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Ist jeder Gläubige ein schlechter Mensch, wenn der Glaube die Wurzel allen Übels ist?



In den letzten Tagen drehte es sich in Diskussionen auf Social Media und in unseren Kommentaren oft um die Schuldfrage: Wer oder was verantwortet letztendlich die Gewaltexzesse in Paris, Beirut und anderswo?

Nicht selten wird der religiöse Glaube dafür verantwortlich gemacht. Das führt jedoch leider viel zu oft zur Verkürzung, dass sich Moslems von den Terroristen distanzieren sollen. Diese Forderungen implizieren jedoch, dass es zwischen den Terroristen und gläubigen Moslems einen direkten Zusammenhang gibt. Ergo: Muslime sind deshalb schlechtere Menschen, weil sie an denselben Gott glauben wie die Terroristen.

Losgelöst von diesem Hintergrund sind sich die Twitter-Follower von uns jedoch ziemlich einig:

Diese Umfrage ist inzwischen abgeschlossen. Deshalb kannst du hier nochmals abstimmen:

Ist jemand, der oder die an irgendeinen Gott glaubt, deshalb ein schlechterer Mensch?

Zu dieser Umfrage inspiriert haben mich die Kommentare unter der Story zu einem Moslem, der sich in Beirut auf einen Selbstmordattentäter geworfen hatte, um dadurch das Leben seiner Tochter zu schützen und ein Blutbad zu verhindern.

Aus dieser Diskussion picke ich ein paar Zitate raus:

«Als Moslem, auch wenn nicht gerade der Gläubigste, danke ich den vielen watson-Usern, die die schrecklichen Taten des IS nicht auf den Glauben reduzieren.»

Mr. Kr

«Ich bin zutiefst bestürzt, wenn ich lese, dass nur alleine der Koran daran schuld ist; denn mit dieser Aussage werde auch ich in den gleichen Topf geworfen wie diese Terroristen.»

Mr. Kr

«Religion, Herkunft, Kultur, ... alles egal.»

Menel

«Wir, die Menschen, die für das Leben, für die Zukunft der Menschheit und an wirklichen Lösungen interessiert sind, wir müssen vereint gegen diesen Irrsinn vorgehen. In allen Belangen. Denn destruktive Menschen finden sich nicht nur in den Reihen des ‹IS›.»

Menel

«Gibt es ‹den Christen›?»

Alex_Steiner

«Also meine Definition von einem Christen ist, dass er niemals am Sonntag in der Kirche sitzt und eigentlich nicht so sicher ist, ob es einen Gott gibt. Ganz sicher hat er die Bibel noch nie gelesen. Aber er bezahlt brav die Kirchensteuer und steht bei den Christen auf einer Liste – das reicht ihm.»

Alex_Steiner

«Mich nervt dieses religiöse #Prayfor. Warum sollte man beten, wenn meiner Meinung nach Religion nur Kriege und Leid auslösen?»

Sonja Red4

«Schade, macht watson daraus einen Artikel für die Bekehrung von Pegidioten und schert mit dem Titel und Text selber alle Muslime über einen Kamm. Es gibt weder ‹den Islam› oder ‹den Muslim› noch hilft es was, wenn ein watson-Redakteur eine Tat als unislamisch bewertet, wenn eine grosse Menge Sunnis dies anders sieht.»

DerWeise

«‹Das Christentum› ist aber auch nur der Oberbegriff für eine Ansammlung von (zum Teil doch sehr abstrusen) Auslegungen ein und derselben Botschaft.»

Statler

«Und alle behaupten, sie hätten als einzige ‹das Christentum› richtig verstanden. Von Einigkeit keine Spur. ‹Der Christ› als solcher existiert ebensowenig. Mormonen, Zeugen Jehovas, Adventisten, Chrischona, etc. – sie alle bezeichnen sich als Christen, haben z. T. aber sehr unterschiedliche Ansichten, was das eigentlich bedeutet.»

Statler

«Die Religionen verursachen keine Gewalt und Kriege.»

«Sir Jonathan Ive»

«Die Religionen werden nur immer wieder von gewalttätigen und kriegerischen Leuten als Rechtfertigung ihrer Taten missbraucht.

Zur Verwirrung bei PrayForParis: Beten muss nicht etwas Religiöses sein. Es kann auch einfach bedeuten, dass man in Gedanken bei den Opfern und deren Angehörigen ist.​»

«Sir Jonathan Ive»

Als Auflockerung für zwischendurch ein paar naive Fragen zur wortwörtlichen Auslegung von Sprüchen aus dem Altern Testament:

«Der Islam braucht unbedingt eine Reformation!»

Mate

«Der Islam heutzutage ist einfach nur eine Ansammlung wüster Ideen, wie es das Christentum vor der Reformation war. Und hört auf zu leugnen, dass der IS aus Muslimen besteht, der Koran bestimmt ihr Handeln.»

Mate

«Wann begreift ihr, dass Religion a.k.a. Beten das Ganze überhaupt erst anrichtet?»

EvilBetty

«Mit ‹Religion› meine ich nicht nur die bekannten Religionen, sondern auch Geld und Macht. Das Streben des Menschen, etwas ‹Übermächtiges› zu vergötzen oder es ihm gleichzutun, wird uns immer wieder an solche Punkte führen.

Amen!»

EvilBetty

Aber auch auf unsere Twitter-Umfrage gab es einige Reaktionen, die ich nochmals aufgreifen möchte. 

Als Erstes eine Diskussion, die sich über mehrere Tweets zog:

Und in einem anderen, kurzen Diskussionsstrang:

Als Auflockerung für zwischendurch ein Muslim, der so richtig in die Zange genommen wird:

Leseempfehlung eines CVP-Politikers

Die folgenden drei User sind sich in gewisser Weise einig, formulieren es jedoch jeweils etwas anders:

Und hier ein wunderbares (weil befreiend absurdes) Schluss-Statement, das nur FCZ-Fans (wirklich) verstehen:

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    Alle Leser-Kommentare
  • tinmar 24.11.2015 08:01
    Highlight Highlight Das Problem beginnt spätestens dann wenn aus "Glauben" vermeintliches "Wissen" wird.
  • guby 23.11.2015 17:38
    Highlight Highlight Es hat doch nichts mit dem Islam zu tun. Das Problem ist eher die Installation von blindem Glauben durch die Religionen, egal welcher. Dieser blinde Glauben kann sehr einfach in abstruse Bahnen geleitet werden, woraus dann schreckliche Taten wie Paris resultieren. Somit macht Religion einen Gläubigen nicht grundsätzlich schlecht sondern "nur" sehr einfach manipulierbar.
  • karl_e 23.11.2015 16:37
    Highlight Highlight Treffend und prägnant: Religion ist Opium für das Volk (Karl M.)
  • fuegy 23.11.2015 14:29
    Highlight Highlight Das ist so eine Sache mit der Religion und dem Glauben. Jeder sollte seinen Glauben frei ausleben können! Sobald es aber um öffentliche Demonstration des Glaubens geht (Kleidung, Kreuze, Reden u.s.w) sollte eine klare und harte Grenze gezogen werden.
    Religion an sich ist seit Anbeginn der Zeit nur da, um Gläubige zu beeinflussen und in kontrollierbare Bahnen zu lenken. Die grossen Bücher sind aber für die Zeit vor ca. 2000 Jahren gedacht, ohne "Bildung", brutal, einfach. Da keiner lesen konnte und Gott oder Teufel als Ultimative Strafe/ Erlösung in Aussicht, war folgen das kleinere Übel!
  • Skianto 23.11.2015 14:01
    Highlight Highlight Hier noch ein interessantes Interview von Ulrich M. über Glauben.
    Play Icon
  • Raphael Bühlmann 23.11.2015 13:27
    Highlight Highlight Ist jemand ein schlechter Mensch, weil er die Schahada nicht aufsagen kann? Ist jemand ein schlechter Mensch, weil er jüdischer Abstammung ist? Ist jemand ein schlechter Mensch, weil er andere pauschal als schlechte Menschen bezeichnet?
    Die Attentate von Paris sind kaum mehr als eine Woche her, doch statt uns die Hände zu reichen lassen wir uns schwarz-weiss in zwei Lager aufteilen.
    Gehts noch?!
    Gezeichnet, ein Mensch
  • Matrixx 23.11.2015 12:22
    Highlight Highlight Religion wird eigentlich immer für böse Machtspiele benutzt.

    Das reicht von den Anfängen der Religion (-en) bis in die Gegenwart. Und wird auch in Zukunft nicht anders sein.

    Das betrifft aber eigentlich alle grossen Religionen. Die Juden, die Christen, die Moslems, sie alle haben schin grosse Kriege "für Gott" geführt.

    Genau so wie früher die Germanen, die Wikinger, die Griechen... Die Liste reicht noch viel weiter.

    Aus meiner Sicht ist Religion der Ursprung des Übels.
    • Nick Name 23.11.2015 14:56
      Highlight Highlight Der erste Satz stimmt: Religion wird missbraucht. Aber nicht nur Religion: jede Ideologie. Und grundsätzlich jede Machtposition.

      Aber beim letzten Satz reicht – aus meiner Sicht ... – Ihre Sicht zu wenig weit.
      Ursprung allen Übels ist schlicht der Mensch, natürlich inklusive das "Menschlich"sein: gierig, empathisch, machtbesessen, fürsorglich, sadistisch, aufopfernd, ... beliebig weiterzuführen ...

      Wo wären denn die Religionen, gäbe es uns nicht?
      S. auch SVRN5774 unten.
    • Matrixx 23.11.2015 16:26
      Highlight Highlight @Sa.Set

      Natürlich ist es nicht NUR Religion.
      Aber in der Geschichte der Menschheit gibt es wohl am meisten Tote durch "Religionskriege" zu betrauern.
      Z.B. die komplette Ausrottung der Heiden durch die Christianisierung, "weil es keinen andere Gott gibt." Oder der Heilige Kreuzzug, die Inquisition (die ich zu religiöse Kriege zähle), die Kriege im Osten, wo Religiöse Andersreligiöse verfolgen und töten etc.

      Ich bin mir sicher, viele dieser Kriege wären ohne Religion nicht entstanden.

      Heisst nicht, dass es ohne Religion keinen Krieg (oder Konflikt) gäbe - aber allemal weniger!
  • SVRN5774 23.11.2015 12:10
    Highlight Highlight Hahah meint ihr wirklich nur wenn es keine Religione gibt, dann sind alle Menschen friedlich? xD
    Es ist der Mench und nicht die Religion! Kappiert das mal endlich
    • Lasagne 23.11.2015 12:52
      Highlight Highlight Wie sagte mal ein schlauer Mensch sinngemäss: "Es ist naiv zu glauben, dass es ohne Religion keine Probleme gäbe. Aber es ist dumm zu glauben, dass die Religion kein Teil des Problemes ist. "
  • Damien 23.11.2015 11:58
    Highlight Highlight Das Problem ist doch, dass Religion den Menschen das Denken abnimmt und eigenständiges kritisches Denken be- oder verhindert. Leute sind dann viel einfacher manipulierbar und weniger offen oder differenziert.

    Das ist natürlich nicht bei allen Religiösen (gleichermassen) der Fall, aber ich wage es zu behaupten, dass es umso mehr der Fall ist, je religiöser man ist.

    Klassische Debatte für interessierte:
    Play Icon
    • Anam.Cara 23.11.2015 12:14
      Highlight Highlight @Damien
      Wenn die Menschen der Religion das Denken überlassen, ist der Schritt zum Machtmissbrauch sehr klein.
      Wenn Religion aber das Denken in eine bestimmte, friedfertige Richtung fördert (etwa: denke an die Folgen für andere, bevor du etwas tust), finde ich das legitim.
      Unsere Gedanken werden ja auch sonst beeinflusst: durch Wirtschaft (kauf ein besseres Gerät, als dein Nachbar), durch Internet (du brauchst mehr Likes, als deine Klassenkameraden), durch Philosophie (frage stets nach dem Warum...) etc.
      Nicht mal im AT steht geschrieben "du sollst nicht selbständig denken"...
  • Anam.Cara 23.11.2015 11:49
    Highlight Highlight Nehmen wir an, zwei Leute versuchen ihr Leben lang "gut" zu sein. Sie gehen mit sich, ihren Mitmenschen und der Umwelt respektvoll, friedlich und wohlwollend um.
    Die eine Person tut das aus Erfahrung/Überzeugung (z.B. Elternhaus/Umfeld), die zweite aus religiösen Motiven.
    Ist die zweite Person rückständiger? Vielleicht.
    Ist die zweite Person schlechter? wohl kaum.
    Ist die zweite Person labil/naiv? Warum denn?
    Ist es egal, warum jemand wertschätzend ist? Völlig egal...
    Wie anderswo schon gesagt: Religion wird erst gefährlich, wenn sie für Macht missbraucht wird.
  • pun 23.11.2015 11:29
    Highlight Highlight Ich würde mal die These aufstellen, dass diejenigen, welche die Pläne hinter religiösem Fundamentalismus und Terrorismus aushecken und davon am meisten profitieren, eigentlich Atheisten sind.
    Religiöser Fundamentalismus ist ja genau Ausdruck dafür, dass Menschen danach streben, besonders gute Menschen zu sein. Die "schlechten" Menschen sind die Befehlshaber und denen kaufe ich nicht ab, dass sie ihre Gräueltaten aus dem Glauben heraus betreiben sondern den Glauben aus Opportunismus heraus.
    • Lasagne 23.11.2015 13:02
      Highlight Highlight Selbst wenn dem so wäre, die Schäfchen würden dem Hirten nicht folgen ohne Religion. Die Religion stellt den Nährboden für fundamentalistische Ideologien dar.
  • Skianto 23.11.2015 11:21
    Highlight Highlight Gott hat keine Religion. Gandhi
    Benutzer Bild
    • Anam.Cara 23.11.2015 12:54
      Highlight Highlight Finde ich toll, dass "Anonym" keine Religion braucht um glücklich zu sein.
      Vermutlich ist es für ihn schwer zu verstehen, dass sich einige Menschen durch den Glauben befreit fühlen statt gefangen. (Nebenbei: ich unterscheide zwischen Religion und Glauben, aber das ist hier nicht das Thema).
      Und: was für ihn gilt, muss ja nicht zwingend für alle Menschen gelten, oder?
    • Skianto 23.11.2015 13:59
      Highlight Highlight Kein Mensch braucht ein Dogma oder die Doktrin der Religion. Hatte beispielsweise Jesus eine Religion oder war er ein Anarchist?
    • AdiB 23.11.2015 14:56
      Highlight Highlight jesus war hebräer. jude. sollte aber jedes kind mitlerweile wiessen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • saukaibli 23.11.2015 11:07
    Highlight Highlight Nicht alle Manager sind Abzocker, nicht alle Fussball-Fans sind Hooligans, nicht alle Autofahrer sind Raser und nicht alle Religiösen sind Terroristen. Ist doch ganz einfach. In den sog. Religionskriegen ging es immer um Gier und Macht, der Glaube wurde jeweils vorgeschoben. Das Problem ist halt, dass in den "heiligen" Büchern sehr viele Stellen zu Gewalt aufrufen und es ist sehr leicht auszublenden, dass die Bücher ebenfalls zu Frieden und Mitgefühl aufrufen. Am besten die Bücher nicht mehr als heilig betrachten, sondern einfach als Bücher, die alte Geschichten erzählen.
  • Tepesch 23.11.2015 11:06
    Highlight Highlight Am Ende geht es immer um Macht.
    Religion oder Kultur, Geschichte, Ethnie, etc., werden schlicht als Begründung für den Machtanspruch missbraucht.
    • f303 23.11.2015 11:27
      Highlight Highlight Sehe ich genauso. Da es für Glaubensinhalte keine rationalen, messbaren Werte für einen Anspruch gibt, muss man auch nichts beweisen um etwas durchzusetzen. Glaube ist über alle Zeiten hinweg immer ein sehr effektives Machtinstrument gewesen.
  • YesImAMillenial 23.11.2015 10:44
    Highlight Highlight wer denkt, der glaube sei die wurzel allen übels ist, hat keine ahnung von geopolitik. die wurzel allen übels ist die gier nach ressourcen, in diesem fall erdöl und erdgas.
    • f303 23.11.2015 11:29
      Highlight Highlight Das lässt sich aber eben oft tiptop unter dem Deckmantel des Glaubens umsetzen. Bei IS z.B. geht es aber absolut nicht um Rohstoffe. Für die Saudis als Unterstützer hingegen schon.
    • simiimi 23.11.2015 11:35
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