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Video enttarnt den Sektenboss Ivo Sasek, der von einer Diktatur träumt

Schweizer Sektenführer Ivo Sasek (OCG)
Ivo Sasek: «Ohne Diktatur geht es nicht, weil diese Schöpfung nicht auf Demokratie eingestellt ist.»
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Sektenboss Ivo Sasek träumt von einer Diktatur – und wird in diesem Video enttarnt

In seinem Video «Sektenboss 3» entlarvt Raphael Hunziker Ivo Sasek als Sektenführer, der einen Gottesstaat anstrebt.
26.11.2022, 06:0327.11.2022, 19:30
Hugo Stamm
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Die meisten grossen deutschsprachigen Fernsehsender haben den «Sektenboss» Ivo Sasek schon ins Visier genommen. Viele mehrfach. Der schillernde Gründer der christlich-fundamentalistischen Sekte «Organische Christus Generation», kurz OCG, fasziniert auf eine schaurige Art.

Seine Videos machen sprachlos. Man hängt konsterniert an seinen Lippen und fragt sich: Glaubt der Mann aus Walzenhausen tatsächlich, was er von sich gibt? Dass es die 2000 Anhänger tun, die ihm jeweils an den Konferenzen zuhören und ergeben huldigen, beweist der Szenen-Applaus.

Es verwundert deshalb nicht, dass sich Journalisten gern an seine Fersen heften und eindrückliche Dokumentarfilme drehen. Diese Woche nun komplettierte ein Autodidakt die Sammlung: Raphael Hunziker lud sein eindrückliches YouTube-Video «Der Sektenboss» hoch, in dem er Ivo Sasek als radikalen Sektenführer entlarvt und dessen erhebliches Gefahrenpotenzial dokumentiert. Dabei bedient er sich einer eigenen Bildsprache. Die Episoden und Sequenzen folgen Schlag auf Schlag, und er leuchtet das versteckte Zentrum der Sekte aus.

Der Film von Raphael Hunziker, der Ivo Sasek als autoritären Sektenführer entlarvt:

Für Sasek und seine Entourage ist der Film harte Kost, denn Hunziker verwendet internes Videomaterial, das das System OCG gnadenlos enttarnt. Er lässt auch Aussteiger zu Wort kommen, die einen zusätzlichen Blick ins Innere der Sekte geben. Unter ihnen die beiden Sasek-Söhne Simon und Joshua.

Raphael Hunziker machte als Autodidakt einen Film über den Sektenführer Ivo Sasek.
Raphael Hunziker machte als Autodidakt einen Film über den Sektenführer Ivo Sasek.bild:zvg

Wie kommt ein Hobby-Filmer dazu, sich mit einem Sektenführer anzulegen? «Ich habe mich immer schon für Sekten interessiert», sagt Hunziker zu watson.ch. «Es hat vermutlich auch mit meiner Familie zu tun, denn meine Eltern sind Theologen.» Als er über die Querdenker-Szene mit ihren Verschwörungstheorien und Fake News recherchierte, stiess er auch auf Ivo Sasek und seinen Internetsender Klagemauer-TV.

«Anfänglich war ich fast ein wenig begeistert von seinem rhetorischen Feuerwerk, und ich überlegte mir, in der OCG zu schnuppern. Als ich dann aber auf Videos stiess, in denen er krude Verschwörungstheorien verbreitet und behauptet, die Erde sei flach, war die Sache für mich klar.»

Hunziker erkannte das Verführungspotential von Sasek, der OCG und den vielen Nebenorganisationen, und recherchierte weiter, doch diesmal unter anderen Vorzeichen. Ein Aussteiger lieferte ihm stundenlange interne Videos. Die Visionierung des Materials übertraf die schlimmsten Befürchtungen. Hunziker kam zur Überzeugung, dass die Öffentlichkeit über die Machenschaften aufgeklärt werden müsse.

Doch wie? Er hatte keine Erfahrung im Bearbeiten, Schneiden und Vertonen von Videos. Deshalb startete er erste Fingerübungen. Die ersten beiden Filme dienten ihm als Übungsfeld, «Sektenboss 3» kommt nun für einen Autodidakt und Selfmademan-Man erstaunlich ausgereift daher. Es stecken zwei Jahre Arbeit darin. Da Hunziker noch mehr Material besitzt, arbeitet er bereits am Drehbuch der nächsten Folge.

Im Film schildern Aussteiger den Horror, den sie unter dem knallharten System von Ivo Sasek und seinen vier Frauen des Leitungsteams erlebten. Als Kronzeuge kommt Simon, der älteste Sohn des Sektenführers, ausgiebig zu Wort. Er war der designierte Nachfolger seines Vaters und schuftete sein ganzes Leben lang für die OCG und die vielen Unterorganisationen. Für Gotteslohn, ein Honorar erhielt er nie.

«Menschen, die die OCG verlassen, sind Deserteure. Plötzlich war es nicht mehr klar, dass im Krieg nicht mehr weggelaufen wird. Weglaufen ist eine Todsünde.»
Sektenführer Ivo Sasek in einem Video.

Aus der Familie verbannt

Nach seinem Ausstieg wurde er von der Familie und den OCG-Mitgliedern verbannt. Verordneter Kontaktabbruch. Sogar die Tochter von Simon darf ihre Grosseltern nicht mehr sehen. Ivo Sasek benutzt die Kriegssprache und bezeichnet seinen Sohn als Deserteur: «Menschen, die die OCG verlassen, sind Deserteure. (…) Plötzlich war es nicht mehr klar, dass im Krieg, im Kampf, nicht mehr weggelaufen wird», ergänzt Sasek in einem Video, das dem Filmer Raphael Hunziker zugespielt worden ist. «Weglaufen ist eine Todsünde.»

Seine elf Kinder hat er gezeugt, um schon mal ein paar Elitekrieger zu bekommen, wie er unumwunden zugibt. Doch sein Heer bröckelt, sind doch bereits mal drei Gottessoldaten zum Feind übergelaufen. Oder – wie es in der OCG-Sprache heisst–: dem Satan anheimgefallen.

Ivo Sasek sieht sich als Prophet und Nachfolger von Jesus

Ivo Sasek sieht sich als Prophet, ja als Nachfolger von Jesus. Letztlich auch als Diktator. Das lässt sich anhand seiner Aussagen ableiten: «Ohne Diktatur geht es nicht, weil diese Schöpfung nicht auf Demokratie eingestellt ist.» Und dann kommt das finale Eingeständnis: «Wir befinden uns im Krieg. Ich rufe euch in meine Diktatur», rief der Sektenboss seinem zahlreichen Publikum von der Bühne herunter zu.

Deshalb erstaunt es nicht wirklich, dass Sasek mit Hitler kokettiert. Vielleicht sei dieser ein Prophet gewesen, sagte der Sektenführer dem OCG-Publikum in einem anderen Video und empfahl auch die Lektüre von «Mein Kampf». Sasek träumt von einem Gottesstaat mit ihm als geistliches und politisches Oberhaupt. Oder als Diktator, zieht man seine Aussagen als Gradmesser heran. Das erinnert an die religiösen islamistischen Diktatoren im Iran und Irak.

Es überrascht deshalb auch nicht, dass er in seinem Verschwörungswahn eine geheime Macht im Hintergrund am Werk sieht, die alles und alle lenkt und manipuliert. Vor allem die Politiker und Medien. Er spricht denn auch konsequent von den Lügenmedien.

Gegenstimmen verbreiten Fake News

In Wahrheit strotzen seine eigenen Medien vor Unwahrheiten. Vor allem seine Internetplattform Klagemauer-TV berieselt seine Anhänger in den täglichen «Nachrichten» mit unsäglichen Verschwörungstheorien und holt die riesige Szene der Corona-Skeptiker ins Boot, vor allem auch in Deutschland. So behauptet Ivo Sasek: «Diese Verschwörungen haben das Ziel, die Welt auf ein Minimum zu reduzieren.»

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Von den sieben Milliarden Menschen würden 6,5 Milliarden nicht mehr gebraucht. Das heisst: Diese würden ausgemerzt. Mit Corona, der Impfung, mit der 5G-Technologie, mit Kriegen usw.

Klagemauer-TV bringt denn auch Sendungen, in denen erklärt wird, die Erde sei eine Scheibe. In einem OCG-Video heisst es denn auch, es gebe 200 Beweise, dass die Erde «keine runde Kugel» sei. Gleichzeitig geben die TV-Mitarbeiter von Saseks Gnaden zu, dass sie selbst nicht näher recherchieren würden. O-Ton der rechten Hand des Sektenführers: «Es sind Gegenstimmen. Niemand behauptet, es sei die Wahrheit.» Ivo Sasek sieht seine Mission darin, Gegenstimmen zu den angeblichen Lügen der Mainstream-Medien zu liefern. Ob diese Gegenstimmen der Verschwörungstheoretiker Fake News verkünden, ist unerheblich.

So sieht die geistige Welt eines Möchtegern-Diktators aus. Und bis zu hunderttausend Personen verfolgen de täglichen OCG-Nachrichten. Schöne neue flache Erde.

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Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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381 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Haarspalter
26.11.2022 07:37registriert Oktober 2020
„Sogar die Tochter von Simon darf ihre Grosseltern nicht mehr sehen.“

Zum guten Glück für das Mädchen - ein gewaschenes Gehirn in der Familie weniger.
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Barth Simpson
26.11.2022 07:07registriert August 2020
Klo-TV - bitte spülen!
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Nony
26.11.2022 07:46registriert Februar 2019
Eigentlich noch schade, haben diese Typen mit der flachen Erde nicht recht. Sonst könnte man sie alle an die Hand nehmen, an den Rand gehen und ihnen einen besonders herzhaften Tritt in den A... geben. Aber leider ist die Realität eine andere und uns bleibt nichts anderes übrig, als uns immer wieder mit derartigen Trollen herumzuärgern.
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Muss ich mein Trinkgeld bei der Steuererklärung angeben?
Offiziell gibt es seit 1974 im Gastgewerbe kein Trinkgeld mehr und damit auch nichts zu deklarieren. In der Praxis ist es etwas komplizierter.

In den 70er Jahren einigten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände auf die Formel «Service inbegriffen». Bedeutet, dass die Arbeitgeberin die Serviceleistung mit dem Lohn abgilt und der Gast diese nicht zusätzlich bezahlen muss. Klarheit geschaffen wurde damit aber nie, da das Trinkgeld nur theoretisch, nicht aber praktisch abgeschafft wurde. Mit der immer häufigeren digitalen Überweisung des Trinkgeldes kommt diese langjährige Praxis nun auch immer deutlicher ans Licht.

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