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Ich habe Zürich und Singapur verglichen – rate mal, wer gewinnt ...

gregor stäheli
10.03.2017, 14:0810.03.2017, 16:30
Wieso ist jetzt alles mint?
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Und nun zurück zum Artikel.

Auf meiner Reise nach Perth lege ich einen zwei-nächtigen Zwischenstopp in Singapur ein. «Eine weitere Stadt, die neben Zürich als eine der teuersten der Welt gilt», denke ich mir, «das muss ich als Student, der sich seit sechs Jahren von 50%-Rabatt-Artikeln ernährt, gesehen haben.»

Das Hostel ist dementsprechend eingerichtet: Ich schlafe zwar in einem 16er-Schlag, doch jedes Bett ist in einer abgetrennten Kabine mit Smart-TV und (vermutlich gefälschten) Beats-by-Dre-Kopfhörern ausgerüstet. Der Hostel-Mann erklärt mir beides eingehend. Den Smart-TV benutz ich jedoch nicht und auf die Kopfhörer verzichte ich aus Überzeugung. Für mich sind Beats quasi das «Canada Goose» für den Kopf. Sie schreien förmlich:

«Ich habe zu viel bezahlt, um genau so dämlich auszusehen wie meine Freunde!»
In Zürich würde dies als 1,5-Zi Studio durchgehen und 2'000.- pro Monat kosten.
In Zürich würde dies als 1,5-Zi Studio durchgehen und 2'000.- pro Monat kosten.gregor stäheli

Im Hostel lerne ich Laurens kennen, einen belgischen Softwareentwickler, der vermutlich über zehn Sprachen spricht und gerade ganz Südostasien bereist. In seinem Job sei er so flexibel, dass er immer mal ein bisschen arbeiten, dann kündigen und reisen könne.

Das kann ich mit meinem Kommunikationsstudium zwar auch. Nur muss ich dafür deutlich länger arbeiten, werde danach gekündigt, und wenn ich Glück habe, reicht das Geld dann für ein verlängertes Wochenende in Strassburg.

Ist ja auch schön, dieses Strassburg:

shutterstock

Mit Laurens verbringe ich die ganzen drei Tage und schaue mir die wichtigsten Touristenstationen an.

Zürich vs. Singapur
Meine Zusammenfassung:​

Und zwar absolut unausgewogen und willkürlich, sodass sich jeder Reiseberater auf dem Bürostuhl umdrehen würde.

Architektur

  • Die Singapurerianische (oder so) Skyline besteht aus mehr als nur einem Glasquader (ja, ich meine dich, Prime Tower). Einer dieser stolzen Klötze gehört aber der UBS, kann man also fast als Unentschieden zählen.

Interkulturalität

  • Das Zusammenleben verschiedener Religionen und Ethnien mitsamt kulinarischer Vielfalt ist in Zürich fast schon so ausgeprägt wie in Singapur, wären da nicht an jeder Bahnhofswand irgendwelche hässlichen Plakate, die dies zu verhindern versuchen.

Menschenrechte

  • ... Ok, dieser Punkt geht an Zürich.
Singapur von unten, wenn ich nach oben gucke.gregor stäheli

Singapur kurz zusammengefasst:

Krasse Hochhäuser, vielfältiges Essen und Todesstrafe.

Ich bin grad etwas stolz auf mein intensiv recherchiertes Feedback. Ich sollte Reiseratgeber schreiben. Die hiessen dann vermutlich «Forever (a)Lonely Planet» oder so ähnlich.

In den «Gardens by the Bay» gibt es eine klimatisierte Mediterran-Kuppel. Dort habe ich 10'000 Kilometer von Zuhause entfernt einen Tannenbaum gefunden. Das fasst Singapur in einem Sinnbild zusammen.
In den «Gardens by the Bay» gibt es eine klimatisierte Mediterran-Kuppel. Dort habe ich 10'000 Kilometer von Zuhause entfernt einen Tannenbaum gefunden. Das fasst Singapur in einem Sinnbild zusammen.gregor stäheli

Genug Singapur, ich habe mein Hauptziel schliesslich noch nicht erreicht.

Der Flug nach Perth ist nahezu leer, derart beliebt scheint die Hauptstadt Westaustraliens zu sein. Mir soll es recht sein, denn so freut sich mein Rucksack über einen eigenen Sitzplatz, meine Beine freuen sich über mehr Stauraum und meine Nerven über das Fehlen eines «Simons» an Bord.

Es ist einer dieser Billigflieger, wo man für alles Zusätzliche zahlt. Meine Beinfreiheit kostet 12 Stutz, mein Gepäck etwa 20. Optional gäbe es noch Essen, Internet und weiss der Teufel was alles. Es würde mich nicht wundern, wenn beim Druckverlust für die Sauerstoffmasken eine O2-Taxe und bei einer Bruchlandung eine «Highspeed-Landing-Fee» verrechnet würden.

Von da an läuft alles reibungslos: Durch die automatisierte Passkontrolle kann ich hindurch spazieren und an der Gepäckkontrolle werde ich vorbeigewinkt. So schnell kam ich noch nie aus einem Flughafen raus. Entweder will tatsächlich niemand nach Perth oder ich wirke einfach unheimlich harmlos. Dabei habe ich doch zwei lange Flüge und drei schlaflose Nächte hinter mir und sehe dementsprechend fertig aus. Jede, die schon mal neben mir aufgewacht ist, weiss wovon ich spreche. Und die anderen mögen es sich vorstellen.

Symbolbild: Hangover im Bett. Das bin nicht ich, der sieht mir nur bei den richtigen Lichtverhältnissen ein bisschen ähnlich.
Symbolbild: Hangover im Bett. Das bin nicht ich, der sieht mir nur bei den richtigen Lichtverhältnissen ein bisschen ähnlich.bild: shutterstock
Da bin ich nun also.

Ich heisse mich selbst in Australien willkommen und blicke gespannt, nervös und hundemüde auf das nächste halbe Jahr. In der wohltuenden Dämmerungswärme bringt mich Herr Uber zum Studentendorf auf dem Campus. Eine einstündige Fahrt mit dem ÖV möchte ich zu diesem Zeitpunkt weder mir, noch den Mitreisenden antun.

Endlich angekommen, doch die Ruhe hält nur kurz.

gregor stäheli

Bereit fürs Bett komme ich beim Studi-Wohnbau an, wo schon diverse Vorglüh-Partys im Gange sind. Einer meiner neuen Mitbewohner begrüsst mich mit einem Bier und fragt, ob ich mitkäme; im Newport-Hotel in Fremantle sei heut Abend Party. Ich weiss weder, wie er heisst, noch wovon er redet. Mein inneres Ich schreit mich an:

«NEIN, du gehst jetzt schnurstracks in die Heia. Partymachen kannst du noch knappe sechs Monate lang.»

Aus meinem Mund kommt jedoch ein «Klar, warum nicht.»

Und so schleppe ich mein erschöpftes, stocknüchternes Selbst mit etwa hundert betrunkenen Fast-noch-Teenagern in meine erste Partynacht in Perth.

Ein Hoch auf das akademische Leben.

Apropos akademisches Leben: Dumme Schülerantworten, die Slideshow!

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Dumme Schülerantworten Teil 4
quelle: epa/mti / szilard koszticsak
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Das bin übrigens ich. Die von watson haben mich gezwungen, ein Bild hier reinzumachen. 
Das bin übrigens ich. Die von watson haben mich gezwungen, ein Bild hier reinzumachen. bild: silvano lieger
Seine Lehrer sagten früher: «Wenn du ständig überall deinen Senf dazugeben musst, wird nie etwas aus dir.» Diese Herausforderung nahm er dankend an. Heute ist Gregor Stäheli als Slam Poet vor allem auf Bühnen anzutreffen. Ein Austauschsemester in Perth zwingt ihn, diese für ein halbes Jahr zurückzulassen. Da er es dennoch nicht bleiben lassen kann, sich ständig mitteilen zu müssen, nutzt er diese Reise, um das festgefahrene «Schweizer-in-Australien»-Klischee zu renovieren.

Stalke Gregor auf Facebook oder auf seiner Homepage.

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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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AllknowingP
10.03.2017 14:51registriert August 2015
Kam für Singapur, las vor allem etwas über den Flug nach Perth...
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Scaros_2
10.03.2017 15:25registriert Juni 2015
Ich hab echt mühe deinen artikel/bericht/review zu lesen resp. Folgen.
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Blaugrana
10.03.2017 16:07registriert Januar 2017
"Das Zusammenleben verschiedener Religionen und Ethnien mitsamt kulinarischer Vielfalt ist in Zürich fast schon so ausgeprägt wie in Singapur" Öhm, wart kurz... nein, nicht. Verbring doch auf dem Rückweg nochmals ein paar Tage in Singapur. Kannst Dich gerne melden, dann zeig ich Dir die Unterschiede... 😉
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«An den Jungs-Abenden darf Lisa dabei sein – ich nicht ...»

Hallo zusammen

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