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Mr. Cool: Barack und Michelle Obama nach dem Besuch der National Gallery of Art am 5. März. Bild: AP/FR159526 AP

Obama geniesst seinen Sieg in der Südsee und plant sein «Comeback»

Zwei Monate nach seinem Abgang könnte es für Barack Obama kaum besser laufen. Während sein Nachfolger im Chaos versinkt, schreibt der Ex-Präsident seine Memoiren. Und arbeitet an seinem «Comeback».

Publiziert: 28.03.17, 07:54 Aktualisiert: 29.03.17, 01:57

Bestimmt hat er den Triumph genossen, wenn auch still und ohne Aufheben. Zu Wort gemeldet hat er sich nicht. Fern des Washingtoner Intrigenstadels, in einem noblen Resort in Polynesien, hat Ex-Präsident Barack Obama mitverfolgt, wie die Republikaner bei dem Versuch gescheitert sind, seine wichtigste politische Errungenschaft zu shreddern: Die Gesundheitsreform «Obamacare».

Sieben Jahre lang haben die Republikaner alles versucht, um das verhasste Gesetz loszuwerden. Sie bemühten sich auf der Strasse, im Kongress und vor Gericht, stets vergeblich. Nun hatten sie endlich die grosse Chance, mit einem Präsidenten im Weissen Haus und einer Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments – und produzierten ein Fiasko der Extraklasse.

Selbst auf dem republikanischen Haussender Fox News wurde das Scheitern als Sieg für Barack Obama interpretiert. Paul Ryan, der als Vorsitzender des Repräsentantenhauses das Debakel zu verantworten hat, räumte ein, man werde «auf absehbare Zeit» mit «Obamacare» leben müssen.

Nur indirekte Kritik

Der Ex-Präsident selber hatte sich dezent in die Debatte eingeschaltet. Am letzten Donnerstag veröffentlichte er eine Mitteilung zum siebten Jahrestag der Unterzeichnung von «Obamacare». Darin vermied er einen Bezug zur aktuellen Kontroverse. Stattdessen wies Obama darauf hin, dass dank dem Gesetz «mehr als 20 Millionen Amerikaner» eine Krankenversicherung erhalten hätten.

Es war seine zweite öffentliche Stellungnahme, seit er sein Amt am 20. Januar an Donald Trump übergeben hatte. Nur zehn Tage später liess er sich vernehmen, als die Wogen wegen Trumps Einreisesperre für Muslime aus sieben Ländern hoch gingen. Auch damals vermied Obama direkte Kritik. Stattdessen lobte er, «wie viele Menschen sich derzeit bei Demonstrationen und in Sozialen Netzwerken für politische Werte, Demokratie und den Schutz der Verfassung engagieren».

Barack Obama ist sich bewusst, dass er als Ex-Präsident unter besonderer Beobachtung steht. Und dass er sich hüten muss, allzu tief in den politischen Sumpf hinein zu waten. Weshalb er sich in den letzten zwei Monaten weitgehend von der Öffentlichkeit fern hielt. «Er geniesst die geringere Beachtung, um zu relaxen, nachzudenken und mit Freunde und Familie abzuhängen», sagte seine langjährige Beraterin und enge Vertraute Valerie Jarrett der Washington Post.

Ausgedehnte Ferien

Genuss bedeutete in diesem Fall vorab ausgedehnte Ferien. Gleich nach dem Auszug aus dem Weissen Haus verbrachten Barack und Michelle Obama eine lockere Zeit auf der Privatinsel des britischen Milliardärs Richard Branson in der Karibik. Dabei versuchte sich der Ex-Präsident auch in Sportarten wie Kitesurfen, die er sich im Amt verkneifen musste.

Obama vergnügt sich beim Kitesurfen. Bild: HANDOUT/REUTERS

Mitte März reiste Obama erneut in paradiesische Gefilde. Er flog nach Tahiti und weiter auf die Insel Tetiaroa. Die Hollywood-Legende Marlon Brando hatte sie in den 1960er Jahren gekauft, heute befindet sich dort ein nach ihm benanntes Öko-Luxusresort. Barack Obama will laut Medienberichten längere Zeit in der Südsee verbringen und seine Memoiren schreiben. Er und Michelle haben für je ein Erinnerungsbuch einen Vertrag über 60 Millionen Dollar unterschrieben.

Residenz in Washington

Michelle Obama selbst bleibt vorerst in Washington und kümmert sich um die beiden Töchter. Die Familie will in der Hauptstadt bleiben, bis die jüngere Tochter Sasha 2019 die Highschool abschliessen wird. Sie hat eine Villa im vornehmen Stadtteil Kalorama gemietet und Büros im US-Hauptquartier des WWF bezogen. Gleichzeitig sind die Obamas mit dem Aufbau ihrer Stiftung und der Präsidentenbibliothek in Chicago beschäftigt.

Die spärlichen Auftritte von Barack und Michelle Obama sorgen nach wie vor für Aufsehen, umso mehr, als die heutige First Lady Melania Trump in der Öffentlichkeit durch Abwesenheit glänzt. Kürzlich wurden sie beim Verlassen der National Gallery of Art fotografiert, wo sie eine Ausstellung des Chicagoer Künstlers Theaster Gates besucht hatten. Der Ex-Präsident hinterliess mit Jeans, Lederjacke und Sonnenbrille einen coolen und relaxten Eindruck.

Hinter den Kulissen aktiv

Ewig wird sich Barack Obama aber nicht im Ferienmodus bewegen. Er will sich weiter politisch engagieren, und das mehr als andere frühere Präsidenten, insbesondere sein Vorgänger, der sich praktisch nur noch der Malerei widmet. Sein Nachfolger Donald Trump fordert ihn regelrecht heraus, nicht nur mit seinen Attacken auf Obamas Erbe. Die – unfundierte – Behauptung, er habe ihn im Trump Tower abhören lassen, soll Obama verärgert haben.

Laut Presseberichten werden die Obamas dieses Anwesen im Washingtoner Stadtteil Kalorama mieten, das nur etwa zwei Kilometer vom Weißen Haus entfernt ist. AP/AP / Andrew Harnik
Die viergeschossige Villa ist nach Angaben der NYT etwa 760 Quadratmeter gross. (Bild: MRIS)
Es hat neun Schlafzimmer und ... (Bild: MRIS)
... acht Bäder. (Bild: MRIS)
Obama braucht den Platz nicht nur für sich, seine Frau und die beiden Töchter. (Bild: MRIS)
Auch Schwiegermutter Marian Robinson, die bereits im Weissen Haus Mitbewohnerin war, und der Secret Service müssen untergebracht werden. (Bild: MRIS)
Nette Ecke. (Bild: MRIS)
Offene Küche. (Bild: MRIS)

Der erste schwarze Präsident ist sich jedoch bewusst, dass er nicht zu sehr den Anti-Trump spielen darf, auch wenn manche Demokraten dies gerne hätten. Laut der Website Vox will er sich vorab hinter den Kulissen darum bemühen, seine nach der Wahlniederlage im letzten November demoralisierte Partei wiederzubeleben. So lobbyierte er hinter den Kulissen für die Wahl seines früheren Arbeitsministers Tom Perez zum Vorsitzenden der Demokraten.

Fairere Wahlkreise

Weiter will sich Obama um die Förderung des politischen Nachwuchses kümmern, den die Partei in den letzten Jahren vernachlässigt hat. Auch unterstützt er die Kampagne seines früheren Justizministers Eric Holder für eine fairere Einteilung der Wahlkreise. Die Republikaner haben sie in vielen Bundesstaaten mit teilweise abenteuerlichen Grenzlinien so gestaltet, dass sie im November mit 49 Prozent der Stimmen 55 Prozent der Sitze im Repräsentantenhaus erobern konnten.

Fraglich ist, ob Barack Obama sich wirklich aus der Alltagspolitik heraushalten kann. Donald Trump und die Republikaner werden weiter versuchen, sein politisches Erbe zu entsorgen. Teilweise sind sie durchaus erfolgreich, etwa bei der Beseitigung von Umweltvorschriften. Der linke Flügel der Demokraten fordert vom Ex-Präsidenten bereits ein entsprechendes Engagement.

Mit 55 Jahren ist Barack Hussein Obama noch voll im Saft. Und je chaotischer sein Nachfolger agiert, umso vorteilhafter erscheint seine Präsidentschaft. Sein erster öffentlicher Auftritt nach der Amtsübergabe soll am 7. Mai stattfinden, in der Kennedy-Bibliothek in Boston. Obama wird einen Preis entgegennehmen, der ihm zum 100. Geburtstag von John F. Kennedy verliehen wird. Die Beachtung wird gross sein.

Die besten Bilder von Barack Obama

Ein Präsident beliebt zu scherzen, hier als sich ein Mitarbeiter auf die Waage stellt. The White House / Pete Souza
An Halloween ging der Präsident einem kleinen Spiderman ins Netz. Es handelte sich um den dreijährigen Sohns eines Mitarbeiters. The White House / Pete Souza
Nicht neu, aber immer noch gut: Barack und Michelle Obama werden 2012 bei einem Basketballspiel von der «Kiss Cam» erfasst. Tochter Malia und Vizepräsident Joe Biden amüsieren sich köstlich. The White House / Pete Souza
Barack Obama diskutiert mit Angela Merkel am G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Deutschland am 8. Juni 2015. EPA/DPA POOL / MICHAEL KAPPELER / POOL
Bedtime for George: In Pyjama und Bademantel verabschiedet sich der kleine Prinz von Staatsgast Obama und seinen Eltern William und Kate. The White House / Pete Souza
Nach seinem Wahlsieg 2008 erhielten Obamas Töchter wie versprochen einen Hund. Der portugiesische Wasserhund Bo ist ein Geschenk des verstorbenen Senators Ted Kennedy. The White House / Pete Souza
Der Präsident spielt im Oval Office des Weissen Hauses mit einem Football. Ein Bild aus seinem ersten Amtsjahr 2009. The White House / Pete Souza
Dieser Schnappschuss gelang dem Fotografen Pete Souza beim Abflug vom Staatsbesuch in Jamaika 2015. The White House / Pete Souza
Babyfotos haben es Pete Souza besonders angetan. Hier blödelt Obama mit Ella Rhodes, der kleinen Tochter seines Vize-Sicherheitsberaters Ben Rhodes. The White House / Pete Souza
Und gleich noch ein Foto mit der kleinen Ella. The White House / Pete Souza
Obama begrüsst Kinder am Rande der Highschool-Abschlussfeier seiner jüngeren Tochter Sasha. The White House / Pete Souza
Hier wird der Präsident für einmal ganz klein: Obama und Ex-Basketballstar Shaquille O'Neal im Weissen Haus 2015.
Der kubanische Präsident Raul Castro (rechts) und die Obama-Family besuchen gemeinsam ein Baseball-Spiel in Havanna, Kuba, am 22. März 2016. AP/Cubadebate / Ismael Francisco
Nach einem Auftritt im Bundesstaat Virginia genehmigt sich der Präsident in einem Supermarkt einen Pfirsich. The White House / Pete Souza
Pizza fürs Volk: 2014 trifft sich Obama in Denver (Colorado) mit Menschen, die ihm Briefe geschickt hatten. The White House / Pete Souza
Faust auf Faust mit dem Putzmann: Obama in den Korridoren des Weissen Hauses. The White House / Pete Souza
Was auch immer dem Präsidenten hier gezeigt wird, es muss ausgesprochen lustig sein. The White House / Pete Souza
Dein Haar ist genau wie meines: Ein junger Besucher im Oval Office darf Obamas zunehmend ergrauenden Schädel anfassen. The White House / Pete Souza
Obama eilt am 25. Januar 2013 mit den Kindern von Denis McDonough in den Pressesaal des Weissen Hauses, wo er McDonouhgs Beförderung zum Stabschef ankündigt. The White House / Pete Souza
Basketball ist eine Leidenschaft des Präsidenten. Hier spielt er mit Mitgliedern von Regierung und Kongress auf dem Spielfeld des Weissen Hauses. The White House / Pete Souza
Der schnellste und der mächtigste Mann der Welt: Usain Bolt und Barack Obama posieren gemeinsam bei einem Besuch des Präsidenten 2015 in Jamaika. The White House / Pete Souza
Obama ist in Hawaii aufgewachsen, hier verbringt die Familie jedes Jahr die Weihnachtsferien. Das Foto beim Planschen entstand am Neujahrstag 2012. Pete Souza
Mit John Hickenlooper, dem Gouverneur von Colorado, spielte Obama im Juli 2014 eine Partie Pool-Billard und pfiff die im Hintergrund laufende Musik mit. The White House / Pete Souza
Obama und Tochter Sasha bereiten am Martin Luther King Day 2014 in einer Washingtoner Suppenküche Burritos zu. The White House / Pete Souza

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