschafts-Abbruch wegen Trisomie: «Die Entscheidung war furchtbar, aber klar»

Link zum Artikel

Der neue Schweizer Streaming-Dienst «Filmingo» will das Anti-Netflix sein

Link zum Artikel

Ihre Produkte haben die Welt erobert – trotzdem wurden diese 5 Erfinder nicht reich

Link zum Artikel

RTS zeigt GoT zeitgleich am TV. Und wir fragen: Wann wollt ihr dazu was von uns lesen?

Link zum Artikel

Nacktbild von Sohn löst Shitstorm aus – Sängerin Pink rastet aus

Link zum Artikel

So heiss, stolz und glücklich feierten die «Game of Thrones»-Stars Premiere

Link zum Artikel

10 lustige Antworten auf die dumme Frage: «Wann hast du entschieden, homosexuell zu sein?»

Link zum Artikel

«Krebs macht einsam» – wie Ronja mit 27 Brustkrebs überlebte

Link zum Artikel

Ja, in der Schweiz gibt es Obdachlose – und so leben sie

Link zum Artikel

Die vegane Armee

Link zum Artikel

Sterben am Schluss alle? Das verraten uns die 3 neuen Teaser zu «Game of Thrones»

Link zum Artikel

Disney wird immer mächtiger – warum darunter vor allem Kinos und Zuschauer leiden

Link zum Artikel

US-Komiker Noah spricht über seine (Schweizer-)Deutsch-Erfahrungen – und es ist grossartig

Link zum Artikel

Sag nicht, wir hätten dich nicht gewarnt: 7 Dokus zum 🐝-Sterben

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Ich machte bei GNTM mit – und so war's (empörend!)

Link zum Artikel

Auf den Spuren meiner Urgrossmutter

Link zum Artikel

Mick Jagger braucht eine neue Herzklappe – und will bald wieder auf der Bühne stehen

Link zum Artikel

Tantra-Tina, ihre Latexhandschuhe und mein Orgasmus

Link zum Artikel

Die Jackson-Doku «Leaving Neverland» erhitzt die Gemüter – 6 Gründe, warum das so ist

Link zum Artikel

«Mimimi» – Wie schnell bist du empört?

Link zum Artikel

Regie-Legende Francis Ford Coppola: Neues Alter, neuer Film, neues «Apocalypse Now»

Link zum Artikel

Böööses Büsi! Stephen Kings «Pet Sematary» ist wieder da

Link zum Artikel

«Leaving Neverland»: Brisante Jackson-Doku kommt am Samstag im SRF

Link zum Artikel

«Avengers: Endgame» pulverisiert Kinorekord – und sorgt für Schlägerei

Link zum Artikel

«Game of Thrones»: Das war sie also, die grösste Schlacht der TV-Geschichte?!?!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Rauszeit

5 Strecken, die du besser mit dem Velo statt zu Fuss zurücklegst

Was Velofahren mit Broccoli und Blumenkohl zu tun hat? Du wirst staunen.

Der Grund, warum du diese Routen lieber mit dem Velo abradelst, ist ein kleines bisschen simpler als die Quantenmechanik: Mit dem Velo bist du bei diesen Strecken einfach sehr viel schneller am Ziel und wieder zurück! Aber Spass beiseite: Der Zeitgewinn erlaubt es dir, länger die schönen Ausblicke zu geniessen, zudem ersparst du dir allfällige Übernachtungen – und mit dem E-Bike sogar noch etwas Energie für andere watson-Ausflugsziele. Eine klassische win-win-win-Situation. Also, Dul-X …

Artikel lesen
Link zum Artikel