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Heute vor 77 Jahren entstanden diese einzigartigen Bilder – das steckt dahinter

screenshot: youtube-com/Laughterpiece Productions



Am 7. November 1940 kam in der Commencement Bay in der Nähe von Seattle ein Wind auf. Nichts Gewaltiges: Die maximale Windgeschwindigkeit betrug 64 km/h. Das gilt zwar als starker Wind, nicht aber als Sturm. Die Auswirkung des Windes waren aber gewaltig. Für die Tacoma-Narrows-Brücke, vor allem aber für die Brückenbaukunst.

Nur vier Monate und sieben Tage zuvor war unter Trommelwirbeln und Fanfaren an derselben Stelle die Tacoma-Narrows-Brücke eröffnet worden. Sie war zu diesem Zeitpunkt die drittlängste Hängebrücke der Welt. Leon Moisseiff, der Chefingenieur des Bauwerks, nannte sein Werk ganz bescheiden «die schönste Brücke der Welt».

A center section of the Tacoma Narrows Suspension bridge falls 190 feet into the Puget Sound after a gale wind swayed the bridge in Tacoma, Washington on Nov. 7, 1940. (KEYSTONE/AP Photo)

Die Tacoma-Narrows-Brücke kurz nach dem Einsturz. Bild: AP NY

Moisseiff hatte zuvor mitgeholfen, die Manhattan-Brücke und die Benjamin-Franklin-Brücke zu errichten. Der gebürtige Lette war ein gefeierter Brücken-Ingenieur, dessen Theorien beim Bau der weltberühmten Golden-Gate-Brücke berücksichtigt wurden. Die Tacoma-Narrows-Brücke ist seine erste Arbeit als Chefingenieur gewesen.

The $6,400,000 Narrows bridge at Tacoma, Wash., opened July 1, 1940. Pictured are the first cars crossing the entire 5,000 foot span.  The steel towers are 425 feet above water.  This view is from the east looking west.  (AP Photo/MM Corres)

1. Juli 1940: Die Tacoma-Narrows-Brücke wird eröffnet. Bild: AP NY

Bereits vor ihrer Einweihung verpassten Arbeiter der Brücke den Übernamen «Galloping Gertie». Denn nur schon geringe Windböen reichten, um die Brücke in Schwingung zu bringen. Gegenmassnahmen wurden zwar ergriffen – doch sie versagten alle.

Die Tacoma-Narrows-Brücke liegt in der Nähe von Seattle

Am Morgen des 7. November war Leonard Coatsworth, ein Reporter der «Tacoma News Tribune», der letzte Mensch, der versuchte, die Brücke zu überqueren. Mit ihm im Auto: Tubby, der Cockerspaniel seiner Tochter.

A large section of the concrete roadway in the center span of the new $6,400,000 Tacoma Narrows bridge crashes into the Puget Sound in Tacoma, Wa. on Nov. 7, 1940. High winds caused the bridge to sway, undulate and finally collapse under the strain. (KEYSTONE/AP Photo/Str)

Der Zeitpunkt des Einsturzes. Gut erkennbar und noch immer auf der Brücke: Coatsworths Auto. Bild: AP

Coatsworth schaffte es nicht mehr über die Brücke. Die Schwingungen waren derart gross, dass er Hund und Auto zurücklassen und zu Fuss umkehren musste: «Ich hörte Beton aufbrechen ... der Wagen wurde hin und her geworfen ... ich musste auf allen Vieren kriechen. Ich keuchte, meine Hände und Knie bluteten. Am Ende riskierte ich alles und rannte das letzte Stück. In Sicherheit sah ich dann, wie die Brücke einstürzte.»

Auch der mutige Professor Farquharson (zu sehen im Video unten) scheiterte beim Versuch, auf der schaukelnden Brücke bis zu Tubby vorzudringen. Er kehrte ohne Tier zurück.

Am 11. November 1940 um 11 Uhr stürzte die Tacoma-Narrows-Brücke ein und riss Cockerspaniel Tubby in die Tiefe. Der Hund blieb das einzige Todesopfer.  

Der Bau der Tacoma-Narrows-Brücke ging als einer der grössten Ingenieur-Fehler in die Geschichtsbücher ein. Die Erkenntnisse aus dem Vorfall halfen aber mit, die Brückenbaukunst weiterzuentwickeln. Zehn Jahre später wurde die Brücke erneut errichtet. Sie steht heute noch.

Chefingenieur Moisseiff erlebte dies nicht mehr. Er erlag drei Jahre nach dem Einsturz einem Herzinfarkt. (tog)

Andere Brücke, andere Probleme

Video: watson

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ziasper 07.11.2017 21:25
    Highlight Highlight Liebes Watson. Ihr könntet ruhig die Gründe schreiben, die zu diesem Versagen führten.
  • MM 07.11.2017 20:03
    Highlight Highlight In einem Artikel über die Tacoma-Narrows-Brücke mit dem Titel "das steckt dahinter" kommt das Wort Resonanz einzig im Kommentar von scheppersepp vor.
    Immerhin!
  • Hardy18 07.11.2017 18:11
    Highlight Highlight Mich würd ja mal interessieren wobei der Fehler lag, dass die Brücke sich so aufschaukeln konnte. 🤔
    • scheppersepp 07.11.2017 18:27
      Highlight Highlight Resonanz war das Problem.der Wind versetzte die Brücke in eine Schwingung die die gleich Resonanz hatte in der die Brücke zurückschwing. So schaukelte die Brücke sich bis zum bersten selbst auf
    • Ihr Kommentar hat 20min Niveau 07.11.2017 18:39
      Highlight Highlight Wie ein Weinglas bei einer bestimmten gleichbleibenden Tonfrequenz zerspringt
    • Madison Pierce 07.11.2017 18:44
      Highlight Highlight Der Titel hält leider nicht ganz, was er verspricht, denn was dahinter steckt, lässt er offen.

      Laut Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Tacoma-Narrows-Br%C3%BCcke) war es aber nicht die Resonanz, sondern eine selbsterregte Schwingung.

      Komme noch nicht ganz draus, aber es wird vergleichbar sein mit dem Effekt, der ein über einer Bergkante kreisendes Segelflugzeug auf Geschwindigkeiten weit über der Windgeschwindigkeit beschleunigt.

      Soll der Huber mal in die Tasten hauen! :)
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