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Ist die Idee, dass der Glaube glücklich macht, eine Selbsttäuschung?

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Ist die Idee, dass der Glaube glücklich macht, eine Selbsttäuschung?

SRF-Moderatorin Mona Vetsch ging der Frage nach, ob Glaube glücklich macht. Mein Fazit: eher nicht.
10.08.2020, 09:5610.08.2020, 09:56

«Macht Glaube glücklich?» Diese Kardinalsfrage stellte Mona Vetsch ins Zentrum ihrer 75minütigen Fernseh-Reportage auf SRF1 vergangene Woche. Für ihr ambitionierten Projekt suchte die Moderatorin mehrere Schauplätze auf.

Eine aufschlussreiche Station war die Grotte Maria Lourdes in Zürich-Seebach. Richtig: Im reformierten Zürich gibt es eine Pilgerstätte. Erste Erkenntnis: Es ist erstaunlich, wer sich dort alles religiöse Erbauung oder Erweckung erhofft.

Hier kannst du die Doku sehen:

In der Grotte berichtet eine Schweizerin von ihrem Erweckungserlebnis. Es sei «eine Wäsche aus Licht und Liebe» gewesen. Sie habe eine «Sehnsucht nach Liebe zum himmlischen Vater» gehabt. Es sei «eine Autobahn zu Jesus Christus, eine Autobahn zum himmlischen Vater. Es geht einfach viel schneller.» Man denkt als Zuschauer an Autosuggestion, Selbstindoktrination. Und an eine mögliche Wäsche des Gehirns.

Es gibt in der Grotte ausserdem die Euphorischen und Überschwänglichen. Unter ihnen auch Muslime, Hindus und Buddhisten, die Trost, Halt und Erlösung suchen. Vielleicht müsste die Seelsorgerin der Grotte auch Therapeutin sein.

Täglich Botschaften von Maria

In der Reportage tritt auch der Walliser Adelbert Imboden auf, der Pilgerreisen zum Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina durchführt. Dort erscheint seit vielen Jahren täglich Maria einer Seherin und übermittelt der braven Frau angeblich authentische Botschaften aus dem Himmel, die den Pilgern übersetzt werden.

«Wenn ich alles hinterfrage, komme ich nie zu einem tiefen Glauben.»
Adelbert Imboden

Das erinnert in fataler Weise an das unsägliche Channeling von esoterischen Meistern, die behaupten, auf medialem Weg Botschaften von den göttlichen Instanzen zuempfangen.

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Adelbert Imboden wirkt mit seiner dünnen Stimme und dem verschüchterten Gesichtsausdruck nicht wie jemand, der im Glauben glücklich geworden ist und deshalb viel Freude und Lebenskraft gewonnen hat. Es scheint vielmehr, dass er in den Glauben geflüchtet ist.

Imboden erzählt Vetsch offenherzig von seiner Erweckung: «Ohne Glaube könnte ich nicht mehr sein. (…) Glaube macht glücklich, nicht aber das Wissen. Dies ist das Problem der heutigen Zeit, weil man meint, alles diskutieren und zerreden zu müssen. Wenn ich alles hinterfrage, komme ich nie zu einem tiefen Glauben.»

Glauben als Therapieersatz

Dann ist da noch ein munterer junger Katholik, der mit psychischen Belastungen kämpft und die innere Ruhe nicht findet. Die Kamera begleitet ihn auf seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Er hofft, bei diesem religiösen Ritual zu sich zu finden. Auch hier: Die Suche nach dem Glauben als Therapieersatz.

Und was sagt der Glücksforscher Mathias Binswanger? Er bestätigt, dass laut Untersuchungen und Umfragen der Glaube glücklich machen kann. Gleichzeitig relativiert er: «Glaube ist nicht gleich Glaube. Glaube kann sich positiv, aber auch schlimm auswirken für Menschen. Es kann zu einem Herrschaftsinstrument werden.»

Zum Schluss setzt Mona Vetsch einen Kontrapunkt. Sie interviewt Ella de Groot, die reformierte Pfarrerin von Gümligen. «Ich habe einen starken Glauben, aber nicht an einen personalen Gott im Himmel. Wir müssen aufhören zu glauben, dass es Wahrheiten gibt. Ich bin nicht eine Autoritätsperson, die sagt, so ist es. Ich glaube ans Leben, und das macht glücklich. Ich glaube, dass das Leben einen Sinn hat.»

Keine gottfreie Zone

Fazit: Umfragen mögen ergeben, dass Glauben glücklich macht. Dass also gläubige Menschen glücklicher sind als ungläubige. Doch die Gläubigen, die im Film mit Mona Vetsch Zeugnis von ihrem Glauben ablegten, wirkten fast durchwegs melancholisch bis depressiv. Oder sie zelebrierten ihr Glück derart euphorisch, dass man als Zuschauer den Eindruck erhielt, sie müssten ihre Zweifel übertönen.

Ich misstraue den Umfragen zu Glück und Glauben aber auch grundsätzlich. Denn wer einen tiefen Glauben pflegt, fühlt sich von Gott und Jesus geführt, getragen und beschützt. Er glaubt an ein Leben nach dem Tod, ein Leben in totalem Glück im Himmel. Also ist er ein Kind Gottes und muss per se der glücklichste Mensch auf Erden sein. Das muss er auch nach aussen demonstrieren. Ob er wirklich restlos glücklich ist oder einfach nur Ängste und Zweifel verdrängt, ist eine andere Frage.

Ich behaupte sogar, dass das Glück, das sich auf einen tiefen Glauben stützt, bei vielen Gläubigen eine Illusion ist. Ein strenger Glaube grenzt nämlich die geistige Freiheit und die Selbstbestimmung erheblich ein. Er beinhaltet, dass Gott und Jesus die Gläubigen dauernd überwachen. Sie kontrollieren unsere Taten und sogar unsere Gedanken. Es gibt keine gottfreie Zone.

Die göttlichen Anforderungen an ein möglichst sündenfreies Leben sind übermenschlich. Gläubige fühlen sich oft schuldig und unwürdig. Sie haben auch Angst, einer Versuchung zu erliegen und von Gott fallengelassen zu werden. Denn für Strenggläubige sind der Satan und sein Höllenrevier keine Metapher, sondern schiere Realität.

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Hugo Stamm; Religionsblogger
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Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
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«Hör auf mit dem Fake-Lächeln! Niemand ist immer glücklich!»
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FRAGFRAUFREITAG
Liebe Frau Freitag. Meine beste Freundin (26) trinkt zu viel. Und ich meine nicht damit, dass Sie dann in ihrer eigenen Kotze liegt. Es ist viel diskreter. Das ist das, was mich beunruhigt.
Sie trinkt zu oft und zu schnell. Während wir anderen in der Runde noch am ersten Glas Weisswein dran sind und plaudern, schenkt sie sie schon mit einem verschmitzten Lächeln das zweite, und dann verlegen das dritte ein. Wenn sie dann hinüber ist, weil sie zu viel getrunken hat, spielt sie am nächsten Tag alles herunter. Und sie hat auch nie einen Kater. Kein Kater = keine Reue. Aber wie will ich sie belehren gehen, wenn ich selber ab und wann im Ausgang abstürze. Meine Freunde und meine Generation trinken am Wochenende mal einen über den Durst. Wenn ich es ihr sage, ist es, wie wenn ein Raucher einem anderen Raucher sagt, er soll mal weniger rauchen. Eva, 25
Liebe Eva 

Was für eine spannende und auch anspruchsvolle Frage! Danke dafür!

Alkohol ist die am meisten verbreitete und gesellschaftlich verankerte und akzeptierte Droge überhaupt. Und keine Sau interessiert's. Während über Kokain und neuerdings auch wieder über Heroin viel geschrieben und diskutiert wird, stört sich an der abendlichen Flasche Wein kein Mensch.

Mich macht diese Tatsache auch immer wieder nachdenklich. Früher habe ich selten getrunken, aber wenn, dann richtig! Eine Strategie, die mein Hausarzt, gegenüber dem moderaten aber dafür regelmässigen Alkoholkonsum übrigens als gesünder bezeichnet. Die Leber leidet unter dem alltäglich zugeführten Alkohol angeblich mehr, als wenn man ein bis zweimal pro Monat richtig Gas gibt.

In Ihrer Generation ist das Abstürzen am Wochenende mehr verbreitet, während meine Generation eher allabendlich eine Flasche Wein zum Nachtessen trinkt und am Wochenende deren zwei bis drei, damit man nachher wieder einmal miteinander schlafen kann. Die Selbstverständlichkeit, mit der man wöchentlich mit einer Einkaufstüte voller leerer Weinflaschen zur Altglassammelstelle wandert, hat mich schon immer befremdet. Aber das mag auch daran liegen, dass ich Wein nicht so gerne mag und Prosecco sich nicht so einfach mit einem guten Essen entschuldigen und nebenher trinken lässt.

Alkoholismus fängt für mich dort an, wo man nicht mehr bewusst über das Öffnen einer Flasche irgendwas nachdenkt, sondern es automatisch geschieht. Und mir ist sehr wohl bewusst, dass nach dieser meiner persönlichen Definition etwa 65 % der Menschen Alkoholiker sind. Aber ich vermute nun einmal, dass ich mit dieser Schätzung auch nicht ganz so falsch liege. Aber leider ist es wenig sexy, über Alkohol als Droge nachzudenken. Dafür ist sie zu legal, zu einfach beschaffbar und durch alle Bevölkerungsschichten zu verbreitet.

Dies mag vielleicht tatsächlich daran liegen, dass es einem schwerfällt, den Mahnfinger zu heben, wenn man gerade selber ein Glas in der Hand hält. Aber dennoch finde ich, dass man es tun soll. Sie machen sich über Ihre Freundin Sorgen, weil diese mit ihrem bagatellisierenden Gebaren das Verhalten einer Trinkerin an den Tag legt? Sprechen Sie mit ihr darüber. Natürlich gibt es das biblische Zitat "Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Aber es geht ja hier nicht um die Steinigung Ihrer Freundin, sondern vielmehr um die Sorge, die Sie umtreibt. Konfrontieren Sie Ihre Freundin darum nicht mir Vorwürfen, sondern einfach mit Ihren Bedenken.

Es ist ein Akt der Liebe, wenn man sich um jemanden sorgt und diese Sorge auch anspricht, anstatt einfach wegzusehen. Mit dieser Aktion begibt man sich allerdings auf dünnes Eis und schon manche Freundschaft ist darob zerbrochen. Oft kann die tragende Eisfläche dadurch aber auch an Festigkeit gewinnen und darum bin ich ein grosser Freund des ehrlichen Wortes.

Alles Gute, Ihre Kafi.

Ach und übrigens: Das mit dem Kater ist auch eine Frage des Alters. Bis vor kurzem war ich auch davon verschont. Reue hatte ich allerdings auch immer schon ohne. Lust aufs Trinken allerdings auch. 
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